Sam Sheppard

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Samuel Holmes Sheppard (* 29. Dezember 1923; † 6. April 1970)[1] war ein US-amerikanischer Osteopath und Opfer eines berühmten Justizirrtums. 1954 wurde er für den Mord an seiner schwangeren Frau Marilyn Sheppard zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und nach 10 Jahren in einem Wiederaufnahmeverfahren mangels Beweisen freigesprochen.

Fall[Bearbeiten]

Am 4. Juli 1954 erreichte ein Anruf die Polizei, der die folgenden Jahrzehnte nahezu die gesamte Presse und Bevölkerung der USA beschäftigte. Der junge Arzt Sam Sheppard, aus einem kleinen Vorort von Cleveland, Ohio, sagte aus, ein Einbrecher habe seine Frau Marilyn brutal ermordet. Es folgte eine der sensationellsten Kriminalfälle der jüngsten amerikanischen Kriminalgeschichte.[2]

Die Polizei glaubte dem jungen Arzt damals kein Wort. Für sie ergab die Schilderung keinen Sinn. Nach der Tatortsicherung und der Beweisaufnahme wurde Sheppard in einem Aufsehen erregenden Prozess zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Nach acht Jahren Haft wurde Sam Sheppards Fall aber erneut aufgerollt, nachdem Journalisten einige Tatsachen ans Licht gebracht hatten. 1964 wurde er daraufhin freigelassen. Wieder wurden er und seine Geschichte zum Medienspektakel.[3] Doch bereits 1970, im Alter von nur 46 Jahren, starb Sheppard an einem Leberleiden.

Dann plötzlich richtete sich Amerikas Augenmerk erneut auf seine Geschichte, als Richard Eberling verhaftet wurde, der früher als Gärtner bei den Sheppards angestellt war. Der psychisch kranke Mann hatte 1987 eine Frau ermordet. Der Mord ähnelte in einigen Einzelheiten dem an Marilyn Sheppard. 1990, 20 Jahre nach Sheppards Tod, versuchten Gerichtsmediziner und DNA-Spezialisten, den wahren Täter mit Hilfe von neuesten Hightechmethoden zu ermitteln. Das dritte Verfahren im Januar 2000, das Sam Sheppard jr. und dessen Anwalt Terry Gilbert gegen den Staat Ohio angestrengt hatten, um einen Freispruch nicht nur mangels Beweisen sondern wegen erwiesener Unschuld zu erreichen, endete ohne den von den Klägern angestrebten Freispruch. Begründet wurde dies vom Gericht mit dem Argument, dass im Bundesstaat Ohio nur ein Beschuldigter persönlich ein solches Verfahren anstrengen könne, nicht aber die Hinterbliebenen in seinem Interesse.

Adaptionen[Bearbeiten]

Der Fernsehfilm Dr. Sam Sheppard: Unschuldig verurteilt behandelt die Ereignisse aus der Sicht von Sam Sheppard jr. Die Fernsehserie Auf der Flucht und der gleichnamige Film basieren lose auf seiner Geschichte. Außerdem ist dieser Fall Thema in einer Folge der Serie True Crime Scene.

In seinem Roman "Mr. Peanut" von 2010 greift der US-amerikanische Autor Adam Ross in einem Handlungsstrang die Geschichte von Sam Sheppard auf.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.findagrave.com/cgi-bin/fg.cgi?page=gr&GRid=6938
  2. Jürgen Thorwald: Die Stunde der Detektive, Droemer Ag, Zürich 1966, Seite 172: „In Cleveland [… begann …] eine Kriminalaffäre, die sich im wahrsten Sinne des oft mißbrauchten Wortes zu einem der ‚sensationellsten‘ Fälle innerhalb der jüngsten amerikanischen Kriminalgeschichte entwickelte.“
  3. Jürgen Thorwald: Die Stunde der Detektive, Droemer Ag, Zürich 1966, Seite 199: „Was die Blutspurenkunde anbelangte […] ging die Shepard-Affäre in jedem Fall in die Galerie der Mißgriffe ein, die lehrte […] nach neuen Wegen und Möglichkeiten zu forschen.“