Salomon Ludwig Steinheim-Institut

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Ehemaliges Rabbinerhaus Essen

Das im Jahr 1986 gegründete[1] Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte e. V. (benannt nach dem jüdischen Mediziner, Religionsphilosophen und Gelehrten Salomon Ludwig Steinheim) erforscht die Kultur-, Religions-, Literatur- und Ereignisgeschichte der Juden im deutschen Sprachraum. Seit 1988 wird es vom Land Nordrhein-Westfalen kontinuierlich gefördert. Es ist seit Mai 2011 im ehemaligen Rabbinerhaus Essen angesiedelt und kooperiert in Forschung und Lehre mit der Universität Duisburg-Essen. Das Steinheim-Institut hat zur Ausbildung im Fach „Jüdische Studien“ in Duisburg beigetragen. Im Jahr 2003 wurde das Studienfach an die Universität Düsseldorf verlagert, während das Steinheim-Institut als An-Institut der Universität Duisburg-Essen in Duisburg blieb.

Direktoren[Bearbeiten]

Forschung[Bearbeiten]

Zu den Forschungsfeldern gehören die Bereiche

  • Religions-, Literatur- und Kulturgeschichte
  • Regional-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte
  • Antisemitismusforschung
  • Editionen, Dokumentationen und Bibliographien
  • Weiterbildung und Vermittlung

Ein Forschungsschwerpunkt ist die Dokumentation jüdischer Friedhöfe und die hebräische Grabsteinepigraphik. Dies umfasst die Inventarisation noch bestehender und die Rekonstruktion zerstörter Friedhöfe, die Erfassung der Grabinschriften und ihre Übersetzung aus dem Hebräischen. Die Inschriften sind historische Quellen, die nicht nur Beiträge zur jüdischen Sepulkralkultur und zur Genealogie liefern, sondern auch Rückschlüsse erlauben über Geschichte und Kultur der jüdischen Gemeinden.[2]

Zu den jüngeren Projekten gehören die Erforschung und Dokumentation deutsch-jüdischer Publizistik des 19. Jahrhunderts[3] sowie das Engagement im Bereich der Digital Humanities für deutsch-jüdische Geschichte und Judaistik[4].

Publikationen[Bearbeiten]

Neben Einzelpublikationen gibt das Institut die wissenschaftlichen Buchreihen Schriften, minima judaica, Netiva (ISSN 1437-8965), Bibliographien sowie die unentgeltliche Vierteljahreszeitschrift Kalonymos (ISSN 1436-1213) heraus.

Bibliothek und Archiv[Bearbeiten]

Die Daniel J. Cohen Bibliothek des Steinheim-Instituts umfasst über 20.000 Bücher zur deutsch-jüdischen Geschichte. Das Archiv beherbergt verschiedene Bestände:

  • Das Jonas Cohn Archiv wurde im Jahr 2001 dem Steinheim-Institut überlassen. Es umfasst den wissenschaftlichen und einen großen Teil des privaten Nachlasses des Philosophen Jonas Cohn. Zu diesem Nachlass gehören Tagebücher, Erinnerungen, Handschriften, persönliche Dokumente und Briefe aus den Jahren 1893 – 1947.
  • Das Gidal-Bildarchiv beinhaltet die Sammlung des Fotojournalisten Nachum Tim Gidal, Bilder aus dem Nachlass der Schauspielerin Ruth Klinger, Fotos mit dem Schwerpunkt Osteuropa aus der Sammlung Werner Seewi und die Bildersammlung aus dem Nachlass Dr. Georg Goldsteins.
  • Der Nachlass der Schauspielerin und Kabarettistin Ruth Klinger umfasst Programme, Noten, Kritiken und Verträge des jüdisch-literarischen Kabarett Kaftan, persönliche Aufzeichnungen, Briefe und journalistische Arbeiten von Ruth Klinger.
  • Im Nachlass des Arztes und Fotografen Georg Goldstein findet man eine umfangreiche fotografische Sammlung (Privatfotos seiner Familie, Reisefotos, Bilder aus dem Leben der jüdischen Gemeinde Düsseldorfs 1934-1936, Fotos aus Palästina bzw. Israel 1936-1953...), Briefe, Bücher und eine Sammlung von Zeitungen und Zeitungsausschnitten.
  • Die druckgrafische Sammlung Jakob Steinhardts von insgesamt 87 Arbeiten wurde im Jahr 2001 zwischen der Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg und dem Steinheim-Institut aufgeteilt. Die 31 in den 50er Jahren in Israel entstandenen Arbeiten sind in den Räumen des Steinheim-Instituts zugänglich.

