Sangerhausen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Sangerhausen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Sangerhausen
Sangerhausen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Sangerhausen hervorgehoben
51.47305555555611.298055555556154Koordinaten: 51° 28′ N, 11° 18′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Mansfeld-Südharz
Höhe: 154 m ü. NHN
Fläche: 207,64 km²
Einwohner: 27.830 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 134 Einwohner je km²
Postleitzahl: 06526
Vorwahlen: 03464, 034656 (Großleinungen), 034658 (Breitenbach, Horla, Wolfsberg), 034775 (Wippra)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: MSH, EIL, HET, ML, SGH
Gemeindeschlüssel: 15 0 87 370
Stadtgliederung: 17 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 7a
06526 Sangerhausen
Webpräsenz: www.sangerhausen.de
Oberbürgermeister: Ralf Poschmann (CDU)
Lage der Stadt Sangerhausen im Landkreis Mansfeld-Südharz
Salzlandkreis Landkreis Harz Saalekreis Thüringen Sachsen-Anhalt Gerbstedt Allstedt Seegebiet Mansfelder Land Südharz Ahlsdorf Benndorf Blankenheim Bornstedt Helbra Hergisdorf Klostermansfeld Wimmelburg Lutherstadt Eisleben Hettstedt Mansfeld Sangerhausen Sangerhausen Berga (Kyffhäuser) Brücken-Hackpfüffel Edersleben Kelbra (Kyffhäuser) Wallhausen ArnsteinKarte
Über dieses Bild

Sangerhausen ist die Kreisstadt des Landkreises Mansfeld-Südharz im Land Sachsen-Anhalt. Sie befindet sich im Südwesten des Bundeslandes in der Nähe der Grenze zum Freistaat Thüringen.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Sangerhausen liegt am östlichen Rand der Goldenen Aue, einem fruchtbaren Tal zwischen Harz und Kyffhäuser, das von dem Fluss Helme durchflossen wird. Durch die Stadt selbst fließt der Fluss Gonna. Die nächsten Großstädte sind Magdeburg nördlich der Stadt und Erfurt im Süden, sowie Göttingen im Westen und Halle (Saale) östlich von Sangerhausen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden sind Harzgerode (Landkreis Harz) im Norden, Südharz im Westen, Wallhausen und Edersleben im Süden und Allstedt und Mansfeld im Osten.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die 14 Ortschaften der Stadt sind:

Ortschaft Einwohner1 Eingemeindung Ortsteile 2 Die Ortschaften von Sangerhausen
(anklickbare Karte)
Breitenbach Gonna Grillenberg Grillenberg Großleinungen Horla Lengefeld Morungen Oberröblingen Obersdorf Riestedt Rotha Sangerhausen Wettelrode Wippra WolfsbergStadtteile von Sangerhausen.svg
Über dieses Bild
Breitenbach 221 01.10.2005 Breitenbach (O)
Gonna 643 01.10.2005 Gonna (O), Hüttenmühle (M) und Ölmühle (M)
Grillenberg 282 01.10.2005 Grillenberg (O) und Klippmühle (M)
Großleinungen 429 01.10.2005 Großleinungen (O)
Horla 118 01.10.2005 Horla (O)
Lengefeld 665 01.10.2005 Lengefeld, (O), Meuserlengefeld (O) und Schlösschenkopf (W)
Morungen 173 01.10.2005 Morungen (O)
Oberröblingen 1.557 01.10.2005 Kloster Rohrbach (W) und Oberröblingen (O)
Obersdorf 498 01.10.2005 Obersdorf (O)
Riestedt 1.333 01.12.2005 Riestedt (O)
Rotha 301 01.10.2005 Paßbruch (O) und Rotha (O),
Sangerhausen 20.178
Wettelrode 552 01.10.2005 Wettelrode (O)
Wippra 1.406 01.01.2008 Bodenschwende (F), Hayda (O), Popperode (O), Schiefergraben (F), Talsperre (W), Wildenstall (F) und Wippra (O)
Wolfsberg 132 01.10.2005 Wolfsberg (O)
Ortsteil Wolfsberg

1Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 1. Januar 2013.[2]
2Zu den Ortsteilen:

O = Ortsteil (Dorf)
W = Wohnplatz
F = Forsthaus
M = Mühle

Pfeiffersheim bei Sangerhausen wird nicht mehr als Ortsteil geführt, sondern ist eine Straßenbezeichnung in der Stadt Sangerhausen.

