Sant’Agostino in Campo Marzio

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Die Kirche Sant’Agostino (lat.: Sancti Augustini), vollständig Basilica di Sant’Agostino in Campo Marzio, gehört seit 1587 zu den Titelkirchen der Stadt Rom und wurde 1999 zur Basilica minor erhoben. Sie befindet sich an der Piazza Sant’Agostino ca. 150 m nordöstlich der Piazza Navona im Stadtviertel Sant’Eustachio.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Die Kirche befindet sich auf einem Grundstück, das seit dem Jahr 1286 dem Augustinerorden gehört. Ab 1296 bauten sie eine erste gotische Kirche. Diese wurde in den Jahren 1479 bis 1483 nach den Entwürfen der Architekten Sebastiano Fiorentino und Giacomo Pietrasanta durch die heutige ersetzt. Sie zählt zu den ersten römischen Kirchen im Stil der Renaissance. Ein Teil des Baumaterials, der Travertin, für die streng gegliederte Fassade entstammt dem Kolosseum.

In den Jahren 1756 bis 1763 wurde die Kirche nach den Entwürfen von Luigi Vanvitelli umgebaut. Von ihm stammt ebenfalls die Sakristei aus dem Jahr 1746. Vanvitelli entfernte auch die Kuppel, die erste Renaissancekuppel, die in Rom fertiggestellt wurde. Ab 1746 erbaute Vanvitelli auch das Konventsgebäude westlich der Kirche neu. Nur an der Seite zur Via die Pianellari blieb die Fassade aus dem 16. Jahrhundert erhalten. An der Piazza Sant’Agostino liegt die Biblioteca Angelica, deren Innenräume von Francesco Borromini gestaltet wurden.

Innenausstattung[Bearbeiten]

Anna mit Madonna und Kind von Andrea Sansovino
Raffaels Jesaja
Caravaggios Madonna der Pilger

Die dreischiffige Kirche ist auf dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes errichtet. Das Mittelschiff wird von polychromen Marmorpilastern getragen. Dem Bau sind rechts und links je fünf Kapellen angeschlossen. Die Kirche birgt zahlreiche Kunstwerke von höchstem Rang. Zahlreiche Bilder in der Kirche stammen vom Maler Giovanni Lanfranco, der 1616 mit der Dekoration beauftragt wurde.

Direkt rechts vom Hauptportal steht die Skulptur Madonna del Parto von Jacopo Sansovino, die in den Jahren 1518 bis 1521 erschaffen wurde. Das Fresko Prophet Jesaja, am dritten Pilaster, schuf Raffael in den Jahren 1511-1512. Darunter steht die Skulptur Anna mit Madonna und Kind von Andrea Sansovino aus dem Jahr 1512.

Im rechten Querhaus befindet sich ein Gemälde von Guercino, das die Heiligen Augustinus, Hieronymus und Johannes der Täufer zeigt.

Im linken Querschiff befindet sich eine Statue, die Thomas von Villanova darstellt und von Ercole Ferrata erschaffen wurde.

In der ersten Kapelle links, der Cavaletti-Kapelle, hängt das Bild Madonna dei Pellegrini, das Caravaggio um das Jahr 1605 schuf. Einen Skandal löste es aus, als in dem Modell für die Madonna eine stadtbekannte Prostituierte erkannt wurde. Auch die schmutzigen Füße der knienden Hirten stellten einen bis dahin unbekannten Realismus dar.

Der Hochaltar wurde in den Jahren 1626 bis 1628 von Gian Lorenzo Bernini erschaffen.

In einer Kapelle links vom Hochaltar ist die Grablege der heiligen Monika von Tagaste (* um 332 in Tagaste in Numidien, † Oktober 387 in Ostia), der Mutter des heiligen Augustinus von Hippo, in einem Sarkophag von Isaia di Pisa. Die Reliquien der Heiligen wurden 1430 von Ostia nach Sant’Agostino überführt.[1]

Orgel[Bearbeiten]

Blick auf die Orgel

Die Geschichte der Orgeln reicht zurück in das Jahr 1431. Das heutige Instrument stammt aus dem Jahr 1905. Es wurde von dem Orgelbauer Carlo Vegezzi-Bossi erbaut. Die Orgel hat 32 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Trakturen sind pneumatisch.[2]

I Hauptwerk C-a3
Principale 16'
Diapason 8'
Dulciana 8'
Flauto 8'
Ottava 4'
Duodecima 22/3'
Decimaquinta 2'
Ripieno Grave IV
Ripieno Acuto III
Tromba 8'
II Rückpositiv C-a3
Bordone 16'
Principale 8'
Unda Maris 8'
Salicionale 8'
Flauto 4'
Ottava Eolina 4'
Flautino 2'
III Schwellwerk C-a3
Principale 8'
Bordone 8'
Viola Gamba 8'
Voce Celeste 8'
Coro Viole 8'
Flauto Armonico 4'
Ottava Eolina 4'
Pienino III
Oboe 8'
Voce corale 8'
Pedal C-f1
Contrabbasso 16'
Subbasso 16'
Basso 8'
Bordone 8'
Violoncello 8'
Bombarda 8'

Siehe auch[Bearbeiten]

Liste der Kardinalpriester von Sant’Agostino

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz-Joachim Fischer, Rom. Zweieinhalb Jahrtausende Geschichte, Kunst und Kultur der Ewigen Stadt, DuMont Buchverlag, Köln 2001, S. 236-237. ISBN 3-7701-5607-2
  • Anton Henze, „Kunstführer Rom“, Philipp Reclam GmbH, Stuttgart 1994. ISBN 3-15-010402-5, S. 147-150
  • Claudio Rendina, Le Chiese di Roma, Newton & Compton Editori, Roma 2007. ISBN 978-88-541-0931-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sant'Agostino (Roma) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. St. Monica in der Catholic Encyclopedia (engl.)
  2. Informationen zur Orgel (PDF; 93 kB)

41.90083333333312.474166666667Koordinaten: 41° 54′ 3″ N, 12° 28′ 27″ O