Sammelalbum

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Serie Die neuen deutschen Kriegsschiffe von Willy Stöwer
Stollwerck-Album aus dem Jahr 1900

Als Sammelalbum bezeichnet man

  • CDs oder Schallplatten, auf denen Werke verschiedener Künstler enthalten sind (Kompilation).
  • Notenhefte mit Musikstücken mehrerer Autoren
  • Hefte, Broschüren oder Ordner, die leer verkauft werden und dazu bestimmt sind, mit Sammelbildern oder anderen Sammelobjekten, z. B. Euromünzen, gefüllt zu werden. Zielgruppe sind meist Kinder oder Jugendliche.

Die Sammelobjekte (z. B. Sticker, Karten oder Sammelkarten) werden entweder verkauft oder sind Produktzugabe zu Waren wie Schokoriegeln oder Kaugummis.

Sammelalben für Stollwerck-Bilder[Bearbeiten]

Stollwerck-Sammelalbum No. 1, Vorderseite
Stollwerck-Sammelalbum No. 1, Rückseite
Stollwerck-Sammelbild Franz Skarbina: Die Blumenfrau am Halleschen Tor (1900)

Stollwerck-Bilder sind seit ihrer Entstehung um 1840 bis heute begehrte Sammelobjekte. Die Idee, Bilder zur Verkaufsförderung von Ware in Deutschland einzusetzen, geht auf Franz Stollwerck (1815-1876) zurück, der bereits ab 1840 „Bilder-Chocolade“ oder „Photographie-Chocolade“ produzierte.[1] Es kann angenommen werden, dass Franz Stollwerck während seiner Gesellenzeit in Paris vom Kaufhaus „Au bon marché“ inspiriert wurde, das den Kunden nach dem Einkauf Bildpräsente übergab, die auf der Rückseite einen Kalender und Firmenwerbung trugen und den Kunden zum Wiederkauf motivieren sollten. Die Kundschaft war von dieser Idee derart begeistert, dass Aristide Boucicaut, der Inhaber des Kaufhauses, die Herausgabe von Bilderserien veranlasste.[2]

Franz Stollwerck ließ anfangs die Einwickelpapiere der Schokolade mit Bildern bedrucken. Eine der ersten noch erhaltenen Schokoladeverpackungen zeigt eine Bilderserie mit dem Thema „Der Kölner Dom im Aufbau“.[3] In anderen Bildserien werden „Tapfere Heerführer“ aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 dargestellt, an dem Franz Stollwercks Söhne Adalbert Nikolaus (1840-1883), Peter Josef (1842-1906) und Heinrich (1843-1915) teilnahmen. Er soll diese Bilderserie aufgelegt haben, als seine Söhne unverletzt aus dem Krieg zurückkehrten.

Franz Stollwercks Sohn Ludwig Stollwerck (1857-1922) entwickelte die Idee dieser Einzelbilder zu Sammelbildern weiter, als er bei seinem Eintritt in das väterliche Unternehmen 1873 erkannte, dass durch den Sammelreiz der Kaufanreiz verstärkt wurde. Fortan wurden die Bilderkärtchen zu Gruppen von sechs Bildern produziert und die rückseitige Werbung wurde durch Bilderläuterungen in Reimform ersetzt. 1887 stellte Stollwerck den ersten Verkaufsautomat in Deutschland auf, dessen Verpackungen von Warenproben jeweils ein Stollwerck-Bild enthielten. 18 Millionen Tafeln Schokolade wurden allein 1890 über Automaten abgesetzt, jede enthielt ein Sammelbild. Zwischen 1896 und 1899 verteilte Stollwerck so allein in Deutschland jährlich mehr als 50 Millionen Reklamebilder.[4]

Für Ludwig Stollwerck war es schwierig, qualitativ hochwertige Bilder und Texte in ausreichender Anzahl zu beschaffen, da unter den Künstlern eine solche rein kommerzielle Form der Reklamekunst verpönt war. Als er 1898 ein erstes Preisausschreiben veranstaltete, änderte sich dies jedoch schnell. Ausgeschrieben für Einreichung bis 1. März 1898 waren Entwürfe von 50 Gruppen zu je sechs im Charakter zusammengehörigen Bildern aller Gebiete, selbst in scherzhafter Darstellung. Als Preisrichter wurden die Professoren Emil Doepler d.J., Woldemar Friedrich, Bruno Schmitz und Franz Skarbina aus Berlin sowie ein Teilhaber der Firma Stollwerck benannt. Die ersten Preise von je 1000 M. wurden den Malern Adolf Münzer aus München und Oskar Zwintscher aus Meißen zuerkannt. Je einen zweiten Preis von 600 M. erhielten Gustav Adolf Closs aus Stuttgart, A. Haas aus München, August Unger aus Berlin, W. Wulff aus Karlsruhe und Helene Schulz aus Berlin. Dritte Preise von je 300 M. gingen an Hans Anker aus Berlin, A. Bauer jr. aus Düsseldorf, P.O. Engelhard aus München, A. Höfer aus München, A. Klingner aus Berlin, H. Krause aus Berlin, E. Neumann aus München, F.P. Schmidt aus Dresden, Ad. Wagner aus Kassel, und P. Wendling aus Friedenau.[5] Im gleichen Jahr gab Stollwerck das erste Sammelalbum mit dem Titel „Stollwerck’s Sammel-Album No.1“ heraus. Das Sammelalbum wurde im Kleinformat 23,5 × 29 cm sowie im Großformat 26 × 37 cm produziert. Das große Einsteck-Sammelalbum enthält die Serien 1-31 mit jeweils 6 Bildern.

