Samuel von Brukenthal

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Samuel von Brukenthal (1721–1803)

Samuel von Brukenthal, auch Bruckenthal (* 26. Juli 1721 in Leschkirch (rum. Nocrich, ung. Újegyház, Siebenbürgen); † 9. April 1803 in Hermannstadt) war Reichsfreiherr und 1777–1787 Gouverneur von Siebenbürgen. Er war der einzige Siebenbürger Sachse, der dieses Amt je bekleidete.

Leben[Bearbeiten]

Brukenthal entstammt einer Beamtenfamilie aus Siebenbürgen. Sein Vater Michael Brekner (Bruckner), Königsrichter von Leschkirch, wurde 1724 in den Adelsstand erhoben. Die Mutter, Susanna, entstammte der angesehenen Adelsfamilie „von Heydendorff“. Er studierte von Mai 1743 bis Ende 1744 an der Universität Halle und danach in Leipzig (einige Biografen geben auch Jena an), wo er die Fächer Rechtswissenschaften, Verwaltung, politische Wissenschaften und Philosophie belegte. Wobei ihm wohl Letztere den Geist der Aufklärung näher brachte, deren Verfechter er zeitlebens bleiben sollte. Dementsprechend wandte sich der Aufklärer früh der Freimaurerei zu. Bereits am 2. März 1743 soll er in die erste Wiener Loge „Zu den drei Kanonen“ („Aux trois canons“) aufgenommen worden sein. Am 8. Dezember 1743 wurde er Mitglied der Schottenloge „L’union“ in Berlin.[1] Am 14. Dezember 1743 (Patent der Berliner Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ vom 6. Dezember 1743) gründete Brukenthal in Halle zusammen mit vier anderen Jurastudenten die Freimaurerloge „Zu den drei goldenen Schlüsseln“ („Aux trois clefs d’or“) und bekleidete das Amt des Meisters vom Stuhl sowie des „abgeordneten Meisters“ der Berliner Mutterloge. In dem betreffenden Matrikelverzeichnis wird sein Name in der Schreibweise „Bruckenthal“ angegeben.[2] Im Deutschen Freimaurermuseum in Bayreuth befindet sich eine zu Ehren ihres Gründers geprägte Logenmedaille von 1744. Während seines Studienaufenthaltes in Leipzig affiliierte Brukenthal in die dortige Freimaurerloge „Minerva zu den drei Palmen“.

Nach dem insgesamt kurzen Studium kehrte Brukenthal ohne akademischen Titel zurück nach Siebenbürgen, wo er bald darauf Sophie Katharina, die Tochter des angesehenen Hermannstädter Bürgermeisters Daniel von Klockner heiratete. Zunächst bekleidete er noch relativ niedrige Ämter: 1745 Indizialsekretärsadjunkt des Provinzial-Magistrats in Hermannstadt, 1749 Erster Judizialsekretär, 1751 Vizenotär, 1754 Gubernialsekretär, 1760 Titular-Gubernialrat. 1751 oder 1753 wurde er als Beauftragter der Sächsischen Nationsuniversität an den Hof Maria Theresias entsandt, wodurch sich eine langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Kaiserin entwickelte. Brukenthal trat in den österreichischen Staatsdienst ein und wurde von Maria Theresia 1762 zum Provinzialkanzler von Siebenbürgen und zum Reichsfreiherrn ernannt, übernahm 1765 den Vorsitz der Siebenbürgischen Hofkanzlei in Wien, wurde 1774 „bevollmächtigter Commissär und Präses des siebenbürgischen Guberniums“ und schließlich 1777 wirklicher Gouverneur von Siebenbürgen mit dem Sitz in Hermannstadt.[3][4]

Der Brukenthal’sche Sommersitz in Avrig

Während seiner Wiener Jahre hatte er sich verschiedene Sammlungen (Pinakothek, Kupferstichkabinett, Münzsammlung) und eine wertvolle Bibliothek aufgebaut, die er nach Hermannstadt mitnahm. Dort ließ er sich an einem repräsentativen Platz, dem Großen Ring, das bis heute bestehende Brukenthal-Palais errichten, das auch seine Sammlungen aufnahm. Seinem Testament entsprechend wurden Palais und Sammlungen nach seinem Tod unter dem Namen Brukenthal'sches Museum der Nationsuniversität Siebenbürgens übergeben.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde in Freck (dem heutigen Avrig) mit dem Bau eines Schlosses begonnen, das später als Brukenthal’sche Sommerresidenz Bekanntheit erlangte. Der Park dieses Schlosses gilt als der einzige bis heute erhaltene Barockgarten auf dem Staatsgebiet des heutigen Rumänien.

1777 holte Brukenthal Samuel Hahnemann, der später als Homöopath weltweite Geltung erlangte, als Bibliothekar und Leibarzt aus Wien zu sich nach Hermannstadt.

Wegen seiner Einwände gegen Josephs II. harsche Reformen wurde er 1787 vom Kaiser pensioniert. Josephs Nachfolger Leopold II. schätzte ihn mehr und verlieh 1790 auch Brukenthals Nachkommen den Freiherrentitel.[5]

Das Samuel-Brukenthal-Gymnasium in Hermannstadt dient heute der deutschsprachigen Ausbildung der deutschen Minderheit.

Brukenthals Gruft in der Evangelischen Kirche A. B. in Hermannstadt/Sibiu

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karlheinz Gerlach: Die Freimaurer im Alten Preußen 1738–1806, Die Logen zwischen mittlerer Oder und Niederrhein, Studienverlag Innsbruck 2007, ISBN 3-7065-4037-1, Bd. 1, S. 379
  2. Friedrich August Eckstein: Die Geschichte der Freimaurer-Loge im Orient von Halle. Eine Festgabe zur Secularfeier der Loge zu den drei Degen, Halle, Gebauer 1844, S. 2 f
  3. Siebenbürger Zeitung: Das Testament Samuel von Brukenthals, von Gustav Binder, 19. Januar 2003
  4. Karlheinz Gerlach: Die Freimaurer im Alten Preußen 1738–1806, Die Logen zwischen mittlerer Oder und Niederrhein, Studienverlag Innsbruck 2007, ISBN 3-7065-4037-1, Bd. 1, S. 379
  5. Meyers Konversations-Lexikon, 5. Auflage, 3. Band, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1895, S. 566