Sandbüchsenbaum

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Sandbüchsenbaum
Sandbüchsenbaum (Hura crepitans)

Sandbüchsenbaum (Hura crepitans)

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae)
Unterfamilie: Euphorbioideae
Gattung: Hura
Art: Sandbüchsenbaum
Wissenschaftlicher Name
Hura crepitans
L.

Der Sandbüchsenbaum (Hura crepitans) ist eine Pflanzenart in der nur zwei oder drei Arten zählenden Gattung Hura in der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Er ist eine neotropische Pflanzenart. Trivialnamen in unterschiedlichen Sprachen sind beispielsweise: Englisch „Sandboxtree“, „monkey's dinner bell“, „monkey's pistol“; Spanisch „ceiba amarilla“, „javillo“, „catahua“. [1]

Beschreibung[Bearbeiten]

Baumkrone von Hura crepitans in Vietnam.

Erscheinungsbild und Rinde[Bearbeiten]

Der Sandbüchsenbaum wächst als immergrüner Baum, der an Wildstandorten Wuchshöhen von bis zu 40 Meter und Stammdurchmesser von bis zu 2 Meter erreichen kann. Der „ätzende“, weiße Milchsaft des Sandbüchsenbaumes ist sehr giftig. Die glatte braune Borke der Stämme und Hauptäste ist mit 1 bis 2 cm langen, konischen Stacheln übersät. Die Zweige besitzen eine kahle Rinde mit Lentizellen.

Blatt[Bearbeiten]

Die wechselständig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der 4 bis 20 cm lange Blattstiel besitzt im oberen Bereich zwei Drüsen. Die einfache, papierartige Blattspreite ist bei einer Länge von 5 bis 29 cm und einer Breite von 5 bis 17 cm breit-eiförmig mit herzförmiger Spreitenbasis und geschwänztem bis stachelspitzigem oberen Ende. Auf beiden Seiten der auf beiden Blattflächen erhabenen Mittelrippe befinden sich 10 bis 13 (bis 16) Seitennerven. Auf der Blattunterseite ist die Mittelrippe weich behaart und die Blattoberseite ist kahl. Der Blattrand ist mehr oder weniger leicht gezähnt-gesägt. Die frühabfallen, laumig behaarten Nebenblätter sind bei einer Länge von 10 bis 15 und einer Breite von 2 bis 3 mm lanzettlich oder eiförmig-lanzettlich.

Blütenstand und Blüte[Bearbeiten]

Der Sandbüchsenbaum ist einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Die Blütezeit liegt im Mai. Auf einem (1,2 bis) 7 bis 10 cm langem Blütenstandsschaft in einem bei einer Länge von (1,6 bis) 4 bis 5 cm und einem Durchmesser von (0,8 bis) 1,5 bis 2 cm eiförmig-konischen, kätzchenförmigen Blütenstand befinden sich männliche Blüten und meist eine weibliche Blüte an seiner Basis. Es sind keine Kronblätter vorhanden. Die etwa 2 mm lang gestielten, meist dunkelroten, männlichen Blüten besitzen eine 2 bis 3 mm lange Kelchröhre. Die Staubfäden und Konnektive sind zu einer 4 bis 12 mm langen Staubblattröhre verwachsen, die am längsten in den an der Basis des Blütenstandes befindlichen Blüten sind; die Staubbeutel stehen in selten nur einer, meist zwei bis drei Reihen. Die meisten weiblichen Blüten stehen einzeln auf 1 bis 1,7 cm langen Blütenstielen in den Blattachseln. Die weiblichen Blüten besitzen einen 4 bis 6( bis 8) mm langen, gestutzten Blütenkelch, der den Fruchtknoten umhüllt. Die 2 bis 5 cm lange Griffelröhre endet in einer dunkelpurpurfarbenen Narbenscheibe, die einen Durchmesser von 1,5 bis 2,5 cm und 11 bis 14 ausgebreitete, stumpfe Narbenlappen besitzt.

Frucht

Frucht und Samen[Bearbeiten]

Der hängende Fruchtstiel ist bis zu 6 cm lang. Die bei einer Länge von 3 bis 5 cm und einem Durchmesser von 5 bis 18 cm relativ große, breit-runde, am oberen Ende abgeflachte Spaltfrucht färbt sich rötlich-braun und trocknet während des Reifeprozesses aus, wodurch Spannung entsteht und in die seitlich abgeflachten, einsamigen Teilfrüchte zerfällt. Wenn die Spaltfrucht ausgereift ist, explodiert sie mit einem Knall, wodurch die holzigen Teilfrüchte bis zu 14, manchmal bis zu 40 Meter weit katapultiert werden. Die für Mensch und Tier giftigen Samen besitzen einen Durchmesser von etwa 2 cm. Die Früchte reifen im August.

Vorkommen[Bearbeiten]

Die Heimat des Sandbüchsenbaumes liegt in der Neotropis: Mittel- und Südamerika sowie die Karibischen Inseln. Das natürliche Verbreitungsgebiet reicht von Costa Rica, Nicaragua und Panama über Anguilla, Antigua und Barbuda, Barbados, Kuba, Dominica, Guadeloupe, Hispaniola, Jamaika, Martinique, Puerto Rico, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen nach Französisch-Guayana, Guyana, Suriname, Venezuela, Kolumbien, Ecuador (Loja, Morona-Santiago) bis Peru.[1]

In Australien (besonders im Northern Territory) und in Tansania ist er eine invasive Pflanze. Ebenfalls ein Neophyt ist er in Westafrika, wo er jedoch nicht invasiv ist. In China wird der Sandbüchsenbaum angepflanzt.

Er bevorzugt nasse fruchtbare Böden und halbschattige bis sonnige Standorte.

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Hura crepitans erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 2, S. 1008. Als Lectotypus wurde 1983 Linnaeus: Hort. Clifford., 1738, S. 486, Tafel 34 durch Wijnands in Bot. Commelins, S. 103 festgelegt. Synonyme für Hura crepitans L. sind: Hura brasiliensis Willd., Hura crepitans fo. oblongifolia Müll. Arg., Hura crepitans fo. orbicularis Müll. Arg., Hura crepitans fo. ovata Müll. Arg., Hura crepitans var. genuina Müll. Arg., Hura crepitans var. membranacea Müll. Arg., Hura crepitans var. strepens Müll. Arg., Hura senegalensis Baill., Hura strepens Willd.[2]

Frühere und heutige Verwendung[Bearbeiten]

Der Sandbüchsenbaum besitzt einen weißen Milchsaft, der von Fischern als Fischgift genutzt wurde. Außerdem wurde er als Pfeilgift von den Kariben genutzt. Die Blätter und die Wurzelrinde finden Verwendung als Heilmittel.

Aus dem qualitativ nicht hochwertigen Holz, das unter dem Handelsnamen Hura oder Habillo verkauft wird, können Möbel hergestellt werden.[3]

Der Sandbüchsenbaum wird als Zierpflanze und zur Gewinnung von Drogen angepflanzt. Der Milchsaft ist extrem toxisch. Die Früchte wurden früher als Gefäße verwendet, in denen feiner, trockener Sand aufbewahrt wurde, den man als Streusand zum Trocknen von Tinte verwendete, als noch kein Löschpapier benutzt wurde, daher der Trivialname „Sandboxtree“ und Sandbüchsenbaum. Die delfinförmigen Teilfrüchte werden manchmal in Halsketten verwendet.[4]

Quellen[Bearbeiten]

  • Bingtao Li & Hans-Joachim (Hajo) Esser: Hura in der Flora of China, Volume 11, 2008, S. 288: Hura crepitans - Online. (Abschnitt Beschreibung, Verbreitung und Verwendung)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Hura crepitans im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  2. Hura crepitans bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  3. Datenblatt bei Handelshölzer von DELTA.
  4. Bingtao Li & Hans-Joachim (Hajo) Esser: Hura in der Flora of China, Volume 11, 2008, S. 288: Hura crepitans - Online.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sandbüchsenbaum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien