Samba (Software)

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Samba
Logo von Samba
Entwickler Samba-Team[1]
Aktuelle Version 4.1.13[2]
(20. Oktober 2014)
Betriebssystem plattformübergreifend
Kategorie SMB-Server und -Client
Lizenz GPL
Deutschsprachig nein
www.samba.org

Samba ist eine freie Software-Suite, die es unter Nicht-Microsoft-Betriebssystemen ermöglicht, Microsoft-Windows-Funktionen wie die Datei- und Druckdienste und die Rolle eines Domain Controllers, und damit ein Active Directory, zu emulieren. Sie implementiert hierfür unter anderem das SMB/CIFS-Protokoll.

Da die Software unter der GPL-Lizenz kostenfrei verfügbar ist, wird sie als Alternative zu Microsoft-Windows-Server-Betriebssystemen eingesetzt.

Entwicklung[Bearbeiten]

Samba wurde erstmals 1992 vom Australier Andrew Tridgell veröffentlicht, um den Datenaustausch zwischen SunOS und DOS auch ohne NFS zu ermöglichen. Später wurde Samba auch auf Linux portiert, was dem Betriebssystem eine enorme Verbreitung im Dateiserver-Segment bescherte und zu dessen weiterem Erfolg beigetragen hat. Die nun von einer Gemeinschaft freiwilliger Programmierer entwickelte Software wurde stetig erweitert, um die Beiträge anderer Unternehmen zum Server-Message-Block-Protokoll aufzunehmen. Die Erweiterungen des SMB-Protokolls stammten unter anderem von Microsoft, SCO, Thursby, IBM, Apple und dem Samba-Team selbst, wobei Microsoft die meisten Beiträge leistete und auch als einziges Unternehmen einige Erweiterungen geheim hielt. Da aber ein reibungsloser Datenaustausch ohne diese geheimen Erweiterungen nicht immer möglich war, musste ein Teil des SMB-Protokolls durch das Auswerten des Netzwerkverkehrs (Protokoll-/Netzwerkanalyse) erschlossen werden.[3]

Nach Differenzen bezüglich der Architektur von Samba spaltete sich 2000 das Projekt Samba-TNG vom Hauptprojekt mit dem Ziel ab, einen Primary Domain Controller (PDC) für Windows-NT-Domänen zu entwickeln, eine Funktionalität, welche im Hauptzweig bis dato noch nicht stabil verfügbar war.

Zum festen Kern der Entwicklergemeinde von Samba zählen in etwa 20 Personen. Einige Unternehmen, wie zum Beispiel IBM, leisten finanzielle und personelle Unterstützung bzw. sind sogar Arbeitgeber einiger Samba-Entwickler.

In der Versionsreihe Samba 3 besteht die Möglichkeit, Samba als Mitgliedsserver in einer Active-Directory-Domäne zu betreiben, nicht jedoch als deren Domain Controller. Samba 3 kann nur Domain Controller des veralteten Windows-NT-4.0-Typs emulieren, was jedoch für viele Netzwerke überschaubarer Größe ausreicht. Darin kann ein zweiter Samba-Server auch die Rolle eines Backup Domain Controllers (BDC) übernehmen. Seit Version 3.5 unterstützt Samba auch die von Microsoft mit deren Betriebssystem Windows Vista eingeführte proprietäre neue Version des SMB-Protokolles namens SMB2.

Während Samba 3 auch gegenwärtig noch weitergepflegt wird, liegt der Fokus inzwischen auf Samba 4. Die größte Neuerung der neuen Version ist die Entwicklung eines Active Directory-Domain Controllers und der dafür nötigen Infrastruktur. Außerdem wurde das Verwaltungswerkzeug SWAT stark verbessert, so dass es auch zur Verwaltung einer Active-Directory-Domäne über das Web genutzt werden kann. Samba 4 wurde ursprünglich als komplett neue Entwicklung gestartet und sollte Samba 3 ersetzen, sobald es den Stabilitätsanforderungen genügte. Inzwischen wird dazu tendiert, dass Samba 4 seine Vorgängerversion durch Hinzufügen der Domain-Controller-Funktionalität ergänzen statt komplett ersetzen soll. Samba 4 wurde im Dezember 2012 für den Produktiveinsatz freigegeben.

Bestandteile und grafische Benutzeroberflächen[Bearbeiten]

Samba besteht aus einer Reihe von einzelnen Modulen, die der grundlegenden Funktion sowie der Konfiguration dienen.

Die Kernmodule sind die Daemons samba (Active-Directory-Emulation ab Version 4), smbd (Datei- und Druckerfreigabe), nmbd (NetBIOS-Namensauflösung) und winbindd (Benutzer-/Gruppen-Zuordnung).

