Sankt Goar

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Sankt Goar, zu deren Namensgeber, dem heiligen Goar, siehe Goar.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Sankt Goar
Sankt Goar
Deutschlandkarte, Position der Stadt Sankt Goar hervorgehoben
50.157.716666666666774Koordinaten: 50° 9′ N, 7° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Rhein-Hunsrück-Kreis
Verbandsgemeinde: Sankt Goar-Oberwesel
Höhe: 74 m ü. NHN
Fläche: 22,93 km²
Einwohner: 2737 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 119 Einwohner je km²
Postleitzahl: 56329
Vorwahl: 06741
Kfz-Kennzeichen: SIM, GOA
Gemeindeschlüssel: 07 1 40 133
Stadtgliederung: 4 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Heerstraße 130
56329 Sankt Goar
Webpräsenz: www.st-goar.de
Stadtbürgermeister: Walter Mallmann (CDU)
Lage der Stadt Sankt Goar im Rhein-Hunsrück-Kreis
Boppard Badenhard Beulich Bickenbach (Hunsrück) Birkheim Dörth Emmelshausen Gondershausen Halsenbach Hausbay Hungenroth Karbach (Hunsrück) Kratzenburg Leiningen (Hunsrück) Lingerhahn Maisborn Mermuth Morshausen Mühlpfad Ney (Hunsrück) Niedert Norath Pfalzfeld Schwall (Rhein-Hunsrück-Kreis) Thörlingen Utzenhain Alterkülz Bell (Hunsrück) Beltheim Braunshorn Buch (Hunsrück) Dommershausen Gödenroth Hasselbach (Hunsrück) Hollnich Kastellaun Korweiler Mastershausen Michelbach (Hunsrück) Roth (Rhein-Hunsrück-Kreis) Spesenroth Uhler Bärenbach (Hunsrück) Belg Büchenbeuren Dickenschied Dill (Gemeinde) Dillendorf Gehlweiler Gemünden (Hunsrück) Hahn (Hunsrück) Hecken (Hunsrück) Heinzenbach Henau (Hunsrück) Hirschfeld (Hunsrück) Kappel (Hunsrück) Kirchberg (Hunsrück) Kludenbach Laufersweiler Lautzenhausen Lindenschied Maitzborn Metzenhausen Nieder Kostenz Niedersohren Niederweiler (Hunsrück) Ober Kostenz Raversbeuren Reckershausen Rödelhausen Rödern (Hunsrück) Rohrbach (Hunsrück) Schlierschied Schwarzen Sohren Sohrschied Todenroth Unzenberg Wahlenau Womrath Woppenroth Würrich Argenthal Benzweiler Dichtelbach Ellern (Hunsrück) Erbach (Hunsrück) Kisselbach Liebshausen Mörschbach Riesweiler Rheinböllen Schnorbach Steinbach (Hunsrück) Damscheid Laudert Niederburg Oberwesel Perscheid Sankt Goar Urbar (Rhein-Hunsrück-Kreis) Wiebelsheim Bubach Riegenroth Laubach (Hunsrück) Horn (Hunsrück) Klosterkumbd Budenbach Bergenhausen Rayerschied Wahlbach (Hunsrück) Altweidelbach Pleizenhausen Mutterschied Niederkumbd Simmern/Hunsrück Neuerkirch Wüschheim (Hunsrück) Reich (Hunsrück) Biebern Külz (Hunsrück) Kümbdchen Keidelheim Fronhofen Holzbach Nannhausen Tiefenbach (Hunsrück) Ohlweiler Sargenroth Schönborn (Hunsrück) Oppertshausen Belgweiler Ravengiersburg Mengerschied Hessen Landkreis Mainz-Bingen Landkreis Mainz-Bingen Landkreis Bad Kreuznach Landkreis Birkenfeld Landkreis Bernkastel-Wittlich Rhein-Lahn-Kreis Landkreis Mayen-Koblenz Landkreis Cochem-ZellKarte
Über dieses Bild
Sankt Goar aus Nordwest
St. Goar – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian (1655)
Sankt Goar um 1860; links auf dem Foto ist oberhalb des Hafenbeckens der achtkantige ehemalige Steinkran aus dem 16. Jahrhundert zu sehen
Alliierte Truppen bei der Rheinüberquerung bei Sankt Goar unter feindlichem Feuerbeschuss
Luftbild, 1953
Sankt Goar vom Rhein
Burg Rheinfels hoch über dem Rhein
Denkmal für den Namensgeber der Stadt

