Sanitätsoffizier

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Sanitätsoffiziere (SanOffz) sind Offiziere in den militärischen Sanitätsdiensten, sie können in der Human- oder Veterinärmedizin, in der Pharmazie oder in der Zahnmedizin tätig sein.

Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Dienstgradbezeichnungen[Bearbeiten]

In einigen Streitkräften, wie zum Beispiel der Bundeswehr, unterscheiden sich die Dienstgrade für Sanitätsoffiziere von den Bezeichnungen der anderen Offiziere, in anderen Nationen werden die herkömmlichen Dienstgrade oft mit einem spezifizierenden Zusatz ergänzt, wie z. B. "(MC)" für "medical corps" (engl.: für "medizinisches / sanitätsdienstliches Korps). Bei Fachoffizieren, die die normalen Dienstgrade tragen, handelt es sich um Sanitätsoffiziere, die nicht approbiert und damit keine Ärzte, Apotheker oder Tierärzte sind, sondern Einheitsführer.

Historisches[Bearbeiten]

Zur Geschichte der militärischen Heilfürsorge in der Antike, Mittelalter und Frühen Neuzeit siehe Militärischer Sanitätsdienst. Für Deutschland vor 1871 siehe auch Feldscher, nach 1871 siehe Truppenarzt.

Deutschland von 1871 bis 1945[Bearbeiten]

Bis zur Gründung des Deutschen Reichs waren die Dienstgradbezeichnungen der Sanitätsoffiziere Sache der deutschen Einzelstaaten. Zu einer einheitlichen Regelung kam es erstmals 1873. In den Sanitätsdienst der Streitkräfte wurden Medizinstudenten vor Examensabschluss, teilweise auch Biologiestudenten etc., als Unterärzte verwendet. Nach Abschluss des Studiums erfolgte die Beförderung zum Assistenzarzt. [1] Die weiteren Sanitätsdienstgrade sind der Tabelle unten zu entnehmen. Für Veterinäre und Apotheker gab es entsprechende Dienstgrade. Die Dienstgrade beim Heer wurden meist mit der Vorsilbe Feld- und bei der Kriegsmarine mit dem Zusatz Marine- ergänzt.

Sanitätsdienstgrade 1873 -1934 Sanitätsdienstgrade 1934 - 1945
Generale
- Generaloberstabsarzt
Generaloberstabsarzt Generalstabsarzt
Generalstabsarzt/Generalarzt I. Klasse (zeitweise obere Dienstaltershälfte der Generalärzte; in Preußen vormals Korpsarzt, Beibehalt als Postenbezeichnung) Generalarzt
Stabsoffiziere
Generalarzt II. Klasse (untere Dienstaltershälfte der Generalärzte) Oberstarzt
Generaloberarzt (bis 1896 Divisionsarzt) Oberfeldarzt
Oberstabsarzt (bis 1896 in zwei Klassen) Oberstabsarzt
Hauptleute und Leutnante
Stabsarzt (bis 1896 in zwei Klassen, vormals Regimentsarzt) Stabsarzt
Oberarzt (bis 1896 Assistenzarzt I. Klasse) Oberarzt
Assistenzarzt (bis 1896 Assistenzarzt II. Klasse) Assistenzarzt

Verwirrend erscheint die Nachrangstellung des Generaloberarztes (Bezeichnung 1934 abgeschafft) gegenüber dem Generalarzt.

Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten]

Der Status der Sanitätsoffiziere bei der Bundeswehr wurde am 10. Juli 1957 auf Grund einer Entscheidung des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages vom 11. April 1956 für Ärzte, Zahnärzte, Veterinäre sowie für Apotheker und Lebensmittelchemiker festgelegt.[2]

Vom Sanitätsoffizieranwärter zum Sanitätsoffizier[Bearbeiten]

Zunächst wurden Humanmediziner und Apotheker mit vorhandener Approbation aus dem zivilen Bereich in der Bundeswehr übernommen. Um den Bestand an Sanitätsoffizieren decken zu können, vergab die Bundeswehr einige Jahre Stipendien für die erforderlichehn Studiengänge an zivilen Universitäten. Gleichzeitig wurde die bis heute übliche Laufbahn der Sanitätsoffizieranwärter (SanOA) eingeführt, für die sich seit Juni 1989 auch Frauen bewerben können. Nach erfolgreicher Teilnahme an einem Auswahlverfahren werden die betreffenden Freiwilligenbewerber als Soldaten auf Zeit in die Bundeswehr übernommen und absolvieren noch vor dem Studium die Grundausbildung bis hin zum Offizierlehrgang, einhergehend mit verschiedenen Truppenpraktika. Ab dem erfolgreichen Abschluss des Auswahlverfahren, bzw. bei bereits aktiven Antragstellern oder Antragstellerinnen, erhalten die betreffenden Soldaten oder Soldatinnen die Erlaubnis, zusätzlich zur aktuellen Dienstgradbezeichnung die Bezeichnung Sanitätoffiziersanwärter (SanOA) zu tragen.

Während der gesamten Studienzeit sind Sanitätsoffizieranwärter vom Dienst in der Bundeswehr freigestellt, erhalten jedoch Wehrsold gemäß Bundesbesoldungsordnung. Nach der Approbation werden Sanitätsoffizieranwärter seit Wegfall des Arzt im Praktikum-Jahres direkt vom Leutnant SanOA bzw. Leutnant zur See SanOA zum Stabsarzt, Stabsapotheker oder Stabsveterinär befördert bei gleichzeitiger Ernennung zum Sanitätsoffizier. Die Beförderung zum Stabsapotheker setzt die Approbation zum Apotheker und eine staatliche Prüfung als Lebensmittelchemiker voraus.

Ein Großteil des Bedarfs an Sanitätsoffizieren wird heute aus der Laufbahn der Sanitätsoffizieranwärter generiert. Zudem können sich aber nach wie vor approbierte zivile Mediziner und Apotheker für den Dienst in der Bundeswehr bewerben.

Insgesamt dienen in der Bundeswehr (Stand Dezember 207) 3.150 Sanitätsoffiziere, davon 2400 als Ärzte, 430 als Zahnärzte, 240 als Apotheker und 80 als Veterinäre[3].

Einsatz als Sanitätsoffizier[Bearbeiten]

Sanitätsoffiziere werden in der Regel im Organisationsbereich Zentraler Sanitätsdienst der Bundeswehr, in der Sanitätstruppen, in der wehrmedizinischen Forschung, in den bundeswehreigenen Instituten oder in den Bundeswehrkrankenhäusern eingesetzt. Der spezielle Einsatz als Truppenarzt in Einsatzverbänden des Heeres, Fliegerarzt in fliegenden Verbänden der Luftwaffe oder als Schiffsarzt der Marine ist ebenfalls möglich. Der Einsatz kann zudem national, integriert im Bereich der NATO oder international erfolgen.

Sanitätsoffiziere der Bundeswehr dürfen gemäß Erlass vom 16. Dezember 1960 auch in Nebentätigkeit privat praktizieren, insofern dies die Wahrnehmung dienstlicher Aufgaben nicht gefährdet[4].

Eine Übersicht zu den Dienstgraden der Sanitätsoffiziere findet sich unter Dienstgrade der Sanitätsoffiziere bei der Bundeswehr.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beispiel: Beförderungen Dr. med. Herbert Hockemeyer
  2. Die Inspektion des Sanitäts- und Gesundheitswesens / Inspektion des Sanitätsdienstes der Bundeswehr / Führungsstab des Sanitätsdienstes und ihre Inspekteure, Bundesarchiv.
  3. Gesundheit schützen, erhalten und wiederherstellen, Zahnärztliche Mitteilung 97, Nr. 24, 16. Dezember 2007, Seite 42-47.
  4.  Vogel von Strauß. In: Der Spiegel. Nr. 49, 1969, S. 78 (1. Dezember 1969, online).

Weblinks[Bearbeiten]