Sankt Michael in Obersteiermark

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Sankt Michael in Obersteiermark
Wappen von Sankt Michael in Obersteiermark
Sankt Michael in Obersteiermark (Österreich)
Sankt Michael in Obersteiermark
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Steiermark
Politischer Bezirk: Leoben
Kfz-Kennzeichen: LN
Fläche: 56,02 km²
Koordinaten: 47° 20′ N, 15° 1′ O47.33861111111115.018333333333596Koordinaten: 47° 20′ 19″ N, 15° 1′ 6″ O
Höhe: 596 m ü. A.
Einwohner: 3.040 (1. Jän. 2014)
Postleitzahlen: 8713, 8770
Vorwahl: 03843
Gemeindekennziffer: 6 11 13
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 64
8779 Sankt Michael in Obersteiermark
Website: www.st-michael.steiermark.at
Politik
Bürgermeister: Kurt Gindl (SPÖ)
Gemeinderat: (2010)
(21 Mitglieder)
ÖVP 3, SPÖ 14, FPÖ 3, GRÜNE 1
Lage der Marktgemeinde Sankt Michael in Obersteiermark im Bezirk Leoben
Eisenerz Gai Hafning bei Trofaiach Hieflau Kalwang Kammern im Liesingtal Kraubath an der Mur Leoben Mautern in Steiermark Niklasdorf Proleb Radmer Sankt Michael in Obersteiermark Sankt Peter-Freienstein Sankt Stefan ob Leoben Traboch Trofaiach Vordernberg Wald am Schoberpaß SteiermarkLage der Gemeinde Sankt Michael in Obersteiermark im Bezirk Leoben (anklickbare Karte)
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Sankt Michael in Obersteiermark von Süden
Sankt Michael in Obersteiermark von Süden
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

St. Michael in Obersteiermark ist eine Marktgemeinde im Gerichtsbezirk bzw. Bezirk Leoben in der Obersteiermark in Österreich mit 3040 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014).

Geografie[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet hat eine Fläche von etwa 56 km² und liegt auf einer Höhe von 596 m.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende sieben Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[1]):

  • Brunn (32)
  • Greith (26)
  • Hinterlainsach (44)
  • Jassing (31)
  • Liesingtal (1865)
  • Sankt Michael in Obersteiermark (922)
  • Vorderlainsach (159)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Brunn, Hinterlainsach, Jassing, Liesingthal, St. Michael in Obersteiermark und Vorderlainsach.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Traboch
Nachbargemeinden
Sankt Stefan ob Leoben Übelbach (Bez. Graz-Umgebung)

Geschichte[Bearbeiten]

Frühzeit, Antike und Mittelalter[Bearbeiten]

Die ersten Bewohner von St. Michael waren höchstwahrscheinlich Kelten und Illyrer. Später besiedelten auch die Römer das Gebiet, was eine in der Vorderlainsach gefundene Fibel aus dem 2. oder 3. Jahrhundert beweist. Zur Zeit der Völkerwanderung zogen die Awaren durch den Ort, gefolgt von slawischen Stämmen (Kroaten und Slowenen), die die ersten Rodungen vornahmen. In der Mitte des 8. Jahrhunderts setzte die Christianisierung durch die Bayern ein, die besonders den Erzengel Michael verehrten. Es kann angenommen werden, dass sie der ersten Kirche und somit dem Ort den Namen gaben. Etwa 1170 wurde die Walpurgiskirche erbaut, die heute mit ihren bewundernswerten Glasfenstern zu den drei frühesten Werken der Gotik in der Steiermark zählt. 1187 kam die Pfarre mit ihren 17 Filialkirchen zum Stift Admont.

15. bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Riesige Heuschreckenschwärme vernichteten 1478 die gesamte Ernte und 1480 zogen die Türken brandschatzend durch das Dorf; 1532, als christliche Hilfstruppen aus Spanien und Italien von Wien her durchmarschierten, brannte der Ort wieder. Auch von der Pest wurde St. Michael immer wieder heimgesucht. Nach einer Überschwemmung im Jahr 1740, die 32 Todesopfer forderte, und nach einem schweren Erdbeben 1794 zogen die Franzosen viermal durch den Ort: 1797, 1801, 1805 und 1809. Am 25. Mai 1809 kam es zu einem Gefecht in der Nähe der Walpurgiskirche, wo heute noch ein Denkmal von dieser Schlacht zeugt, eine Niederlage der Österreicher, die den Franzosen den Weg zum Semmering freimachte (Gefecht von St. Michael).[2]

1850, als der Ort bereits 1700 Einwohner hatte, wurde St. Michael auch politische Gemeinde. 1861 bekam der Ort ein Postamt.

St. Michael ob Leoben 1883

1868 wurde der Bahnhof an der neu errichteten Rudolfsbahn errichtet und 1879 ein Gemeindeamt erbaut, wo auch ein Gendarmerieposten eingerichtet wurde. 1885 erfolgte die Eröffnung der neu errichteten Volksschule.

Ab 1874 wurde ein Eisenwerk betrieben, das bis zu 1000 Arbeiter beschäftigte. Dieser Betrieb wurde 1889 zu einem Emailwerk umfunktioniert und im Jahre 1902 aufgelassen.

20. Jahrhundert bis heute[Bearbeiten]

Im Dezember 1914 waren in den leerstehenden Hallen bis zu 2200 Flüchtlinge, meist Ruthenen aus Galizien, untergebracht, von denen viele einer Typhus-Epidemie zum Opfer fielen und auf dem nach ihnen benannten Friedhof begraben wurden. 1915 errichtete man das k. u. k. Reservespital, das die Volksschule und 24 Baracken umfasste. Im selben Jahr wurde auch der Heldenfriedhof eingeweiht.

