Salpeterkrieg

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Dieser Artikel behandelt den Krieg an der südamerikanischen Pazifikküste von 1879 bis 1884. Zum chilenischen Spielfilm von 1969 siehe Der Salpeterkrieg.
Salpeterkrieg
Die farbigen Flächen zeigen die Grenzen vor dem Krieg. Die Puna de Atacama und die östliche Tarija waren in Disput zwischen Argentinien und Bolivien.
Die farbigen Flächen zeigen die Grenzen vor dem Krieg. Die Puna de Atacama und die östliche Tarija waren in Disput zwischen Argentinien und Bolivien.
Datum 1879 bis 1884
Ort Pazifikküste Südamerikas
Ausgang Chilenischer Sieg
Territoriale Änderungen Tarapacá und Antofagasta wurden von Chile annektiert, dadurch verlor Bolivien den Zugang zum Meer
Friedensschluss Vertrag von Ancón 1884 zwischen Chile und Peru

Friedensvertrag von 1904 zwischen Chile und Bolivien

Konfliktparteien
PeruPeru Peru
BolivienBolivien Bolivien
ChileChile Chile
Befehlshaber
PeruPeru Mariano Prado
PeruPeru Nicolás de Piérola
PeruPeru Francisco García
PeruPeru Lizardo Montero
PeruPeru Miguel Iglesias
BolivienBolivien Hilarión Daza
BolivienBolivien Narciso Campero
ChileChile Aníbal Pinto
ChileChile Domingo Santa María
Verluste
18.213[1] getötet
7.896[1] verletzt
10.467[1] getötet oder verletzt
(9.103[1] Kriegsgefangene)
2.825[1] getötet
7.347[1] verletzt

Der Salpeterkrieg (auch Pazifischer Krieg, spanisch Guerra del Pacífico) wurde zwischen Chile einerseits, Peru und Bolivien andererseits um die Gebiete Región de Arica y Parinacota, Región de Tarapacá und Región de Atacama, im heutigen Norden Chiles in den Jahren 1879 bis 1884 geführt. Peru und Bolivien hatten sich vor dem Krieg in einem geheimen Vertrag gegen Chile verbündet.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Nach dem Ende der spanischen Kolonialherrschaft in Südamerika zwischen 1810 und 1830 war die Zugehörigkeit der Atacamaregion an der Pazifikküste zwischen den neu gebildeten Staaten Chile 1817, Peru 1827 und Bolivien 1825 umstritten. Die Doktrin Uti possidetis sah die Übernahme der alten Grenzen der spanischen Kolonien vor. Entgegen dieser Doktrin beanspruchte Bolivien seit der Unabhängigkeitserklärung von 1825 die größtenteils unbesiedelte Wüstenregion als Teil seines Staatsgebiets und gründete dort 1830 die Hafenstadt Cobija. Die chilenische Regierung tolerierte dieses Unternehmen.

Chile erachtete die Region, die zu 95 % von Chilenen besiedelt war, als sein Territorium, da während des Kolonialstatus aller Parteien die Grenze zwischen Chile und Peru definiert worden war, und Alto Perú, wie Bolivien während seiner Kolonialzeit hieß, laut einem Dekret der spanischen Krone nur über das ehemals peruanische Arica Zugang zum Meer hatte. Spanien übertrug 1776 die territoriale Abhängigkeit von Alto Perú auf das neu entstandene Vizekönigreich La Plata, das spätere Argentinien. Damit verlor es offiziell jeglichen Anspruch auf einen Zugang zum Pazifik, da Spanien die Vizekönigreiche nach Ozeanen aufteilte, das heißt, es gab ein Vizekönigreich Peru am Pazifik und ein Vizekönigreich La Plata am Atlantik.

Das Interesse an der Region wuchs aber, als in den 1860er Jahren umfangreiche Vorkommen an Nitrat (Salpeter) in der Region gefunden wurden, das wertvoller Rohstoff für die Herstellung von Dünger und Sprengstoff war.

In Verträgen von 1866 und 1874 einigten sich Chile und Bolivien auf eine Grenze. Die Region nördlich des 24. Breitengrads sollte zu Bolivien gehören, unter der Bedingung, dass Bolivien von den nun in seinem Territorium ansässigen chilenischen Firmen 25 Jahre lang keine Steuern erheben durfte. Peru baute im Tarapacá-Gebiet Guano ab und finanzierte damit große Teile seines Staatshaushalts. 1874 verstaatlichte Perú den gesamten Guano-Handel, was dem Staat die indirekte Kontrolle über die Produktion sicherte. Es stellte sich aber heraus, dass Salpeter sich auf dem Weltmarkt erheblich besser absetzen ließ, und so hatte Peru ab 1877 beträchtliche Schwierigkeiten, seinen Guano zu verkaufen; mehr als 650.000 Tonnen lagerten schließlich in den Häfen.

