Santa Maria in Cosmedin

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Santa Maria in Cosmedin[1]

Basilica di Santa Maria in Cosmedin Roma 2012.jpg

Patronat: Hl. Maria
Weihejahr: 6. Jahrhundert
Rang: Basilica minor
Kardinaldiakon: vakant
Pfarrgemeinde: Santa Prisca
Anschrift: Piazza Bocca della Verità 18
00186 Roma

41.88805555555612.481666666667Koordinaten: 41° 53′ 17″ N, 12° 28′ 54″ O

Die Basilika Santa Maria in Cosmedin[2] (lateinisch Sanctae Mariae in Cosmedin), ursprünglich Santa Maria in Schola Graeca, ist eine Kirche des Bistums Rom in Rom in der Nähe des Tiberufers an der Piazza Bocca della Verità. Patrona der Kirche ist Maria. Geweiht wurde sie im 6. Jahrhundert. Sie gehört heute der Melkitischen Griechisch-Katholischen Kirche.

Vorgängerbauten[Bearbeiten]

Spätestens im 6. Jahrhundert v. Chr. entstand an einem Tiberübergang mit dem Forum Boarium der erste und wichtigste Handels- und Verkehrsknotenpunkt Roms. An diesem Markt wurden im Laufe der Jahrhunderte eine Reihe religiöser und öffentlicher Bauten errichtet, von denen heute noch der Tempel des Portunus (früher als Tempel der Fortuna Virilis bezeichnet) und der Tempel des Hercules Victor (früher als Tempel der Vesta bezeichnet) erhalten sind.

Im Bereich der heutigen Kirche standen drei weitere Herkules geweihte Tempel: Die Ara Maxima, die auf die Gründungszeit Roms zurückgehen soll, der Tempel des Herkules Invictus und der Tempel des Herkules Pompeianus. Seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. befand sich neben diesen Tempeln die Statio Annonae, die der Ausgabe von Getreide an die Bevölkerung diente. Im Osten greift die Kirche in die Fläche ein, die vom Circus Maximus bebaut war.

Unter dem ganzen Gebiet verlaufen einige antike Abwasserkanäle, darunter der größte, die Cloaca Maxima.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Säulen aus der Statio Annonae
Krypta: Tuffquader des Herkulestempels

Die Statio Annonae, ursprünglich eine Säulenhalle aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., wurde um 500 erneuert. Wenige Jahrzehnte später wurden die Räume zwischen den Säulen zugemauert und das Gebäude in eine Kirche umgewandelt, die der Jungfrau Maria geweiht war. An den Seiten des Portals der Kirche und in der linken Seitenschiffwand sind noch Säulen aus der Statio Annonae erhalten. Da schon seit der Frühzeit Roms das Forum Boarium Siedlungsgebiet für griechische Kaufleute war und deshalb in der Spätantike das Viertel den Namen Schola Graeca erhielt, wurde die Kirche Santa Maria in Schola Graeca genannt.

Für die erste Erweiterung der Kirche unter Papst Hadrian I. um 772 war das Anwachsen der griechischen Gemeinde in der Zeit des bürgerkriegsähnlichen Bildersturms in Byzanz ausschlaggebend, wodurch viele griechische Flüchtlinge nach Rom kamen. Er ließ für den Ausbau den Tempel des Herkules Pompeianus abreißen, um dessen Fundamente für die von 17 m auf 35 m Länge erweiterte Kirche nutzen zu können. Außerdem erhielt die nun dreischiffige Kirche als östlichen Abschluss eine Apsis, flankiert von zwei Nebenapsiden. Weiter wurde eine ebenfalls dreischiffige Krypta in die Tuffquader des alten Podiums eingetieft.

Hadrian I. stattete die Kirche mit Marmorarbeiten und Mosaiken aus. Ab dem Umbau ersetzte allmählich der Name 'Santa Maria in Cosmedin' die alte Bezeichnung. Für den Namen 'Cosmedin' gibt es verschiedene Erklärungen: Nach einer These stammt er von einem Platz in Byzanz namens 'Kosmidion' ab. Nach einer anderen Version leitet sich der Name von dem griechischen Wort cosmedin für Schmuck ab. Der Beiname würde sich in diesem Fall auf den prächtig ausgeschmückten Innenraum beziehen.

Unter Papst Nikolaus I. (858-867) wurde die Sakristei, das Oratorium und die Residenz des Diakons angefügt. 1118 ließ Papst Gelasius II. die Basilika renovieren, die bei einer Invasion der Normannen verwüstet worden war. Dabei entstand auch der Campanile. 1200 kam der Portikus am Eingang hinzu.

1718 wurde die Kirche unter Giuseppe Sardi barockisiert, indem er ihr eine elegante, schwungvolle Rokokofassade vorsetzen ließ. 1899 veranlasste der Architekt Giovanni Battista Giovenale die Romanisierung, womit die barocke Fassade entfernt wurde. Die heutige Fassade gibt jedoch nicht den ursprünglichen Zustand wieder, lediglich dessen Vorstellung zu jener Zeit.

Durch den Bau neuer Straßen während der Regierungszeit Benito Mussolinis wird das Umfeld der Kirche stark beeinträchtigt.

Innenraum[Bearbeiten]

Innenraum, Blick Richtung Chor
Reliquien des Heiligen Valentin

Im Inneren ist die Struktur der Statio Annonae noch gut an den erhaltenen 18 korinthischen Säulen erkennbar.

Der Altarblock besteht aus einem antiken roten Granitstück. Die Schola Cantorum wird durch prachtvoll verzierte Marmorschranken abgeteilt. Der Fußboden ist wie ein Teppich mit Kosmatenarbeiten verziert.

Der Bischofsthron von 1294 mit zwei vermutlich antiken Löwenköpfen wurde ebenfalls von den Cosmaten gestaltet. Es ist typisch für eine frühchristliche Kirche, dass nicht der Altar, wie später, in der Apsis steht, sondern der Bischofsthron. Der Altar stand damals, wie hier in Cosmedin, vor der Apsis.

Weiter sind zwei Marmorkanzeln, der gedrehte Osterleuchter und das von Kosmaten geschaffene Ziborium erhalten. Die Gemälde in den drei Apsiden sind modern.

In der zweiten Seitenkapelle des linken Seitenschiffs sind die Reliquien des Valentin von Terni untergebracht.

Bocca della Verità[Bearbeiten]

Bocca della Verità

Das populärste Ausstattungsstück der Kirche ist der sogenannte Wahrheitsmund (italienisch: Bocca della Verità), der in der Vorhalle aufgestellt ist. Es handelt sich dabei um einen antiken Kanaldeckel der Cloaca Maxima aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., der den Flussgott Triton zeigt.

Einer Legende nach verliert jeder seine Hand, der sie ihm in den Mund legt und dabei nicht die Wahrheit sagt. Bekannt wurde die Bocca della Verità vor allem durch den Film Ein Herz und eine Krone mit Gregory Peck und Audrey Hepburn.

Öffnungszeiten[Bearbeiten]

Die Kirche ist im Sommer von 9:30 bis 18:00 Uhr sowie im Winter von 9:30 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet.[3]

Sonstiges[Bearbeiten]

Der Campanile diente als Vorbild für den Turm der historistischen Friedenskirche in Potsdam.

Kardinaldiakone[Bearbeiten]

(derzeit vakant)

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Diözese Rom
  2. Diözese Rom
  3. Information der Stadt Rom

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Santa Maria in Cosmedin – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien