Sankt Kanzian am Klopeiner See

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
St. Kanzian am Klopeiner See
Wappen von St. Kanzian am Klopeiner See
Sankt Kanzian am Klopeiner See (Österreich)
Sankt Kanzian am Klopeiner See
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Kärnten
Politischer Bezirk: Völkermarkt
Kfz-Kennzeichen: VK
Fläche: 41,08 km²
Koordinaten: 46° 37′ N, 14° 35′ O46.61444444444414.575833333333442Koordinaten: 46° 36′ 52″ N, 14° 34′ 33″ O
Höhe: 442 m ü. A.
Einwohner: 4.346 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 106 Einw. pro km²
Postleitzahl: 9122
Vorwahl: 04239
Gemeindekennziffer: 2 08 13
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Klopeiner Straße 5
9122 St. Kanzian
Website: www.st.kanzian.at
Politik
Bürgermeister: Thomas Krainz (SPÖ)
Gemeinderat: (2009)
(23 Mitglieder)
10 SPÖ, 7 ÖVP, 2 GWL, 4 BZÖ sowie parteifreie
Lage der Gemeinde St. Kanzian am Klopeiner See im Bezirk Völkermarkt
Bleiburg Diex Eberndorf Eisenkappel-Vellach Feistritz ob Bleiburg Gallizien Globasnitz Griffen Neuhaus Ruden Sankt Kanzian am Klopeiner See Sittersdorf Völkermarkt KärntenLage der Gemeinde Sankt Kanzian am Klopeiner See im Bezirk Völkermarkt (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)
Klopeiner See vom Georgibergl aus gesehen

Sankt Kanzian am Klopeiner See, amtlich St. Kanzian am Klopeiner See (slowenisch: Škocjan v Podjuni), ist eine zweisprachige[1][2] Gemeinde mit 4346 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Bezirk Völkermarkt in Kärnten.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Sankt Kanzian liegt im Jauntal, südlich der zum Völkermarkter Stausee aufgestauten Drau und ungefähr sieben Kilometer vom Stadtzentrum der Bezirkshauptstadt Völkermarkt entfernt. Zum Gemeindegebiet gehören der Klopeiner See, der Turnersee, der Kleinsee und der Georgiberg.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Sankt Kanzian am Klopeiner See ist in sieben Katastralgemeinden gegliedert: Grabelsdorf (Grabalja vas), Lauchenholz (Gluhi les), St. Kanzian (Škocjan), St. Marxen (Šmarkež), St. Veit im Jauntal (Šentvid v Podjuni), Srejach (Sreje) und Stein (Kamen).

Das Gemeindegebiet umfasst folgende 37 Ortschaften (Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[3]):

  • Brenndorf (Goreča vas) (53)
  • Duell (Dole) (16)
  • Grabelsdorf (Grabalja vas) (160)
  • Horzach I (Horce pri Škocjanu) (53)
  • Horzach II (Horce pri Šentvidu) (43)
  • Kleindorf I (Mala vas pri Škocjanu) (27)
  • Kleindorf II (Mala vas pri Kamnu) (48)
  • Klopein (Klopinj) (268)
  • Lanzendorf (Lancova) (21)
  • Lauchenholz (Gluhi les) (74)
  • Littermoos (Zablate) (48)
  • Mökriach (Mokrije) (40)
  • Nageltschach (Nagelče) (131)
  • Oberburg (Zgornji Podgrad) (9)
  • Obersammelsdorf (Žamanje) (86)
  • Oberseidendorf (Zgornji Ždinja vas) (30)
  • Peratschitzen (Peračija) (111)
  • Piskertschach (Piskrče) (39)
  • Saager (Zagorje) (13)
  • Sankt Kanzian am Klopeiner See (Škocijan v Podjuni) (378)
  • Sankt Lorenzen (Šentlovrenc) (66)
  • Sankt Marxen (Šmarkež) (71)
  • Sankt Primus (Šentprimož) (167)
  • Sankt Veit im Jauntal (Šentvid v Podjuni) (186)
  • Schreckendorf (Straša vas) (79)
  • Seelach (Selo) (293)
  • Seidendorf (Ždinja vas) (48)
  • Sertschach (Srče) (114)
  • Srejach (Sreje) (179)
  • Stein im Jauntal (Kamen v Podjuni) (253)
  • Steinerberg (Kamenska Gora) (47)
  • Unterburg (Spodnji Podgrad) (363)
  • Unternarrach (Spodnje Vinare) (65)
  • Untersammelsdorf (Samožna vas) (36)
  • Vesielach (Vesele) (74)
  • Wasserhofen (Žirovnica) (592)
  • Weitendorf (Betinja vas) (83)