Sankt Goar (abgekürzt: St. Goar) ist eine Stadt im Rhein-Hunsrück-Kreis in Rheinland-Pfalz am linken Ufer des Mittelrheins. Sie gehört der Verbandsgemeinde Sankt Goar-Oberwesel an.

Bekannt ist Sankt Goar durch seine zentrale Lage im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal, das im Juli 2002 in die Liste der Welterbestätten aufgenommen wurde. Oberhalb der Stadt befindet sich die Ruine Burg Rheinfels, gegenüber liegt die Schwesterstadt Sankt Goarshausen mit den Burgen Katz und Maus. Der Loreleyfelsen befindet sich in unmittelbarer Nähe der Stadt flussaufwärts auf der anderen Rheinseite.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Sankt Goar liegt im Mittelrheintal, dem engen Durchbruchstal des Rheins durch das Rheinische Schiefergebirge. Das linksrheinische Tal gehört zum Hunsrück, das rechtsrheinische Tal zum Taunus. Die charakteristisch enge Talform entstand erdgeschichtlich durch Tiefenerosion des Flusses in eine sich hebende Scholle.

Die nächsten größeren Städte sind Koblenz, Luftlinie etwa 24 km nördlich und Bingen am Rhein, Luftlinie etwa 25 km südöstlich. Sankt Goar ist durch die Fähre Loreley mit der direkt gegenüber liegenden Schwesterstadt Sankt Goarshausen auf der rechten Rheinseite verbunden. Der Rhein hat hier eine Breite von etwa 250 Metern.

In Sankt Goar mündet der vom Hunsrück kommende Gründelbach in den Rhein.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt besteht aus der am Rhein liegenden Kernstadt Sankt Goar, den Höhenstadtteilen Biebernheim und Werlau, dem nördlich am Rhein gelegenen Stadtteil Fellen und dem südlich am Rhein gelegenen Stadtteil An der Loreley.

Geschichte[Bearbeiten]

Name[Bearbeiten]

Das Gebiet um die spätere Stadt Sankt Goar war bereits in römischer Zeit besiedelt. Der frühmittelalterliche Name war Wochara, benannt nach dem hier in den Rhein mündenden kurzen Bach.

Der heutige Name der Stadt geht zurück auf den „Heiligen Goar“, der sich während der Regierungszeit von Frankenkönigs Childebert I. (511–538) an der Stelle der späteren Stadt niederließ. Goar kam als junger Priester (Mönch) aus Aquitanien (Südwestfrankreich) und lebte zunächst als Einsiedler in einer Felsenhöhle am Rhein. Mit der Erlaubnis des Bischofs von Trier wirkte er als Missionar der Landbevölkerung. Bekannt wurde er wegen seiner großen Gastfreundschaft, insbesondere gegenüber den Rheinschiffern. Später errichtete er an der Stelle der heutigen Stadt ein Hospiz und eine Kapelle. Zahlreiche Legenden rankten sich um seine Gestalt. Nach seinem Tod um 575 wurde das Grab Goars zur Wallfahrtsstätte und der Ort wurde nach ihm benannt. Frankenkönig Pippin der Jüngere übertrug 765 dem Abt der Benediktinerabtei Prüm das Hospiz und die Kapelle als persönliches Benefizium. Hieraus entstand das bereits Ende des 11. Jahrhunderts bezeugte Chorherrenstift Sankt Goar.[2]

Es gibt aber noch eine weitere Erklärung zur Entstehung des Ortsnamens.

„Inzwischen wollten andere behaupten, dass sowohl aus andern Schriftstellern, als auch aus uralten Urkunden zu erweisen stehe, wie dieser Ort anfangs nit Sanctgoar, sondern SANDGEWEHR oder SANTGEWER geheissen habe. Auch soll dieser Name seinen natürlichen Ursprung von dem sehr nahe dabey befindlichen Wasserfall der Werb, oder wie man von diesem gesagt hat, der Gewerb eigentlich empfangen haben. Denn weil von diesem Werb oder Gewerr sehr viel Sand in den umliegenden Gegenden an Land geworfen wird, so sey es nicht anders als ein rechtes SANGGEWERRE anzusehen, und habe also der Stadt den Namen mitgetheilet.“

Johann Hermann Dielhelm: Denkwürdiger und nützlicher Rheinischer Antiquarius von 1744[3]

Mittelalter[Bearbeiten]

1183 bekam St. Goar das Stadtrecht. Ab 1190 stand die Stadt unter militärischem Schutz und der Gerichtsbarkeit des Grafenhauses von Katzenelnbogen, den Klostervögten, die den Besitz an sich gebracht hatten. 1245 erbaute Graf Diether V. von Katzenelnbogen die Burg Rheinfels. Mit dem Tod des letzten Grafen von Katzenelnbogen, Philipps des Älteren, fiel die Grafschaft Katzenelnbogen und damit Sankt Goar 1479 an die Landgrafschaft Hessen.

Hessen- und Franzosenzeit bis 1815[Bearbeiten]

Am 1. November 1527 begann der spätere Theologieprofessor Adam Krafft im Auftrag des hessischen Landgrafen Philipps I. die Reformation einzuführen. 1567 wurde die Landgrafschaft Hessen nach dem Tode Philipps I. unter seinen vier Söhnen aufgeteilt. Der jüngste Sohn, Philipp II., erhielt die Niedergrafschaft Katzenelnbogen, nunmehr Hessen-Rheinfels genannt, und damit Burg und Stadt.

1580 fielen der Pest in Sankt Goar 175 Personen zum Opfer; nur 18 Jahre später, 1598, abermals 142. Im Pestjahr 1598 errichtete Franz Schmoll in St. Goar die Rheinfels-Apotheke als dritte Apotheke in Hessen neben Kassel und Marburg. 1635, mitten im Dreißigjährigen Krieg, raffte die Pest noch einmal über 200 Personen hinweg.

Infolge des anhaltenden Rechtsstreits zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt über die Aufteilung der erloschenen Landgrafschaft Hessen-Marburg ließ Hessen-Darmstadt mit kaiserlichen Truppen Rheinfels und Sankt Goar im Sommer 1626 mehrere Wochen lang belagern, was schließlich zur Kapitulation und anschließenden Plünderung der Stadt durch spanische Truppen führte. Von 1626 bis 1647 gehörte Sankt Goar darsufhin zu Hessen-Darmstadt. 1647 eroberten Truppen der Landgräfin Amalie Elisabeth von Hessen-Kassel die Burg Rheinfels und die Stadt. Am 14. April 1648 trat Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt die Niedergrafschaft Katzenelnbogen mit Sankt Goar „auf ewige Zeiten“ an Hessen-Kassel ab.

Während Hessen-Kassel reichsrechtlich die Landeshoheit behielt, fiel die Herrschaft über die Grafschaft Niederkatzenelnbogen an Landgraf Ernst, der am 30. März 1649 seinen Einzug in Sankt Goar hielt und die Nebenlinie Hessen-Rheinfels-(Rotenburg) gründete. Landgraf Ernst regierte bis zu seinem Tode 1693 auf Burg Rheinfels, seinem Residenzschloss, als religiös toleranter, geistig höchst interessierter Herrscher, der wesentlich zum wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt Sankt Goar beitrug, die unter den Folgen des Dreißigjährigen Krieges zu leiden hatte. 1692 während des Pfälzischen Erbfolgekrieges Belagerung von Burg und Stadt durch zuletzt 28.000 Franzosen. Auch der letzte Sturmversuch wird abgeschlagen. 1711 wurde nach Erbauseinandersetzung Landgraf Wilhelm von Hessen-Wanfried die Landgrafschaft Hessen-Rheinfels zugesprochen, er nannte sich Wilhelm von Hessen-Rheinfels. Der Kaiser übertrug ihm 1718 die Burg. 1731 beerbte Christian von Hessen-Wanfried (genannt seit 1711 von Hessen-Eschwege) die Landgrafschaft Hessen-Rheinfels mit Burg. Die Burg wurde 1735 endgültig an Hessen-Kassel abgetreten. 1755 nach dem Tod von Christian 1755 fiel die Landgrafschaft an Hessen-Rotenburg.

1794 wurde die Festung kampflos an französische Revolutionstruppen übergeben und 1796/97 in großen Teilen durch die Ingenieur-Kapitäne Charles und Bouiller gesprengt. Bis 1813 stand sie unter französischer Verwaltung. 1812 wurde die Ruine als französisches Staatseigentum an den St. Goarer Kaufmann Peter Glass verkauft. Das beim Abbruch gewonnene Material wurde zum größten Teil beim Bau der Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz verwendet.

Ab 1815: Bei Preußen und Rheinland-Pfalz[Bearbeiten]

Sankt Goar kam 1815 gemäß dem Vertrag des Wiener Kongresses in preußischen Besitz und wurde 1816 Kreisstadt des Kreises Sankt Goar, der rund 28.000 Einwohner zählte. Ab 1825 konnte mit dem Beginn der Dampfschifffahrt, der Vergrößerung des Rheinhafens und dem Bau der Eisenbahnlinie von 1857 bis 1859 ein wirtschaftlicher Aufschwung erreicht werden, der aber durch die enge des Raumes begrenzt blieb.

1918, am Ende des Ersten Weltkrieges, erfolgte der Rückzug der 5. Armee vom November bis zum Dezember über die rheinische Pionierbrücke zwischen St. Goar und St. Goarshausen. Nach dem Ersten Weltkrieg war die Stadt zeitweise französisch besetzt.

Während der französischen Besatzung ereignete sich am 9. Mai 1923 ein schwerer Eisenbahnunfall: Ein Personenzug, der im Regiebetrieb der französischen Besatzung verkehrte, entgleiste und stürzte in den Rhein. Mindestens 29 Menschen ertranken, wahrscheinlich mehr. Die französische Besatzung verhinderte bei Unfällen von Regiezügen grundsätzlich, dass Informationen nach außen drangen.[4]

Im Zweiten Weltkrieg erfolgten keine Luftangriffe auf Sankt Goar. Mitte März 1945 erreichten Truppenverbände der US-Armee das nun betroffene Sankt Goar. Die US-Verwaltung wurde Anfang Juli als Französische Besatzungszone an Frankreich übergeben.

Seit 1946 ist die Stadt Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz.

Mit der Verwaltungsreform 1969 erfolgte die Auflösung des Kreises Sankt Goar und Zuordnung zum Rhein-Hunsrück-Kreis mit Sitz in Simmern. Außerdem wurden am 7. Juni 1969 die bis dahin selbstständigen Gemeinden Biebernheim und Werlau eingemeindet.[5] 1972 wurde die Stadt Sankt Goar in die Verbandsgemeinde Sankt Goar-Oberwesel mit Sitz in Oberwesel eingegliedert.

Am 21. November 2012 wurde der erste Spatenstich für das Projekt Modellstadt St. Goar gesetzt. Bei diesem 2009 vom rheinland-pfälzischen Finanzministerium initiierten Projekt soll die Innenstadt von St. Goar verschönert werden. Dafür werden einzelne Plätze im Ortskern und das Rheinvorland neugestaltet. Die Kosten des Projekts werden zum Größten Teil vom Bund übernommen.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahlen
1613 1134
1640 714
1794 1992
1815 1108
1847 1452
1867 1330
1885 1453
1903 1673
1970 3546
1998 3213
2001 3147
2003 3128
2007 2905

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat in Sankt Goar besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzenden.

