Santa Maria in Aracoeli

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Santa Maria in Aracoeli
Mittelschiff der Basilika Santa Maria in Aracoeli
Antike Säulen in der Basilika Santa Maria in Aracoeli
Fresko in der Bufalini-Kapelle: Christus zwischen Engeln und der Heilige Bernhard von Siena mit weiteren Heiligen
Santo Bambino, Statue in der Kirche Santa Maria in Aracoeli
Grabmal der Hl. Helena in der Kirche Santa Maria in Aracoeli

Santa Maria in Aracoeli (lat.: Sanctae Mariae de ara coeli, dt.: Heilige Maria vom Himmelsaltar), auch Santa Maria in Ara Coeli, ist eine Kirche in Rom. Die Entstehungsgeschichte der Basilica minor wird auf eine legendäre Vision des Kaisers Augustus zur Zeit der Geburt Christi zurückgeführt, der an der Stelle der heutigen Kirche erstmals einen Himmelsaltar geweiht haben soll.

Die Kirche liegt im Zentrum Roms auf dem Kapitolinischen Hügel zwischen der Piazza Venezia und dem Palazzo Nuovo am Kapitolsplatz. Durch das gigantische, 1911 eingeweihte Nationaldenkmal ist die Kirche vollständig von der Piazza Venezia abgeschnitten.

Die Legende zum Himmelsaltar[Bearbeiten]

Die Vorgeschichte der Kirche Santa Maria in Aracoeli soll bis in die Zeit um die Geburt Christi zurückgehen. Am heutigen Ort der Kirche stand in der Antike ein Tempel, der der römischen Göttin Juno geweiht war. Kaiser Augustus soll der Legende nach die Vision einer Frau im Strahlenkranz erhalten haben, die hoch am Himmel ein Kind in den Armen hielt. Eine dann herbeigerufene heidnische Seherin, die Tiburtinische Sibylle, konnte den Traum als ein Vorzeichen der Geburt des Erlösers in der Zeit der Herrschaft des Kaisers deuten, worauf der Kaiser die himmlische Herrschaft des kommenden Christus erkannte und ihm und der Frau im Juno-Tempel einen Himmelsaltar (lat. ara coeli) errichten ließ.

Bei dem heute in Santa Maria in Aracoeli in der Kapelle der heiligen Helena zu findenden Altarstein aus der Zeit des Augustus soll es sich um den ara coeli der Legende handeln. Eine Szene mit Augustus und der Sibylle ist an der Seite des Hochaltars dargestellt.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Bereits im 8. Jahrhundert stand an der heutigen Stelle ein griechisches Kloster. Nachdem dieses 1250 durch Papst Innozenz IV. den Franziskanern übergeben worden war, begannen diese mit dem Bau der heutigen dreischiffigen Basilika. Sie ist heute Titelkirche des Kardinalpriesters Salvatore De Giorgi.

Innenausstattung[Bearbeiten]

Kirchenschiff[Bearbeiten]

Die 22 Säulen im Inneren der Kirche wurden verschiedenen antiken Monumenten entnommen. Auf der dritten Säule der linken Reihe ist sogar die Herkunft vermerkt. Sie stammt aus dem kaiserlichen Schlafzimmer (a cubiculo Augustorum), wo nach manchen Legenden der Kaiser seine Vision erhalten hatte.

Der Fußboden der Kirche ist eine Kosmatenarbeit und stammt noch aus dem 13. Jahrhundert. Die prachtvolle ausgemalte Decke erinnert an die Seeschlacht von Lepanto 1571. Sie wurde im Auftrag von Papst Gregor XIII. gefertigt.

Hochaltar[Bearbeiten]

Im Zentrum des Hochaltars findet sich eine Ikone der Gottesmutter.

Kapelle der Heiligen Helena[Bearbeiten]

In der Kapelle der Heiligen Helena fand die Mutter des ersten christlich gesinnten Kaisers Konstantin ihre letzte Ruhestätte. In der Kirche befindet sich zudem die Ruhestätte der letzten bosnischen Königin Katarina Kosača-Kotromanić.

Kapelle des Heiligen Bernhard von Siena[Bearbeiten]

Pinturicchio malte um 1485 die sogenannte Capella Bufalini mit Fresken aus; sie erzählen die Lebensgeschichte des Franziskanermönchs Bernhardin von Siena, der 1450 heiliggesprochen wurde und der als ein bedeutender Vertreter der volksnahen christlichen Frömmigkeit galt. Eines der Fresken stellt Christus zwischen Engeln und darunter den Heiligen Bernhard und weiter die Heiligen Ludwig von Toulouse und Antonius von Padua dar.

Kapelle des Santo Bambino[Bearbeiten]

In der Kapelle des Santo Bambino findet sich die Statue des Heiligen Kindes. Santa Maria in Aracoeli gilt als die Kirche des römischen Volks und enthält ein bekanntes traditionelles Symbol der Volksfrömmigkeit in Rom, das als wundertätig geltende Santo Bambino (Heiliges Kind). Es ist eine aus Olivenholz geschnitzte Figur des Christuskindes, die von einem Franziskanermönch im 15. Jahrhundert aus einem Baum aus dem Garten Gethsemane gefertigt wurde. 1994 wurde die Originalfigur gestohlen und nicht wiedergefunden, daher musste das Heilige Kind später durch eine Kopie ersetzt werden. Dabei spendeten sogar die Insassen des Gefängnisses in Rom für die neue Figur, da sie zwar zugaben, Schurken zu sein, aber doch keine gottlosen Schurken[1].

Kirchenvorplatz[Bearbeiten]

Die steile Treppe, die außen mit 124 Stufen zur Kirche führt, wurde 1348 vollendet. Der Volkstribun Cola di Rienzo hielt hier seine Reden an das römische Volk. Zwischen der steilen Aracoeli-Treppe und der sehr breiten und eher einer Rampe gleichenden Cordonata-Treppe, die zum Kapitol führt, wurde ihm im 19. Jahrhundert sein Denkmal errichtet.

Rezeption[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Die Legende des Himmelsaltars. Schedelsche Weltchronik, 1493

Die Vision des Kaiser Augustus und die Tiburtinische Sibylle, die in der Legenda Aurea, einer mittelalterlichen Legendensammlung aus dem späten 13. Jahrhundert, berichtete Gründungslegende der Kirche zum Himmelsaltar[2], gehörte im Mittelalter wohl zu den berühmtesten Ankündigungen von Christi Geburt[3]. Sie wurde im Volk durch nachfolgende Legendentexte und äußerst zahlreiche bildliche Darstellungen vor allem in den Kirchen im Westeuropa im 15. Jahrhundert verbreitet[4]. Noch im Spätmittelter nach 1500 wurde sie in volkstümlichen gedruckten Chroniken berichtet und illustriert. Auch die Kirche des Himmelsaltars erreichte dadurch im Mittelalter einen hohen Bekanntheitsgrad.

Literatur der Neuzeit[Bearbeiten]

Die Gründungslegende der Kirche zum Himmelsaltar und ein wundertätiges Christusbild, das sich in der Kirche befindet, spielen eine zentrale Rolle in dem Roman Die Wunder des Antichrist von Selma Lagerlöf.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. R. Borngässer: Diebe sammelten für "Bambino Gesu". Welt-Online, 21. August 1996 aufgerufen Juni 2011
  2. lateinischer Originaltext bei Johann G. Th. Graesse (Hrsg.): Jacobi a Voragine Legenda aurea. Dresden 1846, S. 39-47
  3. Elisabeth und Joachim Leeker (TU Dresden): Jacobus a Voragine (1228-1298), Legenda aurea “Von der Geburt unseres Herrn Jesus Christus”. Vortrag am Italienzentrum der TU Dresden, 18. Dezember 2007, Vortragstext (pdf-Datei), aufgerufen Januar 2013
  4. H. u. M. Schmidt: Die vergessene Bildersprache christlicher Kunst. Beck 2007, S. 229

Literatur zur Rezeption der Legende[Bearbeiten]

Thomas Blisniewski: Kaiser Augustus und die Sibylle von Tibur. Ein Bildmotiv des Meisters der Verherrlichung Mariae im Wallraf-Richartz-Museum – Fondation Corboud. In: Kölner Museums-Bulletin. Berichte und Forschungen aus den Museen der Stadt Köln (3) 2005, S. 13-26

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Santa Maria in Aracoeli – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

41.89402222222212.483402777778Koordinaten: 41° 53′ 38″ N, 12° 29′ 0″ O