San Giorgio Maggiore

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San Giorgio Maggiore
San Giorgio Maggiore
San Giorgio Maggiore
Gewässer Lagune von Venedig
Geographische Lage 45° 25′ 41″ N, 12° 20′ 37″ O45.42805555555612.3436111111112Koordinaten: 45° 25′ 41″ N, 12° 20′ 37″ O
San Giorgio Maggiore (Lagune von Venedig)
San Giorgio Maggiore
Länge 490 m
Breite 320 m
Fläche 9,98 ha
Höchste Erhebung m
Einwohner 11 (2001)
110 Einw./km²
Hauptort San Giorgio Maggiore

San Giorgio Maggiore ist eine Insel in der Lagune von Venedig, die dem Becken von San Marco (bacino) in südlicher Richtung vorgelagert ist. Benediktiner-Abtei und Kirche auf der Insel tragen den gleichen Namen.

Geographie[Bearbeiten]

Die Insel ist 490 Meter lang, bis zu 320 Meter breit, und hat eine Fläche von 9,98 Hektar. Zur Volkszählung 2001 wurden auf der Insel 11 ständige Bewohner nachgewiesen, alle männlich (Kloster).[1]

Die Insel gehört zum Stadtteil (Sestiere, Stadtsechstel) San Marco (dunkelgrün)


Kirche[Bearbeiten]

Die namensgebende Basilica San Giorgio Maggiore gehört zur Pfarrei San Zaccaria im Sistiere Castello, obwohl die Insel zum Sestiere San Marco gehört.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kirche gehört zu dem Gebäudekomplex eines Benediktinerklosters, dessen Ursprünge bis in das Jahr 982 zurückreichen. Das Kloster entwickelte sich in der Folge zu einem der bedeutendsten Klöster des Ordens in Italien. Im Jahre 1109 gelangten Reliquien des heiligen Stephanus, des ersten Märtyrers der Christenheit aus Konstantinopel in das Kloster, wodurch es neben dem Grab des Evangelisten Markus zu einem der wichtigen Pilgerziele in der Lagunenstadt wurde. Neben dem heiligen Georg ist der heilige Stephanus Patron der Kirche. Das Fest des Heiligen am 26. Dezember ist wesentlicher Bestandteil der venezianischen Weihnachtsfeierlichkeiten.

Zwei Dogen wurden hier bestattet, Tribuno Memmo († 991), der den Mönchen die Insel geschenkt hat und Sebastiano Ziani († 1178), der das Kloster besonders schätzte und der dort verstorben ist.

1565 erhielt Andrea Palladio, der bereits ein Klostergebäude für die Benediktiner errichtet hatte, den Auftrag zum Neubau der baufällig gewordenen Kirche. Erst 1610 war der Bau auch innen vollständig ausgestattet, so dass die Kirche eingeweiht werden konnte.

Im Frühjahr 1800 wurde Pius VII. in San Giorgio Maggiore zum Papst gewählt, da man wegen Napoleons Italienfeldzug und der Besetzung Roms durch französische Truppen das Konklave nach Venedig verlegt hatte. Während der Besetzung Venedigs durch die Franzosen wurde auch San Giorgio ausgeplündert und die jahrhundertealte Bibliothek aufgelöst. Seit dieser Zeit verfielen die Klosterbauten, bis sie auf Initiative der Familie Cini restauriert und ab 1951 als Kultur- und Forschungszentrum genutzt wurden. In dem nicht öffentlichen Park befindet sich ein Freilufttheater, das Teatro verde.

Architektur[Bearbeiten]

San Giorgio Maggiore – Fassade
Innenansicht

Die Kirche steht im rechten Winkel zu dem angrenzenden Klostergebäude, so dass vor dem Gebäude ein Kirchplatz entsteht, der mit farbigen Steinplatten gepflastert ist.

Durch die angrenzenden flachen Klostergebäude aus rötlichem Ziegelstein wird die Kirche wirkungsvoll in Szene gesetzt. Das Ensemble von San Giorgio Maggiore – zusammen mit dem Campanile aus dem 18. Jahrhundert, der mit dem Campanile des Markusplatz' korrespondiert – ist für das Gesamtbild von Venedig um den Bacino von hervorragender Bedeutung. Palladio ist es gelungen, durch die Form und die Positionierung des Kirchenbaus eine Sichtachse vom Markusplatz über die Piazzetta und den Bacino zu schaffen. Der Blick verliert sich nicht in der Unendlichkeit des Meeres, sondern findet Halt und Ziel. Die gleichzeitig ebenfalls von Palladio entworfene Kirche Il Redentore auf der Giudecca, mit einer vergleichbaren tempelartigen Fassade aus istrischem Stein, die ebenfalls für die Ansicht von der Piazzetta aus konzipiert ist, wird durch eine leichte Ausrichtung zu San Giorgio, auch mit dieser in eine optische Verbindung gesetzt. Städtebaulich sind diese beiden Kirchenbauten Palladios – zusammen mit der späteren Salutekirche Longhenas auf der Punta della Dogana – von prägender Bedeutung für das Erscheinungsbild der Serenissima an ihrem politischen und kulturellen Zentrum.

