Salomon An-Ski

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Salomon An-Ski, 1910

Salomon An-Ski oder Salomon Anski (eigentlich Shlomo Sanwel Rappoport oder Salomon Seinwil Rapoport; * 1863 in Tschaschniki, Gouvernement Witebsk, Russisches Reich; † 8. November 1920 in Warschau) war ein russisch-jüdischer Schriftsteller, Journalist und Ethnograph. Bekannt ist er in erster Linie als Autor des 1920 uraufgeführten Stückes Der Dibbuk, das als Klassiker der jiddischen Literatur gilt.

Leben[Bearbeiten]

Ravnitzki, An-Ski, Mendele, Bialik, Frug, vor 1916 (v. l. n. r.)

An-Ski erhielt eine traditionelle jüdische Erziehung. Die russische Sprache erlernte er als Autodidakt. Als Handwerk erlernte An-Ski Buchbinder, danach Schlosser oder Schneider (hier gehen die Angaben der Biographen auseinander). Als Mitglied der russischen Narodniki geriet er schon bald mit der Polizei in Konflikt, die ihn überwachte und schließlich 1891 auswies.

1894 erreichte er Paris, wo er zuerst als Buchbinder arbeitete. Später war er dann Sekretär des russischen Sozialrevolutionärs Pjotr Lawrow und Sekretär der russischen Sozialrevolutionären Partei in Paris. Für die jüdisch-sozialistische Bewegung „Der Bund“ schrieb er zwei bekannte Hymnen: Di Shwu'e („Der Schwur“) und In salziken Jam fun menschleche Trern („Im salzigen Meer menschlicher Tränen“).

Nach dem Petersburger Blutsonntag 1905 kehrte An-Ski nach Russland zurück. In St. Petersburg gründete er 1908 die Jüdische Historisch-Ethnographische Gesellschaft. Zwischen 1912 und 1914 unternahm er mehrere ethnographische Expeditionen im jüdischen Ansiedlungsrayon. Während des Ersten Weltkrieges hielt er sich als Vertreter einer jüdischen Hilfsorganisation in Galizien auf.

1919 reiste er in die von polnischen Truppen befreiten Städte Vilnius und Warschau, wo er Mitarbeiter der jüdischen Zeitung „Der Moment“ wurde.

Die Gesammelten Werke in jiddischer Sprache erschienen als Gezamelte shriften in fuftsehn bender von 1920 bis 1925 (15 Bände).[1]

Sein bekanntestes Stück Der Dibbuk schrieb er auf Russisch. Konstantin Stanislawski wollte es auch in dieser Fassung am Moskauer Künstlertheater inszenieren. An-Ski selbst übersetzte sein Stück ins Jiddische, um es noch authentischer wirken zu lassen. Die Erstaufführung des Stückes fand am 9. Dezember 1920, einen Monat nach An-Skis Tod, in Warschau statt.

1938 wurde sein Theaterstück Der Dybbuk von Regisseur Michał Waszyński in Polen auf Jiddisch verfilmt. Dieser Film zeigt die Welt der Juden in Osteuropa kurz vor deren Vernichtung durch den Holocaust. Von diesem Film animiert, schuf Rachel Michali 2005 aus An-Skis Werk ihre Oper The Dybbuk.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Der Dibbuk. Dramatische Legende in 4 Akten, neu übersetzt von Horst Bienek und Salcia Landmann, Insel-Verlag, Frankfurt/M. 1989, ISBN 3-458-32901-3
  • The Dybbuk and other writings, herausgegeben von David G. Roskies, Schocken Books, New York. 1992, ISBN 0-8052-4111-6
  • The Enemy at His Pleasure: A Journey through the Jewish Pale of Settlement during World War I. New York 2002. ISBN 080505944X.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gabrielle Safran (Hrsg.): The worlds of S. An-sky. A Russian intellectual at the turn of the century. Stanford University Press, Stanford, Cal. 2006, ISBN 0-8047-5344-X Digitalisat.
  • Leben im russischen Schtetl. Auf den Spuren von An-Ski. Jüdische Sammlungen des Staatlichen Ethnographischen Museums in Sankt Petersburg. Katalog zu einer Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Joods Historisch Museum Amsterdam. Köln 1993, ISBN 3-923158-24-6.
  • Reisen, Leksikon fun der jiddischer Literatur un Presse. Warschau 1914.
  • Salomon Wininger: Große Jüdische National-Biographie. Band I (1925).
  • Jüdisches Lexikon. Berlin 1927, Bd. I.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ein Nachdruck erschien in den Jahren ab 1999 im National Yiddish Book Center, Amherst, Mass., es ist auch in manchen europäischen Bibliotheken erhältlich.

Weblinks[Bearbeiten]