Salon de Paris

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Édouard Joseph Dantan:
Un Coin du Salon en 1880

Der Salon de Paris (französisch für Pariser Salon) war eine regelmäßige Kunstausstellung, die von König Ludwig dem XIV. im Jahre 1667 initiiert wurde, um den offiziellen höfischen Kunstgeschmack zu propagieren.

Zuerst nur den Mitgliedern der königlichen Kunstakademie vorbehalten, stand nach der Revolution der Salon auch anderen Künstlern offen. Lange Zeit war für einen Künstler die Zulassung zu der Ausstellung die Grundvoraussetzung, um allgemein anerkannt zu werden. Die Auswahlkriterien waren aber sehr konventionell und neue Ideen wurden regelrecht unterdrückt. Bei der Auswahl der für den Salon ausgewählten Bilder kam es im 19. Jahrhundert regelmäßig zu Intrigen und Unregelmäßigkeiten. So kam es ab Mitte des 19. Jahrhunderts zu zahlreichen Gegenausstellungen, als beispielsweise Galeristen wie Louis Martinet abgelehnten Künstlern Ausstellungsmöglichkeiten in ihren Verkaufsräumen gewährten.

Ausstellungsrhythmus und -zeit[Bearbeiten]

Der erste Salon fand 1667 im Rahmen der Feierlichkeiten zur Erinnerung an die Akademiegründung statt, er wurde am 9. April eröffnet und dauerte bis zum 23. April. Nach dem Besuch des Königs und Colberts erging die Entscheidung, dass der Salon alle zwei Jahre während der Karwoche abgehalten werden soll. Allerdings fand der Salon erst im Laufe des 18. Jahrhunderts regelmäßig statt. Der nächste Salon wurde noch turnusgemäß 1669 eröffnet und zum ersten Mal in der Grande Galerie des Louvre untergebracht – der vorangehende wurde in den Sitzungsräumen der Akademie abgehalten. Die folgenden Salons fanden unregelmäßig bis 1699 statt und der erste Salon im 18. Jahrhundert – 1704 abgehalten – war der vorläufig letzte, da Kriege und der finanzielle Ruin der französischen Krone keine Mittel dafür erübrigte. Erst rund zwanzig Jahre später, nämlich 1725 wurde wieder ein Salon organisiert, doch regelmäßig fand er erst seit 1737 statt: Ausgenommen 1744 wurde er bis 1748 jährlich, danach bis 1794 alle zwei Jahre abgehalten.

Die Ausstellung begann zunächst im April, dann im August, seit 1673 jedoch stets am 25. des Monats, weil auf den 25. August der Tag des Heiligen Ludwigs, Patrons der französischen Krone fällt. Der Salon dauerte meist bis zum Ende des Folgemonats.

Organisation und Finanzierung[Bearbeiten]

Die Organisation des Salons oblag de jure dem Staat. Die nacheinander dafür zuständigen staatlichen Einrichtungen – zuerst die bereits seit 1664 bestehende Surintendance générale des Bâtiments du Roi et des Arts et Manufactures, ab 1802 die Direction des musées und von 1870 bis 1905 die Direction des beaux-arts – übertrugen aber de facto ihre diesbezügliche Entscheidungsvollmacht stets ganz oder zumindest teilweise der Académie des beaux-arts.[1]

Im Ancien Régime wählte zunächst die Generalversammlung der Akademie im Mai oder Juni den Eröffnungstermin pro forma und unterbreite diesen dem Directeur des Bâtiment, der ihn im Namen des Königs genehmigte. Darauf begann man mit der Organisation. Gelegentlich musste ein erneutes Bittschreiben aufgesetzt werden, denn die Kosten der Ausstellung wurden zum Großteil vom König getragen: Er bezahlte die Einrichtung der Ausstellungsräume, die zwei oder vier Wächter für die gesamte Ausstellungsdauer und die Ausgaben des so genannten Tapissiers, der für Aufbau und Anordnung der Ausstellungsstücke auf dem Salon zuständig war.

