Sandbienen

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Andrena
Gemeine Sandbiene (Andrena flavipes)

Gemeine Sandbiene (Andrena flavipes)

Systematik
Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
Unterordnung: Taillenwespen (Apocrita)
Überfamilie: Apoidea
Serie: Bienen (Apiformes)
Familie: Andrenidae
Gattung: Andrena
Wissenschaftlicher Name
Andrena
Fabricius, 1775

Die Sandbienen (Andrena) bilden eine Gattung in der Familie der Bienen (Apidae). Weltweit gehören mehr als 1.500 Arten zu der Gattung Andrena. Sie kommen vor allem in den nördlichen Kontinenten vor. Auf Grund der großen Artenzahl wird die Gattung Andrena in etwa 100 Untergattungen aufgeteilt, aber es gibt eine Reihe von Arten, von denen man nicht weiß, zu welcher Untergattung sie gehören. In Mitteleuropa kommen etwa 150 Sandbienenarten vor. Die meisten Arten lieben trockene und warme Biotope, als Nistplatz benötigen sie oft freien Boden mit sandigen Stellen, deswegen haben sie auch ihren deutschen Namen. In der Regel baut und versorgt ein Weibchen sein Nest alleine. Manche Arten bilden dabei sogenannte Nestaggregationen, bei denen viele Nester derselben Art nahe nebeneinander errichtet werden, aber die einzelnen Nester nur in Ausnahmen von mehreren Weibchen gemeinsam benutzt werden.

Merkmale[Bearbeiten]

Die Sandbienen sind etwa 5 bis 16 Millimeter lang. Sie haben eine schwarze, schwarz-rote oder selten metallisch glänzende Grundfarbe. Sie sind oft pelzig behaart und tragen oft helle Haarbinden auf dem Hinterleib. Man zählt die Sandbienen zu den beinsammelnden Bienen, weil sie den Pollen mit einer Haarbürste an ihren Beinen (Hinterschiene) einsammeln. Außerdem haben die Weibchen eine Haarlocke an der Unterseite der Hinterschenkel (sog. „Flocculus“) und meistens ein „Körbchen“ an den Seiten des Mittelsegmentes. Die Weibchen haben im Gesicht eine samtartig behaarte flache Grube neben den Augen, die sogenannte Fovea facialis. Männchen haben oft ein hell geflecktes Gesicht. Wie bei fast allen Bienen haben die Männchen Fühler mit 13, die Weibchen Fühler mit 12 Gliedern.

Viele Arten können nur von Spezialisten genau bestimmt werden. Auch die in Deutschland vorkommenden Arten können meistens nur in genadeltem, totem Zustand mit Hilfe einer guten Lupe und oft sogar nur mit Vergleichsmaterial bestimmt werden.

Lebensweise[Bearbeiten]

In Deutschland gibt es wenigstens 110 Arten, wovon etliche starke Spezialisierungen auf einzelne Pflanzen aufweisen. Die Weiden-Sandbiene (Andrena vaga) zum Beispiel sammelt nur den Pollen und Nektar von Weiden, andere nur den von Spargel, Zaunrüben, Fingerkräutern, Ehrenpreis, aber auch von vielen Doldenblütlern, Korbblütlern, Kreuzblütlern oder Schmetterlingsblütlern. Sandbienen sind wie viele Wildbienen oft von großer ökologischer Bedeutung für die Bestäubung. Die meisten einheimischen Arten sind im Frühjahr aktiv.

Entwicklung[Bearbeiten]

Eingang zum Nest einer Sandbiene

Nach der Paarung im zeitigen Frühjahr graben die Weibchen 5–60 cm tiefe Gänge in den Boden. Das herausgetragene Erdreich ist durch den Speichel in ca. 1–4 mm kleine Klümpchen gebunden und wird lose um den Nesteingang angehäuft. Dabei passiert es oft, dass durch den Anflug einer Biene Erdteilchen wieder in den Bau zurückrollen, die anschließend wieder herausgeschoben werden müssen. Ein Regenschauer kommt den Bienen dabei sehr gelegen, denn das durch die Nässe vermengte Speichel-/Bodengemisch härtet beim Trocknen aus und bildet einen sicheren und stabilen Eingang zum Bau. Die Nester haben oft Seitengänge und enden stets in Brutzellen. In die Brutzellen werden Pollen und Nektar als Nahrungsgrundlage für die Larven gelegt und darauf je ein Ei gelegt. Aus den Eiern schlüpfen später die Larven und ernähren sich von der Nahrung, später verpuppen sie sich. Im späten Sommer schlüpfen dann die erwachsenen Bienen, bleiben aber bis zum Frühjahr des nächsten Jahres in der Brutzelle. Erst im kommenden Jahr schlüpft dann die nächste Generation. Die Männchen schlüpfen oft etwas früher als die Weibchen und versuchen diese sogleich nach dem Schlüpfen zu begatten. Die Weibchen nützen die alten Nestlöcher oder graben neue in den Boden. Manche Arten bilden jedoch zwei Generationen in einem Jahr.

Parasiten[Bearbeiten]

Wespenbienen (Nomada) und Blutbienen (Sphecodes) legen als Kuckucksbienen ihre Eier in die Nester von Sandbienen, sie sind also Brutschmarotzer. Außerdem parasitieren Ölkäfer (Meloidae), Wollschweber (Bombyliidae) und Fächerflügler (Strepsiptera) an Sandbienen.

Arten (Auswahl)[Bearbeiten]

Die Rotpelzige Sandbiene

Hier einige der in Deutschland häufig vorkommenden Arten:

Literatur[Bearbeiten]

  • Ch. D. Micherner: The Bees of the World. Johns Hopkins Univ. Press, Baltimore & London 2000, ISBN 0-8018-6133-0
  • A. Müller, A. Krebs, F. Amiet: Bienen: Beobachtung - Lebensweise. Naturbuchverlag, München 1997, ISBN 3-89440-241-5
  • C. Schmid-Egger, E. Scheuchl: Illustrierte Bestimmungstabellen der Wildbienen Deutschlands und Österreichs unter Berücksichtigung der Arten der Schweiz. Band III: Andrenidae. Velden/Vils, Selbstverlag, 1997, ISBN 3-00-001407-1
  • P. Westrich: Die Wildbienen Baden-Württembergs. 2 Bände, Ulmer Verl., Stuttgart 1989, ISBN 3-8001-3307-5

Weblinks[Bearbeiten]

http://www.tierundnatur.de/wildbienen/eb-andre.htm http://www.naturspaziergang.de/Portrait-Seiten/Bienen-Portrait.htm#Andreninae

 Commons: Sandbienen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien