Samos (byzantinisches Thema)

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Das Thema von Samos (griechisch θέμα Σάμου, thema Samou) war ein byzantinisches Thema in der östlichen Ägäis, das im 9. Jahrhundert gegründet wurde. Als eines der drei dezidiert maritimen Themen des Byzantinischen Reiches (griechisch θέματα ναυτικᾶ) diente es hauptsächlich der Stellung von Schiffen und Mannschaften für die Byzantinische Flotte.

Geschichte[Bearbeiten]

Das genaue Datum des Entstehens des Themas von Samos ist unklar. Nachdem der Großverband der Karabisianoi-Flotte im frühen 8. Jahrhundert aufgeteilt worden war, wurden Provinzflotten geschaffen, von denen die des Themas der Kibyrrhaioten die wichtigste war.[1] Kaiser Konstantin VII. (regierte 913–959) berichtet, dass "zur Zeit, als das Reich in Themen unterteilt wurde", Samos zum Sitz des "Themas der Segler" (griechisch θέμα τῶν πλοϊζομένων) wurde; die Bedeutung dieser Passage ist unklar.[2] Einige Historiker glauben, dass Samos die erste Basis der Flotte der Karabisianoi war, bis sie etwa 727 aufgelöst wurde.[3] Es könnte aber auch ein den Karabisianoi untergeordnetes Kommando gemeint sein, welches zur selben Zeit aufgelöst wurde, oder auch eine spätere, kurzlebige Nachfolgeeinheit, womöglich sogar mit den Kibyrrhaioten identisch. Die Existenz eines "Strategos von Samos" im 8. Jahrhundert ist durch ein erhaltenes Siegel eines Strategos namens Theodoros belegt.[2] Im späten 8. Jahrhundert scheint die südliche Ägäis unter den Befehl des "Droungarios der Zwölf Inseln (Dodekanesos)" gekommen zu sein,[4], den einige Historiker mit dem Posten des "Droungarios von Kos" und dem späteren "Droungarios des Golfes (Kolpos)" gleichsetzen, der im Taktikon Uspensky aufgelistet wird. Dieses Amt entwickelte sich später zum Thema von Samos.[5]

Das Thema von Samos wird zusammen mit seinem Strategos erstmals im Kletorologion des Philotheos im Jahr 899 erwähnt. Es umfasste die Inseln der östlichen Ägäis und die Westküste Kleinasiens zwischen Adramyttion und Ephesos. Die Hauptstadt des Themas war Smyrna, untergeordnete Tourmarchai (Vize-Admiräle) hatten ihren Sitz in Adramyttion und Ephesos.[6][7] Im Jahr 911 sollen die Seestreitkräfte des Themas von Samos aus 3980 Ruderern und 600 Seesoldaten bestanden haben, die Flotte bestand aus 22 Kriegsschiffen.[6][8] Der festländische Teil des Themas gehörte aber außerdem ausdrücklich zum Thema von Thrakesion, das eigene Tourmarches zur Verteidigung der Küste hatte. Dies deutet auf eine Aufgabenteilung hin: der Strategos von Samos waren für die Instandhaltung der Flotte und die Verteidigung der Inseln zuständig, während sich die Beamten des thrakesischen Themas um die Besteuerung und Verteidigung der Städte des Festlands kümmerten.[9] Das Thema blieb bis zum 11. Jahrhundert eine rein militärische Struktur, bis es im 11. Jahrhundert in eine zivile Provinz umgewandelt wurde.[6]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Nesbitt & Oikonomides 1994, S. 110.
  2. a b Nesbitt & Oikonomides 1994, S. 110, 134.
  3. Treadgold 1995, S. 27, 73.
  4. Der Name "Dodekanesos" war in mittlebyzantinischer Zeit für die Kykladen in Gebrauch, und muss nicht mit dem heutigen Dodekanes verwechselt werden. (Ahrweiler 1966, S. 80.)
  5. Ahrweiler 1966, S. 79–81, 108; Nesbitt & Oikonomides 1994, S. 110–111, 130.
  6. a b c Nesbitt & Oikonomides 1994, S. 131.
  7. Kazhdan 1991, S. 1836.
  8. Treadgold 1995, S. 67, 76.
  9. Ahrweiler 1966, S. 402; Nesbitt & Oikonomides 1994, S. 109, 131.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hélène Ahrweiler: Byzance et la Mer: La Marine de Guerre, la Politique et les Institutiones Maritimes de Byzance aux VIIe–XVe Siècles. Presses universitaires de France, Paris 1966
  • Alexander Kazhdan (Hrsg.): The Oxford Dictionary of Byzantium. 3 Bde. Oxford/New York 1991.
  • John W. Nesbitt, Nicolas Oikonomides (Hrsg.): Catalogue of Byzantine Seals at Dumbarton Oaks and in the Fogg Museum of Art, Volume 2: South of the Balkans, the Islands, South of Asia Minor. Dumbarton Oaks Research Library and Collection, Washington D.C. 1994, ISBN 0-88402-226-9
  • Warren T. Treadgold: Byzantium and Its Army, 284–1081. Stanford University Press, Stanford 1995, ISBN 0-8047-3163-2