Ausstellungsräume und Aufbau[Bearbeiten]

Bis 1725 wurde der Salon in der Grande Galerie des Louvre untergebracht, danach stets im Salon Carré, wovon sich auch die Bezeichnung der Ausstellung ableitet. Zunächst wurden die Gemälde einfach an die Wände befestigt oder vor einen Hintergrund aus Wandteppichen mit floralen Mustern – den so genannten „verdures“ – angebracht, die von der königlichen Garde-Meubles (des zentralen Depots des Haushalts des Königs) zur Verfügung gestellt wurden. Insgesamt wurde etwa die (westliche) Hälfte der Galerie verwendet, der östliche Teil wurde mit einer Trennwand abgesperrt, die mit den Entwurfskartons für die Apostelgeschichte nach Raffael dekoriert wurde. Davor wurden die am Salon teilnehmenden Skulpturen aufgestellt.

Ähnlich wurde auch im Salon Carré verfahren, bis 1746 – und seither – die Wände mit grünem Stoff abgehängt und die Gemälde so vor einem einheitlichen, einigermaßen neutralen Hintergrund präsentiert wurden. Auf besonders umfangreichen Salons, etwa dem von 1748, wurden die Exponate auch in der Galerie d’Apollon und sogar im Hof des Louvre ausgestellt. Zum Teil beließen die teilnehmenden Künstler ihre Werke in Ateliers, die sich ebenfalls in diesem Flügel, nämlich genau unter der Grande Galerie des Louvre befanden.

Gabriel Saint-Aubin: Salon 1767

Die Anordnung der Ausstellungsstücke besorgte der „Tapissier“ oder „Decorateur“, der von den Mitgliedern der Akademie gewählt wurde, wobei sehr häufig ein Künstler mit der Hängung betraut wurde: 1755 und von 1751 bis 1777 war es beispielsweise Chardin, 1775 Vien und 1785 Ch.-A.-P. van Loo. Der „Tapissier“ verfuhr allerdings nach einem sehr einfachen Schema: In der Mitte der Hauptwand wurde ein Porträt des Königs angebracht, die großen religiösen Gemälde wurden an vorteilhaft beleuchteten Stellen aufgehängt, die am wenigsten geschätzten entlang der Treppen. Die Gemälde hingen dicht neben- und in mindestens drei oder vier Reihen übereinander, die Skulpturen wurden ohne besondere Ordnung auf langen Tischen aufgestellt. Zu den Aufgaben des „Tapissier“ gehörte es auch, während des Salons auf Beschwerden zu reagieren und – nicht selten – nachträglich eingereichte Werke in die bestehende Ausstellung zu integrieren.

Ausstellungsberechtige[Bearbeiten]

Auf dem Salon durften ausschließlich Mitglieder der Akademie ausstellen, alles in allem rund 40 Künstler, vom ranghöchsten Rektor bis hinunter zu den jüngsten vorläufigen Mitgliedern (agrées). Gelegentlich wurde Nicht-Mitgliedern gestattet, „à la porte“, also vor den eigentlichen Salonräumen auszustellen.

Ursprünglich durften alle Mitglieder beliebig viele Werke ausstellen, die sie auch selbst aussuchten. Die Gesamtzahl wuchs zwar stetig im Laufe der Zeit: Bis 1763 übersteigt sie nicht 200 Werke, verdoppelt sich dann plötzlich 1765 auf über 400 und bleibt auch auf diesem Niveau bis zur Revolution. Die Mehrzahl, etwa Dreiviertel der ausgestellten Kunstwerke sind Gemälde, den Rest machen Skulpturen und Druckgrafiken aus, die ebenfalls zugelassen waren.

1748 wurde eine Kommission, die so genannte „Jury“ gebildet, die in einer geheimen Abstimmung eine Auswahl aus den bis zum 17. August abzuliefernden Werken traf. Im Jahr 1777 sah sich der Directeur des Bâtiments gezwungen, sie zu mehr Strenge im Hinblick auf künstlerischen Wert und moralischen Anstand der Kunstwerke aufzufordern. 1791 wurde eine neue Kommission gebildet, der seither ausschließlich Funktionäre der Akademie angehörten – zuvor durften es auch einfache Mitglieder ohne akademische Ämter sein. Werke von Amtsinhabern waren stets von dieser Vorauswahl ausgenommen.

Die erfolgreichsten Akademiemitglieder zogen es meist vor, ihre Werke im eigenen Atelier auszustellen, wo sie mehr Objekte präsentieren und auch schneller, nämlich vor Beendigung des Salons an Käufer ausliefern konnten – dies praktizierten beispielsweise Boucher und Greuze.

Salonbesucher[Bearbeiten]

Der Eintritt zum Salon war unentgeltlich und theoretisch frei für alle sozialen Schichten: Sowohl der Hochadel wie auch Bedienstete, Bourgeoisie und interessierte Handwerker waren dort anzutreffen. Viele heuerten bereitstehende Ausstellungsführer an, meist junge Künstler oder Literaten, die vorab den Salonkatalog, das so genannte „livret“ studiert hatten. Die vornehmsten Besucher ließen sich vom "Directeur des Bâtiments" eine Begehung außerhalb der Öffnungszeiten zusichern.

Ausstellungskatalog[Bearbeiten]

Die ausgestellten Gemälde waren in der Regel signiert und datiert, die inhaltlichen Aspekte wurden manchmal in Kartuschen erläutert, die an die Rahmen befestigt waren – dies wurde jedoch bald unterlassen, weil es sich nachteilig auf den Verkauf der Ausstellungskataloge auswirkte, über den die Ausstellung zum Teil refinanziert wurde. Anlässlich der frühen Salons wurde anscheinend noch kein Katalog herausgegeben, bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts wird nur auf den von 1673 verwiesen, der in nur wenigen Exemplaren erhalten ist. Es handelt sich um ein vierseitiges Heft in 4° (Quart, ca. 30–35 cm hoch). Der Katalog von 1699 ist ein 8°-Bändchen (Oktav, 22–25 cm hoch) mit 23 Seiten – diese Größe und ungefähr diesen Umfang haben alle folgenden „livrets“.

Das „livret“ eröffnet ein stets ähnlich lautendes, lobendes Vorwort, danach folgt eine beschreibende Liste der ausgestellten Werke. Bis 1739 wurden die Ausstellungsstücke ohne jegliche Nummerierung in einer topografischen Ordnung gelistet, von 1740 an werden die Werke entsprechend der Rangfolge des Urhebers in der akademischen Hierarchie – nur im Katalog nummeriert – gelistet: Älterer Rektor, Rektor, die Professoren, die Adjunkten der Professoren, die Mitglieder (reçus), die vorläufigen Mitglieder (agréés). Von 1775 an gruppiert man die Künstler zunächst entsprechend der Kunstgattung, in der sie tätig sind: Maler, Bildhauer, Grafiker; innerhalb dieser Gruppen dann nach dem akademischen Rang. Dies erschwerte das Finden der Ausstellungsstücke, deshalb führte man eine Nummerierung im Katalog und am Objekt ein.

Der Ausstellungskatalog wurde zwischen 1738 und 1753 von einem Kassenbeamten (nicht Schatzmeister!) der Akademie, dem „Receveur et Concierge de l’Academie“ redigiert, obwohl die Aufgabe eigentlich dem Sekretär oblag. Er strich auch die Einnahmen aus dem Verkauf ein, obwohl sie eigentlich für die Akademiekasse bestimmt waren – dies musste von Marigny wieder richtiggestellt werden. Der Sekretär empfing zwei Monate vor Saloneröffnung alle ausstellenden Künstler, die Beschreibungen liefern oder diktieren durften und das Recht hatten, Textkorrekturen zu verlangen. Danach setzte er eine Reinschrift auf und ließ sie in drei Exemplaren abschreiben. Nach der Revolution wurde der Katalog nicht von einem Akademiemitglied, sondern von einem Beamten des Ministerium für öffentliche Bildung (frz.: Ministère de l’Instruction Publique) oder des Inneren redigiert. Bevor der Katalog gedruckt werden durfte, musste er dem Directeur de Bâtiments vorgelegt werden, der oft Änderungen vornahm. Bis 1787 wurde der Salonkatalog von privaten Verlegern besorgt, danach von der „Imprimerie des Bâtiments du Roi“, also im eigenen Verlag.

Die meisten „livrets“ erfuhren drei oder vier Auflagen in variierender Höhe: Der Katalog von 1755 wurde 8000-mal, der von 1787 20.000-mal gedruckt. Ein Exemplar kostete 12 Sol, von den offiziell 2 Sous dem Kassenbeamten und je 2 Sous den für die Akademie tätigen Modellen zustanden – der Rest sollte in die Akademiekasse gehen. Allerdings wurde nicht die gesamte Auflage verkauft, rund 300 Stück wurden auf verschiedene Weise verschenkt: 250 etwas aufwendiger broschierte Exemplare mit Goldschnitt wurden den Mitgliedern ausgehändigt, so dass jeder vier oder fünf erhielt; ein hart gebundenes und besonders geschmücktes Exemplar wurde dem König überreicht, dreizehn waren für das Königshaus und etwa fünfzehn für höchste Hofpersönlichkeiten.

