Sandomierz

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Sandomierz
Wappen von Sandomierz
Sandomierz (Polen)
Sandomierz
Sandomierz
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Heiligkreuz
Landkreis: Sandomierz
Fläche: 28,80 km²
Geographische Lage: 50° 41′ N, 21° 45′ O50.68333333333321.75Koordinaten: 50° 41′ 0″ N, 21° 45′ 0″ O
Einwohner: 24.552
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 27-600
Telefonvorwahl: (+48) 15
Kfz-Kennzeichen: TSA
Wirtschaft und Verkehr
Schienenweg: Personenverkehr stillgelegt
Nächster int. Flughafen: Rzeszów-Jasionka
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Einwohner: 24.552
(31. Dez. 2013)[1]
Gemeindenummer (GUS): 2609011
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Jerzy Borowski
Adresse: pl. Poniatowskiego 3
27-600 Sandomierz
Webpräsenz: www.sandomierz.pl

Sandomierz [sanˈdɔmʲɛʃ] (deutsch auch Sandomir) ist eine Stadt an der Weichsel in Süd-Ost-Polen mit 25.000 Einwohnern. Die Stadt liegt in der 1999 neu geformten Woiwodschaft Heiligkreuz (Świętokrzyskie), vorher in der Woiwodschaft Tarnobrzeg (1975–1998).

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt Sandomierz zählt zu den bedeutendsten Städten im polnischen Abschnitt der Via Regia und wurde bereits im 10. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort wurde 1138 zum Zentrum und Hauptort eines kleinpolnischen Herzogtums bestimmt und wurde daher häufig von polnischen Königen besucht. Das Stadtrecht erhielt Sandomierz im Jahre 1236 verliehen. Die Altstadt war im Mittelalter von einer Stadtmauer umgeben, ihre Ausdehnung betrug etwa 600 Meter in Nord-Südrichtung und 200 Meter in Ost-Westrichtung. Im Stadtzentrum befindet sich der Marktplatz Rynek mit dem Rathaus. Am südlichen Stadttor befand sich der Zugang zu den Hafenanlagen an der Weichsel und zur Burg der Herzöge, die sich außerhalb der Stadtbefestigung auf dem Hochufer der Weichsel befindet. Am nördlichen Stadttor (Opatów-Tor) befindet sich das Heiliggeist-Spital, als frühe caritative Stiftung und Pflegeheim für Alte und Kranke.

Die einstige Stiftskirche (begonnen um 1360) in der südlichen Altstadt wurde 1818 in den Rang einer Kathedrale erhoben. Außerhalb der schützenden Stadtbefestigung befinden sich die Michaeliskirche mit angeschlossenem Benediktinerinnen-Kloster und das sogenannte Reformierten-Kloster sowie das Dominikanerkloster. In Sandomierz war auch schon früh eine jüdische Gemeinde ansässig, deren Synagoge steht an der westlichen Stadtmauer in der Basztowa-Gasse.

Die wirtschaftliche Grundlage der Stadtbevölkerung bildete neben dem Handwerk der Getreidehandel auf der Weichsel, ihm verdankt die Stadt eine kulturelle Blüte im 16. Jahrhundert. Rings um den Markt trifft man auf Bürgerhäuser, die über gut erhaltene und miteinander durch Gänge verbundene Wein- und Lagerkeller verfügen.[2]

Die Stadtchronik nennt zahlreiche Kriegszüge, die der Stadt großen Schaden zugefügt haben: Schon im 13. Jahrhundert war die Region das Opfer von Mongolen und später Tataren (1241, 1259). Mit einem Überfall der Schweden endete 1655 die städtische Blütezeit [3]. Beim Vorrücken der Roten Armee 1944 verhinderte der von dem malerischen Stadtbild beeindruckte Artilleriekommandeur Oberst Skopenko die Beschießung der Stadt, indem er den erhaltenen Befehl ignorierte. Angesichts ihrer aussichtslosen Situation kapitulierten die deutschen Einheiten, welche die Stadt zu verteidigen hatten, kampflos, womit die Altstadt fast unbeschädigt den Krieg überstand.

Stadtportrait von 1888[Bearbeiten]

Sandomierz 1855
Kathedrale
Diözesenkurie

Aus Meyers Konversations-Lexikon von 1888: "Sandomir (Ssandomir), Kreisstadt im polnisch-russischen Gouvernement Radom, an der Weichsel, hat ein altes Schloss auf steilem Felsen, ein Gymnasium, 2 Zuckerfabriken und (1885) 5905 Einwohner. Sandomierz wurde 1236 gegründet. Im 13. Jahrhundert war Sandomierz die Haupt- und Residenzstadt regierender Fürsten; 1241 und 1259 wurde es von den Tataren geplündert und verbrannt. Nach mehrmaligen Zerstörungen durch Tataren wurde die Stadt 1286 durch Leszek Czarny unter Magdeburger Recht wiedergegründet. Unter Kasimir dem Großen wieder aufgebaut, schwang es sich durch Handel und Industrie in die Reihe der angesehensten Städte Polens empor, wurde aber 1655 von den Schweden von neuem zerstört. Hier wurde 1570 von den Dissidenten aller Bekenntnisse eine Hauptsynode abgehalten, welche die Abfassung der unter dem Namen Consensus Sandomiriensis bekannten Bundesakte zur Folge hatte. Ferner wurde hier 1702 eine Konföderation der Anhänger des Königs August gegen Karl XII. geschlossen. 1809 gab es unter den Mauern Sandomirs ein heißes Gefecht zwischen Österreichern und Polen."

Nach der Wiedergründung Polens wurde Sandomierz als Zentrum einer industriellen Entwicklungsregion ausersehen. Durch den Zweiten Weltkrieg kam dieses Projekt jedoch nicht zustande.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Blick zur Burg
Rathaus
Bürgerhaus (Dom J. Dlugosza)
Bürgerhaus (heute Postamt)
Ehemalige Synagoge Sandomierz

Die Altstadt von Sandomierz ist eine der besterhaltenen Polens. Ihre städtebauliche Struktur mit dem großen Stary Rynek (Altmarkt) ist typisch für die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts. Einige Gebäude sind älter, so die romanische Sankt-Jakobs-Kirche (Św. Jakub, 1226) und die gotische Kathedrale (St. Marien, 1340).

Weitere gotische Bauten sind das Opatower Tor (Brama Opatowska), das Rathaus (später teilweise umgestaltet) und die Heiliggeistkirche (Św. Duch), alle 14. Jh., sowie das nach seinem Stifter benannte „Dom Długosza“, das heute als Diözesanmuseum dient. Das 1602 gebaute Collegium Gostomianum ist eine der ältesten Schulen Polens. Die Burg der Stadt wurde im 14. Jh. gebaut, um 1525 schlossartig ausgebaut, erhielt aber ihr heutiges Aussehen erst nach der Zerstörung durch die Schweden im Jahr 1655.

Die Synagoge von Sandomierz, ein 1768 erbautes Backsteingebäude im Westen der Altstadt, erlitt im Zweiten Weltkrieg Zerstörungen und dient heute als Staatsarchiv.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Sandomierz unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften (in Klammern das Jahr der Etablierung):

Emmendingen, Deutschland (1990)
Ostroh, Ukraine
Newark on Trent, England

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Thomasz Torbus: Polen. In: DuMont Kunstreiseführer. DuMont Reiseverlag, Köln 2002, ISBN 3-7701-5287-5, Kleinpolen/Sandomierz, S. 219-220.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sandomierz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 14. Juni 2014.
  2. Diese können noch bei Stadtführungen auf einer Länge von 400 Metern besichtigt werden.
  3. Historische Ansicht von 1729: Gesta ad Sandomiriam d. 24. Marti 1656. quando Ser. Rex Sueciæ structo ponte navali Vistulam traiecit - - aspicientibus Polonicis et Lithuanicis copijs in tres Exercitus divisis (Digitalisat)