San-José-Strauchkaninchen

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San-José-Strauchkaninchen
Systematik
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Euarchontoglires
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Hasen (Leporidae)
Gattung: Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus)
Art: San-José-Strauchkaninchen
Wissenschaftlicher Name
Sylvilagus mansuetus
E. W. Nelson, 1907

Das San-José-Strauchkaninchen (Sylvilagus mansuetus) ist eine Säugetierart aus der Gattung der Baumwollschwanzkaninchen innerhalb der Hasenartigen. Es ist endemisch auf der Isla San José im Golf von Kalifornien.

Merkmale[Bearbeiten]

Das San-José-Strauchkaninchen erreicht eine Körperlänge von etwa 34 Zentimeter mit einem Schwanz von etwa 4,4 Zentimetern Länge. Der Hinterfuß ist 7,3 Zentimeter, das Ohr (getrocknet) etwa 6,3 Zentimeter lang.[1] Die Rückenfarbe und der Schwanz sind graubraun bis dunkelbraun, die Bauchseite und die Unterseite des Schwanzes sind weißlich gefärbt. Im Vergleich zum nahe verwandten Strauchkaninchen (S. bachmani) ist das Fell etwas heller und die Ohren sind etwa länger.[2] Im Winterfell ist die Oberseite des Kopfes und des Rückens blass sandfarben bis gelbgrau, die Seiten sind blasser und grauer als der Rücken.[1]

Der Schädel besitzt eine lange und schmale Schnauzenregion. Die Supraorbitalfortsätze sind breit und kompakt.[1]

Verbreitung[Bearbeiten]

Verbreitungsgebiet des San-José-Strauchkaninchens

Das San-José-Strauchkaninchen ist endemisch auf der zum mexikanischen Bundesstaat Baja California Sur gehörenden Isla San José im Golf von Kalifornien. Die Insel ist etwa 170 km² groß und liegt 60 Kilometer nördlich der Stadt La Paz; vom Festland ist sie etwa fünf Kilometer entfernt.[2]

Durch eine Bestandsaufnahme im Jahr 2011 konnte festgestellt werden, dass die Art auf der Insel nur ein etwa 20 km² großes Gebiet entlang der südwestlichen Küstenebene mit einer einzigen Population besiedelt.[3][4]

Lebensweise[Bearbeiten]

Über die Lebensweise der Art liegen nur sehr wenige Informationen vor. Die höchste Aktivität weisen die Tiere zwischen Sonnenuntergang und etwa 2:00 Uhr sowie am Morgen zwischen 6:00 und 10:00 Uhr auf.[4]

Die Gebiete mit den dichtesten Vorkommen der Art zeichnen sich durch eine hohe Anzahl und Vielfalt von Wüstenbäumen, Kakteen und Gebüschen aus. Zu den Pflanzen des Gebietes gehören Fouquieria digueti, Jatropha cinerea, Pachicerus pringley, Opuntia cholla, Bursera hindsiana, Bursera microphylla, Simmondsia chinensis, Cercidium peninsulare, Stenocereus gummosus, Cyrtocarpa edulis, Esenbeckia flava, Lycium sp. und Olneya tesota. Die Kaninchen nutzen den Schatten unter den Pflanzen als Ruheplätze.[4]

Neben den San-José-Strauchkaninchen leben auf der Insel nur sechs weitere heimische Säugetierarten.[2] Zu den weiteren Säugern gehören der Maultierhirsch (Odocoileus hemionus), die San-Jose-Kängururatte (Dipodomys insularis), die Taschenmaus Chaetodipus spinatus, die Amerikanische Buschratte Neotoma lepida, das Nordamerikanische Katzenfrett (Bassariscus astutus) und die Kaktusmaus (Peromyscus eremicus).[1]

Zu den Fressfeinden des Kaninchens gehören vor allem eingeführte Katzen und Hunde, die auf alle Kleinsäuger der Insel einen Räuberdruck ausüben. Das Nordamerikanische Katzenfrett als einziges heimisches Raubtier erbeutet wahrscheinlich auch gelegentlich einzelne Tiere, weist jedoch nur geringe Überschneidungen im Lebensraum auf. Weitere heimische Beutegreifer sind verschiedene Schlangen wie die Klapperschlangen Crotalus enyo enyo, C. mitchelli mitchelli und C. ruber lucanensis, die Bullennattern Pituophis melanoleucus bimaris und P. vertebralis, der Fischadler (Pandion haliaetus), der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis), der Wanderfalke (Falco peregrinus) und der Buntfalke (Falco sparverius).[4]

Systematik[Bearbeiten]

Das San-José-Strauchkaninchen wird als eigenständige Art den Baumwollschwanzkaninchen (Gattung Sylvilagus) zugeordnet. Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde es von Edward William Nelson im Jahr 1907.[5] Der Artname manseatus leitet sich von der lateinischen Bezeichnung des Wortes „zahm“ ab und ist wahrscheinlich auf die sehr geringe Fluchtdistanz der Tiere zurückzuführen.[1]

Das Strauchkaninchen (Sylvilagus bachmani) ist die nächstverwandte Art des San-José-Strauchkaninchens

Es wird angenommen, dass das San-José-Strauchkaninchen nah verwandt ist mit dem Strauchkaninchen (S. bachmani), das auf dem Festland der Halbinsel Niederkalifornien lebt.[4] Die genaue verwandtschaftliche Beziehung ist unbekannt, das San-José-Strauchkaninchen könnte auch eine Unterart des Strauchkaninchens darstellen.[1]

Gefährdung und Schutz[Bearbeiten]

Das San-José-Strauchkaninchen wird von der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) aufgrund der Bestandsgröße und des sehr kleinen Verbreitungsgebietes als vom Aussterben bedroht (critically endangered) eingestuft.[4]

Vergleiche zwischen Zählungen von 1995/96 und 2008 haben ergeben, dass die Bestandszahlen des San-José-Strauchkaninchen leicht zurückgegangen sind. Als Ursachen könnten der Jagddruck durch eingeführte Hunde und Katzen, der Habitatverlust durch die Konkurrenz mit eingeführten Ziegen, illegale Jagd oder Effekte durch die Einrichtung einer Salzmine nahe dem Verbreitungsgebiet der Kaninchen in Frage kommen.[4]

Belege[Bearbeiten]

  1. a b c d e f  Howard H. Thomas, Troy L. Best: Sylvilagus mansuetus. In: Mammalian Species. 464, 1994, S. 1–2 (Volltext (PDF; 219 kB)).
  2. a b c Joseph A. Chapman, John E. C. Flux (Hrsg.): Rabbits, Hares and Pikas. Status Survey and Conservation Action Plan. (PDF; 11,3 MB) International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN), Gland 1990; S. 104. ISBN 2-8317-0019-1.
  3. Consuelo Lorenzo, Sergio Ticul Álvarez-Castañeda, Jorge Vázquez: Conservation Status of the Threatened, Insular San Jose Brush Rabbit (Sylvilagus mansuetus). Western North American Naturalist 71(1), 2011: S. 10-16. (Abstract)
  4. a b c d e f g Sylvilagus mansuetus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2011. Eingestellt von: S. Álvarez-Castañeda, C. Lorenzo, 2008. Abgerufen am 8. Juli 2012
  5. Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder (Hrsg): Sylvilagus mansuetus in Mammal Species of the World. A Taxonomic and Geographic Reference (3rd ed).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sylvilagus mansuetus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Sylvilagus mansuetus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2011. Eingestellt von: S. Álvarez-Castañeda, C. Lorenzo, 2008. Abgerufen am 8. Juli 2012