Salzbergwerk

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Salzbergwerk in Wieliczka

Ein Salzbergwerk ist ein Bergwerk zum Zweck der Gewinnung von Steinsalz und Kalisalz (zur Herstellung von Kalidüngemitteln).

Abraumsalz[Bearbeiten]

Der Begriff ist irreführend, da es sich hierbei nicht um Abraum, sondern um „Berge“ handelt. Das Abraumsalz fällt jedoch beim Abbau unter Tage nicht separiert an, sondern wird erst durch physikalische Trennverfahren übertägig aus der geförderten Sole (beim Nassabbau) oder der angesetzten (beim Trockenabbau) Sole in verschiedenen Fraktionen als Natriumsalz vom Kalisalz und Magnesiumsalz abgetrennt und wieder auskristallisiert. Die nicht verwendbaren Salzreste aus dem Bergbau sind nach heutiger Definition Industrieabfall und müssen entweder als Sole verpresst oder abgeführt oder in Kristallform als Nasssalz über- oder untertägig gelagert werden.

Die unterirdische Salzlagerstätte besteht meist aus einem Gemisch aus Chloriden und Sulfaten von Kalium, Magnesium und Natrium sowie Calcium. Es finden sich Kristalle der Wertminerale von leicht löslichem Kaliumchlorid und Magnesiumsulfat (Bittersalz) sowie der Begleitsalze Magnesiumchlorid (hygroskopisch), Natriumchlorid (Kochsalz) und schwer löslichem Calciumsulfat (Gips). Gips färbt durch andere optische Eigenschaften das Abraumsalz auch in nassem Zustand weiß, durch Eisen und Ton wird es grau oder rötlich gefärbt.

Nachdem in einem Aufbereitungsprozess Kaliumchlorid (Düngemittel) mit einem Anteil von 10 bis 20 Prozent und Magnesiumsulfat (Düngemittel) und auch Magnesiumchlorid (technische Verwendung) von der Rohförderung abgetrennt wurden, wird der Rest mit überwiegend Kochsalz (Anteil ca. 95 %) und Gips (Anteil ca. 5 %) als Abraumsalz in ausgebeutete Grubenbaue verfüllt (versetzt) oder über Tage auf einer Abraumhalde verkippt.

Abbauverfahren[Bearbeiten]

Trockenabbau[Bearbeiten]

Trockenabbau von Steinsalz, Rheinberg

Das Salzgestein wird durch Bohr-, Spreng-, und Schrämmarbeiten abgebaut. Dabei bleiben Salzfesten stehen, die die entstehenden zum Teil sehr großen Hohlräume sichern (Kammerbau). Durch mechanische Zerkleinerung, Flotation, Sedimentation sowie Löse- und Rekristallisationsverfahren (Gradierwerk) wird das gewonnene Salz aufbereitet.

Nassabbau[Bearbeiten]

Besonders wirtschaftlich ist die Salzgewinnung durch Lösung des Salzes mittels Wasser, früher mittels Sinkwerken, heute in Bohrspülwerken. Aus der so gewonnenen Sole wird in der Saline Salz erzeugt (etwa im Salzbergwerk Berchtesgaden). In Norddeutschland werden Salzstöcke angebohrt und ausgelaugt. Wenn die Sole nicht, wie beispielsweise im Burglesum einfach in Oberflächengewässer abgelassen wird, wird das Salz in Salinen gewonnen. Die so im Salz entstandenen großen Hohlräume können etwa als Gas- oder Erdöllager oder für Abfalllagerung genutzt werden.

Bergtechnisches[Bearbeiten]

Im Vergleich zum Erz- oder Steinkohlenbergbau stellt Wasser für ein Salzbergwerk eine noch größere Gefahr dar. Eindringendes Grund- oder Sickerwasser würde das Salz auflösen und damit die Grubenbaue zerstören. In einem intakten Salzbergwerk ist es also trocken.

Souvenirsalzsteine aus dem Bergwerk Berchtesgaden

Tritt Feuchtigkeit auf, muss geprüft werden, ob es sich um Süßwasser oder Salzwasser handelt. Bei Süßwasser oder ungesättigter Salzlösung ist größte Gefahr gegeben, da mit weiteren Auflösungserscheinungen zu rechnen ist und der Wasserzustrom größer werden kann. Wird gesättigte Salzlösung angetroffen, die noch aus der Entstehungszeit der Salzlagerstätte stammt, besteht keine Gefahr, da diese kein weiteres Salz auflösen kann.