Das Kunstgewerbeblatt 11 von 1900 berichtet über die Ergebnisse eines Preisausschreibens der Gebr. Stollwerck, wonach 86 Entwürfe eingereicht wurden. Die Preisrichter haben am 18. Juni 1900 entschieden, keinen ersten Preis zu vergeben. Mit einem zweiten Preis (300 M.) wurden die Entwürfe „Alaaf Köln“ von Fritz Helmuth Ehmcke aus Berlin und „Märchen (No. 52)“ von Ernst Neumann aus München prämiert. Dritte Preise (200 M.) gingen an Adolf Höfer und Walter Püttner aus München für den Entwurf „Sophie“, an Maximilian Liebenwein aus Burghausen für „Kater Murr“ und an Karl Hölle aus Hamburg für „Blau und Gelb“.[6]

Ludwig Stollwerck ließ später bekannte Maler wie Adolph Menzel, Max Liebermann, Walter Leistikow, Hans Baluschek und Franz Skarbina sowie viele auf bestimmte Motive spezialisierte Künstler wie zum Beispiel den Marinemaler Willy Stöwer für sich arbeiten. Außerdem strebte man mit einem neuen Farbdruck-Verfahren möglichst große Originaltreue an.

Die Sammelbilder dieser Zeit boten eine bunte Vielfalt an Themen und Motiven. Es erschienen unzählige Serien mit Darstellungen zu Märchen und Sagen, fernen Ländern, Landschaften, Pflanzen und Tieren, historischen Themen sowie zu Sport, Spiel und Zirkus.

Liebigbilder und Sammelalben[Bearbeiten]

Die ersten Liebigbilder erschienen um 1875 in Paris als Beilage zu den Produktpackungen von Liebigs Fleischextrakt. Unterstützt von eigens dafür angebotenen Sammelalben setzte um 1890 das systematische Sammeln der Bilder ein. Neben vielen anderen Themen beschäftigen sich die Bilderserien mit geografischen, naturkundlichen und geschichtlichen Themen und vermittelten unterstützt durch erklärende Texte und eine ansprechende Gestaltung Vorstellungen über die Welt außerhalb des eigenen Erfahrungshorizonts.

Zwischen den Kriegen dominiert das Zigarettenbild[Bearbeiten]

Ihren Höhepunkt sahen die Sammelbilder in der Zeit zwischen 1900 und 1910. Billigere Drucktechniken führten schließlich zu einem unter dem Begriff Zigarettenbild verbreiteten Massenprodukt. Auch bei den zugehörigen Alben setzte ein Wandel von den vorher üblichen Einsteckalben hin zu Einklebealben ein. Zudem waren die Alben jetzt meist einer bestimmten Thematik gewidmet. Der Themenumfang wurde in dieser Zeit stark erweitert, neben Sportalben aller Art waren zum Beispiel Film und Schauspieler, Mode, Natur, Flaggen und Uniformen, Technik und Verkehr, der Weltkrieg, aber auch Volkslieder und Volkstrachten Gegenstand des Sammelns.

Dieser Trend setzte sich in den 1930er Jahren fort. Sammelalben waren jetzt häufig mit viel Text versehen und sehr günstig (Preise um 1 Reichsmark) zu haben. Die Auflagen der Alben gingen in die Millionen, die der Bilder sogar in die Milliarden. Beispiele dafür sind der Moden Almanach und das Volkstrachten-Album von Haus Neuerburg oder das vom Cigaretten-Bilderdienst Hamburg-Bahrenfeld herausgegebene Album Aus Wald und Flur - Tiere unserer Heimat.

Weitere Sammelbilder ab 1950[Bearbeiten]

In den frühen 1950er Jahren gab es populäre länderkundliche Sammelalben der Margarine-Union AG Hamburg mit den berühmten „Sanella-Bildern“. Ähnlich wurden von der Peter Kölln KGaA, Elmshorn, Haferflockenbilder den einzelnen Haferflockenpackungen beigefügt. Auch der Teigwaren-Hersteller Birkel hatte Sammelbilder zu den Themen Steinzeit und Zukunftstechnik im Programm; die Alben waren käuflich zu erwerben.

