Samye

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Tibetische Bezeichnung
Tibetische Schrift:
བསམ་ཡས་
Wylie-Transliteration:
bsam yas gling
Offizielle Transkription der VRCh:
Samyai
THDL-Transkription:
Samyé
Andere Schreibweisen:
Samye, Samyä, Samyay
Chinesische Bezeichnung
Traditionell:
桑耶寺
Vereinfacht:
桑耶寺
Pinyin:
Sāngyē Sì

Samye ist der Name einer als Mandala erbauten Tempel- und Klosteranlage im Kreis Dranang Dzong (tib.: gra nang rdzong གྲ་ནང་རྫོང་; Chinesisch: Zhānáng Xiàn 扎囊县), Regierungsbezirk Lhokha am nördlichen Ufer des Yarlung-Flusses (Brahmaputra), etwa 60 km südöstlich von Lhasa im Autonomen Gebiet Tibet der Volksrepublik China gelegen.

Geschichte[Bearbeiten]

Samye, das älteste Kloster Tibets
Kloster Samye 1939
Zentraler Tempel 1938
Zentraler Tempel in Samye heute

Samye („Über alle gedankliche Vorstellung Hinausgehende“) ist das älteste buddhistische Kloster Tibets und wurde um 775 unter der Herrschaft des tibetischen Königs Thrisong Detsen (regierte 755-797) am Fuße des Berges Hepori errichtet. Der große tantrische Meister Padmasambhava und Shantarakshita, der Abt der indischen Klosteruniversität Nalanda, ein bedeutender Gelehrter des Mahayana-Buddhismus, leiteten den Bau der Anlage. Padmasambhava führte die Einweihung des Tempels aus, wobei sich nach der Überlieferung verschiedene wundervolle Zeichen manifestierten. In Samye wurden daraufhin die ersten buddhistischen Mönche Tibets geweiht. Offiziell erbaut, um die Tauglichkeit der Tibeter für das Mönchsleben zu erproben, markiert es in einer Zeit, da die Auseinandersetzungen zwischen Buddhisten und Anhängern des Bön - zugleich ein Machtkampf zwischen Königtum und Adel - noch nicht entschieden waren, den Beginn der buddhistischen Klosterkultur Tibets. Auch wegen dieser Spannungen dürfte die Errichtung des ersten tibetischen Klosters wohl so weit von Lhasa entfernt stattgefunden haben.

Auf Veranlassung von Thrisong Detsen soll hier 792 bis 794 ein Konzil von Vertretern indischer und chinesischer Ausrichtungen des Buddhismus stattgefunden haben, das als Konzil von Samye oder auch als Konzil von Lhasa bekannt ist.

Das Kloster Samye wurde im 9. Jahrhundert, während der ersten Übersetzungswelle buddhistischer Schriften aus dem indischen Sanskrit ins Tibetische als zentraler Übersetzungsort genutzt. Aus dieser Übersetzungszeit ging die Nyingma-Schule des tibetischen Buddhismus hervor und die Grundlagen zur Verbreitung der Lehren Buddhas in späteren Zeiten wurde gelegt. Die verschiedenen Tempel dienten zugleich auch als Ort für Belehrungen, Einweihungen und Meditation.

Bereits zur Regierungszeit des tibetischen Königs Langdarma (regierte ca. 936 bis 942) wurde die Ausübung des Buddhismus in Tibet verboten, ihre Anhänger verfolgt und Mönche gezwungen in den Laienstand zu treten. Samye war in dieser Zeit als Lehrzentrum des Buddhismus verwaist. In späteren Jahrhunderten wurde der in seiner äußeren Form verdrängte Buddhismus in einer neuen Übersetzungsphase ab dem 11. Jahrhundert wiederbelebt. Diese Periode führte zur Gründung der Kadampa, Kagyü, Sakya, und etwas später, der Gelug-Schule des tibetischen Buddhismus. Das Kloster Samye nahm in dieser zweiten Phase der Verbreitung des Buddhismus in Tibet rein äußerlich betrachtet keine vergleichbar vorrangige Stellung mehr ein.

Während der Kulturrevolution (1966–1976) wurde Samye wie alle tibetischen Klöster entweiht und geplündert. Kulturgüter von unschätzbarem Wert wurden zerstört. Wie der Großteil der übrigen 6000 Klöster Tibets entging auch Samye nicht der vollständigen Zerstörung.

