Salvatore Riina

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Salvatore „Totò“ Riina (* 16. November 1930 in Corleone, Sizilien, Italien) ist ein italienischer Verbrecher, in der Cosa Nostra meistens „u curtu“ (der Kurze, aufgrund seiner geringen Körpergröße von 1,58 m), in den Medien „la belva“ (die Bestie) genannt. Er ist einer der bekanntesten Anführer der sizilianischen Mafia. Riina ist im Gefängnis Marino di Tronto in Ascoli Piceno inhaftiert, er wurde zehnmal zu lebenslanger Haft verurteilt.[1]

Verbrecherkarriere[Bearbeiten]

Salvatore Riina wurde als Sohn eines Corleoneser Bauern geboren. Als er zwölf Jahre alt war, starb sein Vater bei einer Bombenexplosion, die auch einen Bruder Salvatores das Leben kostete und einen weiteren schwer verletzte; er selbst blieb völlig unversehrt. Er schloss sich früh Luciano Liggio an, der bereits in der Mafia-Familie von Corleone Karriere gemacht hatte. Riina hatte Liggio Mitte der 1940er Jahre im Gefängnis kennengelernt und avancierte mit der Zeit zu dessen rechter Hand.

1949 beging Riina im Alter von 19 Jahren seinen ersten Mord und wurde daraufhin wahrscheinlich Mitglied der Cosa Nostra, wie die sizilianische Mafia sich selbst nennt. Als der machthungrige Liggio in Konflikt mit dem Capo der Familie, Dr. Michele Navarra, geriet, begann Liggios Gruppe einen Vandalismusfeldzug gegen einen von Navarras Unterbossen. Riina, sein Freund Bernardo Provenzano, die Gebrüder Bagarella und andere verwüsteten dessen Besitz. Navarra ordnete als Vergeltung einen erfolglosen Anschlag auf Liggio an. Am 2. August 1958 wurde Navarra von Liggios Gruppe ermordet. In den folgenden Jahren kam es zu einem blutigen Machtkampf zwischen Navarras treuen Anhängern und Liggios Gruppe in Corleone. Liggios Männer, die von Anfang an die Oberhand hatten, gaben sich nicht mit einem bloßen Sieg zufrieden, sondern töteten alle Gegner, derer sie habhaft werden konnten. Von 1943 bis 1961 wurden in Corleone 52 Morde und 22 versuchte Morde registriert; zudem verschwanden viele Personen spurlos, Opfer der sogenannten Lupara bianca.[2] Riina war einer der aktivsten Killer Liggios im Kampf um Corleone.

Nach dem Beginn des Ersten Mafiakriegs wurden unzählige Mafiosi verhaftet, so auch Riina. Er teilte seine Zelle mit dem Mechaniker und Autodieb Gaspare Mutolo, der später selbst in die Cosa Nostra aufgenommen wurde.

Mutolo wurde Jahrzehnte später zum Kronzeugen und beschrieb Riina und dessen Persönlichkeit eingehend. Als Riina ihn einmal nach seinen Autodiebstählen fragte und wissen wollte, ob Mutolo auch in der Lage sei, Leute umzubringen, habe Mutolo geantwortet: „Wenn es sein muss.“ Riina, mit der Antwort zufrieden, konnte allerdings nicht verstehen, dass Mutolo es als schwerer empfand, einen Menschen zu ermorden, als einen Raub zu begehen: „Wenn du jemanden erschießt, dauert das eine Sekunde. Wenn du einen Raub begehst, dann brauchst du dafür mehr Zeit“. Seine eigene Lebensphilosophie beschrieb Riina gegenüber seinem „Schüler“ folgendermaßen: „Du musst alle Möglichkeiten ausnutzen, um dein Ziel zu erreichen und alle möglichen Hindernisse eliminieren“.[2] Als die Cosa Nostra nach Jahren der relativen Untätigkeit 1969 mit Michele Cavataio den Verursacher des Ersten Mafiakrieges tötete, leitete der inzwischen wieder freigekommene Riina die Aktion. Dabei wurde Calogero Bagarella von Cavataio erschossen. Riina, der mit Bagarellas Schwester Ninetta verlobt war und diese auch später heiratete, trug als Zeichen der Trauer eine zeitlang eine schwarze Krawatte.[3]

