Salomon Korn

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Salomon Korn (* 4. Juni 1943 in Lublin) ist Architekt, Ehrensenator der Universität Heidelberg, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main sowie Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Leben[Bearbeiten]

Salomon Korns Großvater war Rabbiner im polnischen Lublin. Er selbst wurde als ältester von drei Brüdern im Ghetto Lublin geboren.[1] Nach dem Krieg kam er mit seinen Eltern als „Displaced Person“ in das DP-Lager Frankfurt-Zeilsheim. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Familie vor, in die USA oder nach Israel auszuwandern, aber sie verschoben die Emigration immer wieder und blieben schließlich. Korn besuchte in dieser Zeit die Helmholtzschule.[2] 1964 heiratete er Maruscha Rawicki, mit der er drei Kinder hat.[3] Korn studierte Architektur mit Nebenfach Soziologie in Berlin und Darmstadt und wurde 1976 über die Reform des Strafvollzugs zum Dr. phil. promoviert.[4]

Nach seinen Plänen wurde in Frankfurt am Main das Jüdische Gemeindezentrum erbaut und 1986 unter dem von ihm formulierten, programmatischen Wort: „Wer ein Haus baut, will bleiben und wer bleiben will, erhofft sich Sicherheit“[5] eröffnet. Eine Woche später wurde er in den Vorstand der Jüdischen Gemeinde Frankfurt gewählt. In den 1990er Jahren trat Korn vor allem mit kritischen Beiträgen zur Debatte um ein zentrales Holocaust-Denkmal in Erscheinung.[6] Er veröffentlichte Werke zu sozialwissenschaftlichen und architekturgeschichtlichen Themen.

Seit 1999 ist er Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main und seit 2003 Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland (später lehnte er die Präsidentschaft wiederholt ab).[7]

Er ist Mitglied in mehreren Stiftungen, darunter Vorstandsmitglied der Ludwig-Börne-Stiftung,[8] des Stiftungsrates der Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer und des Kuratoriums Grosse Dom Restaurierung, der Kommission zur Erforschung der Geschichte der Frankfurter Juden (Magistratskommission), der Stiftung zur Förderung der wissenschaftlichen Beziehungen der Johann Wolfgang Goethe-Universität, des Kuratoriums des Ignatz-Bubis-Preis für Verständigung, (Kulturpreis der Stadt Frankfurt a. M.), des Kuratoriums der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, des Senats der Deutschen Nationalstiftung, des Fördervereins für Jiddische Sprache und Kultur e. V., des Kuratoriums Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, des Kuratoriums der Stiftung 20. Juli 1944, des Kuratoriums Oper in der Hersfelder Stiftsruine, des Fördervereins Freundeskreis des Deutschen Filminstituts e. V., der Walther Rathenau Gesellschaft e.V., des ZDF-Fernsehrates, des Beirats des American Jewish Committee Berlin, des Kuratoriums des Sigmund-Freud-Institut Frankfurt am Main, des Kuratoriums des Leo Baeck Institut, der Kommission Europäische Traditionen-Enzyklopädie jüdischer Kulturen bei der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Kuratoriumsvorsitzender der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, Vorsitzender des Zentralarchivs zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland und Mitglied des Kuratoriums der Bundesstiftung Jüdisches Museum Berlin.

Salomon Korn erhielt den „Cicero-Rednerpreis“ 2005 für besondere rednerische Leistungen in der Kategorie Politik.[9] Im Mai 2006 verlieh ihm das Land Hessen aufgrund seiner Verdienste um das Thema „Erinnerung“ den Ehrentitel Professor.[10] Seit Oktober 2006 ist er Ehrensenator der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und seit April 2008 Mitglied des Universitätsrates. 2009 erhielt er den Hessischen Kulturpreis.[11]

Literatur[Bearbeiten]

  • Salomon Korn, Micha Brumlik: Europa und der Judenmord. - ISBN 3-86572-500-7 (2005)
  • Salomon Korn: Die fragile Grundlage, Auf der Suche nach der deutsch-jüdischen Normalität. - ISBN 3-82570-340-1 (2003)
  • Salomon Korn: Geteilte Erinnerung. Beiträge zur deutsch-jüdischen Gegenwart. - ISBN 3-86572-205-9 (2001)
  • Helga Krohn, Matthias Morgenstern, Salomon Korn: Ostend. Blick in ein jüdisches Viertel. - ISBN 3-7973-0742-X (2000)
Artikel
Interviews

Zitate[Bearbeiten]

  • „Etwa zwischen 1900 und 1933 begannen Synagogen in Deutschland trotz vorausgegangener Kontroversen vor allem in Großstädten allmählich Teil des jeweiligen gewachsenen Ortsbildes zu werden. Mit der Zerstörung von mehr als 1400 jüdischen Gotteshäusern während und nach der Reichskristallnacht 1938 – darunter auch der Semper-Synagoge in Dresden – endete diese sich anbahnende Entwicklung abrupt, und eine deutsche Baugattung verschwand nahezu vollständig aus dem Bewusstsein der Deutschen.“ (FAZ, 27. Oktober 2008)
  • „Wer ein Haus baut, will bleiben, und wer bleiben will, erhofft sich Sicherheit.“ (am 14. September 1986 bei der Eröffnung des von ihm entworfenen Jüdischen Gemeindezentrums Frankfurt; lt. FAZ, 4. September 2007)
  • „Wir haben das 20. Jahrhundert verlassen, aber das 20. Jahrhundert hat uns nicht verlassen.“ (18. Juli 2005)
  • „Nach allem, was zwischen 1933 und 1945 geschehen ist, ist es normal, dass noch nicht alles normal ist.“ (18. Juli 2005)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rachel Salamander, ‘‘Salomon Korn. Fragile Grundlagen‘‘, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. Juni 2013, S. 32.
  2. http://www.schulserver.hessen.de/frankfurt/helmholtz/archiv/gedenk.html
  3. [1] Jüdische Allgemeine, 30. Mai 2013.
  4. http://katalog.ub.uni-heidelberg.de/cgi-bin/titel.cgi?katkey=1140021
  5. [2] Jüdische Allgemeine, 30. Mai 2013.
  6. z.B. [3] Focus, 4. Oktober 1999.
  7. z.B. [4] Berliner Zeitung, 7. Januar 2000 , [5] Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. Mai 2006.
  8. http://www.boerne-stiftung.de/vorstand-ludwig-borne-stiftung.html
  9. http://www.cicero-rednerpreis.de/preistraeger.htm
  10. [6] Jüdische Allgemeine Zeitung, 26. Mai 2006
  11. [7] Land Hessen, Pressemitteilung vom 4. Dezember 2008