1916 wurde auf dem Annaberg von genesenen Soldaten ein Kriegerdenkmal errichtet, das auch im Gemeindewappen in stilisierter Form dargestellt wird. Ende des Ersten Weltkrieges plünderten zurückkehrende Truppen den Ort. 1945 besetzte unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg die russische Rote Armee den Ort, wobei es auch hier zu zahlreichen Plünderungen kam.

1964 fand der erste Unterricht in der neu errichteten Hauptschule statt.

1978 konnte im Zuge des Ausbaues der Pyhrn Autobahn A 9 der Gleinalmtunnel für den Verkehr freigegeben werden. Die Kaserne St. Michael wurde 1980 ihrer Bestimmung übergeben.

Ein neues Zentrum des Gemeindelebens, das Volkshaus, konnte 1982 eröffnet werden. Nach mehr als 1000 Jahren mit dem Status eines Dorfes wurde St. Michael 1983 zum Markt erhoben. 1989 wurde die Kläranlage Unteres Liesingtal eröffnet.

1994 wurde das neue Ortsstellengebäude des Roten Kreuzes eröffnet. 1995 erfolgte die Eröffnung des neuen Altstoffsammelzentrums und die Übergabe eines Zubaus der Volksschule.

Im Oktober 2009 wurde ein neues Gemeindehaus eröffnet.

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

14
3
3
1
14 
Von 21 Sitzen entfallen auf:

Der Gemeinderat setzt sich aus insgesamt 21 Mitgliedern zusammen, wovon 4 Personen dem Gemeindevorstand angehören.

Von den Gemeinderäten gehören 2010 14 der SPÖ, 3 der ÖVP, 3 der FPÖ und 1 den Grünen an.

Gemeindevorstand:

  • Bürgermeister Kurt Gindl (SPÖ)
  • 1. Vizebürgermeister und Kulturreferent Wolfgang Schwinger (SPÖ)
  • 2. Vizebürgermeister Gerhard Jöchlinger (ÖVP)
  • Gemeindekassier Josef Schwarzenbacher (SPÖ)

Wappen[Bearbeiten]

Wappen von Sankt Michael

Die Gemeinde St. Michael führte bis in das erste Drittel des 20. Jahrhunderts kein Wappensiegel. Doch im Jahr 1935 kam im Gemeinderat unter Bürgermeister L. Schaffer der Wunsch zur Führung eines wappengeschmückten Gemeindesiegels auf. Angelehnt an die kirchliche St. Michael-Legende und dem Ortsnamen entsprechend, hatte man im Jahr 1915 an dem auf dem Annaberg geschaffenen Kriegerdenkmal eine mit einem Schwert bewaffnete Faust und eine mit einem Kreuzsymbol versehene Verzierung angebracht. Dieses Denkmal wurde zum Vorbild für das Gemeindesiegel.

Im Jahre 1954 veranlassten die Heraldiker in der Landesregierung eine Neugestaltung des alten Wappens. Mit Beschluss vom 28. Dezember 1955 wurde der Gemeinde Sankt Michael mit Wirkung vom 1. Februar 1956 das Recht zur Führung des Gemeindewappens verliehen. Die feierliche Verleihung dieses Rechtes und die Überreichung der Wappenurkunde erfolgte in einer Festsitzung am 27. September 1956 durch den Bezirkshauptmann Oberregierungsrat Dr. Pfaller.

Regionalpolitik[Bearbeiten]

Sankt Michael gehört zur LEADER-Region Steirische Eisenstraße und zu der 18. Nov. 2009 Regionext-Kleinregion Murtal (um Leoben), aber auch zum Tourismusverband HerzBergLand, dem sonst die Gemeinden der Kleinregion Reitingblick (Traboch, Sankt Peter-Freienstein, Trofaiach) angehören. Bei der Gemeindestrukturreform 2010–2015 bleibt die Gemeinde vermutlich eigenständig.[3]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

In der Katastralgemeinde Brunn befindet sich die Landwehrkaserne des österreichischen Bundesheeres, in der das Jägerbataillon 18 stationiert ist. Es ist der einzige Infanterieverband in der Obersteiermark und setzt sich aus dem Kommando, der Stabskompanie, sowie der 1., 2. und 3. Jägerkompanie zusammen. Im Murfeld befindet sich die Verbandskläranlage des Abwasserverbandes unteres Liesingtal, sowie das Forschungszentrum der Firma Komptech. Ebenfalls im Murfeld beheimatet ist das Zentrum für Ressourcenmanagement und Abfallaufbereitung der Anton Mayer Ges.m.b.H.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Sankt Michael in Obersteiermark

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • 1982 Hans Gross (1930–1992), Landeshauptmann-Stellvertreter

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

Mit St. Michael verbunden[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sankt Michael in Obersteiermark – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  2. A. H. Wagner: Das Gefecht bei St. Michael-Leoben am 25. Mai 1809. Band 51 von Militärhistorische Schriftenreihe. Bundesverlag, 1984 ISBN 978-3-215-05529-4 (321505529-5);Georg Wilhelm von Valentini: Versuch einer Geschichte des Feldzugs von 1809 an der Donau: Mit 3 Plänen. Verlag Nikolai, 1812, S. 99 ff (Google eBook, vollständige Ansicht).
    Ehemaliges Schlachtdiorama von 1809 im Leobner Museum – Unser Heer im Modell. Heeres-Sport-Verein St. Michael, hsvstm.at (mit Fotos und Originalquellen);→ Battle of Sankt Michael, engl. Wikipedia
  3. Die neue Gemeindestruktur der Steiermark. Liste Endversion A01, 2012 (pdf, gemeindestrukturreform.steiermark.at; 97 kB).