Santa Maria dell’Anima

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Santa Maria dell’Anima

Kirche der deutschsprachigen katholischen Gemeinde in Rom

SANCTÆ MARIÆ DE ANIMA
Außenfassade

Außenfassade

Daten
Ort Rom
Baumeister (unbekannt)
Baujahr um 1523
Koordinaten 41° 53′ 59″ N, 12° 28′ 19″ O41.89970555555612.472025Koordinaten: 41° 53′ 59″ N, 12° 28′ 19″ O
Innenansicht der Kirche
Momento mori Darstellung
Momento mori Darstellung
Momento mori Darstellung
Detail der Decke

Santa Maria dell’Anima (lat.: Sanctae Mariae de Anima) ist die deutsche katholische Nationalkirche[1] und heute die Kirche der deutsch sprechenden Katholiken in Rom. Papst Hadrian VI. ist im Chor der Kirche begraben. In den Räumen der Kirche sind das deutsche katholische Priesterkolleg und das Pilgerhospiz Collegio Teutonico di Santa Maria dell’Anima beheimatet.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kirche geht auf eine private Hospizstiftung des „Ehepaar[es] Johannes und Katharina Petri aus Dordrecht (in Holland)“[2] aus dem 14. Jahrhundert zurück, die für deutsche Rompilger gegründet worden war. Zwischen 1398 und 1406 wurde das Hospital durch Urkunden, Schenkungen sowie Stiftungen und Unterstellung unter die Jurisdiktion des Heiligen Stuhles u. a. durch die Päpste Bonifaz IX. und Innozenz VII. aktiv gefördert. Ab 1421 setzte eine breite Förderung des Hospitals durch deutschstämmige Einwohner und Kleriker Roms ein. Zum Hospiz gehörte eine gotische Kirche, die zwischen 1431 und 1433 mit den Geldern der Miet- und Pachteinnahmen errichtet werde konnte. 1444 berechtigte Eugen IV. die Kirche „zur Seelsorge an den deutschen Pilgern und Armen, zum regelmäßigen Gottesdienst, zum Hören der Beichte und zur Spendung der Sakramente.“[3] Am 13. Dezember 1446 wurde die Kirche geweiht. Bis ins frühe 16. Jahrhundert wuchs die Beliebtheit der Kirche stetig. Dies wird u. a. durch die Popularität der Anima als Begräbnisstätte und Weiheort einer großen Zahl von Bischöfen belegt.[4]

1496 wurden die an der Anima tätigen Kleriker von ihrem Provisor Johannes Burckard in einem Kaplanskollegium organisiert. 1551 wurde die beschlussfähige Versammlung zu einer kooptierenden Congregation umgeformt. Am 24. September 1499 beschloss die deutsche Bruderschaft unter ihrem Leiter Johannes Burckard den Neubau des Hospizes sowie die Errichtung einer neuen Kirche, zu der 1500 durch „Matthias Scheidt, Fürstbischof von Seckau und Gesandter Kaiser Maximilians I.“[5] der Grundstein gelegt wurde. Die schon in der Grundsteinlegung zu Tage tretende starke Verbindung zum Heiligen Römischen Reich, wird auch im Bildrepertoire der Kirche (Schlußsteine) und der Grablegen sichtbar. 1518 nahm Kaiser Maximilian I. die Kirche auf dem Reichstag von Augsburg unter den besonderen Schutz des Reichs und erklärte sie für reichsunmittelbar: „In Nostram et Sacri Romani Imperii protectionem tuitionem defensionemque et curam suscepimus et suscipimus.“ Um 1523 war der Bau, dessen Architekt nicht namentlich bekannt ist, vollendet. Die Gesamtweihe des Baus wurde jedoch erst am 25. November 1542 durchgeführt.[6]

1527 fielen ganz Rom und damit auch die Anima im Sacco di Roma den marodierenden Landsknechten Karls V. zum Opfer: „[D]rei der Anima-Häuser werden zerstört, in der Kirche gehen nahezu alle liturgischen Geräte und Paramente verloren.“[7] Das Archiv kann jedoch gerettet werden. Trotz der brutalen Ereignisse um die Einnahme Roms und die Plünderung der Anima, fanden zumindest zwei der in die militärischen Ereignisse involvierten Kaiserlichen – nämlich der Hauptmann Heinrich von Flitzingen[8] sowie Melchior von Frundsberg[9], Bruder des bekannteren Kaspar von Frundsberg und Sohn des Georg von Frundsberg, die wie er selbst Landsknechte kommandiert hatten – Aufnahme in den Denkmalsbestand der Anima indem sie ihr „Grab in der Kirche [fanden], bezeichnenderweise [..] vor dem Kreuzaltar.“[10]; wohl ohne jemals „Mitglied der Bruderschaft geworden zu sein oder Stiftungen getätigt zu haben.“[11]

Während der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert verwüstete ein Hochwasser die Kirche, und auch die Entwicklungen innerhalb des Reiches zeigen ihre Auswirkungen auf die Anima: ‚Belgier‘ wurden nicht mehr aufgenommen. Während des 17. und des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche um eine neue Sakristei und neue Glasfenster ergänzt. Ebenso wurde eine starke Barockisierung des Kirchenraumes vorangetrieben; hierbei gingen zahlreiche Denkmäler verloren oder wurden verändert. Die Kirche verlor ihren renaissancezeitlichen Charakter. Neben ‚kosmetischen‘ Änderung trieben die Verantwortlichen aber auch baulich notwendige Maßnahmen voran. Durch die Ausschachtung einer Krypta versuchte man, der „immense[n] Nässe und d[er] Bodenfeuchtigkeit“[12] entgegenzuwirken.[13]

Ähnlich wie das Jahr 1527 wurde auch das Jahr 1798 ein Schicksalsjahr für Rom und die Anima. Die französischen Truppen nahmen die Stadt ein, und während die Römische Republik proklamiert wurde, wurde die Kirche systematisch geplündert. Bewegliches Gut, liturgisches Gerät und sogar die Glocken wurden an den Meistbietenden verkauft; Kunstobjekte gelangten auf diesem Weg bis nach Paris. Im weiteren Verlauf wurde die Anima von der militärischen Logistik als Lager und Pferdestall genutzt. Nach dem Zusammenbruch der Römischen Republik gelang es, einige der entwendeten Kunstwerke wieder zurückzuerwerben. Die Anima wurde reorganisiert und im Jahr 1801 mit einer Ostermesse wieder ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt.[14]

Die Kirche diente unter anderem als Grablege prominenter deutscher Rompilger und in Rom ansässiger deutscher Kaufleute. Sie ist ebenfalls Grablege des letzten Papstes aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, Hadrians VI., dessen Leichnam 1533 in die Anima überführt wurde.[15] Das Grabmal des ebenfalls hier bestatteten Kardinal Schiner sucht man allerdings vergebens. Es ist wahrscheinlich dem Sacco di Roma im Jahr 1527 zum Opfer gefallen.[16]

Animabruderschaft[Bearbeiten]

Seit 1350 unterstützt die Bruderschaft von S. Maria dell'Anima die Arbeit der Anima.[17] Seit 1406 untersteht dieses Institut direkt dem Heiligen Stuhl. Mitglied der Bruderschaft wurde man durch Eintragung ins Bruderschaftsbuch und durch Unterstützung der Anima. Das 17. und 18. Jahrhundert war eine Blütezeit der Anima und ihrer Bruderschaft. Neben hochrangigen Mitgliedern der päpstlichen Kurie, Handwerkern und Gewerbetreibenden waren auch alle wichtigen deutschen Persönlichkeiten Mitglied der exklusiven Bruderschaft, sowohl Männer (Confratres) als auch Frauen (Sorores).[18] Aus der Anmimabruderschaft heraus wurde die Bruderschaft des Campo Santo Teutonico gegründet.[19] Verschiedene Testamente sicherten mit Legaten und Immobilienstiftungen die Animabruderschaft.[20] Eingetragene Mitglieder im Bruderschaftsbuch waren unter anderem Melchior von Meckau, Dietrich von Nieheim aber auch Kaiser Sigismund, Kaiser Friedrich III., Kaiser Karl V. sowie einige Päpste wie Pius X. und Johannes Paul II..[17]

Die Animabruderschaft besteht heute noch; unter den circa 100 Mitgliedern (Stand 2014) sind unter anderem Papst Emeritus Benedikt XVI., Gerhard Ludwig Kardinal Müller sowie weitere Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik. Um eine Mitgliedschaft kann man sich nicht bewerben. Wegen seiner historischen Wurzeln können nur Personen aus dem historischen deutschen Kulturraum Mitglied werden, d.h. Deutsche, Österreicher, Südtiroler, Deutschschweizer, Liechtensteiner, Luxemburger, deutschsprachige Belgier, Flamen und Niederländer.

Architektur[Bearbeiten]

Die Kirche ist heute ein reiner Renaissancebau. Sie ist eine dreischiffige Hallenkirche ohne Querschiff mit einem langgestreckten Chor, der halbrund geschlossen ist. Die geöffneten halbrunden Seitenkapellen reichen fast bis zur Höhe des Schiffs und tragen zum Eindruck eines weiten Kirchenraums bei. Da der Gemeinderaum über einem fast quadratischen Grundriss erbaut ist, erweckt er den Eindruck eines Zentralbaus.

Innenausstattung[Bearbeiten]

Die Kirche enthält neben einer Fülle von Grabmälern und Gedenktafeln Fresken von Giovanni Francesco Grimaldi, Altarbilder von Carlo Saraceni, Francesco Salviati und Giulio Romano und Skulpturen von François Duquesnoy. Das Grabmal Hadrians VI. befindet sich auf der rechten Seite im Chor. Es wurde entworfen von Baldassare Peruzzi, die allegorischen Figuren der Kardinaltugenden Gerechtigkeit, Weisheit, Tapferkeit und Mäßigung stammen u. a. von Michelangelo Senese.

Im Chor, dem Grabmal Hadrians VI. gegenüber, befindet sich das Ehrengrab des Kaiserenkels und Erbprinzen Karl Friedrich von Jülich-Kleve-Berg, dessen Tod mit 19 Jahren in Rom an den Pocken die Machtverhältnisse in Europa im Zentrum traf. Es wurde nach dem Entwurf seines Erziehers Stephanus Winandus Pighius ausgeführt von den Bildhauern Nicolas Mostaert (alias Nikolas Pipper/Niccolò Pippa) und Gillis van den Vliete und zeigt in seiner Mitte eine Auferstehungsszene, die auf eine intensive Auseinandersetzung mit der 1506 gefundenen Laokoongruppe verweist. Der zweite Teil des Denkmals hängt heute im Vorraum der Kirche. Es ist ein Relief, das den Erbprinzen Karl Friedrich bei der Verleihung des Titels Fidei Defensor und der Übergabe der entsprechenden Insignien Schwert und Hut durch Gregor XIII. zeigt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Clifford W. Maas (Autor), Peter Herde (Hrsg.): The German Community in Renaissance Rome 1378–1523 (= Römische Quartalschrift, 39. Supplementheft). Herder, Rom, Freiburg, Wien 1981
  • Tobias Daniels: Santa Maria dell’Anima in Geschichte und Gegenwart. In: Santa Maria dell’Anima. Festschrift zu ihrem 600jährigen Bestehen. Hrsg. vom Päpstlichen Institut S. Maria dell’Anima, Rom 2006, S. 17–76.
  • Michael Matheus (Hrsg.): S. Maria dell’Anima. Zur Geschichte einer „deutschen“ Stiftung in Rom (Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom 121). Berlin / New York 2010.

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Santa Maria dell'Anima – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carlo Sabatini: Le chiese nazionali a Roma, Presidenza del Consiglio dei Ministri, Istituto Poligrafico e Zecca dello Stato, Roma, 1979
  2. Nikitsch: DIO 3. Einleitung: Historisch-chronologischer Überblick.
  3. Nikitsch: DIO 3. Einleitung: Historisch-chronologischer Überblick.
  4. Siehe Nikitsch: DIO 3. Einleitung: Historisch-chronologischer Überblick.
  5. Nikitsch: DIO 3. Einleitung: Historisch-chronologischer Überblick.
  6. Siehe Nikitsch: DIO 3. Einleitung: Historisch-chronologischer Überblick.
  7. Nikitsch: DIO 3. Einleitung: Historisch-chronologischer Überblick.
  8. Siehe Eberhard J. Nikitsch, DIO 3, Nr. 82†, in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio003r001k0008207.
  9. Siehe Eberhard J. Nikitsch, DIO 3, Nr. 87, in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio003r001k0008702.
  10. Eberhard J. Nikitsch, DIO 3, Nr. 87, in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio003r001k0008702.
  11. Eberhard J. Nikitsch, DIO 3, Nr. 82†, in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio003r001k0008207.
  12. Nikitsch: DIO 3. Einleitung: Historisch-chronologischer Überblick.
  13. Siehe Nikitsch: DIO 3. Einleitung: Historisch-chronologischer Überblick.
  14. Siehe Nikitsch: DIO 3. Einleitung: Historisch-chronologischer Überblick.
  15. Eberhard J. Nikitsch, DIO 3, Nr. 89, in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio003r001k0008907.
  16. Siehe Nikitsch: DIO 3. Einleitung: Historisch-chronologischer Überblick.
  17. a b Bruderschaft von S. Maria dell'Anima, abgerufen am 2. Februar 2013
  18. Christiane Schuchard: Die Anima-Bruderschaft und die deutschen Handwerker in Rom im 15. und frühen 16. Jahrhundert. Handwerk in Europa., Oldenbourg 1999
  19. Knut Schulz, Elisabeth Müller-Luckner: Handwerk in Europa: Vom Spätmittelalter bis zur Frühen Neuzeit, Oldenbourg 1999, Seite 21
  20. Christiane Schuchard: Vier Testamente für die römische Anima-Bruderschaft (1524/1527), Oldenbourg 1999