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Völkermarkt
Grafenstein Nachbargemeinden Eberndorf
Gallizien Sittersdorf
Mökriach – Filialkirche St Martin – Portal

Geschichte[Bearbeiten]

Frühe Geschichte[Bearbeiten]

Pfarrkirche Heiliger Kanzian
Kirche mit dem Wunschglöcklein auf dem Georgibergl

Auf der Gracarca, einem Mittelgebirgsstock am südöstlichen Ufer des Klopeiner Sees, wurden Siedlungsspuren gefunden, die der Urnenfelderkultur (um 900-730 v. Chr.) und der Hallstattkultur (um 730-300 v. Chr.) zugerechnet werden. Diese und weitere Funde lassen darauf schließen, dass es sich bei dieser Siedlung möglicherweise um die Stadt Noreia, die Hauptstadt des keltischen Königreichs Noricum handeln könnte, das zwischen ca. 300 und 15 v. Chr. bestand. Grabfunde aus der Spätantike (300-590 n. Chr.) und dem Frühmittelalter im heutigen Gemeindegebiet weisen auf weitere frühe Ansiedlungen hin.

Von besonderer Bedeutung für die kulturelle Kontinuität in diesem Raum sind die frühmittelalterlichen Funde aus karantanischer Zeit. Dabei sticht das Grab eines karantanischen bewaffneten Reiterkriegers hervor. Der Ortsname Grabelsdorf/Grabalja vas ist hingegen etwas jüngeren Datums und geht auf den alttestamentarischen Namen Gabriel zurück. Dieser weist eindeutig auf die Christianisierung der hier ansässigen, nunmehr bereits slowenischsprechenden Bevölkerung hin, wie dies die Freisinger Denkmäler belegen, die die ältesten slawischen, bereits dem Slowenischen zuzuzählenden Sprachdenkmäler in lateinischer Schrift sind. Und diese wurden eben für die Zwecke der Christianisierung der im Land ansässigen Karantaner geschaffen.[4]

Die Pfarrkirche St. Kanzian ist den Geschwistern Kanzius, Kanzian und Kanzianilla, die im Jahre 290 n. Chr. in Aquileia den Märtyrertod erlitten haben, geweiht. Die Pfarre St. Kanzian bestand schon im 12. Jahrhundert, wahrscheinlich aber schon früher, da der Patriarch Udalricus sie im Jahre 1106 n. Chr. dem Kloster Eberndorf abgetreten hat.

Gemeindegeschichte[Bearbeiten]

Zu einer selbständigen Gemeinde wurde St. Kanzian im Jahre 1866, nachdem die erst 1850 gebildete Gemeinde Kühnsdorf aufgelöst wurde und sich die drei Katastralgemeinden St. Kanzian, Srejach und St. Marxen zusammenschlossen; schon 1876 wurde die Ortsgemeinde um die Katastralgemeinde Grabelsdorf (davor zu Eberndorf) erweitert. Drei weitere Katastralgemeinden (Stein, St. Veit und Lauchenholz) wurden nach der Auflösung der Ortsgemeinde Rückersdorf 1944 eingemeindet. 1973 und 2002 folgten noch kleinere Gebietskorrekturen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ließen sich erste Anfänge des Fremdenverkehrs am Klopeiner See, einem der wärmsten Badeseen Österreichs, und am Turnersee feststellen. Ab dieser Zeit erlebte die Region einen konstanten wirtschaftlichen Aufschwung, ab den 1950er Jahren entwickelte sich St. Kanzian zu einer der führenden Fremdenverkehrsgemeinden Kärntens.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Nach der Volkszählung 2001 hat die Gemeinde St. Kanzian am Klopeiner See 4.297 Einwohner, davon sind 94,4 % österreichische, 1,9 % bosnische und 1,1 % deutsche Staatsbürger. 12,8 % gehören der slowenischsprachigen Volksgruppe an. Gemäß einem Urteil des Verfassungsgerichtshofs (VfGH) vom 26. Juni 2006 gilt der gleichnamige Hauptort der Gemeinde aufgrund des laut der VZ 2001 unter 10 % gesunkenen Anteils der slowenischen Minderheit jedoch nicht mehr als amtlich „gemischtsprachig“.[5][6] Nichtsdestotrotz zählen die slowenischen Kulturvereine (insbesondere der Verein Danica) und -aktivitäten zu den Trägern des Kulturlebens in der Gemeinde[7] und werden alle Pfarren zweisprachig geführt.[8]

Die Gemeinde St. Kanzian / Škocijan v Podjuni zählt zum slowenischen Dialektgebiet des Jauntales (slow. podjunsko narečje)[9], der ein Dialekt der Kärntner slowenischen Dialektgruppe ist.[10].

Zur römisch-katholischen Kirche bekennen sich 88 % der Gemeindebevölkerung, zur evangelischen Kirche 3,3 %, zum Islam 2,3 %. Ohne religiöses Bekenntnis sind 4,4 %.

Die Pfarren der Gemeinde St. Kanzian zählen zum Dekanat Eberndorf/Dobrla vas. Sie sind nunmehr zweisprachig.[11] Zur Pfarrkirche St. Kanzian/Škocjan zählen die Filialkirchen Georgiberg/Št. Jurij, Klopein/Klopinj, Srejach/Sreje, St. Lorenzen/Št. Lovrenc. Zur Pfarrkirche St. Veit im Jauntal/Št. Vid v Podjuni gehören die Filialkirchen Rückersdorf/Rikarja vas, Alte Pfarrkirche/Stara farna cerkev, Grabelsdorf/Grabalja vas, Mökriach/Mokrije und St. Primus/Št. Primož. Zur Pfarrkirche Stein im Jauntal/Kamen v Podjuni gehört noch die Friedhofskirche[12]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Sankt Kanzian am Klopeiner See

Burg- und Pfarrkirche Heiliger Laurentius in Stein im Jauntal
Markus Pernhart, Stein im Jauntal, Öl auf Leinwand
„Großer Hildegardsstock“ in Stein im Jauntal
Sankt Primus im Jauntal

Kulturwanderweg Gracarca[Bearbeiten]

Die Gracarca (slowenisch gradec ‚Burg, befestigter Ort‘) ist zusammen mit dem Dreiseenblick im Westen und dem Georgiberg im Osten ein heute dicht bewaldeter Mittelgebirgsstock am südöstlichen Ufer des Klopeiner Sees. Seine Längsausdehnung beläuft sich auf fast 2 km. Wie beim Kitzelsberg oder beim Steiner Berg handelt es sich um sogenannte Sattnitz-Konglomerat, eine relativ weiche Ablagerung aus dem Tertiär.

Die archäologisch-historische Erforschung im Bereich der Gracarca setzte mit Oswald Menghin (1927) und Herbert Pohl (1931/34) ein, deren Vorbild bald Schulkinder und Urlaubsgäste folgten. Erste großangelegte Ausgrabungen unternahm zwischen 1952 und 1966 Franz Xaver Kohla, der verdiente Erforscher der Kärntner Burgen und ehrenamtliche Kustos für Ur- und Frühgeschichte am Landesmuseum Kärnten. Diese Abteilung setzt seit 1992 in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Verein 5000 Jahre Gračarca gegründet 1989 und der Gemeinde Sankt Kanzian am Klopeiner See die Untersuchungen fort.

Museen[Bearbeiten]

  • Keltenmuseum auf der Gracarca[13]

Sternwarte[Bearbeiten]

Die Helmrich-Lambrecht-Sternwarte wurde Ende der 1950er Jahre von Ing. Helmrich Lambrecht als seine Privatsternwarte errichtet. In der Kuppel, welche nahe dem Zentrum von St. Kanzian, vis-á-vis der Volksschule, gelegen ist, befinden sich drei Teleskope. Die zwei Spiegelteleskope stammen aus der Hand von Ing. Lambrecht und die Linsen des Linsenteleskop wurden von der Firma Zeiss gefertigt. Zu Lebzeiten Lambrechts fanden auch regelmäßig Führungen für interessierte Touristen und Einwohner der Region statt. Nach dem Tod Helrich Lambrechts ging die Sternwarte in den Besitz seines Enkels Eugen Freund über.

