Samborondón

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Samborondón ist eine Stadt in Ecuador und Hauptort eines gleichnamigen Kantons der Provinz Guayas in Ecuador. Der Kanton hat etwa 45.000 Einwohner (davon rund 12.000 in der Hauptstadt) und gehört zur urbanen Agglomeration von Guayaquil, der größten Stadt Ecuadors, die auch Hauptstadt der Provinz Guayas ist.

Geographie[Bearbeiten]

Die Stadt Samborondón liegt auf der Halbinsel La Puntilla zwischen den Flüssen Babahoyo und Daule, die sich an dieser Stelle zum Guayas vereinigen. Auf der anderen Flussseite liegt Guayaquil. Zwischen Guayaquil und Samborondón befindet sich die Brücke der Nationalen Einheit; beide liegen etwa fünf Autominuten (der Zutritt ist für Fußgänger verboten) voneinander entfernt. Dies hat dazu geführt, dass die meisten Einwohner Samborondóns in Guayaquil arbeiten.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Über den Namen kursieren zwei Theorien: Die eine besagt, der Name leite sich vom Heiligen Brendan ab, der im Spanischen San Borondón heißt. In Spanien und dementsprechend in Lateinamerika der Kolonialzeit wurden öfters Ortschaften nach ihm benannt. Der anderen zufolge geht der Name auf einen dunkelhäutigen Sklaven namens Bartolomé Samborondón zurück, der mit dem Siedler Fermín de Asiain um 1655 in die Gegend gekommen sein soll und der einzige Schwarze der Umgebung war. Der Name gilt als Zusammenziehung der Worte „Zambo/Sambo“ und „Rendón“, wobei ersterer auf afrikanische Abstammung und letzterer auf einen spanischen Nachnamen verweise.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Als offizielles Gründungsdatum Samborondons gilt der 24. Mai 1776. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich dort eine Kapelle und eine Glocke, die sich heute im Stadtmuseum von Guayaquil befindet. Die Gegend war hauptsächlich von indigenen Bevölkerungsgruppen der Küstenregion, Cayapas und Tsáchilas, bewohnt. Als Guayaquil 1820 unabhängig wurde, wurde Samborondón zunächst 1822 als eigener Kanton der Freien Provinz Guayaquil eingerichtet, jedoch nach deren Anschluss an Großkolumbien und später Ecuador als Kirchspiel wieder dem Kanton Guayaquil eingegliedert. 1829 hielt sich Simón Bolívar 34 Tage lang in der Kaserne in El Buijo, auf dem Gebiet des heutigen Kantons Samborondón, auf, die bereits Operationszentrum von Antonio José de Sucre während der Unabhängigkeitskriege wenige Jahre zuvor gewesen war. Hier wurde am 27. Juni 1829 ein Waffenstillstandsvertrag zwischen Guayaquil bzw. Großkolumbien und den peruanischen Truppen, die die Stadt seit sechs Monaten belagerten, unterzeichnet.[2] Am 31. Oktober 1955 wurde das Kirchspiel dann zum Kanton der Republik Ecuador erhoben.

Samborondón heute[Bearbeiten]

Die Stadt[Bearbeiten]

Heute besteht die Stadt Samborondón auf La Puntilla in erster Linie als Domizil prominenter und wohlhabender Einwohner Guayaquils bekannt (hier lebt unter anderem Álvaro Noboa). Sie besteht hauptsächlich aus einer Hauptstraße (Vía a Samborondón) mit teuren Gated Communities (urbanizaciones cerradas) zu beiden Seiten, obwohl in den letzten Jahren nicht nur für Mitglieder der Oberschicht, sondern auch vermehrt für Mittelschichtfamilien Gated Communities errichtet werden. Vor Ort gibt es auch mehrere Schulen, zwei katholische und mehrere evangelikale Kirchen, eine im Jahr 2008 eröffnete private Klinik, eine private Universität und zwei Einkaufszentren nach amerikanischen Vorbild mit Food-Court und Kinos. Auch der Parque Histórico de Guayaquil, ein Zoo und Botanischer Garten für die lokale Fauna und Flora mit kolonialen Nachbildungen prominenter Gebäuden der Stadt Guayaquil befindet sich in Samborondón. Der Parque Histórico ist eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt Guayaquil.

Der ländliche Teil des Kantons Samborondón[Bearbeiten]

Im Gegensatz zur Stadt Samborondón sind die ländlichen Teile des Kantons, die im Kirchspiel Tarifa zusammengefasst sind, arm und ländlich geprägt. Ihre Einwohner leben hauptsächlich von Reisanbau und Viehzucht. Der Kanton Samborondón gilt daher als Paradebeispiel für die ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung in Ecuador. Der Kanton Samborondón grenzt im Norden an den Kanton Urbina Jado, im Westen an Daule und Guayaquil, im Süden an Durán und Yaguachi und im Osten ebenfalls an Yaguachi und im äußersten Nordosten an die Provinz Los Ríos.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Gobernación de Guayas, Samborondón; Stadtverwaltung Samborondón, Historia. Origen, beid abgerufen am 21. Juli 2008 (spanisch)
  2. Mañana se realizarán eventos en El Buijo, El Universo, 25. Juni 2005 (spanisch). Heute befindet sich in El Buijo eine Pferderennbahn.

Weblinks[Bearbeiten]