Salonkritik[Bearbeiten]

Mit der Einrichtung regelmäßiger öffentlicher Kunstausstellungen in Form der Salons entfaltete sich seit 1737 auch die öffentliche, moderne Kunstkritik: der berühmteste und stilistisch bis heute bewunderte Kunstkritiker des 18. Jahrhunderts war Denis Diderot, der insgesamt acht Salonkritiken verfasste. Im 19. Jahrhundert schrieb Charles Baudelaire mehrere Salonkritiken über die Ausstellungen von 1845, 1846, 1855 und 1859. Heinrich Heine veröffentlichte in Deutschland eine Salonkritik der Ausstellung von 1831, die er unter dem Eindruck der Julirevolution von 1830 verfasst hatte (ausführlich widmete er sich dem ausgestellten Bild von Eugène Delacroix: Die Freiheit führt das Volk).

Alternativ- und Gegenausstellungen[Bearbeiten]

Es galt als eine Ehre, auf dem Salon auszustellen, und – obwohl Paris im 17. und 18. Jahrhundert von allen bedeutenden Städten die meisten Gelegenheiten zur öffentlichen Präsentation von Kunstwerken bot – gab es bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht viele Alternativen: von 1751 bis 1774 organisierte die Académie de Saint-Luc mehrere Ausstellungen, die mit dem Salon der Akademie konkurrieren sollten[2]; schließlich versuchte ein privater Unternehmer eine Kunstausstellung im 1771 eröffneten Pariser Colisée zu etablieren, einer Art Vergnügungspark mit ähnlichen Unterhaltungsangeboten wie die Vauxhall Gardens in London – diese wurde jedoch auf Betreiben der Akademie verboten. Durch Berichterstattungen im Mercure de France ist des Weiteren eine gegen Ende des 18. Jahrhunderts traditionell am Fronleichnamstag unter der Bezeichnung Exposition de la Jeunesse auf der Place Dauphine abgehaltene Ausstellung bekannt, an der allerdings auch „niedere“, handwerklich orientierte Maler wie Schildermaler, etc. teilnahmen.[3][4]

Die erste bedeutende Gegenausstellung ist auf eine Initiative des französischen Kaisers Napoleon III. zurückzuführen. Nachdem die rigide Auswahl der Jury 1863 für Aufsehen gesorgt hatte, ließ er parallel zum Pariser Salon den Salon des Refusés („Salon der Zurückgewiesenen“) ausrichten. Zwei von der Jury des Pariser Salons abgelehnte Gemälde erregten damals besondere Aufmerksamkeit: James McNeill Whistlers „Mädchen in Weiß“ und Édouard ManetsFrühstück im Grünen“.

Ein Salon der Zurückgewiesenen wurde zwar kein zweites Mal ausgerichtet, in den Folgejahren kam es jedoch zu einer Reihe von Parallelausstellungen wie zum Beispiel 1884 dem von der Société des Artistes Indépendants gegründeten Salon des Indépendants.

Literatur[Bearbeiten]

  • Patricia Mainardi: The End of the Salon. Art and State in the Early Third Republic. Cambridge University Press, Cambridge 1993, ISBN 0-5214-3251-0.
  • Gérard Monnier: Des beaux-arts aux arts plastiques, Editions La Manufacture, 1991, ISBN 2-737-70286-0
  • John Rewald: Die Geschichte des Impressionismus. Schicksal und Werk der Maler einer großen Epoche der Kunst. Dumont, Köln 2006, ISBN 3-8321-7689-6 (überarb. Neuausg. d. Ausg. Köln 1965).
  • Jean Seznec, Jean Adhémar (Hrsg.): Diderot. Salons. Clarendon Press, Oxford 1957/67, (4 Bde., darin Bd. 1., Einleitung).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Monnier, S. 99
  2. Académie de Saint-Luc: Livrets des expositions de l'Académie de Saint-Luc à Paris pendant les années 1751, 1752, 1753, 1756, 1762, 1764 et 1774, 1991, Librairie des arts et métiers
  3. Encyclopédie Larousse online
  4. Marie-Guilhelmine Benoist: Gestaltungsräume einer Künstlerin um 1800, 2002, Lukas Verlag, S. 309ff