Sansepolcro

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Sansepolcro
Wappen
Sansepolcro (Italien)
Sansepolcro
Staat: Italien
Region: Toskana
Provinz: Arezzo (AR)
Koordinaten: 43° 35′ N, 12° 9′ O43.57555555555612.143888888889330Koordinaten: 43° 34′ 32″ N, 12° 8′ 38″ O
Höhe: 330 m s.l.m.
Fläche: 91,48 km²
Einwohner: 16.109 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 176 Einw./km²
Postleitzahl: 52037
Vorwahl: 0575
ISTAT-Nummer: 051034
Volksbezeichnung: Biturgensi und/oder Borghesi
Schutzpatron: San Giovanni Evangelista (27. Dezember)
Website: Gemeinde Sansepolcro
Panorama von Sansepolcro
Panorama von Sansepolcro

Sansepolcro (historisch auch Borgo San Sepolcro, Borgo del Santo Sepolcro oder Borgo Santo Sepolcro[2]) ist eine Stadt mit 16.109 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) in der Provinz Arezzo in der Region Toskana in Italien.

Geografie[Bearbeiten]

miniatur

Die Gemeinde erstreckt sich über ca. 91 km². Sie liegt etwa 25 Kilometer nordöstlich von Arezzo und 80 Kilometer südöstlich von Florenz am Tiber.

Zu den Ortsteilen zählen Aboca, Basilica, Cignano, Giardino, Gragnano, Gricignano, Melello, Montagna, Santa Fiora und Trebbio.

Die Nachbargemeinden sind Anghiari, Badia Tedalda, Borgo Pace (PU), Citerna (PG), Città di Castello (PG), Pieve Santo Stefano, und San Giustino (PG).

Geschichte[Bearbeiten]

Ortsgründung bis Einnahme durch Florenz[Bearbeiten]

Der Ort ist im 10. Jahrhundert entstanden, der Legende nach durch die Pilger Arcano und Egidio auf dem Rückweg aus dem Heiligen Land, die dort ein Kloster gründeten[3]. Das Kloster, dem Heiligen Grab und den vier Evangelisten gewidmet, wurde erstmals 1012 erwähnt und befindet sich im Außenbezirk Noceati. Die ersten Quellen sprechen von Benediktinern, danach gehörte das Kloster spätestens seit 1137 den Kamaldulensern. Im 14. Jahrhundert entstand das heutige Stadtzentrum in der Nähe des Klosters. Die Gemeindeverwaltung wurde dokumentiert im Jahre 1163 von Friedrich dem Ersten, danach werden der Podestà (1203) und der Capitano del popolo (in etwa Bürgermeister, Ortsvorsteher) (1251) in den Quellen genannt. Im Jahre 1301 fiel der Ort unter die Kontrolle von Uguccione della Faggiola, zwanzig Jahre später an Guido Tarlati. Von 1335 bis 1351 stand Sansepolcro unter der Herrschaft von Perugia, dann bis 1358 unter der Herrschaft der Visconti aus Mailand. Im folgenden Jahrzehnt unterwarf die Gemeinde sich Città di Castello und wurde wiederum 1370 von den Malatesta aus Rimini unterworfen, was zur Glanzzeit des Ortes wurde. In der Schlacht von Anghiari am 29. Juni 1440 kämpften 2.000 Einwohner im Heer von Piccinino mit der Republik Venedig gegen die Koalition aus Florenz und Kirchenstaat. Nach der Niederlage von Piccinino wurde Sansepolcro für 25.000 Dukaten von Papst Eugen IV. an Florenz verkauft[4].

Medici-Herrschaft bis Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

1520 wurden das Kloster und sein Territorium von Papst Leo X. zum Bistum erhoben, die Klosterkirche zur Kathedrale[5]. Die damals verliehenen Stadtrechte sind bis heute gültig. Danach spielte der Ort eine wichtige Rolle in den Planungen der Medici, die Sansepolcro mit einer neuen Stadtmauer ausstatteten. Die letzten Änderungen wurden im 16. Jahrhundert von Giuliano da Sangallo ausgefertigt. Im weiteren Verlauf nannte sich der Ort Biturgia, dokumentiert von Claudius Ptolemäus in seiner Geografia, aufgrund derer sich das heutige Demonym Biturgensi bezieht. Cosimo I. de’ Medici verstärkte dann die Grenzen seiner Republik, um sich auf den herannahenden Krieg mit der Republik Siena vorzubereiten. Um die Kosten einer weiteren Stadtmauererweiterung einzusparen, ließ er 1555 die kleineren Stadtteile außerhalb der Mauern niederreißen. 1638 wurde die Jesuitenschule eröffnet, 1727 die Accademia dei Risorti. Im 17. und 18. Jahrhundert durchlebte der Ort eine Wirtschaftskrise, die sich auch demografisch auswirkte. Im Oktober 1750 wurde der Stadt der Titel città nobile durch das Herzogtum Toskana zuerkannt. Schwere Schäden hinterließen die Erdbeben von 1781 und 1789, infolge derer viele der mittelalterlichen Türme verkleinert werden mussten. Wirtschaftlicher Aufschwung kam durch Kanalbauarbeiten an den Flüssen in den frühen zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts und durch die Gründung der Firma Buitoni 1828, kultureller Aufschwung durch die Gründung der Philharmonie Filarmonica dei Perseveranti (1828), der Accademia della Valle Tiberina Toscana (1830) und der Malerschule Scuola di Disegno (1837). 1886 wurde der Ort an das Eisenbahnnetz Arezzo-Sansepolcro-Città di Castello-Gubbio-Fossato di Vico angeschlossen. Im Zweiten Weltkrieg lag der Ort an der Gotenstellung und wurde in schwere Kampfhandlung involviert, in deren Folge der Stadtturm Torre di Berta zerstört wurde[6].

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

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Kirchen[Bearbeiten]

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

  • Sansepolcro war Etappenziel beim Giro d’Italia 1992.
  • Der lokale Fußballverein Associazione Sportiva Dilettantistica Sansepolcro Calcio spielt zurzeit in der Serie D.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sansepolcro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2013.
  2. Alessio Varisco auf antropologiaartesacra.it, abgerufen am 3. Januar 2010 [1]
  3. Alessio Varisco auf antropologiaartesacra.it, abgerufen am 3. Januar 2010 [2]
  4. Niccolò Machiavelli: Geschichte von Florenz (Istorie fiorentine, libro VI § 3)
  5. Am 17. September 1520 wurde der letzte Kamaldulenserabt Galeottus de Gratianis zum Bischof ernannt, vgl. Konrad Eubel: Hierarchia Catholica medii et recentioris aevi, Band 3, Münster 1923, S. 143; offizielle Webseite zur Millenarfeier, abgerufen am 29. Dezember 2012 [3] 1520; den 22. September 1515 nennt Paul Fridolin Kehr: Italia Pontificia IV, Berlin 1909, S. 108.
  6. Giovanni Ugolini: È passata la rovina a Sansepolcro. Cronaca cittadina dall'8 settembre 1943 al 3 settembre 1944, riproduzione anastatica a cura del Museo e biblioteca della Resistenza di Sansepolcro della edizione del 1945, Sansepolcro, Grafiche Borgo, 2001. P. 43
  7. Offizielle Webseite der Stadt, abgerufen am 3. Januar 2010 [4]
  8. Offizielle Webseite der Stadt, abgerufen am 3. Januar 2010 [5]