Samo sloga Srbina spasava

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Flagge mit „Serbischem Kreuz“ bei dem die vereinfacht als kyrillische C-Buchstaben dargestellten Feuerstähle, für den Slogan Samo sloga Srbina spasava stehen

Samo sloga Srbina spasava (kurz SSSS, serbisch-kyrillisch Само слога Србина спасава, kurz CCCC; deutsch Nur Eintracht rettet den Serben) ist ein populärer serbischer Slogan.

Er ist Ausdruck und Erinnerung an eine Mahnung gegen Verrat, Ungehorsam und Uneinigkeit, die in der serbischen Überlieferung als Hauptgründe für den Untergang des mittelalterlichen serbischen Staates angesehen werden.[1] Der Slogan symbolisiert auch die großserbische Vorstellung, dass nur die ideologische und territoriale Einigkeit die Serben „retten“ könne.[2] Der Slogan und seine grafische Entsprechung, das sogenannte „Serbische Kreuz“, gilt in der einschlägigen Literatur als nationalistisches Symbol,[3][4][5][6][7] während es für andere wiederum ein nationales Symbol oder Ausdruck von Patriotismus ist.[8][9][10]

Das „Serbische Kreuz“ ist eine vereinfachte Darstellung wesentlicher Bestandteile des serbischen Wappens, aus dem der Slogan herausgedeutet wurde. Dabei wurden die vier Feuerstähle[11][12] im Wappen aufgrund ihrer Ähnlichkeit in kyrillische С-Buchstaben (gleich dem lateinischen Buchstaben S) umgedeutet, welche die Anfangsbuchstaben der Alliteration Само слога Србина спасава bilden sollen.[13] In der Form der С-Buchstaben erschien es 1397 zum ersten Mal in Serbien auf den Ketten eines Leuchters im Kloster Visoki Dečani.[14]

Geschichte[Bearbeiten]

Einer Legende nach wird der Slogan Sava von Serbien (1175–1236) zugeschrieben, einem Mönch und späteren Schutzheiligen der Serbisch-Orthodoxen Kirche. Danach sollten die Serben damals gezwungen werden, zum Katholizismus überzutreten. Sava soll die Serben mit diesem Slogan, der sogenannten „Ocila-Phrase“ (serbisch ocila/оцила, auch ognjilo/огњило oder očilo/очило für den Feuerstahl), zum Widerstand und zur Einheit sowie Gründung einer eigenen unabhängigen (orthodoxen) Kirche aufgefordert haben. Zur Unterstreichung dieser Legende gibt es den serbischen Sinnspruch:

„Lepo nam je reko Sveti Sava,
samo sloga Srbina spasava.“

„Schön hat es uns der Heilige Sava gesagt,
nur Eintracht rettet den Serben.“

Der Slogan soll jedoch als volkstümliche Ausdeutung der vier Feuerstähle jedoch frühestens im 18. Jahrhundert, als zu dieser Zeit auch bei den Serben wieder die Nationenbildung einsetzte.[15] Erst im 19. Jahrhundert etablierten sich künstliche Buchstabenerklärungen für die Feuerstähle, die immer als solche angesehenen wurden.[16] Die vier Feuerstähle des serbischen Wappens wurden unterschiedlich interpretiert, meistens aber mit diesem CCCC-Slogan.[17] Andere Interpretationen waren beispielsweise Sama Srbija Sebe Spasila (Allein Serbien kann sich selbst retten), Samo Srbin Srbina Spasava (Nur der Serbe kann den Serben retten), Sveti Sava Srpska Slava (Heiliger Sava – serbischer Schutzpatron) oder auch einfach Srbija Srbija Srbija Srbija oder Sava Sava Sava Sava.

Die Ende des 19. Jahrhunderts erfolgreich abgeschlossene Phase der nationalrevolutionären Erhebung der Serben, führte zur Unabhängigkeit Serbiens vom Osmanischen Reich und zur Erneuerung des Staates. Da Verrat, aber auch Ungehorsam und Uneinigkeit als Hauptgründe für den Untergang des Serbischen Reiches im 15. Jahrhundert angesehen wurden, nahm die Mahnung zur Einheit einen besonderen Stellenwert bei den Serben ein. Der Slogan ist ein Ausdruck dieser Mahnung, indem er eine dauerhafte Erinnerung darstellt.[1]

Serbische Kreuze und Parolen auf einem zerstörten Wohnhaus in Bosnien

Der Slogan und sein Kürzel CCCC wurde seit Mitte der 1980er-Jahre wieder als Zeichen nationaler Euphorie im serbischen Alltag allgegenwärtig. Zu finden in der Werbung, auf Autoaufklebern, Transparenten, Emblemen politischer Parteien und Sport-Souveniers, sowie als Graffiti. In den serbisch besiedelten Gebieten von Bosnien und Herzegowina erschien es erst Anfang der 1990er im Alltag.[2]

Während der Kriege der 1990er Jahre in Kroatien, Bosnien und Kosovo wurde das Serbische Kreuz und der damit verbundene Slogan als Symbol von regulären militärischen und auch irregulären paramilitärischen serbischen Einheiten (sogenannten Tschetniks) verwendet. Analog zum Schachbrettwappen der katholischen Kroaten und dem Lilienwappen der muslimischen Bosniaken war es häufig als Graffiti in eroberten Gebieten zu sehen. Häufig auch kombiniert mit den Buchstaben JNA für Jugoslovenska narodna armija (Jugoslawische Volksarmee).[18]

Auch nach dem Krieg in Bosnien-Herzegowina löste nur der Anblick der bosnisch-serbischen Flagge mit den vier kyrillischen C für den Slogan, bei vertriebenen Angehörigen anderer Volksgruppen Angst und Aggressionen aus.[19]

Sonstiges[Bearbeiten]

Als die NATO im Jahr 1999 im Rahmen der Operation Allied Force die damalige Bundesrepublik Jugoslawien bombardierte, nahm die serbische Band Riblja čorba zusammen mit weiteren serbischen Musikern das Lied Samo Sloga Srbina Spasava auf (Musik und Text vom Frontmann der Band Bora Đorđević).

Darin hieß es unter anderem[20]:

Serbischer Text Übersetzung
Neka se spuste na zemlju;
onda ću umesto pevanja
pogledati ih u oči
i pucati bez oklevanja!
E, tako već može!
Pomozi nam Bože!
Sollen sie [die NATO-Kampfpiloten] auf den Boden kommen,
dann, anstatt zu singen
werde ich ihnen in die Augen sehen
und schießen ohne Zögern!
O, so kann es schon sein!
Helfe uns Gott!
(Refrain:)
Sad' kad' nas bombama gađaju,
Srbi se više ne svađaju,
jer naše geslo saopštava
da samo sloga Srbina spasava,
da samo sloga Srbina spasava!
(Refrain:)
Jetzt, da sie uns mit Bomben bewerfen
streiten sich die Serben nicht mehr,
denn unser Motto lautet,
dass nur Eintracht den Serben rettet,
dass nur Eintracht den Serben rettet!

Am 26. März 2013 lobte der slowenische Politiker und Abgeordnete des Europäischen Parlaments Jelko Kacin die Einigkeit der kosovo-serbischen Vertreter vor dem EU-Parlament mit dem Slogan: Bravo Srbi, samo sloga Srbe spasava (Bravo Serben, nur Eintracht rettet die Serben).[21][22]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Emilija Mančić: Umbruch und Identitätszerfall : Narrative Jugoslawiens im europäischen Kontext. Francke Verlag, Tübingen 2012, ISBN 978-3-7720-8466-9, S. 88.
  2. a b  Tanja Popović, Andreas Guski, Heiko Haumann (Hrsg.): Die Mythologisierung des Alltags : Kollektive Erinnerungen, Geschichtsbilder und Vergangenheitskultur in Serbien und Montenegro seit Mitte der 1980er Jahre (= Basler Studien zur Kulturgeschichte Osteuropas. Bd. 5). Pano Verlag, Zürich 2003, ISBN 3-907576-60-8, S. 125.
  3.  Human Rights Watch (Hrsg.): Under Orders : War Crimes in Kosovo. 2001, ISBN 9781564322647, Fußnote 91, S. 525 („The four C's Insignia is a Serbian nationalist symbol, compromising a cross and four Cyrillic S's. It is derived from the slogan "Only Unity Saves the Serbs" (Samo Sloga Srbina Spasava).“).
  4.  Organization for Security and Co-operation in Europe. Office for Democratic Institutions and Human Rights: Kosovo/Kosova as seen as told : an analysis of the human rights findings of the OSCE Kosovo Verification Mission October 1998 to June 1999. OSCE Office for Democratic Institutions and Human Rights, 1999, ISBN 9788391275009, S. XI („Serbian cross – Serbian nationalist symbol, comprising a cross and four cyrillic "S"s derived from the slogan "Only Unity Saves the Serbs" (Samo Sloga Srbina Spasava)“, http://www.osce.org/odihr/17772).
  5.  David Damrosh: Death in Translation. In: Sandra Bermann, Michael Wood (Hrsg.): Nation, Language, and the Ethics of Translation. Princeton University Press, 2005, ISBN 9781400826681, S. 387.
  6.  James Gow: Shared Sovereignty, Enhanced Security : Lessons from the Yugoslav War. In: Sohail H. Hashmi (Hrsg.): State Sovereignty : Change and Persistence in International Relations. Penn State Press, 1997, ISBN 9780271041162, S. 153.
  7.  Lenard J. Cohen: Serpent in the bosom : the rise and fall of Slobodan Milošević. Westview Press, 2001, ISBN 9780813329024, S. 124.
  8. Brigitta Gabriela Hannover Moser - Serbien - Mit Belgrad, Novi Sad, Vojvodina und Donau, S. 27, Trescher Verlag - Berlin 2012, ISBN 978-3-897-94208-0.
  9. Christopher Deliso - Culture and Customs of Serbia and Montenegro, S. 36, Greenwood Publishing Group Incorporated - 2009, ISBN 978-0-3133-4436-7.
  10. North American Society for Serbian Studies - Serbian Studies, Band 16, S. 309, University of Michigan - 2002.
  11. „Das Wappen des serbischen Volkes zeigt ein Kreuz auf rotem Feld, und zwischen den Armen des Kreuzes jeweils ein Feuerstahl vom Kreuz abgewandt.“ In: Artikel 4 der Verfassung des Fürstentums Serbien von 1835 (Sretanjski ustav).
  12. „[...] das serbische [Wappen]: ein weißes Kreuz auf rotem Schild mit je einem Feuerstahl im Schenkel.“ In: Artikel 2 der Verfassung des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen vom 28. Juni 1921.
  13.  Charles Boutell, V. Wheeler-Holohan (Hrsg.): Boutell's Manual of Heraldry. F. Warne and Company, 1931, S. 193 („[...] representations of the old steels for striking light from a flint, but on account of their likeness to the Slavonic letter "S" they came popularly to stand for the phrase, "Samo Sloga Srbina Spasava".“).
  14.  Birgitta Gabriela Hannover, Deltlev von Oppeln und Bernd Schwenkros (Hrsg.): Serbien: unterwegs zu verborgenen Klöstern und Kunstschätzen. Trescher Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-89794-144-1, S. 27.
  15.  Birgitta Gabriela Hannover Moser: Serbien (= Trescher-Reihe Reisen). Trescher Verlag, 2012, ISBN 9783897942080, S. 27.
  16.  Osteuropa-Institut München (Hrsg.): Jahrbücher für Geschichte Osteuropas. F. Steiner Verlag, 1959, S. 511.
  17.  Pål Kolstø: Nationale Symbole in neuen Staaten : Zeichen von Einheit und Spaltung. In: Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde (Hrsg.): Ost-Europa. Bd. 53, Nr. 7, Deutsche Verlags-Anstalt, 2003.
  18.  David Rieff: Slaughterhouse : Bosnia and the Failure of the West. Simon and Schuster, 2013, ISBN 9781476737881, S. 97.
  19.  Alexander Rüstau: Die Entwicklung des Friedensprozesses in Bosnien und Herzegowina nach dem Abkommen von Dayton. GRIN Verlag, 2007, ISBN 9783638721011, S. 83.
  20.  Ljerka Vidić Rasmussen: Bosnian and Serbian Popular Music in the 1990s : Divergent Paths, Conflicting Meanings, and Shared Sentiments. In: Donna A. Buchanan (Hrsg.): Balkan Popular Culture and the Ottoman Ecumene : Music, Image, and Regional Political Discourse (= Europea : Ethnomusicologies and Modernities). Scarecrow Press, 2007, ISBN 9780810866775, S. 65.
  21. blic.rs: Kacin Srbima sa Kosova : Samo sloga Srbe spasava. Abgerufen am 17. Dezember 2013.
  22. glassrpske.com: Kacin : Samo sloga Srbe spasava. Abgerufen am 17. Dezember 2013.