Die 1900 mit dem Ehrentitel Basilica minor ausgezeichnete Kirche wurde von Palladio entworfen und nach seinem Tod in Ausführung seiner Pläne fertiggestellt. Palladios Fassade aus istrischem Stein ist mit dem Ziel konzipiert, die Frontseite eines römischen Tempels auf eine christliche Kirche zu projizieren. Alberti in Sant'Andrea in Mantua folgend gliedert Palladio die Fassade durch vier kolossale Halbsäulen auf hohen Sockeln und bildet die dreischiffige Gliederung der Kirche ab. Anders als bei der zuvor entworfenen Fassade für San Francesco della Vigna ist die Sockelhöhe der Seiten und des Mittelteils hier unterschiedlich. Die unterschiedliche Gestaltung der beiden Kirchenfassaden ist aber schon deshalb gerechtfertigt, da San Francesco wegen der engen Bebauung nur eine Nahsicht erlaubt, während die Fassadengestaltung von San Giorgio Maggiore gerade mit Rücksicht auf die Wirkung in der Fernsicht gewählt ist. Die Säulen rahmen das einzige Portal sowie eine quadratische Inschriftentafel und tragen den Tempelgiebel, der von einer Statue des auferstandenen Christus bekrönt wird. An den oberen Giebelecken sind anbetende Engelfiguren, an den unteren Giebelecken Statuen des Heiligen Benedikt von Nursia (rechts) und des Heiligen Markus (links). Rechts und links vom Portal stehen in zwei Rundbogennischen die Figuren der beiden Kirchenpatrone, die Heiligen Georg und Stephanus. Die beiden äußeren Ädikulen enthalten Epitaphe für die beiden Dogen, die in San Giorgio Maggiore beigesetzt worden sind, rechts Doge Sebastiano Ziani, links Doge Tribuno Memmo.

Der Kuppeltambour der Kirche ist aus rötlichem Ziegelmauerwerk und wird wie die Außenmauern nur sparsam durch Elemente aus istrischem Stein verziert. Die Kirche ist eine kreuzförmige Basilika mit einer Kuppel über der Vierung und einem weißen Tonnengewölbe im Mittelschiff. Die Querschiffe werden halbkreisförmig geschlossen.

Innenausstattung[Bearbeiten]

Die Fenster in den Seitenschiffen und im Obergaden sind als Thermenfenster ausgebildet, während der Mönchschor durch eine Reihe von Ädikulafenstern beleuchtet wird. Mauern und Deckengewölbe sind weiß verputzt, während Postamente, Säulen, Kapitelle und Friese in einem hellen Grauton gehalten sind, so dass die Kirche innen die Atmosphäre einer Florentiner Kirche im Geiste Brunelleschis oder Michelangelos ausstrahlt. Der einzige, gedämpfte, Farbakzent kommt von einem Boden aus Marmorfliesen in den Farben des Dogenpalastes, auf den die Front der Kirche gerichtet ist. Nach venezianischer Tradition dominiert die Kuppel den Kirchenraum.

Das quadratische Presbyterium mit dem angegliederten Mönchschor wird von dem Gemeindebereich durch eine Kolonnade getrennt, auf der eine große Orgel aufgebaut ist. Das dreiteilige architektonische Gehäuse der Orgel nimmt mit seinen korinthischen Pilastern, Rundbögen und einem Tempelgiebel Formen der Kirchenarchitektur auf. Die Orgel wurde 1750 von dem Orgelbauer Pietro Nacchini erbaut, und 1887 von dem Orgelbauer Pietro Bazzani umfassend reorganisiert. Das Instrument hat Register auf einem Manualwerk mit kurzer Oktave und angehängtem Pedal. Das Instrument befindet sich auf der Sängerempore.[3]

Die Kirche ist mit verschiedenen Kunstwerken ausgestattet:

Manualwerk C,D,E,F–c4
Principale Bassi B,D 12’
Ottava
Quinta decima
Decima nona
Vigesima seconda
Vigesima sesta
(Fortsetzung)
Vigesima nona
Trigesima terza
Trigesima sesta
Contrabassi (16’)
Ottave di Contrabassi
Duo decima di Contrabassi
(Fortsetzung)
Voce Umana
Flauto in VIII
Flauto in XII
Cornetta
Trombe B,D
Tromboncini B,D
  • Spielhilfen: Tutti-Zug, Tamburo

Literatur[Bearbeiten]

  • Thorsten Droste, DuMont Kunst-Reiseführer Venedig, DuMont Verlag, Köln 2008, 3. Auflage, ISBN 3-7701-3582-2

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1]
  2. Pfarreien des Vikariats San Marco-Castello (DOC-Datei; 52 kB)
  3. Nähere Informationen zur Orgel (italienisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: San Giorgio Maggiore (Venice) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien