Brüder Samwer

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Die Brüder Marc (* 3. Dezember 1970 in Köln), Oliver (* 9. August 1973) und Alexander Samwer (* 31. Januar 1975) sind deutsche Internet-Unternehmer und Multimillionäre. Sie betreiben zusammen den Internetinkubator Rocket Internet in Berlin, sowie die Beteiligungsgesellschaften European Founders Fund und Global Founders Capital.

Leben[Bearbeiten]

Familie und Herkunft[Bearbeiten]

Die drei Brüder wuchsen in einer wohlhabenden Familie im Kölner Stadtteil Marienburg auf.[1] Ihr Vater Sigmar-Jürgen Samwer „war einer der bekanntesten Rechtsanwälte Kölns“.[1] Der Presse- und Wettbewerbsrechtler vertrat etwa Persönlichkeiten wie den Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll und den Bundespräsidenten Karl Carstens (CDU).[1] Der Urgroßvater Karl Samwer war Ehrenbürger von Gotha, führte die Gothaer Versicherungsbank durch die Kriegswirren und gründete die Gothaer Versicherung.[1]

Ausbildung[Bearbeiten]

Marc Samwer (2013)
Oliver Samwer (2013)

Marc, Oliver und Alexander machten ihr Abitur am altsprachlichen Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Köln.[2]

Unternehmen[Bearbeiten]

1999 gründeten die Brüder zusammen mit Max Finger, Karel Dörner und Jörg Rheinboldt das Internet-Auktionshaus alando.de nach dem Vorbild des US-amerikanischen Unternehmens eBay. Bereits sechs Monate später verkauften sie ihr Unternehmen für 43 Millionen Dollar an eBay. Nach dem Verkauf wurde Oliver Samwer zum Geschäftsführer von eBay Europa bestellt.

Im August 2000 gründeten die Brüder Samwer zusammen mit Max Finger und Ole Brandenburg sowie den großen Firmenpartnern Debitel, ElectronicPartner und den Metro-Töchtern Media Markt und Saturn die Jamba GmbH. Unter der Führung von Oliver und Marc Samwer entwickelt sich Jamba zum größten europäischen Anbieter von Klingeltönen und Mobiltelefonanwendungen. Das Unternehmen kam massiv in die Kritik, als bekannt wurde, dass Abonnements an Minderjährige verkauft worden waren. 2004 übernahm der US-amerikanische Konzern VeriSign die Jamba! GmbH für 273 Millionen Dollar, in der Oliver und Marc Samwer bis zum 19. Dezember 2005 die Geschäftsführung innehatten. Allerdings wurde der Verkaufserlös primär an diverse Beteiligungsfirmen ausgeschüttet, wie es auch bei Alando.de der Fall war, sodass die Samwers durch ihre Earn-out-Klausel mehr verdienten als mit ihrem eigentlichen Exit-Erlös.[6]

Seit Anfang 2006 betätigen sich die Brüder Samwer als Risikokapitalgeber für Startups im Internet und Mobilfunkbereich. Zu den Investments von Rocket Internet oder ihres European Founders Fund gehören u.a.

Am 15. Januar 2008 wurde bekannt, dass die Samwers Unternehmensanteile an Facebook erworben haben.[13] Am 17. Februar 2011 wurde öffentlich, dass sie die Anteile wieder verkauft haben. Als Grund gaben sie die Konzentration auf den Frühphasen- und Wachstumsbereich an. Die Brüder dürften Schätzungen zufolge ihren Kapitaleinsatz etwa verdreifacht haben.[14]

Im Juli 2008 erwarben die Brüder Samwer 20 Prozent an der Internetstores AG. Am 30. März 2012 wurde bekannt, dass diese Anteile wieder verkauft wurden.[15]

Am 30. Dezember 2008 kauften die Brüder außerbörslich über die European Founders Fund Investment GmbH Anteile der MyHammer Holding AG, deren Tochterunternehmen die Internetplattform myhammer ist. Der Preis pro Aktie lag weit über dem des Marktes bei 3,70 Euro.[16]

Am 16. Mai 2010 verkauften die Samwer Brüder citydeal, ein Klon des amerikanischen Vorbilds Groupon, an selbige für 170 Millionen USD. 2010 hielten sie 10 % an Groupon.[17]

Am 1. Dezember 2011 wurde bekannt gegeben, dass sich die Samwer Brüder über den European Founders Fund (EFF) an einer Finanzierungsrunde über insgesamt 4 Millionen Euro für den Handarbeitsmarktplatz DaWanda beteiligen.[18]

Mit Rocket Internet halten die Brüder Anteile an Wimdu (in China: Airizu.com), dessen Konzept dem von Airbnb folgt.

Das gemeinsame Vermögen der drei Brüder, die aufgrund ihres Unternehmens in der Presse auch „Jamba-Brüder“ genannt werden,[19] wird vom Manager Magazin auf 350 Millionen Euro geschätzt.[20]

Im März 2013 wurde bekannt gegeben, dass die Brüder Samwer einen 150 Millionen Euro schweren Fonds namens Global Founders Capital für Unternehmens-Gründer auflegen. Der Fonds soll junge Start-ups weltweit unterstützen.[21] Aus diesem Fonds investierten die Brüder einen mittleren Millionenbetrag in das Hamburger Technologieunternehmen Kreditech [22] sowie in den niederländischen Online-Reisevermittler TravelBird, der auch in Deutschland aktiv ist. [23]

Kritik[Bearbeiten]

Sowohl die Samwer-Brüder als auch Rocket Internet werden hinsichtlich ihres unternehmerischen Handelns kritisiert. Unter anderem werden ihnen eine aggressive Marketingstrategie, einen „unberechenbaren Führungsstil“ und ein ethisch bedenkliches Geschäftsgebaren vorgeworfen.[24]

Literatur[Bearbeiten]

  • Max Finger, Oliver Samwer: America's Most Successful Startups. Lessons for Entrepreneurs. Gabler, 2001, ISBN 3-409-21409-7.
  • Joel Kaczmarek: Die Paten des Internets: Zalando, Jamba, Groupon - wie die drei Samwer-Brüder das größte Internetimperium der Welt aufbauen. FinanzBuch Verlag, München 2014, ISBN 978-3-898-79880-8.

Film[Bearbeiten]

  • Die große Samwer-Show. Die Milliarden-Geschäfte der Zalando-Boys. Dokumentarfilm, Deutschland, 2014, 43:30 Min., Buch und Regie: Christian Esser und Birte Meier, Produktion: ZDF, Redaktion: Frontal 21, Erstsendung: 26. August 2014 bei ZDF, Inhaltsangabe und online-Video von ZDF.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Joachim Hirzel, Tanja Treser: Wirtschaft: Die fabelhaften Samwer-Boys. In: Focus, 19. Oktober 2012, aufgerufen am 28. August 2014.
  2. Christian Rickens und Thomas Werres: Internet. Die Murks-Brothers. In: manager magazin, 18. Februar 2011.
  3. Marc's bio. In: European Founders, aufgerufen am 28. August 2014.
  4. Oliver's bio. In: European Founders, aufgerufen am 28. August 2014.
  5. 100 Jahre Harvard Business School – Konzepte, Köpfe und Karriere (PDF) Harvard Business Manager. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  6. Nina von Hardenberg: Millionär mit Gespür für die Marktlücke. In: Süddeutsche Zeitung, 5. Dezember 2008.
  7. Joel Kaczmarek: eDarling: “Es gab keine Verkaufspläne”. In: Gründerszene, 15. Mai 2012.
  8. Alexander Hüsing: Samwer Brüder steigen bei myhammer ein. In: deutsche-startups.de, 22. August 2008, aufgerufen am 28. August 2014.
  9. Oliver Samwer erwirbt Beteiligung an der abacho AG. In: alphabrief.de, 26. August 2008, aufgerufen am 28. August 2014.
  10. Melanie Wassink: Zalando mischt den Internethandel auf. In: Hamburger Abendblatt, 3. Februar 2012.
  11. Alex Hofmann: Möbel-Shoppingclub. 72 Millionen Euro für Rockets Westwing. In: Gründerszene, 3. April 2014.
  12. Daniel Bakir: Zalando, Home24, Wimdu. Die Milliarden-Geschäfte der berüchtigten Samwer-Brüder. In: stern, 26. August 2014.
  13. cis: Jamba-Gründer: Samwer-Brüder kaufen sich bei Facebook ein. Spiegel Online, abgerufen am 16. Januar 2008 (deutsch).
  14. Christian Rickens: Kasse gemacht: Samwer-Brüder verkaufen Facebook-Anteile. Manager Magazin, abgerufen am 17. Februar 2011 (deutsch).
  15. Jochen Krisch: Fahrrad.de holt sich 30 Mio. Euro und zahlt die Samwers aus. In: excitingcommerce.de, 30. März 2012.
  16. MyHammer Holding AG Inhaber-Aktien o.N. In: onvista.de, aufgerufen am 28. August 2014.
  17. Michael Arrington: Groupon Invades Europe With Acquisition Of Citydeal. In: TechCrunch.com, 16. Mai 2010, aufgerufen am 28. August 2014.
  18. Awazeh Khoschnam: Vier Millionen Euro und Auslandsbüros zu DaWandas Fünfjährigem. In: Gründerszene, 1. Dezember 2011.
  19. Investorenprofil Rocket Internet. In: Gründerszene, aufgerufen am 28. August 2014.
  20. Stefan Schultz: Internet-Start-ups: Angriff auf die Samwer-Brüder. In: Spiegel online, 17. Februar 2012.
  21. dpa: Samwer-Brüder legen Millionenfonds für Start-ups auf. In: Handelsblatt vom 18. März 2013.
  22. Alex Hofmann: Millionenfinanzierung für Kreditech vom neuen Samwer-Fonds. In: Gründerszene, 22. April 2013, abgerufen am 17. August 2013.
  23. Alexander Hüsing: Global Founders Capital investiert in TravelBird. In: Deutsche StartUps, 30. März 2014, abgerufen am 16. Juli 2014.
  24. Lisa Hegemann: Rocket Internet. Die Maschen der Samwer-Brüder. In: Handelsblatt, 27. August 2014.