Salzburger Festspiele

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Die Salzburger Festspiele sind eine Kulturveranstaltung, die seit 1920 jeden Sommer in Salzburg stattfindet. Vorläuferveranstaltung war (seit 1877 in unregelmäßigen Abständen) die „Internationalen Musikfeste in Salzburg“. Unter den Aufführungen ist dabei traditionell Hugo von Hofmannsthals Jedermann vertreten, dessen Aufführung in der Regie von Max Reinhardt am 22. August 1920 auf dem Domplatz die Geburtsstunde der Festspiele markierte.

Neben diesen Festspielen werden zu Ostern eigene Festspiele veranstaltet, die Osterfestspiele, die von Herbert von Karajan eingeführt wurden. Außerdem kamen die Pfingstfestspiele hinzu, die nach Karajans Tod der Barockmusik gewidmet sind. Seit 2007 beschäftigt man sich mit neapolitanischen Komponisten des 18. Jahrhunderts, Riccardo Muti fungiert dabei als Dirigent und künstlerischer Leiter.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Jedermann Aufführung, 1937
Jedermann Aufführung, 1937
Jedermann Aufführung, 1937
Domplatz, Jedermanntribünen

Neben Reinhardt und Hofmannsthal ist die Etablierung der Festspiele hauptsächlich der Arbeit des Komponisten Richard Strauss, des Dirigenten und Wiener Hofoperndirektors Franz Schalk und des Bühnenbildners Alfred Roller zu verdanken. 1921 gab es neben dem Jedermann erstmals Konzerte (hauptsächlich Kammer- und Orchesterkonzerte). 1922 kamen zusätzlich zu Schauspiel und Konzerten vier Opern von Wolfgang Amadeus Mozart zur Aufführung, womit das Konzept im Wesentlichen stand, das dann ab 1925 erfolgreich umgesetzt wurde. Die Neuerungen dieses Jahres (die Hofstallkaserne wurde als provisorisches Festspielhaus genutzt, das Programm gebündelt in einem Festspielalmanach präsentiert und der Rundfunk eingebunden) gaben den Festspielen einen Schub, nachdem sich zuvor 1923 nur die Aufführung von Molières Der eingebildete Kranke hatte finanzieren lassen und 1924 die Festspiele aus finanziellen Gründen gar hatten ausfallen müssen. 1926 kam die Felsenreitschule als zweite Spielstätte hinzu und der Architekt Clemens Holzmeister baute das Festspielhaus erstmals um (in den 30er Jahren erfolgten weitere Umbauten und Erweiterungen).

Auf dem Festspielplakat des Jahres 1928 erschien erstmals das Motiv des bis heute verwendeten Signets der Festspiele. Die Grafikerin Poldi Woytek hatte den Wettbewerb hierzu gewonnen[1].

Ab 1936 besitzen die Festspiele auch eine Festspiel-Fanfare (komponiert von Joseph Messner), die bei Rundfunkübertragungen von den Salzburger Festspielen auch als Erkennungsmelodie eingesetzt wird.

Die Zeit des Nationalsozialismus nach dem „Anschluss“ Österreichs ans Deutsche Reich im Jahr 1938 hatte auch für die Salzburger Festspiele gravierende Folgen. So musste Hofmannsthals Jedermann vom Programm genommen werden, Künstler erhielten Aufführungsverbote beziehungsweise gingen ins Exil. Arturo Toscanini, der noch 1937 der prägendste Dirigent gewesen war, lehnte eine weitere Teilnahme ab. Das Kleine Festspielhaus des mittlerweile emigrierten Clemens Holzmeister wurde baulich verändert, um nationalsozialistischer Ästhetik zu entsprechen. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde das Programmangebot deutlich verringert, 1944 schließlich konnten die Festspiele, aufgrund einer im Anschluss an das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 getroffenen Anordnung des Propagandaministers Goebbels, alle Festspiele im Deutschen Reich abzusagen, nicht stattfinden. Lediglich am 14. August dirigierte Furtwängler ein Konzert und am 16. August fand die „öffentliche Generalprobe“ der Strauss-Oper Die Liebe der Danae statt.

1945, nach Ende des Zweiten Weltkrieges, konnten die Salzburger Festspiele, allerdings mit einem äußerst verknappten Programm, wieder veranstaltet werden. Auch Hofmannsthals Jedermann konnte wieder aufgeführt werden und wird seitdem jedes Jahr gezeigt. Bedeutende Künstler, die in der Nazi-Zeit nicht erwünscht waren, kehrten nach Salzburg zurück, beispielsweise Georg Solti oder Rolf Liebermann. In weiterer Folge wurde das Kleine Festspielhaus noch einmal umgebaut und von den Nazi-Elementen befreit. Vorübergehend wurde sogar erwogen, Bertolt Brecht in die Leitung der Festspiele mit einzubeziehen, was von Gottfried von Einem betrieben wurde. Aus politischen Gründen – Brecht begann zeitgleich mit seiner Arbeit in der DDR – wurde dies vom damaligen Salzburger Landeshauptmann Josef Klaus verhindert.