Bolivien und Peru schlossen 1873 einen geheimen, gegen Chile gerichteten Beistandspakt. Argentinien war anfänglich bereit, dem Pakt beizutreten, verzichtete aber nach dem tatsächlichen Beginn des Krieges darauf.

Im Jahre 1877 richtete ein Seebeben schwere Schäden in der Küstenregion an. Zur Finanzierung des Wiederaufbaus beschloss die bolivianische Regierung unter Präsident Hilarión Daza 1878 entgegen[2][3] dem Vertrag von 1874 eine Sondersteuer von 10 Centavos auf jeden abgebauten Zentner Salpeter. Chile sah hierin einen Bruch des Vertrages und legte Protest ein. Bolivien verzichtete daraufhin zunächst auf die Erhebung der Steuer, nahm das Gesetz aber nicht zurück. Im Februar 1878 beschloss Bolivien angesichts einer Finanznot nach einem Dürrejahr und der nur langsamen Beseitigung der Erdbebenschäden, die Steuer von der profitablen Salpeterindustrie doch einzutreiben, sogar rückwirkend ab 1874. Im Januar 1879 enteignete Bolivien die chilenischen Salpeterunternehmen, nachdem diese die Steuerzahlung mit Verweis auf den Vertrag verweigert hatten, und bot sie dem Meistbietenden zum Kauf an. Chile erachtete dies als offenen Bruch des Vertrages von 1874, gleichbedeutend mit einer Annullierung, und entsandte Truppen in die ursprünglich durch Chilenen (Juan López und José Santos Ossa) gegründete Stadt Antofagasta.

Besetzung von Antofagasta[Bearbeiten]

Die chilenischen Einheiten besetzten am 14. Februar 1879, der Tag an dem die Versteigerung der Unternehmen stattfinden sollte, die Hafenstadt Antofagasta. Da nur 5 % der Bevölkerung Bolivianer waren, gab es keinen Widerstand. Daraufhin erklärte Bolivien am 1. März Chile den Krieg.[4] Am 5. April erklärte Chile Bolivien den Krieg. Nachdem sich Peru weigerte, eine Neutralitätserklärung abzugeben, erklärte Chile auch Peru den Krieg.

Die Streitkräfte Chiles erwiesen sich auf See und an Land als überlegen, doch war ein weiträumiger Vorstoß der chilenischen Truppen erst nach Ausschaltung der peruanischen Flotte (zwei kampfstarke Panzerschiffe, zwei alte Panzerschiffe, einige Kanonenboote) möglich. Die Chilenen verfügten über rund 13.000 gut organisierte Soldaten. Boliviens Armee zählte nur 2.300 Mann, die zudem schlecht bewaffnet waren. Peru hatte zwar 6.000 Soldaten, diese waren aber ungünstig über das Land verteilt.

Im April 1879 schickte der bolivianische Diktator Hilarión Daza seine Truppen nach Arica, um Peru zu unterstützen. Der Vorstoß endete kläglich, die Truppen verdursteten fast in der Atacama-Wüste und mussten umkehren. Dieser Fehlschlag führte zur Absetzung Dazas.

Seekrieg[Bearbeiten]

Panzerschiffe Chiles und Perus am Beginn des Krieges[5]
Kriegsschiff tons
(tn.l.)
Pferde-
stärke
Gesch.
(Knoten)
Panz.
(cm)
Haupt-Artillerie Baujahr
ChileChile Cochrane 3.560 2.000 9-12,8 bis zu 23 6 x 22.8 cm 1874
ChileChile Blanco Encalada 3.560 3.000 9-12,8 bis zu 23 6 x 22,8 cm 1874
PeruPeru Huascar 1.130 1.200 10-11 11,4 2 x 25,4 cm 1865
PeruPeru BAP Independencia 2.004 1.500 12-13 11,4 2 x 23 cm 1865
PeruPeru BAP Manco Cápac 1.034 320 6 25,4 2 x 38 cm 1864
PeruPeru BAP Atahualpa 1.034 320 6 25,4 2 x 38 cm 1864

Die Seegefechte von Iquique und Punta Gruesa am 21. Mai 1879 brachten die Vorentscheidung über die chilenische Seeherrschaft. Um die Verstärkung der peruanischen Verteidiger der Hafenstadt Iquique auf dem Seewege zu verhindern, blockierten zwei ältere chilenische Kriegsschiffe den Hafen. Die beiden peruanischen Panzerschiffe Huáscar und Independencia trafen auf die chilenischen Blockadeschiffe. Das peruanische Küstenpanzerschiff Huáscar rammte und versenkte die chilenische Korvette Esmeralda. Bei der Verfolgung des chilenischen Kanonenbootes Covadonga lief die kampfstarke peruanische Panzerfregatte Independencia nahe der Küste auf Grund. Damit das Schiff nicht in die Hände der Chilenen fiel, setzte es die eigene Besatzung in Brand.