Riina wurde seit Anfang der 1970er Jahre erneut per Haftbefehl gesucht, wurde jedoch erst 1993 verhaftet. Als Liggio 1974 in Mailand nach jahrelanger Flucht verhaftet wurde, ging die Führung innerhalb der Corleoneser Familie auf dessen rechte Hand Riina über. Liggio war bereits vorher oft von Riina bei Sitzungen der Mafia-Kommission vertreten worden. Ende der 1970er Jahre hielt sich Riina in einem Landhaus von Borgo Molara in der Gegend um Altofonte und Monreale versteckt.[4] Dieser unternahm bald erste Schritte zur Erringung der Vorherrschaft innerhalb der Cosa Nostra. Im blutigen Zweiten Mafiakrieg Anfang der 1980er Jahre errangen die Corleoneser und die anderen mit ihnen verbündeten Familien die absolute Vorherrschaft; in diesem Krieg starben mehr als 1000 Menschen. Riina ging dabei genau so vor, wie es ihm Luciano Liggio in Corleone vorgemacht hatte und rottete alle Gegner in einem Vernichtungsfeldzug regelrecht aus. Nachdem Riina kurz vor Weihnachten 1982 den palermitanischen Boss Rosario Riccobono und über 20 seiner Männer an einem einzigen Tag ermorden ließ, freute er sich darüber und geriet regelrecht in Euphorie: „Wir haben es sogar besser gemacht als die Amerikaner mit ihrem Valentinstag-Massaker!“[2] Parallel zu einem regelrechten Abschlachten ihrer Gegner begannen die Corleoneser einen Feldzug gegen den Staat. Über Jahre hinweg wurden Staatsanwälte, Richter, Politiker, Journalisten und auch unbeteiligte Zivilisten umgebracht. Riina wurde auch außerhalb Italiens bekannt, als er 1992 die Morde an Paolo Borsellino und Giovanni Falcone sowie an Salvatore Lima in Auftrag gab. Darüber hinaus soll er für etwa 100 weitere Morde verantwortlich sein, von denen er mehrere Dutzend persönlich begangen haben soll, so z.B. auch den Mord an Rosario Riccobono.

Obwohl Riina über zwanzig Jahre offiziell als „flüchtig“ galt, lebte er vermutlich die ganze Zeit in Sizilien und baute sich eine Machtstellung in der Mafia auf. Mehrere Jahre verbrachte er nachweislich in Palermo unter dem Schutz der Familie des palermitanischen Stadtviertels Noce. Es wird allgemein angenommen, dass dies nur möglich war, weil er aufgrund von Bestechung, Interessensverflechtungen und Einschüchterung aus der sizilianischen Regierung und der damals sehr einflussreichen Democrazia Cristiana Protektion genoss. Er traf sich in dieser Zeit vermutlich mit dem damals mächtigsten Politiker der Partei, Giulio Andreotti.

Verhaftung 1993[Bearbeiten]

Dass Riina schließlich am 15. Januar 1993 in Palermo doch verhaftet wurde, wird auch dem Umstand zugeschrieben, dass er mit den Morden an den sehr populären Borsellino und Falcone großen öffentlichen Druck auf die Politiker verursacht hatte, endlich effektiv gegen die Mafia vorzugehen. In diesem Zusammenhang wurde auch Giovanni Brusca inhaftiert, der von Riina beauftragt worden war, Falcone zu ermorden. Riina wurde unter anderem auch beschuldigt, an der Ermordung von Salvatore Lima beteiligt gewesen zu sein sowie die Verschleppung und Ermordung des Journalisten Mauro De Mauro in Auftrag gegeben zu haben. Brusca gab eine andere Version der Verhaftung Riinas zu Protokoll: Der diktatorischen und gewalttätigen Herrschaft Riinas überdrüssig, sei Riina von anderen Mafiabossen wie dessen altem Freund Bernardo Provenzano an den Staat verraten worden. Im Anschluss an die Verhaftung Riinas wurde auch sein Vermögen beschlagnahmt, welches etwa 125 Millionen britische Pfund betrug.

Riinas rechte Hand und Nachfolger war sein Schwager Leoluca Bagarella; als dieser 1995 verhaftet wurde, ging die Führung auf den nach Flucht im Jahre 1963 im April 2006 verhafteten Bernardo Provenzano über. Im Jahr 2004 wurde bekannt, dass Riina im Mai und Dezember 2003 zwei Herzinfarkte erlitten hatte. Riinas Söhne spielen laut Beobachtern in der Cosa Nostra nach Provenzano anscheinend eine große Rolle; durch sie soll auch der inzwischen 83-jährige Riina selbst noch einen gewissen Einfluss ausüben.

Filme[Bearbeiten]

Victor Cavallo spielte Riina im HBO-Film Excellent Cadavers.[5] 2007 erschien eine italienische Serie, die auf Mediasets Canale 5 lief, Capo dei Capi. Hier spielte ihn Claudio Gioè.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • John Follain: Die letzten Paten: Aufstieg und Fall der Corleones. übersetzt von Irmengard Gabler. Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-596-18370-8.
  • Clare Longrigg: Der Pate der Paten. Wie Bernardo Provenzano die Mafia organisierte. Herbig, München 2009, ISBN 978-3-7766-2591-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sizilianischer Mafiaboss Salvatore Riina zuletzt abgerufen am 11. Mai 2012.
  2. a b c John Follain: The last Godfathers. Hodder&Stoughton, London 2008, ISBN 978-0-340-97919-8.
  3. Pino Arlacchi: Mafia von innen – Das Leben des Don Antonino Calderone. Fischer, Frankfurt a. M. 1995, ISBN 3-596-12477-8.
  4. Massimo Ciancimino und Francesco La Licata: Don Vito. München 2010, Piper Verlag, ISBN 978-3-492-05444-7.
  5. www.imdb.com
  6. www.variety.com