Am Beispiel der Ausspülung des Salzstockes von Wapno im Jahr 1977 wird deutlich, welche Gefahren durch unkontrolliertes Eindringen größerer Wassermengen in ein Salzbergwerk entstehen können.

Erwähnenswert ist auch die häufige Nachnutzung von Salzbergwerken. Wenn sich der Abbau nicht mehr lohnt, werden einige Salzbergwerke wegen spezifischer Eigenschaften des Salzes als Endlager für Abfälle, die zuverlässig von der Biosphäre abgeschlossen sein müssen, genutzt. Auch eine Lagerung radioaktiver Abfälle ist im Salz möglich, wenn auch nicht zwangsläufig sicher, wie der Salzlösungzutritt in die Forschungs-Atommülldeponie Asse bei Wolfenbüttel beweist. Immer häufiger werden außerdem sie als Heilstollen genutzt,

Die Halurgie (griech.; auch Halotechnik, Salzwerkskunde) ist die historische Bezeichnung für die Lehre von der Gewinnung des Salzes.

Wo werden Salze gefördert?
(Der Basisquelle für diese Karte[1] ist leider keine genauere Unterscheidung der Salze zu entnehmen)

Wenn Sie eine detailliertere Weltkarte zum Bergbau „frei verschiebbar“ im Großformat (5,6 MB) betrachten möchten, folgen Sie diesem Link

Geschichte[Bearbeiten]

Eines der ältesten Salzbergwerke befindet sich im polnischen Wieliczka (Groß Salze). Eine Salzsiederei gab es dort ab etwa 3500 v. Chr., unterirdischer Abbau fand seit dem 13. Jahrhundert statt. Aus der Bronzezeit gibt es umfangreiche Funde am Hallstätter Salzberg bei Hallstatt im Salzkammergut (Typlokalität der Hallstattzeit). In der frühen Eisenzeit (bis etwa 400 v. Chr.) begann am Dürrnberg (Halleiner Salzberg bei Salzburg) der Untertagesalzabbau. In der jüngeren Eisenzeit zeigte dieser Salzabbau am Dürrnberg bereits industrielle Züge, das Bergwerk war bis 1989 (also 2½-tausend Jahre) weitgehend durchgehend in Betrieb, und ist heute Schaubergwerk.

Deutschland[Bearbeiten]

Salzbergwerk in Merkers, heute ein Schaubergwerk

Im Salzbergwerk Berchtesgaden wird bereits seit fast 500 Jahren Steinsalz abgebaut, im Salzbergwerk Heilbronn/Bad Friedrichshall und in Haigerloch-Stetten (Zollernalbkreis) seit dem 19. Jahrhundert. In großem Stil wird in Deutschland noch in Bernburg Steinsalz abgebaut.

Bekannt in Deutschland sind die Kalibergbaugebiete des Süd- und Ostharzes, die Förderung ist dort jedoch eingestellt. Im Werra-Gebiet, Hattorf, Wintershall, Unterbreizbach sowie Merkers, besteht als Verbundbergwerk Werra das weltweit modernste und größte Kalisalzbergwerk. Ebenfalls von großer Bedeutung ist das Kalirevier von Zielitz (bei Magdeburg). Auch im Raum Hannover, Werk Sigmundshall, läuft heute noch ein Kalibergwerk. Teile des Kaliwerkes Werra, Standort Merkers, können als Besucher- und Erlebnisbergwerk untertage besichtigt werden.

Große Mengen Kalisalze wurden auch nahe Mülhausen im Elsass abgebaut. Da der Untertagebau im Kalirevier im Elsass ab 1992 nicht mehr rentabel war, wurden die Förderanlagen abgestellt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bergbau und Industrie der einzelnen Kontinente im Alexander-Weltatlas 2000, Klett-Perthes, Gotha 2000

Literatur[Bearbeiten]

  • Silvio Zeibig, Olaf Hartmann: Erfassung der Schächte des Kali- und Steinsalzbergbaus in Deutschland. In: Kali und Steinsalz. Nr. 1, 2006, S. 38–43.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Salzbergwerk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien