Sanctus

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Dieser Artikel behandelt das Element des Ordinariums. Zur 1817 erstmals erschienenen Novelle von E. T. A. Hoffmann siehe Das Sanctus.
Beginn des Sanctus auf dem Spruchband eines Engels, Stiftskirche Schlägl ( Oberösterreich )

Sanctus (lateinischheilig“) ist ein nach seinem Anfangswort benannter Teil des Ordinariums, der feststehenden Gesänge oder Gebete innerhalb der christlichen Abendmahls-Liturgie, und dadurch auch in der Regel Bestandteil von Mess-Vertonungen. Es gehört zum alten Bestand des christlichen Gottesdienstes und wird zu Beginn des eucharistischen Hochgebets als Antwort der Gemeinde auf die Präfation (im lutherischen Gottesdienst unmittelbar vor den Einsetzungsworten) von allen Gläubigen, vom Chor oder im Wechsel gesungen.

Der Wortlaut des Sanctus[Bearbeiten]

Der Wortlaut setzt sich zusammen aus der Akklamation der Engel in der Berufungsvision des Propheten Jesaja (6,3 EU) sowie einem messianischen Begrüßungsruf aus Ps 118,25f. EU/Mt 21,9 EU, der hier auf die eucharistische Gegenwart Christi bezogen wird.

Der auf den Propheten Jesaja zurückgehende erste Teil ist auch Bestandteil des frühchristlichen Hymnus' Te Deum. Das in Jes 6,3 genannte Dreimalheilig inspirierte auch weitere frühchristliche Textstellen: Offb 4,8, Korintherbrief des Clemens von Rom (34,6), die „Passio sanctarum Perpetuae et Felicitatis“ (12,2), den Traktat „De Oratione“ (3,3) von Tertullian. Sowohl die jüdische Keduscha als auch das Troparion Trishagion haben das Dreimalheilig von Jes 6,3 rezipiert, sollten aber nicht mit dem Sanctus der Eucharistiefeier verwechselt werden. Der offizielle Wortlaut für das Sanctus im Missale Romanum (2002):

Sanctus, sanctus, sanctus Dominus Deus Sabaoth.
Pleni sunt coeli et terra gloria tua.
Hosanna in excelsis.
Benedictus qui venit in nomine Domini.
Hosanna in excelsis.

Der offizielle Wortlaut für das Sanctus im Deutschen Messbuch (1976):

Heilig, heilig, heilig Gott, Herr aller Mächte und Gewalten.
Erfüllt sind Himmel und Erde von deiner Herrlichkeit.
Hosanna in der Höhe.
Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.
Hosanna in der Höhe.

In der lutherischen Messe in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche ist ein kleiner mariologischer Zusatz enthalten.

Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth.
Voll sind Himmel und Erdreich seiner Ehre.
Hosiana in der Höhe.
Gebenedeit sei Marien Sohn, der da kommt im Namen des Herrn.
Hosiana in der Höhe.

Als Teil der Messe wurde das Sanctus von Komponisten aller Epochen vertont. Die frühere Praxis, den zweiten Teil des Sanctus, das „Benedictus“, erst nach dem Einsetzungsbericht zu singen, entspricht nicht mehr dem erneuerten Verständnis der katholischen Liturgie.

Die Anfänge des Sanctus[Bearbeiten]

Zur Einführung des Sanctus als Glied der Eucharistiefeier dürfte es im 4. Jahrhundert im syrisch-palästinischen Raum oder in Ägypten gekommen sein. Möglicherweise spielte dabei eine Beeinflussung durch den jüdischen Gottesdienst eine Rolle. Die Quellenlage dazu ist sehr spärlich. Spätestens Ende des 4. Jahrhunderts war das Sanctus gängiger Bestandteil der Eucharistiefeier im östlichen Bereich des Christentums. Älteste klare Textbelege für das Sanctus der Eucharistiefeier sind das Euchologion Serapionis in Ägypten, die Apostolischen Konstitutionen aus dem antiochenischen Einzugsgebiet, die Mystagogischen Katechesen von Jerusalem und die Predigten des Johannes Chrysostomos. Für den Gebrauch des Sanctus in der Eucharistiefeier des Westens gilt die pseudo-ambrosianische Schrift „Libellus de spiritu sancto“ (4,2) aus der Zeit um 400 als ältester Beleg. Das Sanctus mit dem Hosanna (Mt 21,9) wird im Westen erstmals von Caesarius von Arles, im Osten erstmals bei Severus von Antiochia bezeugt[1].

Bedeutungsinhalte des Sanctus[Bearbeiten]

Vor allem die Autoren der griechischen Patristik des 4. und beginnenden 5. Jahrhunderts schreiben dem Sanctus der Eucharistiefeier eine vielfältige theologische Bedeutung zu. Demnach sei das Sanctus

  • ein Bekenntnis zum dreifaltigen Gott
  • eine Ankündigung der Menschwerdung Christi. Der Ausdruck „Erfüllt sind Himmel und Erde von deiner Herrlichkeit“ wurde von mehreren Kirchenvätern (Johannes Chrysostomus, Theodor von Mopsuestia, Cyrill von Alexandrien) als Hinweis auf das Kommen Christi zur Erde gedeutet. Mit Christi Kommen würde die Erde nämlich mit Gottes Herrlichkeit erfüllt. Möglicherweise führte diese Deutung zur Einführung des Sanctus unmittelbar vor dem Einsetzungsbericht [2].
  • Ausdruck von Lobpreis und Dank gegenüber Gott
  • eine Mahnung zu einem moralisch einwandfreien („heiligen“) Leben
  • eine Einladung zum spirituellen Aufstieg
  • ein Moment der Einheit zwischen Himmel und Erde.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Pius Maurer: Sanctus-Deutungen in Werken der griechischen Patristik (Liturgica Oenipontana 4, Wien – Berlin – Münster 2011).
  • B. D. Spinks: The Sanctus in the Eucharistic Prayer (Cambridge 1991).
  • R. F. Taft: The Interpolation oft he Sanctus into the Anaphora: When and Where? A Review oft he Dossier 1-2, in: Orientalia Christiana Periodica 57 (1991) 281-308 // 58 (1992) 83-121.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. vergleiche Maurer 15
  2. vergleiche Maurer 260. 265