Samuel Morton Peto

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Sir Samuel Morton Peto

Sir Samuel Morton Peto (* 4. August 1809 in Woking, Surrey; † 13. November 1889 in Blackhurst, Tunbridge Wells, Kent) war ein englischer Eisenbahnbau-Unternehmer im 19. Jahrhundert.

Biografie[Bearbeiten]

Peto wurde am 4. August 1809 im Whitmoor House in Woking in der Grafschaft Surrey als ältester Sohn von des Landwirts William Peto († 1849) aus Cookham, Berkshire und seiner Frau Sophia Alloway aus Dorking geboren. Er besuchte die Dorfschule in Cobham, dann das Jardine-Internat in Brixton Hill, Surrey. Er machte in London eine Lehre bei seinem Onkel, der ein Baugeschäft führte. Nach dem Tode des Onkels im Jahre 1830 übernahm er mit seinem Vetter Thomas Grissell das Unternehmen, das in London zahlreiche bekannte Gebäude errichtete. Dazu gehörten das Gebäude des Oxford & Cambridge-Clubs (1836-38), Charles Barrys Reform Club (1836), der Neubau des abgebrannten Lyceum Theaters (1831-34), F. W. Bushall's Olympic Theatre (1849) und St. James Theatre in der Palace Street ebenso wie die Nelsonsäule (1834), das Fundament der Houses of Parliament und der Londoner Abwasserkanal aus Backstein. 1847 wurde er als Abgeordneter der Liberalen Partei ins Unterhaus gewählt, 1859 für Finsbury und 1865 für Bristol.

Im Jahre 1846 ging Peto eine Partnerschaft mit Edward Betts ein. Mit ihm baute er bis 1855 zahlreiche große Eisenbahnlinien im In- und Ausland. Unter anderen waren es die South Eastern Railway, die London, Chatham and Dover Railway, die London, Tilbury and Southend Railway sowie die Grand Trunk Railway in Kanada. Gemeinsam mit Thomas Brassey erbaute Peto 1854 auf der Halbinsel Krim eine Eisenbahnverbindung von Balaklava nach Sewastopol, die dem Transport von Material und Menschen während des Krimkrieges diente.

In Deutschland konnte er 1859 die Konzessionen von vier Staaten für die Homburger Eisenbahn-Gesellschaft zu erlangen, die anderen Bewerbern trotz jahrelanger Bemühungen nicht erteilt worden waren. Ferner war er im Herzogtum Schleswig und dem Herzogtum Holstein, die damals der der Krone Dänemarks untertan waren, erfolgreich beim Bahnbau tätig. Er betrieb die Nord- und südschleswigschen Bahnen bis zum Jahre 1865. Dagegen gelang es ihm 1859 nicht, von der Regierung des Herzogtums Nassau die Konzession für die Westerwälder Eisenbahn zu erhalten, die Köln und Frankfurt am Main verbinden sollte.[1]

Der Familiensitz Somerleyton Hall

Für seine Verdienste um den Bahnbau wurde Peto in den Adelsstand erhoben.

Er widmete seine Aufmerksamkeit der Stadt Lowestoft an der Ostspitze Englands, in der Nähe seines prachtvollen Wohnsitzes in Somerleyton Hall (Jakobitisch, 1843 von John Evan Thomas im italienischen Stil umgestaltet), die er durch eine Zweigbahn an das Eisenbahnnetz anschloss. Er erweiterte dort auch den Hafen für 1000 Schiffe, baute einige Luxushotels und legte eine Strandpromenade und Parks in diesem etablierten Badeort an.

Die Wirtschaftskrise von 1866 führte am 11. Mai zur Insolvenz seines Unternehmens. Er hatte zudem versucht, mit falschen Angaben Aktien zu verkaufen. Er hatte 4 Millionen Pfund Schulden, auch sein Bankier ging bankrott. Er mußte den Sitz im Parlament aufgeben, obwohl er die Protektion von Benjamin Disraeli und William Gladstone genoss. Bereits 1863 hatte er Somerleyton Hall an Sir Francis Crossley, einem Teppichhändler aus Yorkshire verkauft[2]. Er zog sich nach Budapest zurück, wo er die Regulierung der Donau plante und versuchte, in Rußland, später in Cornwall Eisenbahnen zu bauen. 1884 zog er nach Blackhurst in Tunbridge Wells in Kent, wo er nach längerer Krankheit verstarb. Er wurde in Pembury begraben.

Peto war zweimal verheiratet und hatte elf Kinder. Einer seiner Söhne war der Architekt und Gartengestalter Harold Ainsworth Peto.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

  • M. H. Port, ‘Peto, Sir (Samuel) Morton, first baronet (1809–1889)’, Oxford Dictionary of National Biography, Oxford University Press, 2004; online edn, Jan 2011 accessed 21 Dec 2013

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Konrad Fuchs: Eisenbahnprojekte und Eisenbahnbau am Mittelrhein 1836-1903. In: Nassauische Annalen 67 (1956), S. 158-202 (191).
  2. http://www.somerleyton.co.uk/hallgardens/