Der Pabel Bilderdienst bot für die mit dem Kauf der Romane und Zeitschriften des Verlages erworbenen Punkte Bilderserien für Alben wie Fussball-Könige von gestern und heute oder Männer, Autos und Rekorde (1964) an.

Von 1965 bis 1980 waren die Papiertütchen mit je zwei oder drei selbstklebenden Bildern (5,5 × 7,5 cm) zu 10 Pfennig der Münchener Firma Americana sehr verbreitet. Es gab mindestens 50 verschiedene Reihen, unter anderem Sammelalben zu Autos, Western, Motorrädern, Filmen, Flugzeugen sowie Laurel & Hardy- und Pinocchio-Comics. Die in Italien gedruckten Alben wurden als unverkäufliches Werbeexemplar verschenkt oder zu 50 Pfennig verkauft. Fehlende Bilder (maximal zehn) konnte man für je 10 Pfennige per Post beim Americana-Bilderdienst anfordern.

Von 1961 bis 1984 teilte man sich den Markt mit der Firma Bergmann aus Dortmund/Unna; diese konzentrierte sich vorwiegend auf den Automobil- und Fußballbereich.

1979 dann drängte der Panini Verlag aus Nettetal (seit 1970 mit vereinzelten Alben in Deutschland vertreten) immer mehr auf dem Markt und brachte sein erstes Bundesliga-Album heraus. Ab 1984 waren nahezu alle anderen Sammelbilder-Verlage vom Markt verdrängt. Zum Sortiment von Panini gehören Sticker zur Fußball-Bundesliga, zu Fußball-Weltmeisterschaften oder Europameisterschaften sowie zu Filmen, Superhelden-Comics und Disney. Heute konzentriert sich das Unternehmen zunehmend auf Sammelbilder für Kinder.

Ab 1989 gab es auch Alben der Firma Topps, die unter der Marke Merlin vertrieben werden. Diese Firma setzt auf ihre Zugpferde Star Wars, Herr der Ringe, Pokemon und Yu-Gi-Oh und ab 2009 auf die Vermarktung der Sammelbilder-Rechte an der Fußball-Bundesliga. Seit 2007 bringt auch der italienische Spielzeughersteller Giochi Preziosi vermehrt Alben in Deutschland heraus. Die Bilder dieses Herstellers sind meist hochauflösende Glanzfotos auf Klebetransferfolie.

Weitere Sammelbilderhersteller der letzten Jahre sind DS Italy, Upper Deck, Prominter, Baio, Diamond, Edibas, E-Max, Futera und in den Neunziger Jahren Euroflash.

Das Sammler-Problem[Bearbeiten]

Hauptartikel: Sammelbilderproblem

Das Sammler-Problem (engl.: Coupon collector’s problem) beschäftigt sich mit der Frage, wie viele Sammelbilder man benötigt, um ein Sammelalbum komplett zu füllen.

Es sei n die Anzahl der unterschiedlichen Sammelbilder. Es wird angenommen, dass die Sammelbilder unabhängig erscheinen und jedes dieselbe Wahrscheinlichkeit hat. Weiterhin wird angenommen, dass keine Tauschpartner zur Verfügung stehen. Dann werden durchschnittlich

n \cdot H_n

Sammelbilder benötigt, bis das Sammelalbum komplett gefüllt ist. Hierbei bezeichnet

 H_n=\sum_{k=1}^n \frac{1}{k}

die n-te Harmonische Zahl. Für große n gilt die Näherung: H_n\approx \ln n + 0{,}577.

Beispielsweise werden durchschnittlich 224,96 Sammelbilder benötigt, um ein Sammelalbum mit n = 50 Bildern zu füllen.

In der Schweiz würde der Band von Panini zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014 so 931 Franken kosten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Detlef Lorenz: Berlin um Neunzehnhundert – Die Kaiserstadt in Sammelbildern. Nicolaische Verlagsbuchhandlung Beuermann, Berlin 1998, ISBN 3-87584-717-2.
  • Gerd Päsler: Cards und Tütenbilder. Rabenau-Odenhausen 2001 (Katalog mit Bewertung der Bilder und Alben von 1950–2001).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sammelbilder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Köberich: Reklame-Sammelbilder 1872-1945. Verlag Lumdatal, 2003, ISBN 3-980-2680-3-9.
  2. Evamaria und Erhard Ciolina: Das Reklamesammelbild - Sammlerträume. Battenberg Verlag, 2007
  3. Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv (RWWA), Köln, Bestand 208 "Stollwerck AG"
  4. B. Kuske: 100 Jahre Stollwerck-Geschichte 1839-1939. Köln 1939
  5. Prof. Karl Hofacker: Kunstgewerbeblatt. 9. Jahrgang, Leipzig 1898.
  6. Prof. Karl Hofacker: Kunstgewerbeblatt. 11. Jahrgang, Leipzig 1900.