Für die Konfiguration von Samba existieren eine Reihe von GUIs, beispielsweise:

Verbreitung[Bearbeiten]

Fast alle Linux-Distributionen enthalten Samba und bieten damit Zugriff auf Dateifreigaben in gemischten Netzwerken, in denen z. B. auch Windows eingesetzt wird. Auch in homogenen Unix-Netzwerken wird Samba, und damit das SMB-Protokoll, häufig statt des NFS-Protokolls eingesetzt.

Zusätzlich ist Samba oft Bestandteil weiterführender Hard- (z. B. NAS) und Software-Produkte, die die Installation, Konfiguration und Verwaltung der Software erleichtern und deren Hersteller außerdem oft kommerziellen Support anbieten.[4][5]

Zugang zur Protokolldokumentation[Bearbeiten]

In den frühen 90er Jahren hatten Microsoft und das Samba-Team eine gute und produktive Beziehung, bei der Schnittstellendaten ausgetauscht wurden.[6] Dies ändert sich jedoch mit einer neuen Schnittstellen-Politik Microsofts ab Windows 95. Am 20. Dezember 2007 jedoch wurde zwischen Microsoft und der „Protocol Freedom Information Foundation“ (PFIF) auf Anordnung der Europäischen Union ein Abkommen geschlossen, welches Microsoft verpflichtet, alle nötigen Informationen über „Microsoft Work Group Server“ bereitzustellen, um mit diesem vollständig kommunizieren zu können. Das Abkommen sieht vor, dass diese Informationen nur der PFIF und dem Samba-Team zugänglich sind. Dafür erlaubt das Abkommen auch die Veröffentlichung des Quelltextes von Implementierungen dieser Schnittstellen, so dass die Schnittstellen so indirekt offengelegt werden. Patente sind von dem Abkommen allerdings nicht betroffen.

“We are very pleased to be able to get access to the technical information necessary to continue to develop Samba as a Free Software project. Although we were disappointed the decision did not address the issue of patent claims over the protocols, it was a great achievement for the European Commission and for enforcement of antitrust laws in Europe. The agreement allows us to keep Samba up to date with recent changes in Microsoft Windows, and also helps other Free Software projects that need to interoperate with Windows.”

„Wir sind hocherfreut, Zugang zu den technischen Informationen zu erhalten, die nötig sind, um Samba als ein freies Softwareprojekt weiterzuentwickeln. Obwohl wir enttäuscht waren, dass die Entscheidung nicht auf die Protokoll-Patentansprüche einging, stellt sie einen herausragenden Erfolg der EU-Kommission und für die Durchsetzung des Kartellrechts in Europa dar. Das Abkommen gestattet uns, Samba mit den neuesten Veränderungen von Microsoft Windows Schritt halten zu lassen, und hilft auch anderen freien Softwareprojekten, die mit Windows interagieren müssen.“

Andrew Tridgell (Samba-Gründer): 20. Dezember 2007[7]

Als Ausdruck eines inzwischen wieder entspannteren Verhältnisses zwischen Microsoft und dem Samba-Projekt kann auch gelten, dass Microsoft-Mitarbeiter sich 2011 erstmals aktiv an der Samba-Entwicklung beteiligten.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Volker Lendecke, Karolin Seeger, Björn Jacke, Michael Adam: Samba 3 für Unix/Linux-Administratoren, dpunkt.verlag, 3. Auflage, 2009, ISBN 978-3-89864-605-5
  • John H. Terpstra, Jelmer R. Vernooij: Official Samba-3 HOWTO and Reference Guide, 2. Auflage, Prentice Hall PTR, 2005, ISBN 0-13-188222-8 (englisch)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Samba Team (englisch) – offizielle Entwicklerseite (Abgerufen am: 5. Juni 2012)
  2. Samba Release History (englisch) – offizielle Entwicklerseite (Abgerufen am: 23. Oktober 2014)
  3. Andrew Tridgell: Myths About Samba auf Groklaw, 26. Februar 2005
  4. Samba as part of Commercial Products. Samba-Webseite, abgerufen am 1. April 2014.
  5. Samba Commercial Support Providers. Samba-Webseite, abgerufen am 1. April 2014.
  6. „We are hoping to get back to the productive relationship we had with Microsoft during the early 1990's when we shared information about these protocols.“ (Jeremy Allison, co-creator of Samba)
  7. Samba and the PFIF (englisch) – Pressemitteilung vom Samba-Team, vom 20. Dezember 2007 (Abgerufen am: 25. Dezember 2010)
  8. Samba Notes Passing a Milestone. Samba-Webseite, 2. November 2011, abgerufen am 4. Dezember 2011.