St. Hedwigs-Kathedrale

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St. Hedwigs-Kathedrale am ehemaligen Forum Fridericianum, dem heutigen Bebelplatz

Die St. Hedwigs-Kathedrale ist seit der Gründung des Bistums Berlin im Jahr 1930 die katholische Bischofskirche in der Friedrichstadt im Berliner Ortsteil Mitte des gleichnamigen Bezirks, zugleich Pfarrkirche der Domgemeinde. Sie trägt bereits seit 1927 den Titel einer Basilica minor und ist der wichtigste katholische Sakralbau der Stadt.

Inhaltsverzeichnis

Baugeschichte [Bearbeiten]

Friedrich der Große hatte zunächst die Idee, zur Förderung der Toleranz ein großes Pantheon („allen Göttern“) nach römischen Vorbild zu bauen. In verschiedenen Kapellennischen sollten dort die Religionsgesellschaften ihre Gottesdienste halten. Charles Étienne Jordan, Berater des Königs und Diakon an der Französischen Kirche, konnte den König von diesem Gedanken abbringen. Die Idee des Rundbaus sollte dann jedoch in einer katholischen Kirche verwirklicht werden.

Die Hedwigskirche, heute Kathedrale des Erzbistums Berlin, wurde unter Friedrich dem Großen besonders für die neuen katholischen Einwohner Berlins aus Schlesien gebaut und deshalb auch der Schutzpatronin von Schlesien, Hedwig von Andechs, geweiht. Die Genehmigung zum Bau der ersten katholischen Kirche in Preußen nach der Reformation erteilte Friedrich der Große. Die am heutigen Bebelplatz gelegene Kirche entstand, durch Spenden aus ganz Europa finanziert, zwischen 1747 und 1773 nach Plänen von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff und Jean Laurent Legeay.

Die Ruine der im März 1943 ausgebrannten St. Hedwigs-Kathedrale, 1946
St. Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz, 2008

Die Bauaufsicht führte Johann Boumann d. Ä., wobei die Kuppel, zunächst nur als Holzausführung, und der Giebelfries aufgrund baulicher Schwierigkeiten erst Ende des 19. Jahrhunderts vollendet werden konnte. Von 1930 bis 1932 ist die Kuppel erneut um eine Rotunde unter dem Kuppelkreuz ergänzt worden. Dies stand im Zusammenhang mit der Neugründung des Bistums Berlin und der Erhebung der Hedwigskirche zur Kathedrale.

Im Jahr 1753 hatte der König noch eine Lotterie genehmigt, um Gelder für die Fortführung des Baues zu bekommen, aber durch den Beginn des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) kamen die Bauarbeiten zum Erliegen. 1765 litt der unvollendete Bau mit teils offener Kuppel immer mehr unter den Unbilden des Wetters. Die Berliner Dominikaner sandten einen Hilferuf an ihren Vorgesetzten, denn es fehlten noch immer 64.000 Taler, um den Bau zu vollenden. Die Berliner Juden boten den Kauf des unfertigen Gebäudes an, um daraus eine Synagoge zu machen. Erst im Frühjahr 1773 konnten die Bauarbeiten fortgesetzt werden, dank finanzieller Hilfe aus Rom und vom König. Dennoch war Boumann gezwungen, statt der geplanten Bleideckung das Kuppeldach glatt mit Ziegeln zu verblenden. Ein Freund des preußischen Königs, Ignatius Krasicki, Fürstbischof im Ermland (und ab 1794 Erzbischof von Gnesen), vollzog am 1. November 1773 die Kirchweihe. Derzeitiger Dompropst ist Ronald Rother.

Die St. Hedwigs-Kathedrale brannte in der Nacht zum 2. März 1943 fast vollständig aus und wurde von 1952 bis 1963 zu DDR-Zeiten wiederaufgebaut. Den Innenraum gestaltete Hans Schwippert und schuf eine außergewöhnliche Raumaufteilung. In dem bedingt durch den Bombenabwurf bis in die Krypta zerstörten Sakralbau wurde ein Zugang zur Unterkirche mit den neugeschaffenen acht Kapellen geschaffen. Fritz Schwerdt schuf den Tabernakel und das Altarkreuz.