Stimmen- und Sitzverteilung im gewählten Stadtrat (mit der Veränderung gegenüber der Kommunalwahl von 2004):[7]

Partei Anteilige Stimmen Veränderung Anzahl Sitze Veränderung
SPD 46,9 % +4,3 % 9 +1
CDU 44,9 % −7,3 % 9 −2
FDP 8,2 % +3,0 % 2 +1

Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2009 lag bei 61,0 %. Zum Vergleich – bei der vorherigen Kommunalwahl von 2004 lag die Wahlbeteiligung bei 67,5 %.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung:„Geteilt in Gold (Gelb) und Blau; oben ein wachsender herschauender blau gekrönter und bewehrter roter Löwe; unten ein aus stehenden Rauten gebildetes goldenes (gelbes) Gitter, in dessen Maschen heraldische goldene (gelbe) Lilien.“

Der geminderte Löwe entstammt dem Wappen der Grafen von Katzenelnbogen, die seit dem 13. Jh. in St. Goar herrschten. Sie erhielten bereits um 1190 die Vogtei über das Goarskloster. St. Goar war das Zentrum der Niedergrafschaft Katzenelnbogen. Die Lilien der unteren Wappenhälfte beziehen sich auf das Marienpatrozinium Darmstadts, dem Hauptort der Obergrafschaft Katzenelnbogens. Der Katzenelnbogener Löwe ist ebenfalls in den Wappen von Darmstadt, Auerbach (Bensheim-Auerbach), Zwingenberg a.d.B. und Pfungstadt zu sehen.

Die Stadtfarben sind Rot und Weiß.[8]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

  • Kanton Châtillon-en-Bazois aus dem Departement Nièvre, FrankreichFrankreich, seit 1973

Museen[Bearbeiten]

Das deutsche Puppen- und Bärenmuseum in der Sonnengasse von Sankt Goar gibt seit 1985 einen Überblick über die Puppen, Bären und Spielzeug verschiedener Generationen. Auf einer Fläche von 600 m² werden über 3.000 verschiedene Sammlerstücke gezeigt. Weiterhin vermittelt das Museum Wissenswertes über die Puppenherstellung, Puppenschneiderei und die Arbeit in der museumseigenen Puppen- und Bärenklinik.

Das Wahrschauer- und Lotsenmuseum in Sankt Goar befindet sich in der früheren Lotsen- und Wahrschauerstation am Bankeck bei Stromkilometer 555,43. Das Museum sammelt und bewahrt umfangreiche Informationen zur Geschichte der Rheinschifffahrt. An das Museum angeschlossen ist ein Außenbereich, in dem Exponate aus der täglichen Arbeit der Rheinlotsen und Wahrschauer zu besichtigen sind. Das Museum ist während der Tourismussaison von Mai bis September geöffnet.

Im Heimatmuseum auf der Burg Rheinfels gibt es Sehenswertes aus der Geschichte der Stadt und der Burg.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Komet von 1811 über Sankt Goar und der gegenüber liegenden Burg Katz

Die Burg Rheinfels liegt oberhalb von Sankt Goar und wurde 1245 von Graf Diether von Katzenelnbogen gegründet. Nach ihrem Ausbau zur Festung war sie die größte Wehranlage im Mittelrheintal und setzte Maßstäbe für den gesamten Burgenbau im Deutschen Reich. Ende des 18. Jahrhunderts zerstörten französischen Revolutionstruppen die Festung. Danach wird die Ruine als Steinbruch für andere Bauwerke benutzt. 1843 erwarb Prinz Wilhelm von Preußen, der spätere Kaiser Wilhelm I., die Ruine und bewahrte sie so vor weiteren Zerstörungen. Seit 1925 ist die Stadt Sankt Goar im Besitz der Burg. Heute beherbergt die Burganlage einen Hotelbetrieb und eine Gaststätte. Außerdem ist auf dem Burggelände das Heimatmuseum der Stadt untergebracht.

Die dem heiligen Goar geweihte Evangelische Stiftskirche im Zentrum von Sankt Goar ist eine Kirche mit romanischen und gotischen Merkmalen. Die dreischiffige romanische Krypta stammt aus dem Ende des 11. Jahrhunderts. Im dreischiffigen gotischen Langhaus befinden sich Wandmalereien aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Die Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Katholische Pfarrkirche zum Hl. Goar ist im neugotischen Stil erbaut. Sehenswert sind die spätgotische Grabplatte des hl. Goar sowie ein Altarbild aus dem Jahr um 1480, das zu den wertvollsten Arbeiten mittelrheinischer Malerei gehört.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Ostermontag: Fest der fliegenden Brücke[9]
  • 1. Wochenende im Juni: Burgmarkt und Ritterturnier auf Burg Rheinfels
  • 3. Wochenende im Juli: Schützen- und Heimatfest
  • 4. Wochenende im Juli: Traditionelles Werlauer Heimatfest im Stadtteil Werlau.
  • 1. Wochenende im August: Hansenfest
  • 3. Wochenende im August: Fest des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr St. Goar
  • 1. Wochenende im September: Traditionelle Biewerumer Quetschekerb im Stadtteil Biebernheim
  • 3. Wochenende im September: Rhein in Flammen Großfeuerwerke von Burg Katz bei Sankt Goarshausen, Burg Rheinfels bei Sankt Goar und von der Rheinmitte aus.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Hauptwirtschaftszweig der Stadt ist der Tourismus. Weitere Wirtschaftszweige sind der Weinbau und die Landwirtschaft.

Tourismus[Bearbeiten]

St. Goar profitiert durch seine zentrale Lage im UNESCO Weltkulturerbe „Oberes Mittelrheintal“ und durch seine Nähe zum Loreleyfelsen stark vom Tourismus. Zahlreiche Anbieter von Unterkünften und Gastronomiebetriebe werben um ein nationales und internationales Touristenpublikum. Im Stadtteil „An der Loreley“ befindet sich ein direkt am Rhein liegender Campingplatz und im Tal der Loreley unterhalb der Burg Rheinfels liegt die Loreley-Jugendherberge.[10] Die meisten Gäste sind jedoch Tagesgäste, die mit dem Bus oder der Rheinschifffahrt anreisen. Nur einer von 16 Besuchern übernachtet auch in St. Goar.[11]

Weinbau[Bearbeiten]

Die Rebflächen von St. Goar liegen im Bereich Rheinburgengau innerhalb des Anbaugebiets Mittelrhein. Die zugehörige Großlage Burg Rheinfels umfasst vier kleinere Einzellagen um St. Goar. Die Einzellagen Rosenberg, Frohwingert und Ameisenberg liegen an den Steilhängen des Gründelbachtals während die Einzellage Kuhstall sich am Rheintalhang gegenüber dem Loreleyfelsen befindet. Die Weinberge sind steil terrassiert und zur Hauptsache mit Riesling bestockt.[12]

Bergbau[Bearbeiten]

Der ehemalige Bergbau in den Ortsteilen Fellen und Werlau geht zurück auf das 18. Jahrhundert. In der Grube Gute Hoffnung wurden bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein Blei- und Zinkerze abgebaut.

Verkehr[Bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Fotomontage eines Architekturstudenten, der eine Studie zur Mittelrheinbrücke bei St. Goar vorgelegt hat

Durch St. Goar (Kernstadt) und den Ortsteil Fellen verläuft die Bundesstraße 9. St. Goar ist über die L 213 an die 14 km entfernte A 61 Ludwigshafen-Mönchengladbach, Anschlussstelle 42 Emmelshausen angebunden. Seit einigen Jahren gibt es Planungen zum Bau einer Mittelrheinbrücke zwischen St. Goar und St. Goarshausen. Sie wäre das erste Brückenbauwerk über den Mittelrhein auf dem rund 100 Kilometer langen Abschnitt zwischen Koblenz und Wiesbaden.

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof von Sankt Goar liegt an der linken Rheinstrecke „Frankfurt – Mainz – Bingen – Koblenz – Köln“ (DB-Kursbuch Nr. 471) und ist nicht mehr personenbesetzt. Der Fahrkartenverkauf erfolgt nur noch über SB-Automaten.

