Salvador Allende

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Salvador Allende (zwischen 1970 und 1973)
Unterschrift Allendes

Salvador Guillermo Allende Gossens [salβaˈðoɾ aˈjende ˈgosens] (* 26. Juni 1908 in Valparaíso; † 11. September 1973 in Santiago de Chile) war promovierter Arzt und von 1970 bis 1973 Präsident Chiles. Seine Präsidentschaft war der Versuch, auf demokratischem Wege eine sozialistische Gesellschaft in Chile zu etablieren. Allende wurde durch einen Militärputsch im Jahr 1973 gestürzt, in dessen Verlauf er Suizid beging.[1]

Politischer Werdegang[Bearbeiten]

um 1925

Allende begann in den 1920er Jahren als Medizin-Student der Universidad de Chile politisch aktiv zu werden. Er beteiligte sich an Protesten gegen die Diktatur von Oberst Carlos Ibáñez del Campo und wurde zum Stellvertretenden Präsidenten der Föderation chilenischer Studenten (FECH) gewählt. 1929 trat er sowohl den Freimaurern als auch der Gruppe „Avance“ („Vorwärts“) bei. In beiden Organisationen knüpfte er wichtige Kontakte für seine spätere politische Laufbahn. Nach der Niederschlagung eines von Marmaduque Grove angeführten Aufstandes gegen die Ibáñez-Diktatur wurde Allende verhaftet, später jedoch wieder freigelassen. Kurz darauf wurde er Sekretär der 1933 gegründeten Sozialistischen Partei für die Region Valparaíso.

1937 wurde er erstmals Parlamentsabgeordneter für die Sozialistische Partei. Als im folgenden Jahr die Frente Popular den Radikalen Pedro Aguirre Cerda zum Sieg bei den Präsidentschaftswahlen führte, kam Allende als Gesundheitsminister in die Regierung. Nach nur zwei Jahren im Amt schied er 1940 wieder aus dem Kabinett aus. 1945 wurde er überraschend mit großem Vorsprung vom Wahlkreis Valparaiso zum Senator gewählt. 1952 war er erstmals Präsidentschaftskandidat, belegte aber nur den vierten Platz. 1954 bekleidete er das Amt des Stellvertretenden Senatspräsidenten. 1958 war er wieder Präsidentschaftskandidat des Linksbündnisses Frente de Acción Popular (FRAP), unterlag jedoch sehr knapp dem von den Rechtsparteien unterstützten Unternehmer Jorge Alessandri Rodríguez. 1964 kandidierte er erneut für das Präsidentenamt, unterlag aber deutlich dem Christdemokraten Eduardo Frei. Grund für diese letzte Wahlniederlage war, dass die konservativen Parteien in letzter Minute den progressiven Frei unterstützten. 1966 wurde er zum Senatspräsidenten gewählt. 1968 wurde sein Rücktritt gefordert, als er die Überlebenden der Guerillatruppe um Che Guevara in Bolivien unter seinen persönlichen Schutz stellte. Im gleichen Jahr verurteilte er den sowjetischen Einmarsch in Prag.

1969 wurde die Unidad Popular (UP) als Nachfolgerin der FRAP gegründet, ein Zusammenschluss von Sozialisten, Kommunisten und einigen kleineren Linksparteien. Als deren Kandidat errang Allende bei den Präsidentschaftswahlen am 4. September 1970 36,3 % der Stimmen (weniger als 1964) und lag damit knapp vor dem konservativen Gegenkandidaten Jorge Alessandri, der 34,9 % der Stimmen erhielt. Allendes Vorsprung betrug 39.000 Stimmen und war damit um 7000 Stimmen größer als der Alessandris zwölf Jahre zuvor. Der dritte der Kandidaten, Radomiro Tomic von den Christdemokraten, erlangte 27,9 % der Stimmen. Da kein Kandidat die absolute Mehrheit errungen hatte, lag die Wahl des chilenischen Präsidenten laut Verfassung beim Parlament. Da es in Chile eine lange Tradition hat, dass das Parlament sich für den Kandidaten mit der relativen Mehrheit entscheidet, wurde Allende nach Verhandlungen mit den Christdemokraten vom chilenischen Parlament zum Präsidenten gewählt. Im Gegenzug musste er zehn Verfassungszusätzen zustimmen, die von den Christdemokraten gefordert wurden.