Im Jahr 2009 wurde die Sternwarte von der IAAZ wiederbelebt. Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten konnte der Führungsbetrieb in der Sommersaison 2009 wiederaufgenommen werden.[14]

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Die Pfarrkirche Hl. Kanzian in St. Klopein war eine Urpfarre des Patriarchats Aquileia. Sie wurde 1106 erstmals urkundlich erwähnt und ist eine ursprünglich romanische Chorturmkirche mit spätgotischem Polygonalchor (1518) und Wehrobergeschoss. Das frühhistoristische Langhaus stammt aus den Jahren 1849-1860
  • Die Pfarrkirche Hl. Laurentius in Stein, urkundlich erstmals 1238 erwähnt, war Teil einer mittelalterlichen Burganlage aus dem 12. Jahrhundert, die 1458 zerstört wurde und von der nur noch Reste ehemaliger Wehrbauten zu sehen sind.
  • Filial- und ehemalige Friedhofskirche Hl. Margareta in Stein, unterhalb der Pfarrkirche am Talboden
  • Der „Große Hildegardsstock“ ist ein Bildstock am Fuß des Kirchhügels von Stein. Er wurde zu Ehren der Gräfin Hildegard von Stein, Gattin des Edlen Albuin aus dem Geschlecht der Aribonen und Mutter des Bischofs Albuin von Brixen (975-1006) errichtet, die im Jauntal als Volksheilige verehrt wird. In der flachbogigen Nische befindet sich auf der Altarmensa eine Figur der heiligen Karmelitin Theresia von Avila. Darüber sind drei weitere Nischen angebracht, in der mittleren ist Hildegard, seitlich zwei Jesuitenheilige abgebildet. Die Malereien sind mit der Jahreszahl 1717 bezeichnet.
  • Das Wunschglöcklein auf dem Georgibergl. In dem quadratischen Turm an der Südseite der kleinen Kirche befindet sich das sogenannte Wunschglöcklein. Der Sage nach pilgerten früher Jungfrauen, die sich einen Mann wünschten, zur Sankt Georgs-Kirche. Dort läuteten sie das Glöcklein und beteten dabei um die Erfüllung ihres Wunsches. Der heilige Georg soll ihnen dann bald zu einem Ehemann verholfen haben.
  • Magdalenkirche in Wasserhofen

Slowenisches Vereins- und Genossenschaftswesen[Bearbeiten]

Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts blühte das organisierte Vereinsleben der Slowenen in der Gegend auf - nicht zuletzt als Reaktion auf die aufkommende nationale Frage - und bereits 1888 wurde in St. Kanzian ein Zweigverein des slowenischen Kyrill und Method-Schulverein (Družba sv. Cirila in Metoda, CMD) gegründet (1890 etwa für Pribelsdorf und Umgebung). 1906 wurde der Slowenische christlich-soziale Leseverein St. Kanzian (Slovenska krščanska-socialna čitalnica Škocjan) zur Hebung der Lese- und vor allem Sprachkultur gegründet und folgte zahlreichen ähnlichen Vereinsgründungen im Land.

Von besonderer Bedeutung für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Region, der Menschen und der Sprache kommt der 1890 in Kühnsdorf gegründeten Hranilnica in posojilnica (Spar- und Darlehenskasse)[15] zu, die insbesondere auch die Kulturarbeit förderte.[16][17]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erhielt das slowenische Chorwesen einen bedeutenden Aufschwung und insbesondere die Kirchenchöre wurden wichtige Träger der slowenischen Sprachkultur. Einen weiteren Höhepunkt des kollektiven slowenischen Kultuschaffens in der Gemeinde stellte deshalb die Gründung von zwei slowenischen Chören durch Andrej Mičej im Jahr 1912 dar.

Slowenischer Kulturverein „Danica“[Bearbeiten]

Mičej wurde Organist in der Pfarrkirche in St. Veit und gründete einen Männerchor und einen gemischten Chor, weshalb 1912 auch als Gründungsjahr des Chores Danica (später: Slowenischer Kulturverein „Danica“, Slovensko prosvetno društvo „Danica“) gilt, formell wurde der Verein im März 1914 gegründet. Wesentliche Tätgkeisbereiche waren das Laienschauspiel, Fortbildungsveranstaltungen für Erwachsene Frauen und Männer, besondere Hauswirtschaftskurse für Frauen, der Chorgesang und die im Pfarrhof in St. Veit im Jauntal neu eingerichtete Vereinsbibliothek, die regen Zuspruch fand. Auch über die Gemeinde Sankt Kanzian fiel die Tragödie des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges einher und jegliche slowenische kulturelle Äußerung wurde unter Strafe verboten, alle slowenischen Vereine aufgelöst. Erstes Opfer des Nazis am Tag des Einmarsches war der hochangesehene Landtagsabgeordnete und örtliche Pfarrer Vinko Poljanec, der kurz nach seiner Enthaftung an der Folgen der Haft verstarb. Zahlreiche slowenische Familien wurden Opfer des Nazi-Regimes. Bereits unmittelbar nach dem Krieg sammelte Hanzej Kežar junge Sänger um sich und belebte das slowenische Kulturleben aufs Neue. Aus dem entwickelte sich der gemischte Chor, der seit 1958 bis heute am kulturellen Schaffen der Gemeinde Teil hat. Ab den 1960er Jahren wurden insbesondere Touristen in das Wirken einbezogen, was zur Attraktivität des Gebietes beitrug. Berühmt ist der Verein auch für seine publikumswirksamen slowenischen Theateraufführungen im Freien, die in einer natürlichen Arena in Unternarrach/Spodnje Vinare stattfanden: Samorastniki (Die Wildwüchslinge, 1978), Manevri (Manöver, 1980), Velika puntarija (Der große Bauernaufstand, 1986), Požganica (Die Brandalm, 1990). Seit 1971 veranstaltet der Verein seinen alljährlichen Ball Ples Danice.[18]

Slowenischer Kulturverein Vinko Poljanec[Bearbeiten]

zweisprachiger Kindergarten/Vrtec Pika - Šentprimož

1906 wurde in St. Kanzian der slowenische christlich-soziale Leseverein (Slovensko krščansko-socialno bralno društvo) gegründet. In ihm wirkte von 1908 bis zu seinem gewaltsamen Tod 1938 Vinko Poljanec, nach dem nun der Verein benannt ist. Auch dieser Verein pflegte die slowenische Sprachkultur und Identität. Wichtigste Vereinsaktivitäten waren der Chorgesang, das Laientheater, die Tamburizzamusik sowie die Führung einer Bibliothek. Daneben wurden Bildungsvorträge und Kochkurse abgehalten. Zu den verdienstvollen Gründungsmitgliedern zählte Michael Kačnik. In der Zwischenkriegszeit war die treibende Kraft Vinko Poljanec. Doch kulminierte die menschenverachtende Verfolgung alles Slowenischen im Land und in der Gemeinde durch das Nazi-Regime in der von langer Hand geplanten Deportation von Slowenen in die Zwangsarbeit.[19][20] Ihr Eigentum wurde geraubt, die Vereinsbibliothek verbrannt.[21] Der darauf folgende Widerstand, der zur Befreiung Europas von der Gewaltherrschaft beitragen sollte, hatte insbesondere wesentlichen Anteil an der Wiedererrichtung Österreichs in den Grenzen von 1938.[22] Die politische und gesellschaftliche Situation nach dem Krieg war für die Slowenen trotz ihrer Verdienste und Opfer nicht günstig, und so konnte der Verein erst im Jahre 1959 mit Valentin Hartmann seine Gesangstätigkeit wieder aufnehmen. Große Verdienste hatte auch Johann Kežar und Simon Wrulich. 1983 wurde der bis heute tätige Männerchor von Franz Starz erfolgreich geleitet. Miha Kap, ein begnadeter Laienschauspieler, war langjähriger Obmann des Vereines. Der Slowenische Kulturverein St. Kanzian wurde wiedergegründet, um im Geiste und der Tradition der slowenischen Volkskultur hohe kulturelle Werte und Ansprüche zu vermitteln. Zu den bekannten Gesangsgruppen in der Gemeinde zählt Nomos, die im Rahmen des Vereins tätig ist.[23]