Schiffsverkehr[Bearbeiten]

Sankt Goar besitzt direkt am Rhein Anlegestellen verschiedener Rheinschifffahrtslinien, unter anderem der Köln-Düsseldorfer-Rheinschifffahrt. Die Personen- und Autofähre „Loreley VI“ verbindet das linksrheinische Sankt Goar mit der rechtsrheinischen Schwesterstadt Sankt Goarshausen. Der Stadthafen „Rheinfelshafen“ von St. Goar liegt direkt unterhalb der Ruine Burg Rheinfels. Der Hafen bietet seit 1994 eine Marina für Freizeitschiffe bis zu 15 m Länge. Ein weiterer Hafen, der Yachthafen „Hunt“, befindet sich weiter nördlich im Stadtteil Fellen.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

In Sankt Goar befinden sich ein Amtsgericht, das als Rheinschifffahrtsgericht und Moselschifffahrtsgericht tätig ist. In dieser Eigenschaft ist das Gericht direkt dem Rhein- bzw. Moselschifffahrtsobergericht Köln unterstellt. Sankt Goar ist Sitz einer Wasserschutzpolizeistation, die für den Bereich von Bacharach bis Osterspai (Stromkilometer 544–575) zuständig ist. Weiterhin gibt es eine Außenstelle des Finanzamtes Sankt Goarshausen–Sankt Goar.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

In Sankt Goar geboren[Bearbeiten]

Mit Sankt Goar verbunden[Bearbeiten]

  • Landgraf Ernst von Hessen-Rheinfels-Rotenburg (1623–1693), wählte als Landgraf die Burg Rheinfels zu seiner Residenz, ließ sie zur Festung ausbauen und zog 1649 ein. Er trug wesentlich zum wirtschaftlichen Aufschwung von St. Goar bei, das unter dem Dreißigjährigen Kriege schwer gelitten hatte.

Literatur[Bearbeiten]

  • F.C. Vogel: Panorama des Rheins, Bilder des rechten und linken Rheinufers, Lithographische Anstalt F.C. Vogel, Frankfurt 1833[13][14]
  • Josef Heinzelmann: Der Weg nach Trigorium… Grenzen, Straßen und Herrschaft zwischen Untermosel und Mittelrhein im Frühmittelalter, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 21 (1995), S. 9–132.
  • Josef Heinzelmann: Die Landgrafen-Grablege in der Stiftskirche St. Goar, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, 29 (2003), S. 25–61.
  • Alexander Grebel: Geschichte der Stadt St.Goar, Druck von Carl Sassenroth, St. Goar 1848
  • Alexander Grebel: St.Goar, Ein rheinisches Heimatbuch, gänzlich neu bearbeitet von Peter Knab, Verlag von Herrmann Schulz, Düsseldorf 1925

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sankt Goar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Friedrich Wilhelm Bautz: GOAR, Heiliger. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 2, Bautz, Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8, Sp. 258.
  3. Johann Hermann Dielhelm: Denkwürdiger und nützlicher Rheinischer Antiquarius von 1744, Seite 617 (Online), abgerufen am 31. März 2012
  4. Hans Joachim Ritzau: Eisenbahn-Katastrophen in Deutschland. Splitter deutscher Geschichte. Bd.1: Landsberg-Pürgen 1979, S. 73.
  5. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Seite 195 (PDF; 2,6 MB)
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatStartschuss: Spatenstich für «Modellstadt St. Goar». Rhein-Zeitung, 21. November 2012, abgerufen am 23. November 2012.
  7. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2009, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  8. Stadler, Klemens; Deutsche Wappen; Band 2, Bremen 1966; S. 56
  9. Buntes Treiben beim Fest der fliegenden Brücke, abgerufen am 10. Mai 2010
  10. http://www.diejugendherbergen.de/die-jugendherbergen-auf-einen-blick/st.-goar/portrait/
  11. Stankowski, Martin: Darum ist es am Rhein so schön. Köln 2009; S. 149. Dort wird eine Untersuchung der Fachhochschule Heilbronn zitiert.
  12. Die St. Goarer Weinbergslagen
  13. Panorama des Rheins, Bilder des rechten und linken Rheinufers, St. Goar: Ansicht 1, abgerufen am 24. November 2009
  14. Panorama des Rheins, Bilder des rechten und linken Rheinufers, St. Goar: Ansicht 2, abgerufen am 24. November 2009