Sechs Monate lang konnte die Huáscar der chilenischen Flotte entkommen und störte wirksam den chilenischen Nachschub. Dabei ging sie größeren Konfrontationen mit der überlegenen chilenischen Flotte aus dem Weg. Am 8. Oktober 1879 gelang es den beiden modernen chilenischen Panzerschiffen Cochrane und Blanco Encalada mit Hilfe der chilenischen Schiffe O’Higgins und Loa dennoch, die Huáscar vor Punta Angamos zu stellen und sie im Seegefecht von Angamos zu erobern. Die schwer beschädigte Huáscar wurde von den Chilenen repariert und später gegen Peru eingesetzt. Mit der Ausschaltung der beiden hochseefähigen und kampfstarken Panzerschiffe Perus hatte Chile endgültig die Seeherrschaft errungen.

Die in Peru verbliebenen alten Küstenpanzerschiffe Manco Capac und Atahualpa waren in schlechtem Zustand und aufgrund ihrer Bauweise nur für die Verteidigung küstennaher Gewässer geeignet. Die Manco Capac wurde in der Bucht von Arica von den Peruanern selbst gesprengt, als chilenische Truppen die Hafenstadt von der Landseite her erstürmten und der Fluchtweg über See durch ein chilenisches Geschwader verlegt worden war. Die Atahualpa wurde später, nach der gescheiterten Verteidigung Limas, im Hafen von Callao ebenfalls von der eigenen Besatzung versenkt.

Nachdem die peruanische Flotte entscheidend geschwächt worden war, konnten chilenische Truppen gefahrlos den Seeweg nutzen. Die isolierten peruanischen Garnisonen im Süden des Landes wurden der Reihe nach überwältigt.

Landkrieg[Bearbeiten]

Landungen und Feldzüge im Salpeterkrieg. Es sind die damaligen Staatsgrenzen gezeichnet.

Tarapacá-Feldzug[Bearbeiten]

Zwei Wochen nach der Kaperung der Huáscar begann die chilenische Armee mit der Invasion Perus. Die uneingeschränkte Seeherrschaft erlaubte den Chilenen die Landung von 10.000 Mann bei Pisagua. Hier gelang die Spaltung der peruanisch-bolivianischen Armee in zwei Teile (im Norden Lima, Arequipa und Tacna, in Süden Iquique).

Um Tarapacá zu besetzen, damals die südlichste Provinz Perus, marschierten die Chilenen nach der Landung in Pisagua auf Iquique zu. Hier kam es zur ersten Schlacht dieses Feldzugs, der Schlacht von Dolores. Die chilenische Armee wurde heftig angegriffen, beide Seiten erlitten Verluste. Nach dem Rückzug von bolivianischen Einheiten mussten sich die Peruaner nach Tarapacá zurückziehen. Vier Tage später fiel Iquique.

Ein Expeditionskorps mit 3.600 Soldaten und Artillerie wurde zum Abfangen der restlichen peruanischen Truppen entsandt. Die Chilenen trafen auf weniger als 2.000 peruanische Soldaten. Diese waren schlecht ausgebildet und durch die vorhergehende Niederlage demoralisiert. Die Chilenen nahmen eine Schlüsselstellung und kesselten die Stadt ein, bevor sie ihren Angriff begannen. In der Schlacht von Tarapacá gelang den Peruanern trotzdem ein Sieg. Die Chilenen mussten viel Munition und Versorgungsgüter zurücklassen. Der Sieg hatte aber kaum Folgen, da die Chilenen bereits 12.000 Mann in der Pacocha-Bucht bei Pisagua ausgeschifft hatten. Die Peruaner mussten die Hoffnungen auf Verstärkung für die Provinzen Arica und Tacna aufgeben.

Moquegua-Feldzug[Bearbeiten]

Am 7. Juni 1880 griffen 7.000 chilenische Soldaten mit Unterstützung der Marine die peruanische Garnison in der Stadt Arica an. Diese wurde von Oberst Francisco Bolognesi mit 2.000 Mann verteidigt. Die Chilenen wurden von Divisionsgeneral Manuel Jesús Baquedano (González) geführt. Entscheidend war der von seinem Stabschef, Oberstleutnant Pedro Lagos, ausgearbeitete Schlachtplan, der die rasche Einnahme der peruanischen Festung auf El Morro (deutsch „Großer Hügel“) als Garant des Sieges vorsah. Die Schlacht von Arica kostete 474 chilenische und ca. 1.000 peruanische Soldaten das Leben. Unter den Toten war auch der peruanische Kommandant Francisco Bolognesi. El Morro gilt heute sowohl in Peru als auch in Chile als nationales Symbol.

Nach dem Sieg chilenischer Truppen über ein peruanisch-bolivianisches Heer bei Tacna (Batalla del Alto de la Alianza) zog sich Bolivien aus dem Krieg zurück und beschränkte sich auf die Sicherung der Zugänge zum bolivianischen Hochland, wodurch sich die chilenischen Truppen allein Peru zuwenden konnten.

Lynchs Expedition[Bearbeiten]

Lynchs Expedition in einer Landkarte Perus

Um den Peruanern die Aussichtslosigkeit weiterer Kriegshandlungen gegen die chilenische Armee vor Augen zu führen und sie den Forderungen Chiles gefügig zu machen, beauftragte die chilenische Regierung Ende August Kapitän Patricio Lynch mit einer Expedition. Er sollte in Nordperu Steuern eintreiben[6].

Eine Division aus 1900 Soldaten, 400 Reitern, 3 Kanonen und einem kompletten Feldlazarett, insgesamt 2600 Mann, wurde dazu bereitgestellt und an Bord von zwei Truppentransportern gebracht. Die Kriegsschiffe „O'Higgins“ und „Chacabuco“ wurden zur Sicherung des Konvois beordert. Am 4. September 1880 fuhren sie von Arica in Richtung Chimbote los, wo sie am Morgen des 10. September 1880 ankamen.

Sowohl die Landung in Chimbote als auch die Besetzung von Virú (11 Meilen von Trujillo), Chiclayo und die Landung in Supe (30 Meilen von Lima), Paita und anderen Häfen und Städten erfolgte ohne Widerstand. In Chimbote forderte Lynch eine Steuer von 100.000 $, in Piata 10.000, in Chiclayo 20.000, in Lambayeque 4.000, immer in der landesüblichen Währung. Nur in Puerto Etén verlangte Lynch 3.250 englische Pfund für die Eisenbahn.

Als in Lima die Steuereintreibung bekannt wurde, erließ die Regierung Piérolas am 11. September 1880 ein Dekret, in dem jegliche Zahlung an die chilenische Armee verboten wurde. Ein Verstoß gegen diese Anordnung wurde als Hochverrat angesehen und mit der Beschlagnahme des (restlichen) Besitzes bestraft.

Trotz dieser Drohung bezahlten die meistens Großgrundbesitzer der Region die von Lynch geforderte Steuer und folgten damit der Meinung damals führender Rechtswissenschaftler[7], die die Bewohner der besetzten Gebiete von den Pflichten gegenüber den alten Regierungen entbanden und sie zu Gehorsam zu den Befehlshabern der Okkupationsarmee zwangen.

Wenn sie nicht zahlten, beschlagnahmte Lynch Waren oder zerstörte deren Eigentum. In der „Hacienda San Nicolas“ nahe Supe konnte die Expedition 300 Kisten mit 200.000 Stück Munition beschlagnahmen und zerstören. Das englische Schiff „Islai“ wurde am 18. September angehalten. 28 Kisten wurden aus ihren Laderäumen beschlagnahmt. Vier Kisten enthielten in den USA gedruckte peruanische Briefmarken in einem Wert von 375.000 $. Die anderen 24 Kisten enthielten 7.290.000 $. Obwohl neu gedruckt, zeigten sie Symbole und Daten von früheren Ausgaben. Nach Meinung von Diego Barros Arana[8] hatte die peruanische Regierung vor, diese inflationstreibende Vermehrung des Geldes ohne Kenntnis der Öffentlichkeit in Umlauf zu bringen.

Am 26. und 27. Oktober 1880 kehrte Lynchs Expedition nach Arica zurück. Mit ihr fuhren 400 Chinesen, die ihren Großgrundbesitzern entkommen waren und den Chilenen Hilfe geleistet hatten.

Wegen dieser und anderer Operationen klagte man in Peru über eine Verletzung des Völkerrechts, aber zu dieser Zeit gab es keine international bindende Kriegsvölkerrechtskonvention zwischen beiden Ländern. Zu Beginn des Krieges hatte der Präsident Chiles Aníbal Pinto Garmendia die damals vier wichtigen Konventionen über den Krieg in einem Buch „El derecho de la guerra según los últimos progresos de la civilización“ drucken und den Offizieren der Armee und der Marine als Reglement ausgeben lassen[9]:

  • Brüsseler Deklaration „über die Gesetze und Gebräuche des Krieges“ (Las declaraciones del congreso internacional de Bruselas de 1874)
  • Petersburger Erklärung Verbot von Sprenggranaten mit einem Gewicht von unter 400 Gramm (La declaración de San Petersburgo de 1868)
  • Internationales Komitee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege, seit 1876: Internationales Komitee vom Roten Kreuz (Las declaraciones de la convención internacional de Jinebra de 1864, con los artículos adicionales de 1868)
  • Lieber Code Instructions for the Government of Armies of the United States in the Field, 24. April 1863 (Las instrucciones para los ejércitos de los Estados Unidos en campaña)

Diplomatische Bemühungen um eine Lösung[Bearbeiten]

Im Oktober 1880 versuchten die Vereinigten Staaten an Bord der Lackawanna erfolglos, im Konflikt zu vermitteln. An der Arica-Bucht scheiterte der Versuch, den Krieg mit Diplomatie zu beenden. Repräsentanten von Chile, Peru und Bolivien trafen sich, um die territorialen Konflikte zu besprechen, dennoch wiesen Peru und Bolivien den Verlust ihrer Gebiete an Chile zurück und verließen die Konferenz.

Lima-Feldzug[Bearbeiten]

Nach der Landung in Pisco am 19. November 1880 marschierte die chilenische Armee auf die peruanische Hauptstadt Lima zu. Nach peruanischen Niederlagen in der Schlacht von San Juan und der Schlacht von Miraflores fiel Lima am 17. Januar 1881 in die Hände des chilenischen Generals Manuel Baquedano. Die südlichen Vororte von Lima, einschließlich der Küstenstreifen von Chorrillos, wurden eingenommen und gebrandschatzt. Eine Reihe von außerhalb liegenden Haciendas wurden von chinesischen Arbeitern angesteckt; diese waren aus China als Sklavenersatz angeworben worden. Vor allem aber waren desertierte peruanische Soldaten an der Plünderung und Brandschatzung von Lima beteiligt. Wenige Tage später fiel auch die Hafenstadt Callao.

Huamachuco-Feldzug[Bearbeiten]

Die Verfolgung Cáceres' bis Huamachuco, 1883

Nach der Auflösung der Zentralregierung in Peru änderte sich der Charakter des Krieges zu einem zweijährigen Guerillakrieg im peruanischen Hochland. Erst 1883 konnten die Chilenen unter Admiral Patricio Lynch die Truppen des peruanischen Generals Andrés Avelino Cáceres im Inneren des Landes bei der Schlacht von Huamachuco am 10. Juli 1883 schlagen.

Die Verfolgung Cáceres' begann in Lima am 24. April 1883. Mitte Juni gaben die chilenischen Truppen unter dem Befehl von Arriagada die Verfolgung im Süden auf, aber Cáceres, in Unkenntnis dieser Tatsache, floh weiter bis Pomabamba in Ancash, wo er entschied, die chilenischen Truppen im Norden getrennt anzugreifen und die zum Frieden bereite peruanische Regierung von Miguel Iglesias in Cajamarca zu zerschlagen. Aber nach Huamachuco kam er nur, nachdem sich die verschiedenen chilenischen Truppenteile im Norden vereint hatten. Die letzte kampffähige peruanische Armee wurde vernichtend geschlagen. Cáceres selbst konnte sich nach der Schlacht nur verletzt verstecken. Später wurde er, Jahre nach dem Abzug der Chilenen aus Peru, Präsident des Landes.

Die peruanische Armee unter Admiral Lizardo Montero Flores im Süden Perus gab den Kampf auf.

Die neue peruanische Führung unter Miguel Iglesias nahm nun Friedensverhandlungen auf und akzeptierte die Kapitulationsbedingungen, die die vorläufige Abtretung der Regionen Tarapaca und Tacna an Chile vorsahen.

Kriegsende[Bearbeiten]

Am 20. Oktober 1883 unterzeichneten Chile und Peru den Vertrag von Ancón. Darin erhielt Chile die peruanische Provinz Tarapacá und dehnte sein Territorium bis nach Tacna aus, das jedoch knapp 50 Jahre später an Peru zurückgegeben wurde.

Am 4. April 1884 kam zwischen Chile und Bolivien der Vertrag von Valparaíso zustande. Darin erhielt Chile die Küstenregion um Antofagasta, was Bolivien neben dem Verlust einer Provinz auch den Zugang zum Pazifik kostete. Bolivien wurde dadurch wieder zu einem Binnenstaat. Hafenstädte wie Antofagasta, Iquique und Arica wurden endgültig ins chilenische Staatsgebiet eingegliedert.