Datenbanken und Online-Ressourcen[Bearbeiten]

Die Suchmaschine des Steinheim-Instituts bietet umfangreiche Möglichkeiten zur Online-Recherche. So sind unter anderem einige Bestände des Instituts online durchsuchbar, wie der Bibliothekskatalog[5], der Haskala-Katalog[6] (eine Sammlung hebräischer Schriften jüdischer Aufklärer in Deutschland) oder das Gidal-Bildarchiv[7], welches zur Zeit 3.000 Bilder umfasst und immer wieder erweitert wird. Auch kann man online in der epigraphischen Datenbank epidat[8] die mehr als 22.000 erfassten Grabinschriften (Stand: Herbst 2011) durchsuchen, wobei sowohl Volltextsuche als auch eine gezielte Suche in verschiedenen Indizes (Namenslisten, hebräischer Wortindex, Abkürzungsverzeichnis) möglich ist. Der Rabbiner-Index[9] erschließt als online-Werkzeug das gedruckt erschienene Biographische Handbuch der Rabbiner (ISBN 3-598-24871-7), ein bio-bibliographisches Verzeichnis aller Rabbiner, die seit der Aufklärungszeit im deutschsprachigen Raum gewirkt haben.

Die übergreifende Suche[10] ermöglicht die Recherche in mehreren Datenbanken. Dabei kann man gleichzeitig sowohl die einzelnen Datenbanken, als auch die Websites des Instituts und das Kalonymos-Heftarchiv der Institutszeitschrift durchsuchen. Zudem ist zugleich auch die Recherche in externen Quellen möglich – unter anderem Compact Memory, die Bookplate Collection und die Sammlung Rare Books and Manuscripts des Jewish Theological Seminary, oder die Sammlungen Deutsche Exilpresse 1933-1945 digital[11] der Deutschen Nationalbibliothek sowie die jiddischen Drucke der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main[12].

Weblinks[Bearbeiten]

  • Webseiten des Steinheim-Instituts
  • Kurzbericht über das 20-jährige Jubiläum, in: Kalonymos. Beiträge zur deutsch-jüdischen Geschichte aus dem Salomon Ludwig Steinheim-Institut, Heft 4/2006, S. 14 (PDF)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Eintrag in das Vereinsregister erfolgte am 9. Oktober 1986 (Amtsgericht Duisburg unter der Nummer 2654).
  2. Die Webseite des Steinheim-Instituts enthält eine epigraphische Datenbank mit Dokumentationen jüdischer Friedhöfe und nennt zahlreiche gedruckte Publikationen dazu.
  3. Gemeinsam mit dem Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung, siehe Staat, Nation, Gesellschaft
  4. Siehe Aufbau von Forschungsinfrastrukturen für die e-Humanities
  5. Bibliothekskatalog[1]
  6. Haskala-Katalog[2]
  7. Gidal-Bildarchiv[3]
  8. Epigraphische Datenbank[4]
  9. Biographisches Handbuch der Rabbiner[5]
  10. Suchmaschine Datenbanken[6]
  11. Sammlungen Deutsche Exilpresse 1933-1945 digital[7]
  12. Jiddische Drucke der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main[8]

51.4562387.016964Koordinaten: 51° 27′ 22″ N, 7° 1′ 1″ O