In der Zeit zwischen Wahl und Amtseinsetzung am 24. Oktober (Abstimmung im Kongress, 153 Stimmen entfielen auf Allende, 35 auf Alessandri[2]) überlebte Allende einen Mordanschlag, während der damalige Oberbefehlshaber des Heeres, General René Schneider, kurz vor der Abstimmung bei einem teilweise durch die CIA finanzierten [3] Entführungsversuch angeschossen wurde und wenig später starb.

Kritik an der Entscheidung der Christdemokraten, den Kandidaten mit der relativen Mehrheit zu wählen, kam unter anderem auch von der bundesdeutschen CDU. Der Botschafter der USA nannte die politischen Gegner Allendes „dämlich, schlecht organisiert und naiv“.

Präsidentschaft[Bearbeiten]

Wirtschafts- und Sozialpolitik[Bearbeiten]

Präsident Salvador Allende (mit Schärpe) im Kreise seines Kabinetts

Der Schwerpunkt von Allendes Wirtschaftspolitik war die entschädigungslose Verstaatlichung der Bodenschätze – allen voran der Kupferbergbau –, die Enteignung von ausländischen Großunternehmen, der Banken und eine Agrarreform, bei der 20.000 km² Fläche in vergleichbar kurzer Zeit von Großgrundbesitzern an Bauern und Kollektive übergeben wurden. Die sozialistische Regierung wollte Chile weniger abhängig vom Rest der Welt, insbesondere von den USA, machen. 1970 wurden der Kohlebergbau und die Textilindustrie verstaatlicht. Ein Jahr später wurden die noch in (vor allem US-amerikanischem) Privatbesitz befindlichen Anteile am Kupferbergbau mit Zustimmung aller Parlamentsparteien enteignet, nachdem bereits Allendes Vorgänger Frei wichtige Schritte hierzu unternommen hatte.

Die Unidad Popular setzte die Preise für die Miete und für wichtige Grundbedarfsmittel staatlich fest. Schulbildung und Gesundheitsversorgung wurden kostenfrei angeboten. Jedes Kind bekam Schuhe sowie täglich einen halben Liter kostenloser Milch. Mit seiner Sozialpolitik folgte Allende sowohl sozialistischen Idealen der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts als auch einer südamerikanischen Tradition „populistischer“ Nachfragepolitik.[4] Die Politik der Nachfragestimulierung durch Staatsausgaben und Ausweitung der Geldmenge führte im ersten Jahr zu einem Wachstumsschub und steigenden Reallöhnen.[5] 1971 wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 9 %.[6]

Negative Folge der neuen Wirtschaftspolitik war die Knappheit mancher Produkte, was zu einem immer größer werdenden Schwarzmarkt führte. Makroökonomisch und politisch am gravierendsten war die schnell steigende Inflation. Hatte sie im Jahr vor Allendes Amtsantritt 29 % betragen, stieg sie 1972 auf 160 %.[7]

Wegen dieser Wirtschaftspolitik und unter dem enormen Druck des von den USA durchgesetzten internationalen Handels- und Kreditembargos geriet Chile in eine schwere Wirtschaftskrise. Die Privatinvestitionen gingen aus Angst vor der Verstaatlichung zurück. Die Regierung druckte daraufhin neues Geld, und die Inflation erreichte über 600 %.

Proteste und Radikalisierung[Bearbeiten]

1971 wurde der Christdemokrat und Ex-Minister Edmundo Pérez Zújovic[8] ermordet, die Tat wurde der linksextremistischen Gruppe VOP (Vanguardia Organizada del Pueblo) zugeschrieben. Im folgenden Jahr beendeten die Christdemokraten ihre Unterstützung für Allende und schlossen sich der rechten Opposition an.

Die Proteste im Land schwollen an: Bauern protestierten gegen die Durchführung der Landverteilung, die Kollektive gegenüber Vertragsbauern bevorzugte, ihre Besetzung von Agrarland verschärfte die angespannte Versorgung mit Nahrungsmitteln. 1972 mussten Lebensmittel rationiert werden und die Regierung war gezwungen, Devisen für die Einfuhr von Nahrungsmitteln aufzuwenden. Im Herbst 1972 streikten Teile etlicher Berufsgruppen, darunter viele Lastwagenfahrer, Bankangestellte, Arbeiter und Studenten, um eine Wende in der Wirtschaftspolitik zu erzwingen. Es kam zu Straßenschlachten. Allende rief den Notstand aus. Radikale rechte Gruppen antworteten mit Terror und Sabotage. Es gab in Allendes Amtszeit insgesamt sechshundert Terroranschläge auf Eisenbahnen, Brücken, Hochspannungsleitungen und Pipelines. Ein 30 Tage langer Besuch Fidel Castros, der über das ganze Land seine Skepsis gegenüber Allendes Modell und die Notwendigkeit des bewaffneten Kampfes kundtat, verschärfte die Situation. Er erzürnte die mittlere Schicht und heizte die Extremisten auf beiden Seiten an.

