Samuel Daniel

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Samuel Daniel.

Samuel Daniel (* 1562 nahe Taunton, Somerset; † 14. Oktober 1619 in Beckington in Wiltshire), war ein englischer Dichter und Historiograph der Elisabethanischen Zeit.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Er war der Sohn eines Musiklehrers. Sein Bruder John Daniel war Musiker (er veröffentlichte 1606 eine Sammlung von Stücken für Laute, Violine und Gesang), seine Schwester Rosa, das Urbild der Rosalinde in Edmund Spensers „The Shepherds Calendar“, heiratete später den Montaigne-Übersetzer John Florio.

1579 bis 1582 besuchte er Magdalen Hall (heute Herdford College) in Oxford, wo er sich besonders der Dichtkunst und Philosophie widmete. 1586 taucht ein Samuel Daniel als Bedienter von Edward Stafford (3. Baron Stafford), dem englischen Botschafter in Frankreich, auf, bei dem es sich höchstwahrscheinlich um den Dichter handelt. Später hatte er die Patronage von Mary Sidney, Countess of Pembroke, die selbst dichtete und auf ihrem Landsitz Wilton House bei Salisbury einen Kreis von Literaten um sich sammelte („Wilton Circle“). Offiziell war er Lehrer ihres Sohnes William Herbert. Sie ermutigte ihn, literarisch tätig zu werden.

Sein erstes Werk war eine 1585 erschienene Übersetzung von Paulus Jovius. Seine erste Sammlung von Gedichten (der Sonett-Zyklus „Delia“[1] und die Romanze „The complaint of Rosamund“, in dem der Geist einer ermordeten Frau anklagt) erschien 1592 und wurde zu seinen Lebzeiten oft nachgedruckt. Im Anhang einer Ausgabe von 1594 befindet sich die Tragödie „Cleopatra“. 1595 veröffentlichte er ein historisches Gedicht über den Rosenkrieg „The first four books of the civil wars“ (vollendet 1609). Das Gedicht war auch in seinen „Poetical Essays“ von 1599 enthalten, zusammen mit „Musophilus“ und „A letter from Octavia to Marcus Antonius“. Zu dieser Zeit war er Lehrer von Lady Anne Clifford, der Tochter der Gräfin von Cumberland.

Nach dem Tode von Edmund Spenser 1599 bis 1619 war er offizieller Hofpoet („Poet Laureate“), gab den Titel aber dann an Ben Jonson ab. Sein Schwager John Florio verschaffte ihm Zugang zum Hof von Jakob I., wo er dem König in Burleigh Harrington (Burley-on-the-hill) eine „Panegyricke Congratulatorie“ präsentierte, die 1601 in der Folio Ausgabe seiner Werke veröffentlicht wurde. Später kamen „Poetical Epistles“ an seine Gönner[2] und eine „Defence of Rime“ (1602) hinzu, gerichtet gegen Thomas Campion, der in einer Schrift behauptete, Reime wären für das Englische ungeeignet.

Am Hof wirkte er auch als Autor beispielsweise von Maskenspielen (Masque) und wurde dafür 1603 „Master of the Queen´s Revels“. Gedruckt wurden davon „The vision of the twelve goddesses“ (1604), „The Queen´s Arcadia“ (1606, ein Schäferstück nach Guarinis „Pastor Fido“), „Thety´s Festival or the Queen´s Wake“ (1610, aus Anlass der Ernennung des Prinzen von Wales, Henry Frederick, zum Ritter vom Hosenbandorden) und „Hymen´s Triumphe“ (1615) aus Anlass der Heirat von Robert Ker, 1. Earl of Roxburghe.

Nebenbei arbeitete er auch als Hilfs-Zensor. 1605 erschienen seine „Certain small poems“ mit seiner Tragödie Philotas (für die er nach einer Aufführung 1604 vor den Kronrat (Privy Council) zitiert wurde, da eine Figur dem 1601 hingerichteten Hochverräter Robert Devereux, 2. Earl of Essex, ähnelte). 1612 veröffentlichte er ein Geschichtswerk „History of England, from the earliest times down to the end of the reign of Edward III.“, fortgesetzt 1617.

Geehrt durch weitere Hofämter (Gentleman Extraordinary, Groom of the Chamber to Queen Anne) galt er als einer der führenden Dichter seiner Zeit. Von Zeit zu Zeit zog er sich zum Schreiben in sein Haus in St.Luke zurück, wo ihn Freunde wie die Dichter William Shakespeare, John Selden und George Chapman besuchten. Am Ende seines Lebens zog er sich auf einen Bauernhof „The Ridge“ in Beckington nahe Devizes in Wiltshire zurück.

Im 18. Jahrhundert war sein Ruf noch nicht verblasst und er wurde noch von Samuel Taylor Coleridge und Charles Lamb[3] gelobt, geriet aber im 19. Jahrhundert zunehmend in den Hintergrund. Am ehesten wurden noch seine Sonette gelesen. Seine Gesammelten Werke wurden 1885 bis 1896 von Grosart herausgegeben. Eine Neuausgabe bei Oxford University Press ist geplant.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. von denen einige aber schon ohne Erlaubnis in Sir Philip Sidneys „Astrophil and Stella“ abgedruckt wurden. In Delia besingt ein in Italien weilender Dichter die am Fluss Avon wohnende Delia.
  2. der Brief an Lucy, Countess of Bedford, enthält die erste Verwendung von den von Dante eingeführten „terza rima“ im Englischen
  3. dieser veröffentlichte einen Auszug aus „Hymen´s Triumph“ in seinen „Dramatic Poets“