Sans Soleil – Unsichtbare Sonne

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Filmdaten
Deutscher Titel Sans Soleil – Unsichtbare Sonne
Originaltitel Sans soleil
Produktionsland Frankreich
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 1983
Länge 100 Minuten
Stab
Regie Chris Marker
Drehbuch Chris Marker
Musik Chris Marker
als Michel Krasna
Kamera Chris Marker
als Sandor Krasna
Besetzung

Sans Soleil – Unsichtbare Sonne (französisch für Ohne Sonne) ist ein französischer Essayfilm aus dem Jahr 1983 von Chris Marker. Der Titel bezieht sich auf den gleichnamigen Liederzyklus von Modest Mussorgski. Sans Soleil ist eine Meditation über die Natur menschlicher Erinnerung. 2003 wurde er von der Bundeszentrale für politische Bildung in den Filmkanon aufgenommen.[1]

Inhalt[Bearbeiten]

Bei dem Film handelt es sich um eine reiche Vermischung von Gedanken, Bildern und Szenen vor allem aus Japan und Guinea-Bissau. Andere Szenen wurden in Paris und San Francisco gedreht. Eine Erzählerin liest fiktive Briefe des erfundenen Kameramannes Sandor Krasna, der darin auch seine Erlebnisse auf Reisen beschreibt. Der Wechsel von Themen und Orten ist frei fließend. Im Film wird über die Schönheiten der Natur referiert und sie gezeigt, gleichzeitig auch ihre Bedrohung durch die Zivilisation beleuchtet.

Rezeption[Bearbeiten]

Jochen Brunow bezeichnete den Film im Metzler Filmlexikon als einen „Film von großer Dichte und Komplexität, kein(en) klassische(n) Essayfilm. […] Reisebeschreibungen, in Briefform geäußerte Gedanken, Gedichte, Anekdoten, thematische Reflexionen über Bilder und das Kino wechseln kunstvoll miteinander ab. Sans soleil setzt auf die analytische Kraft der Bilder, auf die Errettung der äußeren Wirklichkeit. Der Film schafft dies, indem er die große Bilderflut, die numerische Vervielfachung der existierenden Bilder und die Zersetzung ihrer Abbildfunktion durch die elektronische Bearbeitung im Computer, in den Körper des Films selbst hineinholt.“[2]

Das Lexikon des internationalen Films bewertet den Film als „Ein fesselndes intellektuelles Abenteuer des Sehens und des Hörens.“[3]

Hans-Christoph Blumenberg schreibt in Der Zeit „„Sans Soleil“ […] ist das intime Tagebuch eines Bildersammlers, eines Fetischisten, der von der „magischen Funktion des Auges“ spricht. Marker ist den Bildern verfallen, aber er traut ihnen nicht. Sie bleiben flüchtig, unbestimmt, manchmal auch schroff abweisend. Marker liebt die „Impermanenz der Dinge“. Er sagt: „Die Poesie entsteht aus der Unsicherheit“.“[4]

In der Süddeutschen Zeitung schreibt Fritz Göttler in einem Nachruf auf Chris Marker zu dem Film „Sans Sloei aus dem Jahr 1983 ist der Wendepunkt im Werk von Chris Marker, und ein Wendepunkt im modernen Kino. Eine Bewegung geht von dem Film aus, die in die Zukunft wie in die Vergangenheit weist. Man kann nicht mehr Filme machen wie man es bislang tat und man kann nicht mehr auf die Filme schauen in der vertrauten Manier. Es ist, als wäre man selbst in eine Spirale versetzt wie der zeitreisende Held in seinem Film "La jetée", aus dem Jahr 1963, in dem er nachwies, dass nicht der Fluss der Bilder im Kino zählt, sondern das was sie zum Stocken bringt. Die Kunst der Evasion in höchster Vollendung. Der Film besteht aus kristallisierten Einzelmomenten, in denen das Kino der Gegenwart zu entfliehen versucht, durch die gerade aber Realität ins Kino eindringt.[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Sans Soleil erhielt eine „Besondere Erwähnung“ bei den OCIC-Awards der Berlinale 1983. Das British Film Institute verlieh Chris Marker im selben Jahr die Sutherland Trophy (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ralph Eue: Sans Soleil – Unsichtbare Sonne. In: Der Filmkanon, 21. April 2010. Abgerufen am 23. August 2014.
  2. Jochen Brunow: Metzler Filmlexikon: Sans Soleil. In: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg. Abgerufen am 23. August 2014.
  3. Sans Soleil - Unsichtbare Sonne. In: Zweitausendeins. Abgerufen am 23. August 2014.
  4. Die Welt als Fundsache. Ein unmöglicher Film: Essay, Tagebuch, Expeditionsbericht. In: Die Zeit, 2. September 1983. Abgerufen am 23. August 2014.
  5. Fritz Göttler: Filmemacher Chris Marker ist tot. Im Schutz kreativen Wahnsinns. In: Süddeutsche Zeitung, 31. Juli 2012. Abgerufen am 23. August 2014.