Die Einbindung des Militärs in die Regierung im November 1972 durch die Ernennung von General Carlos Prats zum Innenminister konnte die angespannte Lage für einige Monate beruhigen, und Anfang 1973 konnten Parlamentswahlen abgehalten werden. Bei diesen Wahlen steigerte die UP ihren Stimmenanteil noch einmal auf 44 %. Sie verfehlte jedoch die angestrebte Mehrheit. Gleichzeitig erhielten auch rechte Parteien mehr Stimmen. Sie reichten allerdings auch mit den Stimmen der Christdemokraten nicht aus, um Allende mit der dafür nötigen Zwei-Drittel-Mehrheit des Amtes zu entheben. Als es im Juli 1973 zu neuen Streiks der Lastwagenfahrer und der Studenten mit Unterstützung weiter Kreise der konservativen Opposition kam, eskalierte die politische Situation zusehends. Allende berief weitere hochrangige Offiziere in sein Kabinett – die politische Gesinnung innerhalb des Militärs hatte sich jedoch gewendet.[9] Am 29. Juni 1973 wurde ein erster Putschversuch eines Panzerregiments von regierungstreuen Militärs unblutig unterdrückt. Am 22. August 1973 sprach der Kongress in einer symbolischen Geste (in der Verfassung gab es diese Möglichkeit nicht) Allende das Misstrauen aus. General Carlos Prats, der noch am 29. Juni den Putschversuch in Santiago unblutig beenden konnte, trat zurück. Nachfolger wurde sein bisheriger Stellvertreter General Augusto Pinochet. Zu dieser Zeit fanden in Santiago die größten je in Chile abgehaltenen Kundgebungen statt, über 700.000 Personen mal für die Regierung, mal für die Opposition. Nach Zeugenaussagen wollte sich Allende am 11. September 1973 bereit erklären, durch ein Plebiszit über seinen Verbleib im Amt die verfahrene Situation demokratisch zu entscheiden. Diese Entscheidung konnte nicht mehr veröffentlicht werden, da im Morgengrauen des folgenden Tages das Militär putschte. Einige westliche Historiker und Politiker bezweifeln, dass Allende ein Plebiszit plante.[10]

Salvador-Allende-Denkmal im Donaupark (Wien)

Der Putsch[Bearbeiten]

Hauptartikel: Putsch in Chile 1973

Am 11. September 1973 wurde Präsident Salvador Allende um 6:20 Uhr telefonisch in Kenntnis gesetzt, dass die Flotte in Valparaíso, der größten Hafenstadt Chiles, sich gegen ihn erhoben habe und seinen Rücktritt fordere. Allende versuchte sofort den Oberbefehlshaber der Streitkräfte General Augusto Pinochet zu erreichen, der sich aber nicht meldete. Allende begab sich mit seinem Kabinett und einigen Freunden und Familienangehörigen in den Präsidentenpalast Moneda. Unter seinen Begleitern waren zwei seiner Töchter, sein Arzt, die Leibwache des Präsidenten und seine langjährige Geliebte. Der Verteidigungsminister Orlando Letelier war nicht anwesend, da er bereits von den Putschisten festgenommen worden war.

Um 8:00 Uhr wurde eine Erklärung der Putschisten, die sich als Militärregierung bezeichneten, im Radio verlesen. Erst hier gab sich General Pinochet als Putschist zu erkennen. Kurz darauf erhielt Allende einen Anruf der Putschisten. Sie forderten seinen Rücktritt und boten ihm im Gegenzug an, ihn sofort mit seiner Familie außer Landes zu fliegen. Er lehnte dies entschlossen ab. Um 9:30 drohten die Putschisten mit der Bombardierung der Moneda. Allende forderte die Palastgarde und alle Unbewaffneten auf, das Gebäude zu verlassen. Er selbst blieb mit wenigen Getreuen zurück und bereitete sich auf den kommenden Kampf vor.