Erst 1904 wurde der bis heute gültige Friedensvertrag zwischen Chile und Bolivien unterzeichnet, in dem Bolivien die Zugehörigkeit der Atacamaregion zu Chile bestätigte. Im Gegenzug gewährte Chile Bolivien den zollfreien Zugang zu den Häfen von Arica und Antofagasta und den Bau einer Bahn, die die Hauptstadt La Paz mit der Küstenstadt Arica verbinden sollte.

Die Städte Arica und Tacna blieben noch lange von Chile besetzt. Erst 1929 wurde Arica Chile zugeschlagen; Tacna verblieb bei Peru.

Folgen[Bearbeiten]

Ein Monument in der Nähe des Eingangs zum Marinestützpunkt Titicaca zeigt einen bolivianischen Soldaten, der sein Bajonett in den Hals eines chilenischen sticht, daneben der Satz: „Was uns einmal gehörte, wird uns wieder gehören“ und (unten) „Haltet euch fest, Rotos (Chilenen), hier kommen die Colorados aus Bolivien“.

Durch diesen Krieg besaß Chile nun die reichen Salpetervorkommen, die auch von britischen und deutschen Unternehmen abgebaut wurden. So kam Chile in der Folgezeit zu beträchtlichem Reichtum. Mit der Entwicklung neuer Verfahren zur Salpetergewinnung und der Entdeckung des synthetischen Düngers zu Beginn des 20. Jahrhunderts (Haber-Bosch-Verfahren) verlor der Salpeterabbau seine Bedeutung.

Während des Zweiten Weltkrieges brach Chile, entgegen seiner angestrebten Neutralitätspolitik, seine Beziehungen mit den Achsenmächten ab, um eine zu starke Annäherung von Peru und Bolivien an die Vereinigten Staaten zu verhindern. Die Befürchtung Chiles war, dass die entschlossene Unterstützung beider Länder für die USA im Zweiten Weltkrieg und die darauf folgende Aufrüstung Perus und Boliviens durch die USA sich später in eine Unterstützung der USA für beide Länder gegen Chile verwandeln könnte.[10]

Das Verhältnis der drei Staaten ist noch immer stark belastet. Seit 1920 macht Bolivien den Verlust des Meereszugangs für seine schwache politische und wirtschaftliche Situation verantwortlich und fordert die Revision des Friedensvertrags und einen souveränen Korridor zum Meer. In diesem Jahr forderte Bolivien vor dem Völkerbund eine Änderung des Grenzvertrages, was abgelehnt wurde mit der Begründung: Es ist eine Aufgabe der Vertragunterzeichner.[11]

Die bolivianische Position wird von vielen Beobachtern insbesondere in den Nachbarländern als rein innenpolitisch motiviert abgelehnt, da Bolivien aufgrund des Friedensvertrags in Arica Freihafenrechte und das Recht zu zollfreiem Warentransit hat, was von Chile auch stets respektiert wurde, so dass Bolivien für den Warenverkehr über einen Zugang zum Pazifik verfügt.

Seit 1975 unterbreitete Chile neue Vorschläge zur Aussöhnung mit Bolivien, die jedoch an Peru scheiterten: Kern der Verhandlungen zwischen Chile und Peru ist die Abtretung eines Korridors im äußersten Norden Chiles entlang der Grenze zu Peru, da Chile durch einen weiter südlich gelegenen Korridor geteilt werden würde. Ein solcher Korridor würde über ehemaliges peruanisches Gebiet führen, gemäß dem Vertrag von Ancón kann Chile ehemaliges peruanisches Gebiet jedoch nur mit Zustimmung Perus an Dritte abtreten.

Aus Sicht Perus besteht kein Grund, einer solchen Abtretung zuzustimmen (wodurch Bolivien vom peruanischen Verlust „profitieren“ würde), wenn es hierfür keine Gegenleistung erhält. Nach Ansicht Boliviens ist der verlorene Zugang zum Pazifik eine historische Ungerechtigkeit, zu deren Beseitigung alleine Chile moralisch verpflichtet sei; es bestehe keine Veranlassung, das bestehende Recht durch Leistungen an Peru erkaufen zu müssen. Aus der Sicht Chiles ist bereits ein Gebietstausch ein Zugeständnis an Bolivien ohne direkten Vorteil für das eigene Land; es sei Boliviens Aufgabe, die Zustimmung Perus herbeizuführen.

Nach dem Scheitern von Verhandlungen über einen entsprechenden Gebietstausch (peruanisches Veto) und Wasserrechte am Río Lauca im Jahre 1978 brach Bolivien die diplomatischen Beziehungen zu Chile ab. Beide Länder unterhalten bis heute offiziell nur Kontakte auf konsularischer Ebene. Bolivien weigert sich, Chile mit Erdgas zu versorgen und knüpft seine Erdgaslieferungen an Argentinien an die Bedingung, dass Argentinien dieses Gas nicht an Chile weiterliefert.

Bolivien nahm 2002 aufgrund innenpolitischer Widerstände in Kauf, eine Milliardeninvestition ausländischer Konzerne für den Export von verflüssigtem Erdgas (LPG) in die USA nicht zu genehmigen, weil das Gas durch Pipelines über Chile exportiert werden sollte (und Chile daher einen wirtschaftlichen Vorteil aus dem bolivianischen Gas gezogen hätte).

Der 21. Mai ist in Chile ein nationaler Feiertag, an dem man an das Seegefecht von Iquique erinnert. Der Präsident hält im Parlament den Jahresbericht an die Nation.

Von 2006 bis 2010[11][12][13] gab es auf Regierungsebene wieder offizielle Gespräche zwischen Bolivien und Chile über 13 Themen, darunter Punkt 6, eine Verbesserung der bolivianischen Warentransfers vom chilenischen Hafen nach Bolivien. Die Gespräche brachen im März 2010 ab, als Bolivien bekannt gab, seine Ansprüche vor den Internationalen Gerichtshof bringen zu wollen. Chile schließt eine Gebietsabtretung kategorisch aus. Im Jahre 2014 war die Situation weiterhin ungeklärt.[14]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Diego Barros Arana, Librería Central de Servat i C", Esquina de Huerfanos i Ahumada (Hrsg.): Geschichte des Salpeterkrieges (1879-1880) I. Bd. 1, Santiago, Chile 1881 (Originaltitel: Historia de la guerra del Pacífico (1879-1880) I) (archive.org).
  •  Diego Barros Arana, Librería Central de Servat i C", Esquina de Huerfanos i Ahumada (Hrsg.): Geschichte des Salpeterkrieges (1879-1880) II. Bd. 2, Santiago, Chile 1881 (Originaltitel: Historia de la guerra del Pacífico (1879-1880) II) (archive.org).
  •  Republik Chile, Editorial Andres Bello (Hrsg.): Mitteilungsblatt des Salpeterkrieges. Santiago, Chile 1879-1881 (Originaltitel: Boletin de la Guerra del Pacifico) (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  •  Charles De Varigny, Imprenta Cervantes (Hrsg.): Der Salpeterkrieg. 1, Santiago de Chile 1922 (Originaltitel: La Guerra del Pacifico) (Zum ersten Mal in 1881-1882 in Revue des deux mondes publiziert, archive.org).
  •  William Jefferson Dennis: Geschichte der Arica-Tacna Disput in Dokumenten. Abschriften wichtiger original Dokumente in spanischer und englischer Sprache, Band 8 von Sammelwerk. In: University Iowa City (Hrsg.): University of Iowa studies in the social sciences. 8, Iowa, USA 1927 (Originaltitel: Documentary history of the Tacna-Arica dispute) (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  •  Mariano Felipe Paz Soldan, Imprenta y Libreria de Mayo, calle Peru 115 (Hrsg.): Historische Erzählung des Krieges Chile gegen Peru und Bolivia. Buenos Aires, Argentina 1884 (Originaltitel: Narracion Historica de la Guerra de Chile contra Peru y Bolivia) (archive.org).
  •  Jorge Basadre: Geschichte der Republik Peru. Der Krieg mit Chile. (Originaltitel: Historia de la Republica del Peru, La guerra con Chile) (Online publiziert bei der Universität Jorge Basadre).
  •  Gonzalo Bulnes, Imprenta Universitaria (Hrsg.): Chile und Peru: die Ursachen des Krieges von 1879. Santiago, Chile 1920 (Originaltitel: Chile and Peru: the causes of the war of 1879) (archive.org).
  •  Bruce W. Farcau, Praeger Publishers (Hrsg.): Der Zehn-Cents-Krieg, Chile, Peru und Bolivia im Salpeterkrieg, 1879-1884. Westport, Connecticut, London 2000 (Originaltitel: The Ten Cents War, Chile, Peru and Bolivia in the War of the Pacific, 1879-1884), ISBN 0-275-96925-8 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  •  William F. Sater, University of Nebraska Press (Hrsg.): Anden Tragödie: Der Kampf im Salpeterkrieg, 1879-1884. Lincoln and London 2007 (Originaltitel: Andean Tragedy: Fighting the War of the Pacific, 1879-1884), ISBN 978-0-8032-4334-7.
  •  William F. Sater, University of Nebraska Press (Hrsg.): Chile und der Salpeterkrieg. Lincoln and London 1986 (Originaltitel: Chile and the War of the Pacific), ISBN 0-8032-4155-0.

Filme[Bearbeiten]

  • Caliche Sangriento, Film, Chile, von Helvio Soto, 1969, 124 Minuten.
  • Amargo mar, Dokumental, Bolivien, von Antonio Eguino, 120 Minuten.
  • Epopeya, Dokumental, Chile, von Rafael Cavada, 2007

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Salpeterkrieg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b c d e f William F. Sater, Andean Tragedy, Tabelle 22 und 23 auf Seite 348-349. Die Zahlen berücksichtigen weder chilenische Gefangene (von "Rimac" und "Esmeralda") noch Deserteure
  2. William F. Sater, Chile and the War of the Pacific, Seite 6:
    „The increase of taxes on the Compañia de Salitres y Ferrocarril clearly violated the 1874 treaty.“
  3. Bruce W. Farcau, The Ten Cents War, Seite 41,:
    „The very fact that the legislature in La Paz found it necessary to vote in what they claimed was a strictly municipal issue when the tax was first levied implied that the conflict with the 1874 treaty was clearly seen and that a conscious precedent was being set“
  4. William F. Sater Andean Tragedy, auf Seite 28:
    „Two weeks after the Chilean occupation of Antofagasta, he [Hilarion Daza] declared that had imposed "a state of war" on Bolivia. Apparently this decree did not constitute a formal declaration of belligerence, which he announced on 18 March.“
    Auch i:
    • Documentary History of the Tacna-Arica dispute, University of Iowa studies in the social sciences, Vol. 8, by William Jefferson Dennis, page 69: „On March 14 Bolivia advised representatives of foreign powers that a state of war existed with Chile. … Godoi advised President Pinto that this move was to prevent Chile from securing armaments abroad …“
    • William F. Sater, Andean Tragedy, page 39: „Thus, Daza's declaration of war was a godsend …“, auch auf Seite 42 in March he suddenly declared war on Chile
    • William F. Sater, Chile and the War of the Pacific, Seite 9: „Two weeks after Chile occupied the disputed territory, Daza declared war.“
    • Bruce W.Farcau, The Ten Cents War, Seite 42: „on 27. February, the Bolivian legislature issued the authorization for a declaration of war, although the formal declaration would not be forthcoming until 14 March“
  5. William F. Sater, Andean Tragedy, Seite 113-114.
    „There are numerous differences of opinion as to the ships' speed and armament. Some of these differences can be attributed to the fact that the various sources may have been evaluating the ships at different times.“
  6. Diego Barros Arana, Historia de la guerra del Pacífico (1879–1880), Band 2, Seite 98:
    [El gobierno chileno] Creía entonces que todavía era posible demostrar prácticamente al enemigo la imposibilidad en que se hallaba para defender el territorio peruano no ya contra un ejército numeroso sino contra pequeñas divisiones. Este fué el objeto de una espedicion que las quejas, los insultos i las lamentaciones de los documentos oficiales del Perú, i de los escritos de su prensa, han hecho famosa.
  7. Diego Barros Arana zitiert Johann Caspar Bluntschli:
    Bluntschli (Derecho internacional codificado) dice espresamente lo que sigue: Árt. 544. Cuando el enemigo ha tomado posesión efectiva de una parte del territorio, el gobierno del otro estado deja de ejercer alli el poder. Los habitantes del territorio ocupado están eximidos de todos los deberes i obligaciones respecto del gobierno anterior, i están obligados a obedecer a los jefes del ejército de ocupación.
  8. Diego Barros Arana, Historia de la guerra del Pacífico (1879–1880), Band 2, Seite 111
  9. Diego Barros Arana, Historia de la guerra del Pacífico (1879–1880), Band 1, Seite 115
  10. Thomas M. Leonard, John F. Bratzel, Latin America during World War II, auf google.books, Seite 162:
    „…a more pressing argument for cooperation was the fear that Bolivian and Peruvian support for the United States would lead to U.S. military assistance and diplomatic backing of those two rivals' claims against Chile.“
  11. a b Estado de los 13 puntos entre Bolivia y Chile
  12. Bolivien will Zugang zum Pazifik einklagen. In: ORF. 24. März 2011, abgerufen am 24. März 2011 (deutsch).
  13. Chile – Bolivia: La agenda de 13 puntos se redujo a uno
  14. Trockenübungen auf dem Titicacasee in FAZ vom 23. Juni 2014, Seite 3