Gebetsmühle im Tempel Samye

Dilgo Khyentse Rinpoche (1910–1991), einer der bedeutendsten Nyingma-Meister des letzten Jahrhunderts, zugleich auch Lehrer des derzeitigen Dalai Lama, weihte die Tempelanlage gegen Ende der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts erneut ein. Heute wird sie von der Nyingma- und der Sakya-Schule gemeinsam verwaltet.

Das Kloster steht seit 1996 auf der Liste der Denkmäler der Volksrepublik China (4-90).

Anlage[Bearbeiten]

Zentraler Tempel, Stupa und Mauer

Die Tempelanlage formiert sich um einen großen dreistöckigen Zentraltempel der im Stile Indiens, Tibets und Chinas gestaltet wurde. In Der Lotosgeborene im Land des Schnees heißt es dazu: „Das oberste Stockwerk des dreistöckigen Zentraltempels wurde im indischen Stil erbaut, da Indien der Ursprung der Dharma-Tradition ist. Das mittlere Stockwerk wurde im chinesischen Stil erbaut, da China die Matriarchin war. Das untere Stockwerk wurde im tibetischen Stil erbaut, da Tibet der Patriarch war.“ [1]. Dieser Tempel diente zur Zeit Padmasambhavas dazu Einweihungen in die geheimen Lehren des Vajrayana zu geben. Er ist an allen vier Seiten von Tempeln umgeben, die den Bodhisattvas Avalokitesvara, Aryapala, Manjushri und Maitreya gewidmet sind, mit insgesamt acht kleineren Tempeln dazwischen. An den vier Ecken des Zentraltempels wurden jeweils große Stupas errichtet. Die Tempelanlage ist von einer kreisrunden Mauer umgeben, die insgesamt 108 kleine Stupas trägt. Aufgrund dieser und anderer Besonderheiten trägt Samye auch den Beinamen Das Unfassbare. Die verschiedenen Tempel Samyes waren mit kostbaren Statuen und verschiedensten Ritualgegenständen gefüllt.

Nach der Überlieferung inthronisierte Padmasambhava die Gottheit Pekar (Pehar) als Hauptschützer von Samye. Ein Tempel im Rahmen der Anlage Samyes ist daher als Tempel Pekars bekannt. Pekar entstammt der mongolischen Meditationsschule von Batha Hor und diente in seiner Funktion als Schützer Samyes 700 Jahre lang, bis er, einer Legende zufolge, zur Zeit des V. Dalai Lama Ngawang Lobsang Gyatso nach Nechung, nahe dem Drepung-Kloster in Zentraltibet, wechselte. Nachfolger in der Aufgabe des Schützers von Samye wurde die Gottheit Tsiu Marpo.

Literatur[Bearbeiten]

deutsch

  • Guru Padmasambhava: Die Geheimlehre Tibets. Kösel Verlag, München 1998, ISBN 3-466-20439-9.
  • Yeshe Tsogyal: Der Lotosgeborene im Land des Schnees. Wie Padmasambhava den Buddhismus nach Tibet brachte. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-596-12975-3 (Fischer 12975 Spirit), (Biographie von Padmasambhava).
  • Padmasambhava: Die Legende vom großen Stupa. Dharma Publishing, Münster 1993, ISBN 3-928758-04-7.

englisch

  • Keith Dowman: The Secret Life and Songs of the Lady Yeshe Tsogyel. Snow Lion Publications, Ithaca NY 1996, ISBN 1-55939-065-4.
  • Mikel Dunham: Samye. A Pilgrimage to the Birthplace of Tibetan Buddhism. Jodere Group, San Diego CA 2004, ISBN 1-58872-083-7.
  • G. W. Houston: Sources for a history of the bSam yas debate. VGH-Wissenschaftsverlag, Sankt Augustin 1980, ISBN 3-88280-007-0 (Monumenta Tibetica historica 1, 2), (Texte in Transkription).

Referenzen[Bearbeiten]

  1. siehe Biographie von Yeshe Tsogyal, S. 70

Weblinks[Bearbeiten]

29.32668791.503049Koordinaten: 29° 19′ 36″ N, 91° 30′ 11″ O