San Giacomo (Pass)

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San Giacomo
aus dem Val Bedretto

aus dem Val Bedretto

Himmelsrichtung Nordost Südwest
Passhöhe 2'313 m ü. M.
Region Kanton Tessin, Schweiz Provinz Verbano-Cusio-Ossola, Italien
Wasserscheide Ri di San Giacomo → Tessin Torrente Roni → Toce
Talorte All’Acqua Riale
Ausbau Wanderweg Schotterpiste
Gebirge Alpen
Karte (Tessin)
San Giacomo (Pass) (Tessin)
San Giacomo (Pass)
Koordinaten, (CH) 46° 27′ 34″ N, 8° 27′ 12″ O (677954 / 145864)46.4595777777788.45342313Koordinaten: 46° 27′ 34″ N, 8° 27′ 12″ O; CH1903: 677954 / 145864

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Der Pass San Giacomo (ital. Passo San Giacomo) verbindet das zur italienischen Provinz Verbano-Cusio-Ossola gehörende Val Formazza mit dem Bedrettotal im Schweizer Kanton Tessin. Westlich des Passes auf 2313 m ü. M. liegt das Helgenhorn (2837 m), östlich das Marchhorn (2962 m). Über den Nufenenpass besteht zudem eine Verbindung in das Wallis.

Das Val Formazza ist der nördliche Teil des langen Tocetales, wo auch dieser in den Lago Maggiore mündende Fluss entspringt. Das zu den längeren Alpentälern zählende, im oberen Bereich in Dialekt als Pomatt bezeichnete Tal teilt die Schweizer Kantone Wallis und Tessin voneinander, bildet aber eine sprachliche Brücke zwischen dem Walliser Goms und dem Tessiner Walserdorf Bosco/Gurin. Das Pomatt war bis 1920 nur zu Fuss oder auf dem Esel erreichbar.

Eduard Imhof: Passo di San Giacomo
(Zeichnung vom 11. September 1934)

Als Verkehrsweg war der Pass vor allem zwischen dem Ende des 13. und dem Ende des 15. Jahrhunderts bedeutend. Säumergenossenschaften transportierten Waren über den San Giacomo und weiter über den Gotthard. Das Hospiz Val d'Olgia wurde 1405 erstmals erwähnt; von ihm hat sich die Kapelle SS. Nicolao, knapp einen Kilometer nordöstlich der Passhöhe gelegen, erhalten.

Mit der Eröffnung der Gotthardbahn 1882 sank das Verkehrsaufkommen über den San Giacomo weiter. Zugleich sah die Schweiz den Grenzverlauf über den Pass als militärische Bedrohung an, da der Pass nur zwölf Kilometer vom Südportal des Gotthardtunnels bei Airolo entfernt war. Dies war einer der Gründe, warum ab 1886 im Raum Airolo Befestigungen, beispielsweise das Forte Airolo, erbaut wurden.[1]

Am 15. August 1929 eröffnete auf italienischer Seite eine Fahrstrasse zur Passhöhe. Sie sollte der Erschliessung des Gebiets für den Bau von Kraftwerken und für den Tourismus dienen. Der Mailänder Architekt Piero Portaluppi errichtete um 1930 knapp zwei Kilometer südlich der Passhöhe mit seinem Projekt Wagristoratore einen Gastronomiebetrieb für Automobiltouristen, bestehend aus einem Schlaf- und einem Speisewagen.[2] Der Betrieb wurde 1943 durch italienische Partisanen zerstört[3]. Der Transport der beiden Bahnwagen verdeutlichte die Leistungsfähigkeit der 4.5 Meter breiten Strasse. Seitens der Schweiz wurde der Strassenbau als zusätzliche Bedrohung wahrgenommen, da die Strasse auch militärisch genutzt werden konnte, beispielsweise zum Transport von Geschützen zur Passhöhe, womit das Gotthardgebiet in der Reichweite der italienischen Artillerie lag. Der von italienischer Seite gewünschte Weiterbau der Strasse wurde von der Schweiz abgelehnt.[4]

Ab 1935 entstanden auf der Schweizer Passseite Befestigungen, die insbesondere während des Zweiten Weltkrieges weiter ausgebaut wurden. Zuletzt umfasste die Sperrstelle San Giacomo 30 Einzelobjekte, für deren Versorgung das Militär eine Seilbahn betrieb. Die Befestigungen wurden nach ihrer Aufgabe in den 1990er Jahren als Sperrstelle von nationaler Bedeutung klassifiziert.[5]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Werner Rutschmann: Gotthardbefestigung. Die Forts am Achsenkreuz der Heerstrassen. Planung und Bau 1885–1914. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1992, ISBN 3-85823-363-3, S. 16, 112.
  2. Bild der beiden Eisenwaggons des Projekts Wagristoratore, aufgerufen am 28. Juli 2013.
  3. Gemäss dem Archivio del Verbano Cusio Ossola wurde der Betrieb von den Faschisten zerstört, weil die Partisanen ihn als Stützpunkt und Unterkunft bei der Flucht in die neutrale Schweiz benutzt hätten
  4. Hansjakob Burkhardt: Gotthardfestung – Fortificazione del San Gottardo Foppa Grande. (pdf, 32,4 MB) S. 12.
  5. Sperrstelle San Giacomo. In: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (Hrsg.): Militärische Denkmäler im Kanton Tessin. Inventar der Kampf- und Führungsbauten. (pdf, 5,3 MB) S. 30–31.