Penal Castro Castro

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Das Gefängnis Penal Castro Castro im Distrikt San Juan de Lurigancho ist die größte Strafvollzugsanstalt in Lima in Peru und hat den Ruf, zu den „härtesten“ Gefängnissen der Welt[1] zu gehören und wird auch als „Hochschule des Verbrechens“ bezeichnet.

Lage[Bearbeiten]

Das Gefängnis Penal Castro Castro befindet sich in der östlichen Peripherie von Lima[2], in San Juan de Lurigancho (SJL) oder auch als Cono Este bezeichnet. SJL gehört mit einer Bevölkerung von über einer Million Einwohner zu den bevölkerungsreichsten Vierteln Limas und der Welt.

Anlage[Bearbeiten]

Castro Castro ist für 1.600 Insassen ausgelegt, tatsächlich befinden sich dort weitaus mehr Inhaftierte. Schätzungen zufolge mehr als 6.000.[2] Lurigancho besteht aus 20 Pavillons für Häftlinge und ist mit einer hohen Außenmauer umgeben, die von Wachtürmen besetzt ist.[2] Jeder Pavillon wird von ca. 800 Häftlingen bewohnt.

Regelungen[Bearbeiten]

Die Reglementierung innerhalb der Strafanstalt beruht auf einer Vereinbarung zwischen Gefängnisleitung und Häftlingen. Den Häftlingen ist es nicht gestattet, ihre Zone zu verlassen. Solange sie sich innerhalb der Gefängnismauern befinden, können sie frei handeln und sich bewegen. Innerhalb der Häftlingszone befinden sich zwanzig unbewaffnete Wärter. Sämtliche Vorgänge wie Gesetzgebung, Reinigung, Ernährung und Erziehung werden von den Insassen autonom geregelt.[2] Es gelten die Regeln der freien Marktwirtschaft, so dass nahezu alle Waren und Dienstleistungen zu entsprechenden Preisen erhältlich sind. Dazu gehören auch Alkohol, Drogen, Waffen und Prostituierte. Insassen können ohne die Hilfe von Familien und Freunden außerhalb des Gefängnisses meist nicht überleben. Insassen ohne Barmittel müssen für die anderen Häftlinge arbeiten bzw. ihnen sexuelle Dienstleistungen anbieten. Die Schlafplätze in den Pavillons sind limitiert, so dass den mittellosen Häftlingen und denjenigen, welche am unteren Ende der Hierarchie stehen nur die Übernachtung auf den Gängen oder außerhalb der Gebäude möglich ist.[2] An den Wochenenden findet in einem Pavillon des Gefängnisses eine Diskothek mit alkoholischen Getränken und Prostituierten statt.[3][4]

Häftlinge[Bearbeiten]

Die Mehrheit der Insassen ist jung und hat eine durchschnittliche Haftdauer von zehn bis 20 Jahren. Viele wurden ohne Strafprozess in Lurigancho inhaftiert. In der Hierarchie unterscheidet man zwischen sogenannten "Piranhas"[5], jugendlichen Straftätern in einem Alter von ca. 12 Jahren, welche zumeist in Gruppen auftreten, und älteren"Haien"[6] mit mehr Machtbefugnissen.[2] Die verschärfte peruanische Sicherheitspolitik führte dazu, dass hohe Haftstrafen auch an Ersttätern und Kleinkriminellen verhängt werden. Untersuchungshäftlinge und verurteilte Täter werden in den gleichen Gefängnistrakten untergebracht, so dass sich eine neue “Generation Schwerstkrimineller” durch Lerneffekte heranbilden kann. Häftlinge der unteren Hierarchie müssen in Massenlagern und teilweise auf dem Fußboden auf den Gängen schlafen. Der Mittelgang zwischen den einzelnen Pavillons wird, angelehnt an die Prachtstraße Limas „Jirón de la Unión“ genannt, hier werden Waren aller Art bis hin zu Waffen, Drogen, etc. verkauft. Ein Portrait zeigt die australische Ordensschwester Juana Sawyer[7], die bei einer Gefängnisrevolte als Geisel genommen wurde und von der Polizei erschossen wurde. Die Schlafräume sind ca. 40 Quadratmeter groß und werden von mehr als 20 Personen bewohnt. Ärztliche Untersuchungen zeigen, dass die meisten Insassen von Lurigancho Spuren von körperlicher Gewalt wie Wunden oder Hämatome tragen, die von Rangkämpfen und Misshandlungen innerhalb der Gefängnishierarchie stammen.[8]

Medizinische Versorgung[Bearbeiten]

Ein Arzt und ein Krankenpfleger sind für die medizinische Versorgung der Häftlinge zuständig. Die medizinische Versorgung ist kostenfrei. HIV ist das größte Problem in Lurigancho. An Besuchstagen haben Prostituierte ungeschützten Sex mit bis zu 40 Männern, was zu einer starken Ausbreitung der Viruserkrankung beigetragen hat. Weitere Infektionsquellen sind Tatöwierungen und Injektionsnadeln beim Drogenmissbrauch. Mit HIV-infizierte Personen werden in einem bestimmten Gefängnistrakt isoliert. Durchschnittlich 30 Patienten infizieren sich jeden Monat mit Tuberkulose, welche ein weiteres großes Gesundheitsproblem darstellt.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

In Vergangenheit wurden auch Mitglieder der maoistischen Guerrillabewegung Sendero Luminoso in Lurigancho inhaftiert. Im Juni 1986 kam es zu einer größeren Gefängnisrevolte[9], bei der Geiseln genommen wurden. Die Aufrührer verlangten die Freilassung von 500 gefangenen Personen, denen man Terrorismus vorwarf. 100 Personen wurden von Polizei und Militär exekutiert. Weiterhin wurden 124 Rebellen[10] während der Revolte getötet.[11] Die Revolte wurde nach einigen Tagen von der peruanischen Armee niedergeschlagen. In den Jahren 2005 und 2008 kam es zu weiteren Unruhen, die ebenfalls mehrere Todesopfer forderten. Im August 2010 tötete der niederländische Drogenhändler Jason Sanford Staling Conquet seine 22-jährige Freundin Leslie Dayán Paredes Silva in der Haftanstalt während der Besuchszeit und mauerte die Leiche in der Zelle ein.[12][13]

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://web.archive.org/web/20100811003550/http://channel.nationalgeographic.com/series/inside/3144/Photos#tab-Photos/0
  2. a b c d e f g Hans Veeken: Lurigancho prison: Lima's „high school“ for criminality, British Medical Journal
  3. http://solitariogeorge.com/2009/09/29/lurigancho-la-prision-mas-poblada-de-peru-funciona-una-discoteca/
  4. http://perilousperu.wordpress.com/2009/10/04/prison/
  5. span. Pirañas
  6. span. Tiburónes
  7. La República/Perú – Erinnerungen an die Gefängnisrevolte von 1983
  8. Adveniat-für die Menschen in Lateinamerika, Besuch imm Gefängnis von Lurigancho
  9. in Lurigancho, Santa Barbara and El Frontón
  10. The Seattle Times, Prison Inmates Struggle To Survive In Peru's `Inferno', 1. Januar 1991
  11. http://wn.com/Peruvian_prison_massacres
  12. http://www.cbs42.com/mostpopular/story/Van-der-Sloot-not-Perus-most-notorious-prisoner/WbjNq4sK0U6QzOspmsOJhA.cspx
  13. http://elcomercio.pe/lima/677044/noticia-holandes-que-asesino-su-novia-penal-lurigancho-dio-detalles-macabro-crimen

Weblinks[Bearbeiten]

-11.983661-76.989165Koordinaten: 11° 59′ 1″ S, 76° 59′ 21″ W