San Miniato al Monte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
San Miniato al Monte und der Bischofspalast

Die Basilika San Miniato al Monte ist die Kirche der gleichnamigen Olivetaner-Abtei in Florenz, die auf einem der höchsten Punkte der Stadt steht. Sie ist ein typisches Beispiel der romanischen Architektur der Toskana und gilt als eine der schönsten Kirchen in Italien. Die Fassade ist ein charakteristisches Werk des Inkrustationsstils der Florentiner Protorenaissance. Die Kirche trägt den päpstlichen Ehrentitel Basilica minor.

Lage[Bearbeiten]

San Miniato al Monte steht auf einem Hügel (italienisch: monte) über dem südlichen Ufer des Arno oberhalb des Piazzale Michelangelo. Der Standort der Kirche ist ein bekannter Aussichtspunkt mit Blick auf die Stadt.

Aussehen und Geschichte[Bearbeiten]

Die Basilika mit dem Vorplatz, links im flachen Gebäude mit der Holztür befindet sich das Geschäft der Mönche.
Die Basilika von Innen

San Miniato al Monte ist eine dreischiffige Basilika mit halbrunder Apsis. Sie wurde vermutlich zeitgleich mit dem Baptisterium San Giovanni erbaut und ist ein typisches Werk des Inkrustationsstils. Die Fassade ist mit weißem Carrara-Marmor und dunkelgrünem Serpentin aus Prato verkleidet.

Der Legende nach entstand die Kirche an dem Ort, an dem der heilige Minias starb, ein Märtyrer, der unter Kaiser Decius im Jahre 250 am Arno enthauptet wurde und mit dem Kopf unter dem Arm den Hügel hinauflief.[1] Der heilige Minias war Florenz’ erster Märtyrer, ein armenischer Prinz, der seine Heimat verließ, um eine Pilgerreise nach Rom zu machen.[2] Er kam ungefähr um 250 in Florenz an und lebte dort als Eremit. Später wurde auf dem Hügel, auf dem er starb, ein Schrein errichtet, und es gab dort bis zum 8. Jahrhundert eine Kapelle. Der Bau der heutigen Kirche wurde 1013 von Bischof Alibrando begonnen. Zunächst war die Kirche ein Benediktinerkloster, dann war sie cluniazensisch und seit 1373 wird die Kirche von Olivetanermönchen betrieben. Die Mönche produzieren bei Feinschmeckern berühmte alkoholische Getränke, Honig und Kräutertees, die sie in einem Geschäft nahe bei der Kirche verkaufen.

Die geometrisch geordnete Marmorfassade wurde vermutlich um 1090 begonnen. Die Zunft der Tuchkaufleute Arte di Calimala, welche ab 1288 für Unterhalt und Betrieb der Kirche zuständig war, finanzierte die Arbeiten. Die oberen Teile der Fassade wurden erst im 12. Jahrhundert oder später fertiggestellt. Das Mosaik von Christus zwischen der Jungfrau und dem heiligen Minias wurde 1260 gelegt. Der nie vollendete Glockenturm stürzte 1499 ein und wurde 1523 ersetzt. Während der Belagerung von Florenz 1530 wurde er von den Verteidigern als Artillerieposten verwendet. Michelangelo schützte ihn vor feindlichem Feuer, indem er ihn mit Matratzen umwickeln ließ.

Das Innere von San Miniato al Monte ist sehr ungewöhnlich, denn der nach dem Bau kaum veränderte Chor ist auf einer erhöhten Plattform über der großen Krypta angeordnet. Der gepflasterte Boden stammt aus dem Jahre 1207. Das Zentrum des Mittelschiffes wird von der freistehenden Cappella del Crocefisso (dt. Kapelle des Kruzifixs) beherrscht, die 1448 von Michelozzo entworfen wurde. Die Terracotta-Dekoration der Wölbung wurde durch Luca della Robbia vorgenommen.

Die Krypta ist der älteste Teil der Abteikirche. Im hohen Altar sollen sich angeblich die Gebeine des heiligen Minias befinden. Es gibt aber auch Hinweise, dass diese nach Metz verbracht wurden, bevor San Miniato al Monte errichtet wurde. In den Wölbungen der Krypta befinden sich Fresken von Taddeo Gaddi.

Im angehobenen Chor und dem Presbyterium befindet sich eine romanische überdachte Kanzel, die 1207 erbaut wurde. Die Apsis wird durch ein großes Mosaik aus 1297 beherrscht. Das Kruzifix über dem hohen Altar wird Luca della Robbia zugeschrieben. Die Sakristei ist mit einem großen Freskenzyklus aus dem Leben des heiligen Benedikt von Spinello Aretino (1387) verziert.

Die Cappella del Cardinale del Portogallo links am Hauptschiff wurde von Antonio Manetti 1473 erbaut. Dort wurde in einem von Antonio Rossellino erschaffenen Grabmal der 1459 verstorbene Kardinal Jacob von Lusitanien, ein Neffe des portugiesischen Königs Alfons V., beigesetzt.

Die Kirche wurde in den Jahren 1858 bis 1861, 1902 bis 1912 und 1924 restauriert.

Kloster, Festung und Friedhof[Bearbeiten]

Der Friedhof mit Blick über Florenz
Der Friedhof auf einem Bild von Hans von Bartels (1856–1913)
Ein Grab auf dem Cimitero delle Porte Sante

Neben der Abteikirche befindet sich das Kloster, das ab 1425 gebaut wurde, sowie der befestigte Palast des Bischofs aus 1295, der später als Baracke und Hospital für Pestkranke verwendet wurde. Der ganze Komplex ist durch Verteidigungswände umgeben, die ursprünglich eilig von Michelangelo während der Belagerung um 1553 errichtet und unter Cosimo I. zu einer richtigen Festung (italienisch: fortezza) ausgebaut wurden. Im Jahre 1854 wurde infolge eines Choleraausbruchs von der Stadtverwaltung die Beisetzung in und um die Kirche gestattet. Die Mauern der Fortezza umgeben heute den zum Gebäude gehörenden Friedhof Cimitero delle Porte Sante. Er wurde samt dem zum Gebäude hinaufführenden Treppenwerk im Jahre 1868 nach einem Entwurf von Nicola Matas gebaut. Durch seine illustre Lage war der Friedhof der prädestinierte Ort, um die wohlhabenden und verdienten Bürger der Stadt zu beerdigen, was von der Stadtverwaltung gefördert wurde. In den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts wurden die ersten herrschaftlichen Begräbnisskapellen auf dem Friedhof errichtet. Es sind die Gräber folgender berühmten Persönlichkeiten zu finden:

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Die Kirche ist ein wichtiger Schauplatz im Film Obsession (deutsch:Schwarzer Engel) von Brian de Palma.
  • Der Meister von San Miniato, ein namentlich nicht bekannter Maler aus dem Florenz des 15. Jahrhunderts, erhielt seinen Notnamen nach der Kirche, in der sich acht seiner Bilder befinden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Francesco Guerrieri, Lucina Berti, Claudio Leonardi: La Basilica di San Miniato al Monte a Firenze. 1998.
  • Graziella Cirri: Guida ai cimiteri comunali di Firenze. 2003.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Gene Brucker: Florence: The Golden Age, 1138-1737. University of California Press, 1998, ISBN 0-520-21522-2, S. 194.
  2. Augustus John Cuthbert Hare: Florence. Adamant Media Corporation, 2002, ISBN 1-4021-5933-1, S. 204.

43.75972222222211.264722222222Koordinaten: 43° 45′ 35″ N, 11° 15′ 53″ O