Westlich von Sangerhausen liegt die Wüstung Kieselhausen.

Geschichte[Bearbeiten]

Sangerhausen um 1650
Neues Schloss (um 1900)
Altes Göpenthor (um 1900)
Kirchturm der Marktkirche St. Jakobi

Mittelalter[Bearbeiten]

Sangerhausen ist vermutlich eine fränkische Gründung. Erstmals erwähnt wurde die Siedlung in einem zwischen 780 und 802 erstellten Urkundenbuch des Kloster Fulda. In einem zwischen 881 und 899 entstandenen Verzeichnis des Zehnten des Klosters Hersfeld wird Sangerhausen als zehntpflichtiger Ort Sangerhus im Friesenfeld genannt. 991 gehörte das Dorf zum Kloster Memleben. Ab dem 10. Jahrhundert gab es einen Fronhof im Bereich der heutigen Ulrichkirche. Nachdem Sangerhausen zwischen 1004 und 1017 das Marktrecht verliehen wurde, entstand im Bereich des heutigen Alten Marktes ein Marktflecken. Dieser wuchs infolge des Zuzugs von Kaufleuten mit dem Frohnhof im Norden zusammen. 1194 wurde dem Dorf das Stadtrecht verliehen. Im Jahre 1204 erhielt die nunmehrige Stadt Schutz durch einen Palisadenzaun, 1263 erhielt sie dann eine Stadtmauer und 1485 fiel sie an die albertinische Linie der Wettiner. Wichtiger Wirtschaftszweig war seit dem Mittelalter der Silber- und Kupfer-Bergbau. Im Jahre 1391 wurde zum ersten Mal in der meißnischen Groschengeschichte außerhalb der Landesmünzstätte Freiberg in der neu errichteten Münzstätte Sangerhausen Groschengeld geprägt. Die neue Münze war für Zahlungsverpflichtungen im Harzer Silberbergbau errichtet worden.

Da sich viele Bürger von Sangerhausen 1525 am Bauernkrieg beteiligten, wurde die Stadt mit 5.000 Gulden und sieben Hinrichtungen bestraft. Erst nach dem Tod Herzog Georgs des Bärtigen setzte sich 1539 die Reformation durch.

Neuzeit[Bearbeiten]

In Sangerhausen fanden zwischen 1536 und 1710 Hexenverfolgungen statt. 22 Personen, 17 Frauen und fünf Männer, gerieten in Hexenprozesse. Mindestens drei Frauen wurden verbrannt, eine Frau und drei Männer enthauptet, zwei Frauen starben unter der Folter. Als erstes Opfer wurde 1536 Jutte Stulzingk verbrannt. Im Ortsteil Grillenberg kam es in den Jahren 1607 bis 1614 zu ähnlichen Prozessen: eine als Hexe angeklagte Frau wurde verbrannt, eine andere des Landes verwiesen.[3]

Bis zum 19. Jahrhundert ging die Bedeutung des Bergbaus allmählich zurück. 1815 wurde Sangerhausen preußisch und Verwaltungssitz des Landkreises Sangerhausen im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz erfolgte am 10. Juli 1866 durch die Halle-Kasseler Eisenbahn. 1880 kam noch die Bahnstrecke nach Erfurt hinzu. Die Industrialisierung führte zur Ansiedlung von Fabriken, die Feilen, Fahrräder, Malz, Klaviere, Maschinen, Möbel, Leder, Käse und Zucker herstellten. Im Jahre 1903 wurde das Rosarium im Osten der Stadt gegründet. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Stadt weitgehend verschont, der Bahnhof wurde allerdings zerstört, als in ihm ein beladener Munitionszug explodierte. Bereits während des Zweiten Weltkriegs wurden Sondierungen zur Wiederaufnahme des Bergbaus vorgenommen. 1951 begann mit dem VEB Thomas-Münzer-Schacht wieder die Förderung von Kupfererz, die jedoch nach der Wiedervereinigung eingestellt werden musste, da die Gestehungskosten den Weltmarktpreis um mehr als das Zehnfache übertrafen. Zeugen des einstigen Bergbaus sind der Museumsschacht Wettelrode und die riesige Abraumhalde (Schachthalde genannt) im Norden der Stadt.

Während der Friedlichen Revolution 1989/90 wurde ein Runder Tisch gebildet und es kam zu Demonstrationen mit bis zu 25.000 Teilnehmern.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Oktober 2005 wurde die Verwaltungsgemeinschaft Sangerhausen aufgelöst, und die Orte Gonna, Grillenberg, Horla, Lengefeld, Morungen, Oberröblingen, Obersdorf, Rotha und Wettelrode sowie die Gemeinden Breitenbach, Großleinungen und Wolfsberg aus der Verwaltungsgemeinschaft Roßla-Südharz wurden in die Stadt Sangerhausen eingemeindet.[4] Am 1. Dezember 2005 folgte die Gemeinde Riestedt aus der Verwaltungsgemeinschaft Allstedt-Kaltenborn und am 1. Januar 2008 wurde die Gemeinde Wippra aus der Verwaltungsgemeinschaft Wipper-Eine nach Sangerhausen eingemeindet.[5]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl:

  • 1824 – 4.419
  • 1895 – 11.414
  • 1946 – 16.220
  • 1950 – 16.753
  • 1960 – 23.778
  • 1981 – 33.822
  • 1984 – 33.466
  • 1986 – 33.064
  • 1995 – 29.734
  • 1997 – 27.798
  • 1998 – 26.917
  • 1999 – 26.121
  • 2000 – 25.399
  • 2001 – 24.881
  • 2002 – 24.337
  • 2003 – 23.836
  • 2004 – 23.435
  • 2005 – 23.261
  • 2006 – 30.382*
  • 2009 – 30.063 (21.337)**
  • 2011 – 29.240

* Eingemeindung von umliegenden Ortschaften, ohne die am 1. Januar 2008 eingemeindete Gemeinde Wippra

** Einwohnerzahl Sangerhausen (Stadt) in Klammern

Politik[Bearbeiten]

Altes Rathaus, gebaut um 1550

Stadtrat[Bearbeiten]

Der auf fünf Jahre gewählte Stadtrat setzt sich seit der Wahl vom 25. Mai 2014 aus 36 Mitgliedern und dem Oberbürgermeister (Ralf Poschmann, CDU)[6] zusammen. Vorsitzender des Stadtrates ist Andreas Skrypek (CDU).[7] Die aktuelle Wahlperiode dauert vom 1. Juli 2014 bis zum 30. Juni 2019.

Jahr CDU LINKE BOS B.I.S. SPD FDP Grüne FBM/WGF/SGH NPD Gesamt
2014 9 9 6 5 3 2 1 1 0 36
2009 10 10 7 6 4 2 0 0 1 40

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau zwei schräggekreuzte, von einem goldenen ‚S‘ durchschlungene silberne Doppelhaken; die Hakenspitzen seitlich einander zugekehrt.“

Die Farben der Stadt sind Blau-Weiß.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Sangerhausen unterhält Städtepartnerschaften mit dem hessischen Baunatal, der slowakischen Stadt Trnava sowie mit dem polnischen Zabrze.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Ulricikirche

In der Stadt liegen drei mittelalterliche Kirchen: die Marktkirche St. Jakobi, Sankt Ulrici (eine im Kern romanische Pfeilerbasilika) und die Marienkirche. Auch einige Profanbauten wie das Alte Schloss (nur noch Reste), das Neue Schloss oder das alte Rathaus stammen noch aus dem Mittelalter. Sehenswert ist des Weiteren der mittelalterliche Stadtkern mit seinen Bürgerhäusern aus der Zeit der Renaissance.

Seit 1907 gibt es eine Neuapostolische Kirche. Die neugotische, katholische Herz-Jesu-Kirche wurde 1894 geweiht.

In Sangerhausen befindet sich seit 1903 das Europa-Rosarium mit der größten Rosensammlung der Welt. Es gehört zum Netzwerk Gartenträume Sachsen-Anhalt. Im Spengler-Museum befindet sich das vollständige Skelett eines Alt-Mammuts.

→ Siehe auch Klosterruine St. Katharina

Sport[Bearbeiten]

Bedeutende Sportvereine der Stadt sind der VfB Sangerhausen und der ASV 1902 Sangerhausen. Auch im Radball hat Sangerhausen einiges zu bieten. 2005 wurden Mike und Steve Pfaffenberger (RSV Sangerhausen) Weltmeister im Zweier Radball.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Region um Sangerhausen zählt zu den wirtschaftsschwächsten in Deutschland. Mit dem Niedergang des Bergbaus fiel nach 1990 der Haupterwerbszweig für die Menschen der Gegend weg. Derzeit liegt die Arbeitslosenquote etwa bei 17 Prozent. Dennoch konnten einige Traditionsbetriebe wie die MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke bestehen bleiben und sich am Markt behaupten.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Bahnhof Sangerhausen

Südlich der Stadt verläuft als wichtigste Fernverbindung die neue A 38 (Leipzig/Halle–Göttingen/Kassel). Am Dreieck „Südharz“ bei Sangerhausen beginnt die A 71 nach Erfurt (geplante durchgehende Fertigstellung Mitte 2015). An der A 38 befinden sich die Anschlussstellen Sangerhausen-West (15) und Sangerhausen-Süd (16). Die Weiterführung der A 71 in den Norden nach Plötzkau zur A 14 soll in den Bundesverkehrswegeplan 2015 aufgenommen werden.

Durch Sangerhausen führte die im Jahre 2007 im Bereich von Sangerhausen zur Landesstraße herabgestufte B 80 von Halle nach Nordhausen. Auf einer Ortsumgehung verläuft zusätzlich die B 86 von Erfurt nach Hettstedt. Weitere Straßen verbinden die Stadt mit Bad Frankenhausen im Südwesten, Oberröblingen im Süden (alte B 86), Othal im Osten, Wippra im Norden sowie Lengefeld und Wettelrode im Nordwesten.

In Sangerhausen kreuzen sich die Eisenbahnlinien Halle–Kassel und Magdeburg–Erfurt, für letztere trifft sich hier die Bahnstrecke Sangerhausen–Erfurt von Süden mit dem Abschnitt der Berlin-Blankenheimer Eisenbahn von Norden, mit jeweils durchgehenden Verbindungen alle zwei Stunden. Mit dem sogenannten „Kupfer-Express“ bestehen darüber hinaus stündliche Verbindungen nach Halle und Nordhausen. Seit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2009 bietet die Deutsche Bahn zudem freitags bzw. sonntags den Intercity „Kyffhäuser“ auf der Relation Leipzig–Halle–Kassel–Frankfurt am Main an.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31.12.2013 (PDF) (Fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.sangerhausen.de/ortsteile Ortsteile der Stadt Sangerhausen
  3. Manfred Wilde, Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen. Köln, Weimar, Wien 2003, S. 562-568; Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum. Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 250. Benedict Carpzov: Practica Nova Imperialis Saxonica Rerum Criminalium. in partes 3 diuisa autore Bededicto Carpzovio, Frankofurti et Wittebergae 1652, am Ende von Teil 1., S. 338, S. 341
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2005
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2008
  6. http://www.sangerhausen.de/wahl2014/webapp/gw2014.html.
  7. [1] www.stadt.sangerhausen.de. Abgerufen am 12. Dezember 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sangerhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien