Sankt Martin im Sulmtal

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Sankt Martin im Sulmtal
Wappen von Sankt Martin im Sulmtal
Sankt Martin im Sulmtal (Österreich)
Sankt Martin im Sulmtal
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Steiermark
Politischer Bezirk: Deutschlandsberg
Kfz-Kennzeichen: DL
Hauptort: Sulb
Fläche: 20,53 km²
Koordinaten: 46° 45′ N, 15° 18′ O46.7515.3333Koordinaten: 46° 45′ 0″ N, 15° 18′ 0″ O
Höhe: 333 m ü. A.
Einwohner: 1.794 (1. Jän. 2013)
Postleitzahl: 8543
Vorwahl: 03465
Gemeindekennziffer: 6 03 27
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Sulb 72
8543 Sankt Martin im Sulmtal
Website: www.st-martin-sulmtal.gv.at
Politik
Bürgermeister: Franz Silly (ÖVP)
Gemeinderat: (2010)
(15 Mitglieder)
9
4
2
Von 15 Sitzen entfallen auf:
Lage der Gemeinde Sankt Martin im Sulmtal im Bezirk Deutschlandsberg
Aibl Deutschlandsberg Eibiswald Frauental an der Laßnitz Freiland bei Deutschlandsberg Bad Gams Garanas Georgsberg Greisdorf Gressenberg Groß Sankt Florian Großradl Gundersdorf Kloster Hollenegg Lannach Limberg bei Wies Marhof Osterwitz Pitschgau Pölfing-Brunn Preding Rassach Sankt Josef Sankt Martin im Sulmtal Sankt Oswald ob Eibiswald Sankt Peter im Sulmtal Sankt Stefan ob Stainz Schwanberg Soboth Stainz Stainztal Stallhof Sulmeck-Greith Trahütten Unterbergla Wernersdorf Wettmannstätten Wielfresen Wies SteiermarkLage der Gemeinde Sankt Martin im Sulmtal im Bezirk Deutschlandsberg (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)
GKB-Haltestelle St. Martin i.S. - Bergla (2006)

Sankt Martin im Sulmtal ist bis Ende 2014 eine Gemeinde mit 1794 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2013) im Bezirk Deutschlandsberg in der Steiermark, Österreich. Im Rahmen der steiermärkischen Gemeindestrukturreform ist sie ab 2015 mit der Gemeinde Sulmeck-Greith zusammengeschlossen, die neue Gemeinde wird den Namen Sankt Martin im Sulmtal weiterführen.[1] Grundlage dafür ist das Steiermärkische Gemeindestrukturreformgesetz - StGsrG.[2]

Geografie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde St. Martin im Sulmtal liegt in der südlichen Weststeiermark. Sie wird von der Sulm durchflossen und liegt auf einer Seehöhe von 333 m.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die neun Katastralgemeinden und namensgleichen Ortschaften von St. Martin im Sulmtal sind (Fläche und Einwohner 2011):
Aigen (141,29 ha, 138), Bergla (264,74 ha, 258), Dörfla (115,23 ha, 346), Greith (289,36 ha, 116), Gutenacker (95,19 ha, 71), Oberhart (333,93 ha, 287), Otternitz (364,25 ha, 195), Reitererberg (145,41 ha, 72) und Sulb (304,83 ha, 498).

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Die Gemeinde Greith wurde mit St. Martin im Sulmtal ab 1. Jänner 1948 zwangsweise vereinigt,[3] ebenso zwangsweise die Gemeinde Aigen zum selben Datum.[4]

Mit 1. Jänner 1968 ist die Gemeinde Otternitz mit St. Martin zusammengelegt worden.[5]

Ein Jahr später, am 1. Jänner 1969 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Oberhart mit der Gemeinde Sankt Martin zusammengeschlossen.[6]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Nachbargemeinden von St. Martin im Sulmtal sind Gleinstätten, Unterbergla, Sulmeck-Greith, Pölfing-Brunn, Wies und St. Peter im Sulmtal.

Geschichte[Bearbeiten]

Streufunde zeugen von einer Besiedelung des Gebietes schon in der Jungsteinzeit (3000 v. Chr.). In Greith wurde ein Lochbeil und in Sulb ein Flachbeil, welches seiner Art nach in der Übergangszeit von Jungsteinzeit zur Kupferzeit gehört, gefunden.

Vorrömische Zeit (750 bis 15 v. Chr.)[Bearbeiten]

In Oberhart befindet sich eines der wenigen Gräberfelder der Steiermark vom Übergang der Hallstatt- zur La-Tène-Zeit (500 v. Chr.), wie die Grabfunde belegen. Auch lassen Keramikfunde an mehreren Stellen des Gemeindegebietes eine Besiedelung in dieser Zeit erahnen.

Römische Provinzialzeit[Bearbeiten]

Zahlreiche Grabhügel (Tumuli) beweisen eine schon damals hohe Bevölkerungsdichte. Grabbeigaben wie Dreifußschalen, Gefäße aus Ton und Glas, Münzen und Schmuck wurden geborgen. In Bergla wurde ein römischer Gutshof mit den dazugehörigen Grabstätten nachgewiesen.

Bemerkenswert ist auch, dass nach Karl Braher eine Römerstraße durch das Gemeindegebiet führte und noch heute Salzstraße genannt wird. Dieser Straßenzug führte vom Radlpass über St. Martin – Taborkogel – Fröhlichberg – Riemerberg zur Ulrichskirche bei Deutschlandsberg.

Besiedelung nach Ende der Völkerwanderung[Bearbeiten]

Am Ende der Völkerwanderung ließen sich seit 568 Slawen nieder. Slawische Namen wie Sulpa (= Sulm) haben sich bis heute erhalten.

In der Katastralgemeinde Sulb lag einst der Edelhof Sulm oder Sulb. Im Jahre 1050 erhielt das Erzbistum Salzburg einen Aribonenbesitz vom Vollfreien Waltfried. Dieser Besitz befand sich laut Urkunde „iuxta Sulpam in loco chapella“ (Güter bei Sulb mit Kapelle). Der in Ungnade gefallene Bruder Waltfrieds, der Volksfreie Eppo verlor Güter „ad chappelum pro Sulpam“. Laut Baravelle kann sich dieser Sulpam nur auf St. Martin i.S. beziehen, also hat sich schon um 1050 eine Kapelle in St. Martin befunden.

Im Jahre 1144 erscheint ein „Otto de Sulbe“ als Ministrale des Erzbistums von Salzburg. Dieser Verwalter muss in Sulb einen wehrfähigen Hof besessen haben. Dieser Edelhof hat in die Reihe jener Wehrbauten gehört, die in den neu gegründeten Orten errichtet worden waren.

Im Jahre 1244 wird das Bistum Lavant mit seinen Grenzen in der Weststeiermark genau bestimmt. In dieser Urkunde wird „St. Martin bei Sulb“ als Filialkirche von Groß St. Florian genannt. Dieses Jahr nimmt die Gemeinde St. Martin als Gedenkjahr seiner ersten Nennung zum Anlass. Vermutlich im Jahr 1225 (Mongoleneinfall) wurde in Dietmannsdorf ein Gefäß mit über 1000 Münzen (Friesacher Pfennige mit Prägejahr 1222) vergraben. Dieser Schatzfund wurde im Jahr 1922 bei Grabarbeiten in einem Hausflur gemacht.

Gemeindekundmachung 1850: St. Martin entstand aus mehreren Katastralgemeinden und gehörte anfangs zur Bezirkshauptmannschaft Stainz

Turm zu Aigen[Bearbeiten]

1441 wird ein „Thurm zu labach“ in einer Teilungsurkunde der ausgestorbenen Pettauer genannt. Hier handelt es sich um einen Wehrbau der als „Taborschloss“ auf dem Taborkogel auch in der Volksüberlieferung Eingang fand. Beim Neubau der Pfarrkirche St. Martin sollen Steine dieses Turmes verwendet worden sein. Zahlreiche Einzelheiten über den Taborkogel wurden bei im Festjahr 1994 durchgeführten archäologischen Grabungen zum Vorschein gebracht.

Kriegswirren der Neuzeit[Bearbeiten]

Die Franzosen besetzten um 1805 auch St. Martin. Der Dorfrichter namens Marx wurde von den französischen Soldaten verhaftet und nach Marburg gebracht, da er über die „Obrigkeit“ schimpfte. Der Erste Weltkrieg war auch für St. Martin eine Zeit großer Entbehrungen. Das 1921 geschaffene Kriegerdenkmahl zählt die Gefallenen aus der Pfarre.

Während des nationalsozialistischen Juliputsches im Jahr 1934 wurde das Postamt des Ortes von NS-Aufrührern besetzt, der Gendarmerieposten umstellt und seine Telefonleitung gekappt. Da die Aufständischen anfangs für einen Sturm auf den Posten zu schwach waren, erhielten sie weitere Verstärkung, wodurch es ihnen schließlich gelang, die nur dreiköpfige Postenbesatzung zur Aufgabe zu zwingen. Nachdem sie alle am Gendarmerieposten verwahrten Waffen entwendet hatten, verließen die meisten Nationalsozialisten den Ort wieder. Zurück blieb nur eine kleine Truppe zur Bewachung des Postens, welche sich am Morgen des 26. Juli 1934 aus dem Staub machte, nachdem bekannt geworden war, dass eine Einheit der loyal zur Regierung stehenden Heimwehr im Anmarsch sei. Wegen Beteiligung am Juliputsch wurden im Gebiet des Gendarmeriepostenrayons St. Martin 33 Personen verhaftet, eine unbekannte Anzahl weiterer flüchtete über Jugoslawien ins Deutsche Reich.[7]

Im Zweiten Weltkrieg kehrten nicht wenige Pfarrbewohner von ihrem Kriegseinsatz an der Westfront, an der Eismeerfront oder in Russland nicht mehr zurück. Nach der Kapitulation war St. Martin zunächst von Bulgaren aus der Roten Armee und den sogenannten „Titotruppen“ besetzt. Die Bevölkerung machte mit diesen Besatzungstruppen viele leidvolle Erfahrungen. Die Besetzung durch die später nachfolgenden britischen Truppen hatte nur mehr symbolischen Charakter.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Sankt Martin im Sulmtal

Eine Pfarrkirche wurde 1244 erwähnt, eine Glocke stammt aus dem 14. Jahrhundert. Vom 16. Jahrhundert bis 1788 war sie Filialkirche von Gleinstätten, seither ist St. Martin wieder eigenständige Pfarre. Die Kirche wurde 1701–1714 im barocken Stil neu erbaut, der Turm der früheren Kirchenanlage, der erst 1664/65 erbaut worden war, blieb erhalten. An der Kirchenmauer sind römische Steine aus dem 2. nachchristlichen Jahrhundert eingemauert Sie bestehen aus einem Gesimsstück mit Pflanzenornamenten und einem Eckstein mit zwei Gestalten, welche Schreiber (librarii) darstellen. Die Reliefs entstammen einer römischen Grabkapelle.[8]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt direkt an der Sulmtal Straße B 74 und besitzt eine Bahnhaltestelle an der Eisenbahnstrecke Wies-Eibiswald - Graz (Wieserbahn) der Graz-Köflacher Eisenbahn (GKB), die seit Dezember 2007 Teil des steirischen Schnellbahnnetzes ist (Linie S 6/S 61).

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Es gibt in St. Martin im Sulmtal mehrere Gastronomiebetriebe, zwei Feuerwehren, eine Volksschule, einen Kindergarten und zahlreiche Gewerbebetriebe.

Die „Wolframhütte Bergla“ ist ein international tätiges Unternehmen mit Sitz in St. Martin im Sulmtal. Sie beschäftigt sich mit der Verarbeitung von Wolframerz (Scheelit), das in einem Bergbaubetrieb in Mittersill abgebaut wird. Dieser Betrieb gehört zum Unternehmen. Weiters werden wolframhaltige Recyclingstoffe verarbeitet. Wolfram ist ein sehr dichtes (schweres) Metall, das nicht leicht korrodiert und auch nur schwer bearbeitet werden kann (Schweißen nur mit Laser oder Elektronenstrahl). Das Erz wird zunächst zu einem Zwischenprodukt Ammonium-Parawolframat (APW) verarbeitet. Daraus werden Wolframoxid-, Wolframmetall- und Wolframcarbidpulver für die pulvermetallurgische Industrie hergestellt. Wolfram besitzt von allen reinen Metallen den höchsten Schmelzpunkt und den zweithöchsten Siedepunkt. Seine bekannteste Verwendung ist die als Glühfaden in Glühlampen. Das Werk steht auf dem Gelände des früheren Braunkohlenbergwerkes in Bergla, welches in den Jahren um 1975 geschlossen wurde.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus 15 Mitgliedern und setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2010 aus Mandaten der folgenden Parteien zusammen:

  • 9 ÖVP – stellt den Bürgermeister und Vizebürgermeister
  • 4 SPÖ – stellt den Kassier
  • 2 SMA - St. Martin Aktiv

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]


Partnergemeinden[Bearbeiten]

Mit der Stadt Krempe im Bundesland Schleswig-Holstein in Deutschland unterhält Sankt Martin im Sulmtal partnerschaftliche Verbindungen.

Historische Landkarten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sankt Martin im Sulmtal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Steiermärkische Gemeindestrukturreform.
  2. § 3 Abs. 2 Z 3 des Gesetzes vom 17. Dezember 2013 über die Neugliederung der Gemeinden des Landes Steiermark (Steiermärkisches Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG). Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 2. April 2014. Nr. 31, Jahrgang 2014. ZDB-ID 705127-x. S. 2.
  3. Verordnung vom 5. Februar 1948, Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 15. April 1948, 6. Stück, Nr. 21. S. 49.
  4. Verordnung vom 4. Dezember 1947, Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 24. Dezember 1947, 20. Stück, Nr. 40. S. 89.
  5. Gesetz vom 18. Dezember 1967 über Gebietsänderungen von Gemeinden, Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 29. Dezember 1967, 26. Stück, Nr. 138. S. 188.
  6. Gesetz vom 3. Dezember 1968 über Gebietsänderungen von Gemeinden, Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 27. Dezember 1968, 22. Stück, Nr. 164. S. 187.
  7. Gerald M. Wolf: „Jetzt sind wir die Herren …“ Die NSDAP im Bezirk Deutschlandsberg und der Juli-Putsch 1934 (= Grazer zeitgeschichtliche Studien, Band 3) StudienVerlag, Innsbruck-Wien-Bozen 2008, Seiten 167 f. und 186, ISBN 978-3-7065-4006-3.
  8. Kurt Woisetschläger, Peter Krenn: Dehio Handbuch - Die Kunstdenkmäler Österreichs: Steiermark (ohne Graz). Topographisches Denkmälerinventar, hg. vom Bundesdenkmalamt, Abteilung für Denkmalforschung. Verlag Anton Schroll. Wien 1982. ISBN 3-7031-0532-1. Seite 470.