Die Außenarchitektur des Zentralbaus wurde in Anlehnung an das historische Erscheinungsbild wieder hergestellt und erhielt weitgehend die frühere Silhouette, einschließlich der neu aus 84 Segmenten geschaffenen parabelboliden Betonschalenkonstruktion der Kuppel - eine technische Meisterleistung. Auf die 1884/1887 aufgesetzte Laterne wurde verzichtet, um die moderne Innenraumkonzeption auch auf das äußere Erscheinungsbild zu übertragen und gleichzeitig dem ursprünglichen Vorbild, dem Pantheon in Rom zu entsprechen. Die Kuppel wurde im Anschluss mit Kupfer verkleidet.

Zur Bekrönung wurde in Anlehnung des ursprünglichen Erscheinungsbildes ein 3 Meter hohes vergoldetes Kreuz in Kupfertreibarbeit auf die oben abgeflachte Kuppel aufgesetzt; entworfen und im Atelier ausgeführt von Fritz Kühn. Schlichte Putzquaderung, hohe einfache Rundbogenfenster und ein umlaufendes Hauptgesims sind Ausdruck der Fassadengestaltung einer der neuen Zeit des Wiederaufbaus entsprechenden St. Hedwigs-Kathedrale.

Baugestalt [Bearbeiten]

Blick auf die Sakristei

In der Baugestalt als runder Zentralbau orientierte sich die Kirche am Pantheon in Rom und wurde so repräsentativer Bestandteil des königlichen Forum Fridericianum. Die entscheidenden Pläne lieferte Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff. Die Bauzeit erstreckte sich von 1747 bis 1773. Der zunächst nur vorläufig fertiggestellte Bau wurde erst im 19. Jahrhundert von Max Hasak zum Abschluss gebracht (1868–1887).

Nachdem das Bistum Berlin aus dem Bistum Breslau ausgegründet wurde, erfolgte eine grundlegende Umgestaltung des Innenraums zur Bischofskirche durch den österreichischen Architekten Clemens Holzmeister. Unter Verwendung expressionistischer Gestaltungsmerkmale entstand eines der eigenständigsten Zeugnisse expressionistischer Sakralarchitektur der späten Weimarer Republik. Holzmeister betonte die Längsachse, indem er den Hauptraum zur damaligen Sakramentskapelle, der heutigen Sakristei, öffnete. Geschickt bezog er hergebrachte Ausstattungsobjekte, etwa den barocken Altar, die zwölf barocken Apostelfiguren in den modernen Innenraum ein. Seitlich der nunmehr zentralen Mittelachse platzierte er die Kathedra des Bischofs sowie einen Durchgang zu einer neu errichteten Sakristei ein.

Er befreite den Innenraum vom überbordenden Zierrat der wilhelminischen Zeit, ohne jedoch die Spuren der verschiedenen Ausstattungsschichten zu verwischen. Leider wird dieser Umbau bis in die heutige Zeit in seiner Bedeutung als eine der reifesten sakralen Raumschöpfungen der Weimarer Republik nicht ausreichend gewürdigt.

Der Innenraum, gestaltet von Hans Schwippert, ist vom nüchternen Raumideal der 1950er Jahre geprägt. Zum klaren Gesamteindruck trägt die Ausführung des Geländers in Glas entlang der Öffnung zur Unterkirche erheblich bei (Ausführung: Fritz Kühn). Markant ist der vertikale Aufbau des als Fundament dienenden Altars der Unterkirche mit dem Tabernakel, auf dem – in die Oberkirche ragend – der Hauptaltar ruht. In die Altarsäule, die die beiden Altäre verbindet, ist eine Petrus-Plastik eingesetzt, ein Geschenk Papst Johannes Pauls II. anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Bistums im Jahr 1980. Dem Betrachter präsentiert sich der Vertikalaufbau der Altargestaltung durch die halboffene Krypta als bemerkenswerte Einheit und Verbindung von Unter- und Oberkirche.