Der zweisprachige Kindergarten Pika in Sankt Primus[Bearbeiten]

Sankt Primus/Šentprimož verfügt seit 1979 über einen zweisprachigen Kindergarten Pika, der sich modernster pädagogischer Ansätze bedient, um den Kindern der Gemeinde wesentliche Grundlagen für die persönliche Entwicklung und die Erhöhung ihrer Zukunftschancen in einem gemeinsamen Europa zu bieten.[24]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat hat 23 Mitglieder und setzt sich seit der letzten Gemeinderatswahl 2009 wie folgt zusammen:[27]

Direkt gewählter Bürgermeister ist Thomas Krainz (SPÖ).[28]

Ortstafelstreit[Bearbeiten]

Die fehlende zweisprachige Ortstafel von St. Kanzian war 2001 Auslöser des Urteils des Verfassungsgerichtshofs, in dem die 25 %-Regelung des Volksgruppengesetzes als verfassungswidrig aufgehoben wurde (siehe auch Ortstafelstreit).

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen von Sankt Kanzian hat folgende Blasonierung: „Im Wellenschnitt geteilter Schild. Oben in Grün drei einmal eingeschnittene Semmeln (Hildegardislaibeln) in natürlicher Farbe, 1:2 geteilt; unten fünfmal von Silber im Wellenschnitt geteilt.“[29] Die fünffache Wellenteilung in der unteren Schildhälfte symbolisiert den Klopeiner See. Die drei Laibeln sind der Darstellung im „Großen Hildegardsstock“ nachempfunden und erinnern an Hildegard von Stein und das Brauchtum des Striezelwerfens.

Wappen und Fahne wurden der Gemeinde am 29. Mai 1970 verliehen. Die Fahne ist Grün-Weiß mit eingearbeitetem Wappen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • P. Bohinjec: Zgodbe fare Škocijan pri Dobrovah. Geschichte der Pfarre St. Cancian, St. Kanzian 1911.
  • M. Jurič: Kulturarbeit im ländlichen Raum am Beispiel der zweisprachigen Gemeinde St. Kanzian in Kärnten, Klagenfurt 1985.
  • I. Kavčič (Red.), A. Malle: Auf dem Weg durch die Zeit. Streifzug durch 90 Jahre Kultur in St. Kanzian, Klagenfurt 1996.
  • F. Isop: Kirche und Geschichte. Festschrift 1106-2006, St. Kanzian 2006.
  • A. Polluk: Die Bewältigungs- und Abwehrmechanismen bei der Erinnerung bezüglich des Holocaust und Nationalsozialismus in St. Veit im Jauntal / Št. Vid v Podjuni. Klagenfurt 2006.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sankt Kanzian am Klopeiner See – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. A. F. Reiterer: Lebenswelt Muttersprache, Das Slowenische und seine heutige Wahrnehmung – ein Bericht. In: K. Anderwald, P. Karpf, H. Valentin (Hg.): Kärntner Jahrbuch für Politik 2000. Klagenfurt 2000, 340-362.
  2. A. F. Reiterer: Minderheiten Wegzählen? Methodische und inhaltliche Probleme amtlicher Sprachenzählungen. In: M. Pandel [e.a.] (Hg.): Ortstafelkonflikt in Kärnten – Krise oder Chance? Wien 2004, 25-38.
  3. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  4. St. Eichert: Grabelsdorf - villa Gabrielis. Betrachtungen zur Entwicklung einer Siedlung vom 7. bis ins 11. Jahrhundert. In: Carinthia I 200 (2010) 105-132.
  5. A. F. Reiterer: Lebenswelt Muttersprache, Das Slowenische und seine heutige Wahrnehmung – ein Bericht. In: K. Anderwald, P. Karpf, H. Valentin (Hg.): Kärntner Jahrbuch für Politik 2000. Klagenfurt 2000, 340-362.
  6. A. F. Reiterer: Minderheiten Wegzählen? Methodische und inhaltliche Probleme amtlicher Sprachenzählungen. In: M. Pandel [e.a.] (Hg.): Ortstafelkonflikt in Kärnten – Krise oder Chance? Wien 2004, 25-38.
  7. Slovensko prosvetno društvo Danica / Slowenischer Kulturverein Danica, Sankt Primus/Šentprimož: http://www.danica.at/
  8. Vgl.: Liste der Pfarren im Dekanat Eberndorf/Dobrla vas, http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Pfarren_im_Dekanat_Eberndorf/Dobrla_vas
  9. Smole, Vera. 1998. "Slovenska narečja." Enciklopedija Slovenije vol. 12, pp. 1–5. Ljubljana: Mladinska knjiga, p. 2.
  10. Toporišič, Jože. 1992. Enciklopedija slovenskega jezika. Ljubljana: Cankarjeva založba, p. 183.
  11. Vgl.: Liste der Pfarren im Dekanat Eberndorf/Dobrla vas, http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Pfarren_im_Dekanat_Eberndorf/Dobrla_vas
  12. Štefan Singer: Kultur- und Kirchengeschichte des Jauntales: Dekanat Eberndorf, Klagenfurt/Celovec 1979
  13. Vhttp://www.keltenmuseum.klopein.at/
  14. Sternwarte St. Kanzian (iaaz.at) Stand: 23. Juni 2011 23:00 Uhr
  15. Posojilnica Bank Podjuna: http://www.pbpodjuna.at/index.php/sl/footer/o-nas.html
  16. Ursula K. Sienčnik: Izobraževalno delo slovenskih kulturnih društev na Koroškem s posebnim poudarkom na SPD "Srce" v Dobrli vasi, (Dipl.-Arb.). Wien 2011, 26 f.
  17. Sie ist heute bekannt unter dem Namen Posojilnica Bank Podjuna und hat Zweigstellen in Eberndorf, Völkermarkt, Kühnsdorf sowie eine Selbstbedienungseinrichtung in St. Primus. Vgl. http://www.pbpodjuna.at/index.php/de/footer/ueber-uns.html
  18. S. Wakounig: Zgodovina Slovenskega prosvetnega društva "Danica"/Die Geschichte des Slowenischen Kulturvereines "Danica". In: Slovensko prosvetno društvo Danica v Šentprimožu: Na poti skozi čas/Auf dem Weg durch die Zeit. Klagenfurt/Celovec 2000, 19-28; www.danica.at.
  19. B. Entner, A. Malle (Hg.): Pregon koroških Slovencev 1942, Die Vertreibung der Kärntner Slowenen. Klagenfurt/Celovec 2012
  20. J. W. Schaschl (Hg.): Als Kärnten seine eigenen Kinder deportierte, Die Vertreibung der Kärntner Slowenen 1942-1945, Historischer Überblick - Zeitzeugenerzählungen - Briefe und Dokumente. Klagenfurt/Celovec 2012.
  21. B. Entner, H. Wilscher: „Sämtlich Slovenen!“ Kärntner SlowenInnen zwischen Entrechtung und Diskriminierung. In: Pawlowsky, Verena/Wendelin, Harald [Hg.]: Ausgeschlossen und entrechtet. Raub und Rückgabe. Österreich von 1938 bis heute. Wien 2006, 54–76.
  22. V. Sima: Gewalt und Widerstand 1941–1945. In: A. Moritsch (Hg.): Die Kärntner Slovenen 1900 – 2000. Bilanz des 20. Jahrhunderts. Klagenfurt/Celovec [e.a.] 2000, 263–280.
  23. Siehe: http://www.vipo.at/vipo.at/deutsch/geschichte/geschichte.html
  24. http://www.mladinskidom.at/slo/vrtec-slo.htm
  25. Striezelwerfen (brauchtumsseiten.de); siehe auch Kurt Grafschafter: So ist´s Brauch in Kärnten. Heyn Verlag, Klagenfurt 1999, ISBN 3-85366-899-2, S. 24-28; Bojan-Ilija Schnabl: Sveta Liharda Kamenska, « Usmiljena mati Slovencev » in njeni podjunski štučeji. In: Nedelja (27. Jänner 2013) S. 4–5.
  26. www.danica.at
  27. Amt der Kärntner Landesregierung, abgerufen 18. März 2009.
  28. Amt der Kärntner Landesregierung, abgerufen 18. März 2009.
  29. zitiert nach Wilhelm Deuer: Die Kärntner Gemeindewappen. Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2006, ISBN 3-900531-64-1, S. 248