Um 11:55 Uhr begann die Luftwaffe mit zwei Flugzeugen eine Bombardierung des Präsidentenpalastes. Auch regierungsfreundliche Radiosender sowie einige Viertel der Hauptstadt, in denen mehrheitlich Aktivisten und Sympathisanten der Unidad Popular wohnten, sollen bombardiert worden sein. Augusto Olivares („El Perro“), der bekannte Journalist und Leiter des Fernsehsenders Canal 7, nahm sich im Erdgeschoss der Moneda mit einem Maschinengewehr das Leben. Damit wurde einer der engsten Freunde des Präsidenten das erste Opfer des Putsches, woraufhin Allende mitten im Chaos eine Schweigeminute für ihn anordnete.

Direkte Todesumstände[Bearbeiten]

Gegen 14:00 Uhr begann die Armee mit der Erstürmung des Palastes. Nach kurzem Gefecht ordnete Allende die Kapitulation an. Nur er selbst blieb im „Saal der Unabhängigkeit“ zurück und beging dort Suizid.[11] Seine Selbsttötung wurde durch seine Ärzte Patricio Guijón und José Quiroga bezeugt, die den Suizid beobachteten.[12] Neben den beiden überlebenden Ärzten wurden fünf weitere Personen des näheren Umfelds Allendes Augenzeugen seines Suizides:

Statue Salvador Allendes neben der Moneda
  • Arsenio Poupin Oissel – Kabinettsmitglied, wenige Tage später ermordet
  • Enrique Huerta Corvalán – Verwaltungsdirektor der Moneda, wenige Tage später ermordet
  • David Garrido – Sicherheitsbeamter, Überlebender
  • Ricardo Pincheira – Sicherheitsbeamter, Überlebender
  • Pablo Manuel Zepeda Camillieri – Mitglied der Garde des Präsidenten, Überlebender

Trotzdem glaubten einige Anhänger, Allende sei von eingedrungenen Soldaten erschossen worden, die dann einen Selbstmord inszeniert hätten. Im Jahre 1990, nach Ende der Militärdiktatur, wurde der Suizid des Präsidenten durch eine erneute Obduktion bestätigt, deren Ergebnisse im Einklang mit den Aussagen der Augenzeugen sowie des polizeilichen Untersuchungsberichts stehen. Seine Angehörigen (Ehegattin, Tochter) bestätigten diesen Ablauf.

Dennoch wurden immer wieder Zweifel an den Todesumständen geäußert,[13][12][14] die am 23. Mai 2011 zu einer Exhumierung von Allendes sterblichen Überresten führten, um endgültig seine Todesursache zu klären.[15] Mitte Juli 2011 gab die chilenische Behörde für Gerichtsmedizin bekannt, dass sich Allende im Zuge des gewaltsamen Umsturzes selbst mit einem Sturmgewehr vom Typ AK-47 erschossen habe. Dabei sei die Waffe auf automatischen Betrieb gestellt gewesen, weshalb sich insgesamt zwei Schüsse lösten.[16] Es gebe laut dem Ergebnis des internationalen Expertenteams keinerlei Hinweise, dass eine zweite Person in seinen Tod verwickelt gewesen sei.[17] Damit wurden die Aussagen der Augenzeugen erneut bestätigt.

Rolle der USA[Bearbeiten]

Nachdem Pinochet die Macht ergriffen hatte, sagte US-Außenminister Henry Kissinger, dass die Vereinigten Staaten „es nicht getan haben“ (bezüglich des Putsches selbst), aber dass sie „die größtmöglichen Voraussetzungen geschaffen haben.“[18] Kürzlich veröffentlichte Dokumente zeigen, dass die US-Regierung und die CIA den Sturz Allendes 1970 angestrebt hatten (Project FUBELT). Eine direkte Beteiligung am Putsch von 1973 konnte durch die bisher veröffentlichten Regierungsdokumente nicht bewiesen werden. Im Zeitraum vor dem Putsch steigerten die USA ihre Militärhilfe an Chile massiv. Viele relevante Dokumente unterliegen jedoch noch immer der Geheimhaltung.

Die CIA unterrichtete den Bundesnachrichtendienst bereits einige Tage vor dem Umsturz vom geplanten Putsch. Der Bundesnachrichtendienst soll unterlassen haben, den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt davon zu unterrichten. Über Alfred Spuhler, einen Stasi-Spion im BND, gelangte die Information in die DDR. Eine Warnung an Allende aus Ost-Berlin kam jedoch zu spät.[19]

Familie[Bearbeiten]

Allendes Eltern
Allende mit seiner Frau Hortensia Bussi

Im 17. Jahrhundert kamen die Allendes aus dem Baskenland nach Chile und taten sich ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter den anderen aristokratischen Familien hervor. Das herausragendste Familienmitglied (vor Salvador Allende) war sein Großvater Ramón Allende Padín, „Der Rote“, ein Mitglied des Partido Radical Social Demócrata (PRSD) und Großmeister der Freimaurer. Sein Sohn (also Salvador Allendes Vater) war ebenfalls „radikal“ und Freimaurer. Er arbeitete als öffentlicher Beamter und als Notar des Hafens von Valparaíso. Er erlangte Bekanntheit durch seinen Einfallsreichtum, seine dichterische Begabung (genau wie sein Vater) und seine fanatische Einstellung zur Chilenisierung von Tacna und Arica. Er heiratete die Tochter eines belgischen Einwanderers, Laura Gossens, eine Frau von großer Schönheit und tiefer Religiosität. Sie hatten sechs Kinder, zunächst Alfredo, Inés, Salvador und Laura. Nach dem frühen Tod von Laura und Salvador bekamen sie zwei weitere Kinder, denen sie die gleichen Namen gaben. Dieser Salvador ist der Ex-Präsident von Chile.

1940 heiratete Salvador Allende die aus gutbürgerlichem Hause stammende Hortensia Bussi (1914–2009), genannt „La Tencha“. Mit ihr hatte er drei Töchter: Carmen Paz (* 1941), Beatriz (* 1943; † 1977 durch Suizid) und Isabel Allende, die von 2003 bis 2004 Präsidentin des chilenischen Unterhauses (Parlamentskammer) war. Diese hat den gleichen Namen wie die weltweit bekannte Schriftstellerin Isabel Allende, Tochter des Cousins von Salvador Allende, die diesen stets „Onkel“ nannte. Ein weiterer bekannter Verwandter Salvador Allendes ist sein Neffe Pascal Allende, welcher die linksradikale Organisation Movimiento de Izquierda Revolucionaria (MIR) 1965 mitbegründete und während der Militärdiktatur aus dem Untergrund leitete.[20]

Miria Contreras (genannt „La Payita“), seine Freundin und Privatsekretärin, hatte ihn am Tag des Putsches im Regierungsgebäude begleitet. Sie verließ auf Allendes Befehl rechtzeitig La Moneda, musste ins Exil, kehrte später nach Chile zurück und starb am 22. November 2002 an Krebs.

Postume Ehrung[Bearbeiten]

Salvador Allende
Briefmarke der DDR, 1973

Salvador Allende wurde nach seinem Tod vor allem in den sozialistischen Staaten Europas geehrt. In Berlin (Bezirk Köpenick) wurde das Salvador-Allende-Viertel nach ihm benannt, welches heute noch den Namen trägt. In der Universitäts- und Hansestadt Greifswald führte die BBS des VEK „Ingenieur-, Tief- und Verkehrsbaukombinat Rostock“ in der DDR den Namen Dr. Salvador Allende. Auf dem Schulhof befand sich ein Allende-Gedenkstein. Diese Bildungseinrichtung wurde nach der Wende abgewickelt, zu einer Hoteleinrichtung umgebaut und der Gedenkstein entfernt. In Jena (Thüringen) ist ein Platz mit einer dazugehörigen Straße im Stadtteil Lobeda-Ost nach Salvador Allende benannt Die heutige Sekundarschule in Klötze (Sachsen-Anhalt) trägt den Namen „Dr. Salvador Allende“.[21] Die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken nennt seit deren Eröffnung Ende der 1970er Jahre ihre Bildungsstätte in Oer-Erkenschwick Salvador-Allende-Haus.

Nach dem Ende der Militärdiktatur in Chile wurde Allendes Leichnam von Valparaíso, wo man ihn nach dem Putsch unter Ausschluss der Öffentlichkeit beerdigt hatte, nach Santiago de Chile überführt und dort auf dem Generalfriedhof beigesetzt. An der Beerdigung nahmen mehrere hunderttausend Menschen teil. Eine Statue Allendes befindet sich heute neben dem Präsidentenpalast La Moneda.

Verwandte Themen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Salvador Allende: Chile – Volkskampf gegen Reaktion und Imperialismus. Aus Reden des Präsidenten der Republik Chile Salvador Allende Gossens. Staatsverlag der DDR, Berlin 1973.
  • Willi Baer, Karl-Heinz Dellwo (Hrsg.): Salvador Allende und die Unidad Popular. Laika, Hamburg 2013, ISBN 978-3-942281-64-5.
  • Waltraud Hagen, Peter Jacobs: Salvador Allende: Eine Chronik. Neues Leben, Berlin 2008, ISBN 978-3-355-01749-7.
  • Wim Reckman: Allende, Chiles neuer Mann. Laetare, Freiburg im Üechtland / Imba, Stein (Nürnberg) 1971, ISBN 3-7839-0026-3.
  • Osvaldo Puccio: Ein Vierteljahrhundert mit Allende. Verlag der Nation, Berlin 1980.
  • Alejandra Rojas: Salvador Allende: das Ende einer Ära. Aufbau, Berlin 1998, ISBN 3-351-02483-5.
  • Günther Wessel: Die Allendes: Mit brennender Geduld für eine bessere Welt. Campus, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-593-36775-0.

Film[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Salvador Allende – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. spiegel.de 20. Juli 2011: Salvador Allende beging Selbstmord
  2. Georg Schendl: „Der Fall Pinochet – Chile 1973. Zur Praxis und Theorie der Menschenrechte“ (Diplomarbeit) (PDF-Datei; 661 kB), Universität Wien 2008
  3. Patricia Verdugo: Allende. Cómo la Casa Blanca provocó su muerte. Santiago 2003.
  4. Larraín, Felipe & Meller: The Socialist-Populist Chilean Experience, 1970–1973. In: Rudiger Dornbusch, Sebastian Edwards: The Macroeconomics of Populism in Latin America. 1991.
  5. http://www.cgu.edu/include/SPE_Keech2004.pdf Seite 37f
  6. Statistische Datenbank der Vereinten Nationen: Estimates of Rates of Growth of GDP (in Percent)
  7. Chilenische Zentralbank
  8. Pérez Zújovic war Innenminister von Eduardo Frei Montalva, als bei der Repression einer Landbesetzung in Puerto Montt mehrere Personen starben. Victor Jara machte ihn bekannt mit seinem Lied Preguntas por Puerto Montt.
  9. William F. Sater: Chile and the United States. Empires in Conflict. University of Georgia Press, Athens 1990, ISBN 0-8203-1249-5, S. 178–181.
  10. Patricio Aylwin sagte im Interview dazu, bis heute sei umstritten, ob dies Allendes Absicht gewesen sei: „Briones nos dijo que Allende buscaría una fórmula de salida, que una de ésas sería el plebiscito. Pero no hay ninguna prueba. Allende debió pronunciar su discurso el lunes 10 de septiembre y decidió dejarlo para un acto en la Universidad Técnica el martes en la mañana, pero ese martes se produjo el golpe. No sé si tenía un discurso redactado. Hasta el día de hoy no se ha conocido.“, El Mercurio vom 24. Dezember 2006 (online)
  11. William F. Sater: Chile and the United States. Empires in Conflict. Athens / London 1990, S. 181.
  12. a b Mirjam Gehrke:Chile will Tod von Allende aufklären, Deutsche Welle, 30. Januar 2011, abgerufen am 31. Januar 2011
  13. Hermes H. Benitez: Las muertes de Salvador Allende: una investigacion critica de las principales versiones de sus ultimos momentos. RIL editores, Santiago 2006, ISBN 956-284-497-8.
  14. Justiz untersucht Allendes Tod. In FAZ, 31. Januar 2011, S. 5
  15. Süddeutsche Zeitung Nr. 119/2011 vom 24. Mai 2011, S. 8 (online).
  16. Chile: Scientific autopsy confirms Allende suicide in US-Today (eng), 19. Juli 2011 (abgerufen am 20. Juli 2011).
  17. Salvador Allende beging laut Autopsie Selbstmord bei welt.de, 19. Juli 2011 (abgerufen am 20. Juli 2011).
  18. Peter Kornbluh: The Kissinger Telcons: Kissinger Telcons on Chile. National Security Archive Electronic Briefing Book No. 12, 26. Mai 2004, (online)
  19. Peter Müller, Michael Mueller, Erich Schmidt-Eenboom: Gegen Freund und Feind. Der BND: Geheime Politik und schmutzige Geschäfte. Reinbek, Rowohlt 2002, ISBN 3-498-04481-8.
  20. Interview mit Pascal Allende in: Gaby Weber: Die Guerilla zieht Bilanz. Gespräche mit Guerilla-Führern in Argentinien, Bolivien, Chile und Uruguay. Gießen 1989, S. 192
  21. Die Schule auf der Webseite der Stadt Klötze