Gedenktafel der Martyrer der NS-Zeit in der Krypta der St. Hedwig-Kathedrale; Geschaffen in dem Werkstatt-Atelier Achim Kühn

Die Krypta ist der Märtyrer-Confessio frühchristlicher Basiliken nachgebildet und dient – neben der Funktion als Unterkirche mit Taufkapelle, Beichtstühlen und der Grablege der Berliner Bischöfe – auch dem Gedächtnis der katholischen Märtyrer Berlins in der Zeit des Nationalsozialismus. Dort befinden sich das Grab des 1943 auf dem Transport in das Konzentrationslager Dachau in Hof gestorbenen Dompropstes Bernhard Lichtenberg (Seligsprechung im Jahr 1996) und eine Gedenktafel für Petro Werhun, der als Seelsorger unter den Ukrainern wirkte und 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht nach Sibirien deportiert wurde (2001 seliggesprochen).

Orgeln [Bearbeiten]

Die Firma Klais erbaute 1975–1977 eine dreimanualige Orgel mit 68 Registern auf mechanischer Spiel- und elektrischer Registertraktur. Sie hat folgende Disposition:[1]

I Rückpositiv C–a3
1. Praestant 08′
2. Rohrflöte 08′
3. Quintade 08′
4. Principal 04′
5. Blockflöte 04′
6. Gedackt 04′
7. Nasard 022/3
8. Octave 02′
9. Hohlflöte 02′
10. Terz 013/5
11. Larigot 011/3
12. Sifflet 01′
13. Scharff V 01'
14. Dulcian 16′
15. Cromorne 08′
16. Vox humana 08′
Tremulant
II Hauptwerk C–a3
17. Praestant 16′
18. Principal 08′
19. Holzgedackt 08′
20. Bifaria 08′
21. Octave 04′
22. Nachthorn 04′
23. Rohrflöte 04′
24. Quinte 022/3
25. Superoctave 02′
26. Waldflöte 02′
27. Cornet V
28. Mixtur V 011/3
29. Cymbel IV 01/2
30. Trompete 16′
31. Trompete 08′
32. Trompete 04′
III Schwellwerk C–a3
33. Rohrbordun 16′
34. Salicional 16′
35. Holzprincipal 08′
36. Flute harm. 08′
37. Spitzgamba 08′
38. Vox coelestis 08′
39. Gemshorn 051/3
40. Fugara 04′
41. Traversflöte 04′
42. Dulzflöte 04′
43. Terz 031/5
44. Rohrpfeife 02′
45. Sesquialter II 022/3
46. Septnon II 017/9
47. Fourniture VI 022/3
48. Englischhorn 16′
49. Trompette 08′
50. Oboe 08′
51. Klarine 04′
Tremulant
Pedal C–g1
52. Principal 16′
53. Subbass 16′
54. Zartbass 16′
55. Quinte 102/3
56. Octave 08′
57. Cello 08′
58. Spitzgedackt 08′
59. Terz 062/5
60. Superoctave 04′
61. Gemshorn 04′
62. Trichterflöte 04′
63. Hintersatz IV 02′
64. Mixtur III 01′
65. Fagott 32′
66. Posaune 16′
67. Holztrompete 08′
68. Schalmey 04′
Tremulant
  • Koppeln: III/I, I/II, III/II, I/P, II/P, III/P, III Super/P

Weiterhin steht in der Unterkirche eine kleine Orgel mit einem Manual und sieben Registern:

Hauptwerk C–g3
1. Salicional 8′
2. Gedackt B/D 8′
3. Rohrflöte B/D 4′
4. Principal B/D 4′
5. Principal B/D 2′
6. Sifflet B/D 1′
Pedal C–f1
7. Subbass 16′

Glocken [Bearbeiten]

Die Kathedrale verfügt über vier Glocken, die in der Kuppel über der Sakristei aufgehängt sind. Die Glocken wurden von der Glockengießerei Franz Schilling in Apolda gegossen und haben die Schlagtöne e1, g1, a1 und h1.[2]

Bekannte Geistliche an der Hedwigskathedrale [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Sankt-Hedwigs-Kathedrale – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Kirchenorgeln bei Klais.de
  2. Informationen zu den Glocken auf der Website der Kathedrale

52.51583333333313.394722222222Koordinaten: 52° 30′ 57″ N, 13° 23′ 41″ O