Sandra (1965)

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Filmdaten
Deutscher Titel Sandra
Sandra – Die Triebhafte[1]
Originaltitel Vaghe stelle dell’Orsa
Produktionsland Italien, Frankreich
Originalsprache Italienisch
Erscheinungsjahr 1965
Länge 105 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Luchino Visconti
Drehbuch Suso Cecchi D’Amico
Enrico Medioli
Luchino Visconti
Produktion Franco Cristaldi
Musik Franco Mannino
Kamera Armando Nannuzzi
Schnitt Mario Serandrei
Besetzung

Sandra (auch: Sandra – Die Triebhafte[2]) ist ein italienisch-französisches Filmdrama von Luchino Visconti aus dem Jahr 1965. Der Regisseur greift hier auf harte Schwarzweiß-Bilder zurück, um die antike „Elektra“- Tragödie in die moderne Zeit der 1960er Jahre zu übertragen. Dabei beschäftigen ihn die Themen Verrat, Inzest und der Niedergang einer bürgerlichen Familie.

Handlung[Bearbeiten]

Die Etruskerstadt Volterra ist der Handlungsort einer Familientragödie: Aus Genf kehrt die junge Sandra mit ihrem US-Ehemann Andrew an den Ort ihrer Kindheit zurück. Ihr Vater, ein im Konzentrationslager gestorbener Jude, soll mit einer Büste geehrt werden. Die Zusammenkunft mit ihrer Mutter ist stark unterkühlt. Ihr Bruder Gianni jedoch, ein labiler Schriftsteller, liebt seine Schwester mehr als nur brüderlich. Diese Liebe wird von Sandra allerdings nicht erwidert. Beim Abendessen kommt es zur Konfrontation zwischen Andrew und Gianni. Sandra erfährt von der wahnsinnig gewordenen Mutter, dass diese selbst die Deportation des Vaters durch ihre Anzeige verursacht hat. Andrew erfährt von den inzestuösen Beziehungen von Sandra zu Gianni.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Für den Part von Sandras bösartiger Mutter fragte Visconti bei vielen Stummfilmdiven an, die jedoch zu hohe Gagenanforderungen an ihn stellten. Daraufhin besetzte er die Rolle mit der französischen Schauspielerin Marie Bell und drehte den Spielfilm von August bis Oktober 1964 im tristen Volterra in der Toskana.[3]

Kritiken[Bearbeiten]

In der Bundesrepublik Deutschland, wo der Film am 14. Januar 1966 in den Kinos startete, kritisierte der film-dienst Sandra als „wenig überzeugend...“ „Die mit Symbolismen überladene Inszenierung“ würde nicht zu „präzisen Aussagen“ kommen und schwelge stattdessen „ausgiebig in romantischem Pathos und schwülen Gefühlen“.[4] Bosley Crowther, Filmkritiker der New York Times sah seinerzeit Viscontis Regiearbeit als Ausdehnung der Verzweiflung für eine zerbröckelnde Oberschicht, die der Italiener bereits mit seinem vorangegangenen Film Der Leopard gezeigt hatte und lobte die Darstellung von Claudia Cardinale.[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Sandra war 1965 im Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig vertreten und gewann mit dem Goldenen Löwen den Hauptpreis des Festivals gegen Regiekollegen wie Luis Buñuel (Simon in der Wüste), Jean-Luc Godard (Elf Uhr nachts) oder Akira Kurosawa (Rotbart). Kameramann Armando Nunnuzzi erhielt ein Jahr später für seine Schwarzweiß-Bilder den Nastro d’Argento von der Berufsvereinigung der italienischen Filmjournalisten (SNGCI).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.imdb.de/title/tt0059856
  2. http://www.imdb.de/title/tt0059856
  3. vgl. Sandra. In: Das große TV-Spielfilm-Filmlexikon (CD-ROM). Directmedia Publ., 2006. – ISBN 978-3-89853-036-1
  4. vgl. Sandra. In: Lexikon des internationalen Films 2000/2001 (CD-ROM)
  5. vgl. Crowther, Bosley: 'Sandra' Arrives:Claudia Cardinale Stars in Grim Italian Film. In: The New York Times, 17. Januar 1966