Santa María del Naranco

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Außenansicht mit Blick auf Oviedo

Santa María del Naranco ist ein präromanisches Bauwerk am Fuße des Monte Naranco, 3 km nordwestlich von Oviedo, der Hauptstadt der spanischen Region Asturien. Es wurde in der Mitte des 9. Jahrhunderts unter dem asturischen König Ramiro I. (842−850) als Belvedere einer Palastanlage gebaut und später als Kirche genutzt. 1985 wurde Santa María del Naranco zusammen mit San Miguel de Lillo und Santa Cristina de Lena als Monumentos de Oviedo y del Reino de Asturias (Monumente von Oviedo und des Königreiches Asturien) in die Liste der UNESCO-Kulturdenkmäler aufgenommen, die 1998 um die Kirche San Julián de los Prados, die Cámara Santa der Kathedrale San Salvador von Oviedo und das Brunnenhaus La Foncalada in Oviedo erweitert wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Südfassade mit westlicher Loggia

Bereits die Römer unterhielten am Hang des Monte Naranco Thermen. Ramiro I. ließ sich dort seine Sommerresidenz erbauen. Dabei handelte es sich um eine Palastanlage, die neben Wohn- und Badegebäuden eine Palastkapelle, ein Belvedere und verschiedene Nebengebäude, Ställe und Hundezwinger für die Jagdhunde umfasste. Von dieser Palastanlage sind heute nur die Palastkapelle San Miguel de Lillo oder de Liño, die ursprünglich Maria geweiht war, und der Belvedere erhalten. Im 12. oder 13. Jahrhundert wurde die Palastkapelle durch einen Erdrutsch teilweise zerstört und deshalb der Belvedere zur Kirche umgebaut und Maria geweiht. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das zur Kirche umgestaltete Gebäude mit Anbauten und einem offenen Glockenturm (Espadaña) versehen, die in den 1930er Jahren wieder entfernt wurden.

Architektur[Bearbeiten]

Das Gebäude ist ein 11 m hoher, 20 m langer und 6 m breiter, rechtwinkliger Bau aus Quader und Bruchsteinen. Es ist mit einem Satteldach gedeckt und in zwei Stockwerke gegliedert, die in einen Mittelraum und zwei, im Osten und Westen anschließende Seitenräume unterteilt sind. Das Untergeschoss, auch als Krypta bezeichnet, besitzt im Mittelraum ein von Gurtbögen gestütztes, sehr tief ansetzendes Tonnengewölbe. Die beiden Seitenräume sind holzgedeckt, der östliche Raum könnte als Bad gedient haben. Das obere Stockwerk ist durch einen doppelten Treppenaufgang an der Nordseite von außen zugänglich. Die Räume des ersten Stocks tragen Tonnengewölbe mit Gurtbögen. Den östlichen und westlichen Abschluss bilden Loggien, sogenannte miradores, deren hohe, offene Dreierarkaden mit gestelzten Rundbögen eine herrliche Sicht auf Oviedo und die kantabrische Kordillere bieten und den Namen Belvedere rechtfertigen.

Skulpturenschmuck[Bearbeiten]

Medaillon (Clipeus) und Lisene mit figürlichem Relief
Pyramidenstumpfkapitell mit Taubändern, Personen und Tierdarstellungen

Süd- und Nordfassade werden durch je acht kannelierte Strebepfeiler gegliedert. An den Stirnseiten öffnen sich über den großen Aussichtsarkaden Triforien, die ebenfalls gestelzte Rundbögen und spiralförmig verzierte Säulen mit korinthischen Kapitellen aufweisen. Auch entlang der Innenwände verlaufen Arkaden mit überhöhten Rundbögen, die auf spiralförmig verzierten Säulen mit Pyramidenstumpfkapitellen ruhen, auf denen Tiere (vor allem Vögel und Löwen) und kleine, auf Stöcke gestützte Personen dargestellt sind. An der Innen- wie an der Außenfassade sind in den Zwickeln zwischen den Bögen von Taubändern umrahmte Medaillons, insgesamt 32 reliefgeschmückte Steinscheiben (Clipeus), angebracht, in deren Mitte Pfaue, Pelikane, Schwäne oder ein Raubtier mit einem Schlangenschwanz dargestellt sind. Über den Medaillons erstrecken sich bis zum Gewölbeansatz kannelierte Lisenen. Auf einigen sind bewaffnete Reiter zu sehen und Personen, die über ihrem Kopf einen Gegenstand halten, auf anderen griechische Kreuze mit Standfuß, an deren Armen Alpha und Omega hängen. Diese Kreuze gelten als Emblem des asturianischen Königshauses.

Literatur[Bearbeiten]

  • Achim Arbeiter, Sabine Noack-Haley: Christliche Denkmäler des frühen Mittelalters vom 8. bis ins 11. Jahrhundert. Mainz 1999, S. 141−142 u. 58−165, ISBN 3-8053-2312-3.
  • Lorenzo Arias Páramo: Guía del Arte Prerrománico Asturiano. Gijón 2. Auflage 1999, S. 44−56, ISBN 84-95178-20-6.
  • Jaime Cobreros: Guía del Prerrománico en España. Madrid 2006, S. 101−105, ISBN 84-9776-215-0.
  • Jacques Fontaine: L’Art Préroman Hispanique. Bd. 1, La Pierre-qui-Vire (Zodiaque) 2. Auflage 1973, S. 101−113 u. 253−334.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Santa María del Naranco – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

43.379027777778-5.8659722222222Koordinaten: 43° 22′ 45″ N, 5° 51′ 57″ W