Sankt Marien (Neuruppin)

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Kirche St. Marien in Neuruppin

Die Kirche Sankt Marien ist eine entwidmete Kirche in Neuruppin, Landkreis Ostprignitz-Ruppin, Bundesland Brandenburg.

Frühere Kirche[Bearbeiten]

Neuruppin mit alter Pfarrkirche vor dem Stadtbrand

Der Vorgängerbau der jetzigen Kirche Sankt Marien brannte bei dem großen Feuer am 26. August 1787 zusammen mit rund zwei Dritteln der Gebäude der Stadt ab. Sein Bau war Mitte des 13. Jahrhunderts begonnen worden, und in den folgenden Jahrhunderten wurde sie oft umgebaut und erweitert. Zu sehen sind Abbildungen dieser Kirche auf dem Kupferstich von Caspar Merian von Neuruppin, sowie auf der nebenstehenden ältesten erhaltenen Stadtansicht von Neuruppin und Wuthenow.

An zwei Türme im Westen schloss sich die fünfschiffige Halle mit einem deutlich abgegrenzten Chor und einem Dachreiter an. Das Langhaus zeigte reiche Friese aus Maßwerk. Im Zuge der Zeit wurde die alte Kirche so baufällig, dass man sich 1754 entschloss, einen neuen barocken Turm zu bauen, der die beiden mittelalterlichen ersetzen sollte. Er trug neben anderen Glocken auch die Feuerglocke der Stadt Neuruppin, die bei Feuer und Gefahr geläutet wurde.

Das Schicksal der Kirche beschreibt ein Augenzeuge folgendermaßen:

„Hundert und mehrere Häuser waren in verschiedenen Straßen zugleich in Brand geraten, der große prächtige Kirchturm mit der schönen Kirche, die nach 600 Jahren noch ein bewundernswürdiges Denkmal der kühnen gotischen Bauart blieb, dampfte einem Berge gleich, der Feuer speien will, und in einigen Minuten stand sie da, wie ein schreckliches Feuergebirge. Die kleine Kuppel gab ein vielfarbiges Feuer, bis in ein paar Stunden das ganze Gebäude mit einem grausenvollen Getöse einstürzte.“

Prediger Johann Christoph Samuel Seger (Bechlin): Brief an Oberkonsistorialrat Friedrich Gedike, 10. September 1787[1]

Wiederaufbau[Bearbeiten]

Nach dem Brand setzte Preußen eine „Retablissements Commission“ ein, die den Wiederaufbau von Neuruppin planen und durchführen sollte. Die neue Pfarrkirche selbst entstand an alter Stelle zwischen 1801 und 1806. Die Architekten François Philipp Berson (für die Außengestaltung) und Carl Ludwig Engel (für die Innengestaltung) planten einen gestreckten Quersaal mit Emporen, wobei der Kanzelaltar dem Haupteingang gegenüber stünde und von zwei ionischen Säulen flankiert wäre. Mit den großzügig geschwungenen Emporen über den Eingangstüren ist so ein repräsentativer Innenraum entstanden, der auch bequem durch breite Treppen in allen vier Ecken erreichbar ist. Über den langen Raum wölbt sich ein mit Putz versehenes Tonnengewölbe.

In der Außenarchitektur fällt ein zentraler Mittelbau auf, der zur Straße hin als Kuppel sichtbar wird und über dem ebenfalls von zwei ionischen Pilastern flankierten Eingangsportal sitzt. Auf der Kuppel befindet sich ein laternenförmiges Element, das eine kleine Plattform und das Zifferblatt der Kirchturmuhr trägt. Ein kleiner Helm betont die Spitze. Heute ist die Laterne leicht zur Kirche hin geneigt, was auf konstruktive Mängel hinweist.

Über den Eingängen befinden sich Reliefs: Über dem Hauptportal Mose mit den Gesetzestafeln, über dem südlichen Giebeleingang Johannes der Täufer, über dem nördlichen Giebeleingang Jesus und seine Jünger beim Abendmahl.[2]

Die heutige Orgel stammt aus dem Jahr 1938 und weist 72 Register auf. Sie ist nicht vollständig und daher unbespielbar.

Geschichte[Bearbeiten]

Neuruppiner Notgeld mit Abbildung der Pfarrkirche (1921)

In der Pfarrkirche St. Marien predigten während der Zeit des Nationalsozialismus der Pfarrer der Deutschen Christen, Falkenberg, sowie Vertreter der Bekennenden Kirche, Pfarrer Bittkau und Superintendent Schlaeger. Bischof Otto Dibelius wurde am 19. November 1934 an einem Vortrag zum Kirchenkampf gehindert, nachdem die Polizei den Saal wegen Störversuchen seiner Gegner geräumt hatte.

Am 1. Mai 1945 signalisierten weiße Fahnen an der Turmbrüstung (wie auch an der Klosterkirche Sankt Trinitatis) die Übergabe der Stadt an die vorrückende sowjetische Armee, die Neuruppin vorher zur Kapitulation aufgefordert hatte.[2]

Die Pfarrkirche diente zuletzt der Evangelischen Kirchengemeinde Neuruppin als Gottesdienstraum und steht in deren Eigentum bzw. deren Rechtsnachfolgerin, der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Ruppin. 1970 wurde sie wegen Einsturzgefahr geschlossen. Die Kirchengemeinde entschloss sich, statt ihrer die Klosterkirche als Gottesdienstraum zu nutzen. 1991 wurde die Kirche gesichert und bis 2002 als kultureller Veranstaltungsort ausgebaut in gemeinsamer Trägerschaft der Kirchengemeinde und der Kommune.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Rudolf Bellin: Der „Große Ruppiner Brand“ vor 150 Jahren am 26. August 1787 – Eine Schilderung nach zeitgenössischen Quellen. In: Märkische Zeitung. Jahrgang 110, Nr. 194, 21. August 1937.
  •  Jörg Ulrich Kunzendorf: Die Stadtkirche St. Marien zu Neuruppin. In: Jahrbuch für Berlin-Brandenburgische Kirchengeschichte. 55, 1985, S. 157–179.
  •  Katja Feurich-Seidel, Sigrid Brandt: St. Marien in Neuruppin. Werner, Worms 2006, ISBN 3-88462-228-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Mario Alexander Zadow: Karl Friedrich Schinkel – Ein Sohn der Spätaufklärung. Edition Axel Menges, Stuttgart/London 2001, ISBN 3932565231.
  2. a b  Gemeindekirchenrat Neuruppin (Hrsg.): Die Pfarrkirche St. Marien zu Neuruppin - Ihre Zerstörung vor 200 Jahren und ihr Neubau. Neuruppin 15. Dezember 1986.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kulturkirche St. Marien (Neuruppin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


52.92616666666712.808166666667Koordinaten: 52° 55′ 34,2″ N, 12° 48′ 29,4″ O