Die Salzburger Festspiele der jüngeren Geschichte wurden vor allem durch zwei Persönlichkeiten geprägt: den Dirigenten Herbert von Karajan (1960 bis 1989) und den belgischen Intendanten Gérard Mortier (1990 bis 2001). Die Zeit Karajans war bestimmt durch seinen autokratischen Führungsstil, höchste musikalische Qualität und das Engagement internationaler Stars, was gegen Ende seiner Ära zu einer gewissen künstlerischen Stagnation führte. Es blieb Mortier vorbehalten, die Festspiele für neue künstlerische Strömungen zu öffnen und dem Sprechtheater wieder stärkeres Gewicht zu verleihen.

Nachfolger von Gérard Mortier wurde Peter Ruzicka (2002 bis 2006); seit 2007 steht den Festspielen der Regisseur Jürgen Flimm als Intendant vor, Schauspielchef ist Thomas Oberender.

Sven-Eric Bechtolf wird 2011 neuer Schauspielchef der Salzburger Festspiele und wird seine Aufgabe unter dem künftigen Intendanten Alexander Pereira übernehmen. Damit wird Bechtolf Nachfolger von Thomas Oberender. Er gilt als Pereiras Wunschkandidat, mit dem er am Zürcher Schauspielhaus mehrfach zusammen gearbeitet hat.

Zur Eröffnung der Salzburger Festspiele werden seit 1964 prominente Festredner eingeladen. Diese Tradition wurde 2005 und 2006 unterbrochen, als die neue Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) – die Landesregierung ist die Veranstalterin der Eröffnung – sich gegen einen Eröffnungsredner aussprach. Die Liste der Festredner der Salzburger Festspiele findet sich in einem gesonderten Artikel.

Am 25. Juli 2009 wurden die 89. Festspiele anlässlich des 250. Todesjahres von Georg Friedrich Händel mit dessen Werk Theodora eröffnet.[2]

[Bearbeiten] Spielstätten

[Bearbeiten] Nestroy-Theaterpreis

Die Salzburger Festspiele sind mit ihren Produktionen seit 2000 das erfolgreichste Theaterfestival beim Nestroy-Theaterpreis.

Nestroy-Theaterpreis 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
Nominierungen/Siege 4/1 1/1 2/1 0 0 5/3 7/3 2/1

[Bearbeiten] Literatur

  • Marina Auer: Die Salzburger Festspiele im Schatten der Politik (1933–1945). LMU-Publikationen, München 2003 (Volltext)
  • Edda Fuhrich, Gisela Prossnitz (Hrsg.): Die Salzburger Festspiele. Ihre Geschichte in Daten, Zeitzeugnissen und Bildern. Band 1. 1920–1945. Residenz, Salzburg 1990, ISBN 3-7017-0630-1.
  • Stephen Gallup: Die Geschichte der Salzburger Festspiele. Orac, Wien 1989, ISBN 3-7015-0164-5.
  • Josef Kaut: Die Salzburger Festspiele. Bilder eines Welttheaters. Residenz, Salzburg 1973, ISBN 3-7017-0047-8.
  • Andreas Novak: Salzburg hört Hitler atmen. Die Salzburger Festspiele 1933–1945. DVA, München 2005, ISBN 3-421-05883-0.
  • Andress Müry (Hrsg.): Kleine Salzburger Festspielgeschichte. Pustet, Salzburg 2002, ISBN 3-7025-0447-8.
  • Michael P. Steinberg: Ursprung und Ideologie der Salzburger Festspiele 1890–1938. Pustet, Salzburg und München 2000, ISBN 3-7025-0410-9.
  • Harald Waitzbauer: Festlicher Sommer. Das gesellschaftliche Ambiente der Salzburger Festspiele von 1920 bis zur Gegenwart. Schriftenreihe des Salzburger Landespressebüros, Salzburg 1997.

[Bearbeiten] Film(e)

  • The Salzburg Festival. Dokumentarfilm 2006, Regie: Tony Palmer

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Salzburger Festspiele – Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Woytek heiratete den damaligen Werbeleiter der Salzburger Festspiele Kajetan Mühlmann. Hildegard Fraueneder, Salzburger Stadtspaziergänge: Auf den Spuren der Frauen 2005. Stadt Salzburg
  2. vgl. dpa: Salzburger Festspiele gestartet bei focus.de, 26. Juli 2009
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