Santi Giovanni e Paolo (Kirche in Rom)

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Basisdaten
Patrozinium: Hll. Johannes und Paulus (Martyrer)
Weihetag:
Kardinalpriester: Edward Michael Kardinal Egan
Anschrift: Piazza SS. Giovanni e Paolo

00184 Roma

Fassade und Vorhalle, rechts ein Teil des Campanile
Der Campanile

Die Basilika Santi Giovanni e Paolo (lat.: Sancti Ioannis et Pauli), auch Santi Giovanni e Paolo al Celio, ist eine Kirche in Rom. Die Basilica minor ist zudem eine Titelkirche der römisch-katholischen Kirche, Klosterkirche des Passionistenordens, Rektoratskirche und eine der ältesten christlichen Andachtsstätten Roms. Bedeutsam ist sie auch wegen der unter ihr ausgegrabenen Reste antiker römischer Bebauung, auf denen sie teilweise bis heute ruht.

Lage und Namensgebung[Bearbeiten]

Die Kirche liegt im XIX. römischen Rione Celio an der Westseite des Caelius, etwa 350 Meter östlich des Circus Maximus unmittelbar an der antiken Straße Clivus Scauri.

Ihren Namen hat die Kirche nicht – wie sonst – von den Aposteln Johannes und Paulus, sondern von den beiden „stadtrömischen“ Heiligen Johannes und Paulus: unter dem christenfeindlichen Kaiser Julian sollen sich zwei christliche römische Beamte[1] oder Offiziere[2] mit den gleichen Namen geweigert haben, wie verlangt dem römischen Gott Jupiter zu opfern. Daraufhin sollen sie in ihrem hier gelegenen Wohnhaus im Jahr 361[1] oder 362[3] ermordet worden sein. Diese Legende stammt allerdings erst aus dem 5. oder 6. Jahrhundert.[1]

Geschichte und Baugeschichte[Bearbeiten]

Die ältesten Bauten an dieser Stelle stammen aus dem 2. Jahrhundert (siehe unten). Nachdem in diesen antiken Räumen im 3. Jahrhundert (noch vor der Tötung der Namensgeber) ein kleines Oratorium eingerichtet wurde, soll um 401 bis 417 vom christlichen Senator Byzantius und dessen Sohn Pammachius (gest. 410 n. Chr., in der Literatur vir eruditus et nobilis genannt, der erste Titel der Kirche war nach ihm [Titulus Pammachii] bzw. Byzantius benannt[4][5]) der Urbau für die heutige Kirche errichtet worden sein. Dieser Bau wurde zur Zeit Papst Hadrians IV. ab 1154 im Auftrag des titelinhabenden Kardinals Giovanni da Sutri[6] renoviert, erweitert und erhielt dabei im Wesentlichen seine heutige Grundstruktur und sein äußeres Aussehen. Aus dieser Zeit stammt der Campanile, die Vorhalle und die Zwerggalerie um die Apsis. Die Aufstockung der Vorhalle gab 1216 Kardinal Giovanni Cencio in Auftrag.[6] Die Fassade und das Innere wurden im 16. und 17. Jahrhundert umgestaltet. Die barocken Ergänzungen der Fassade wurden auf Veranlassung Kardinal Francis Spellmans 1949/1950 entfernt.

Äußeres[Bearbeiten]

Die Zwerggalerie vom Clivus Scauri

Für die Errichtung der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Vorhalle wurden acht antike Säulen verwendet, sechs davon tragen ionische Kapitelle, die jeweils ganz links und rechts stehenden Kapitelle korinthischer Ordnung. Die beiden seitlich des Portals lagernden Löwenfiguren stammen aus der Romanik. Die seitliche Hochwand des Mittelschiffs lässt noch die ursprüngliche romanische Fensteranordnung, nämlich einer Serie von Rundbogenfenstern erkennen, über denen Rundfenster in die Wandfläche eingefügt waren. Die neue Fensteranordnung wurde durch die barocken Umbaumaßnahmen nötig. Den Giebel bildet die Stirnwand des Mittelschiffs. Vier Säulen tragen fünf Bögen gleicher Höhe; zur stärkeren Akzentuierung ist der mittlere Bogen breiter als die anderen gestaltet. Die für Rom einmalige Zwerggalerie an der Außenseite der Apsis besteht aus kleinen quergestellten Tonnengewölben, den Abschluss zum Dach bildet ein Würfelfries. Die Galerie ist vom gegenüberliegenden Palatin aus besonders gut zu sehen.

Auf der linken Seite der Kirche überspannen sechs Strebebögen aus Ziegelmauerwerk den antiken Clivus Scauri, das Pflaster der Straße ist das antike Original. Die Straße heißt heute Via di San Giovanni e Paolo.

Die Grundmauern des Tempels des Divus Claudius unter dem Campanile im Detail

Der romanische Campanile, ursprünglich frei neben der Kirche stehend, heute durch modernere Bebauung zumindest optisch mit der Kirche verbunden, steht auf den antiken Grundmauern des 54 n. Chr. von Agrippina begonnenen[3] großen Tempels des Divus Claudius (des vergöttlichten Claudius), zu erkennen vor allem in der Südwestsicht. Nero ließ den Tempel teilweise zerstören und ein Nymphäum für seine Domus Aurea anlegen. Der Turm selbst ist in typischer romanischer Bauweise ausgeführt, die sechs Stockwerke grenzen sich horizontal durch Würfelfriese voneinander ab. Die oberen vier Stockwerke tragen jeweils ein Paar durch schlanke Säulen getrennte Doppelfenster. Der Bau gilt als „Kleinod romanischer Architektur“[7]

Inneres[Bearbeiten]

Das Innere der Kirche

Die Grundstruktur der Kirche nach dem romanischen Baumaßnahmen ist die einer Basilika, also einer dreischiffigen Kirche ohne Kuppel. Die Länge des Mittelschiffs beträgt 44,30 Meter bei einer Breite von 14,68 Metern. Unter der barocken, 1718 abgeschlossenen Innenausstattung ist die romanische Struktur noch zu erkennen. Allerdings wurden die ursprünglich durchgehenden schmalen Seitenschiffe mit einer Breite von 7,40 Metern beim Umbau geschlossen, sie bilden heute Seitenkapellen. Die hinteren drei Seitenkapellen auf der linken Seite ruhen auf Mauerwerk aus severischer Zeit. Die Apsis geht über die gesamte Breite des Mittelschiffs. Sie wurde ursprünglich von drei Fenstern belichtet, die, wie die romanische Fensteranordnung, ebenso im Barock verändert bzw. vermauert wurden. Der Raum wird von im 13. Jahrhundert eingezogenen Schwibbögen gegliedert; die Decke stammt aus dem Jahr 1598. Die Stirnseite des Mittelschiffs gibt noch eine Vorstellung von der ursprünglichen Helligkeit der Kirche. Die Fensteranordnung entspricht ungefähr der an der Außenseite durch die Rahmungen in der Ziegelmauer sichtbaren Serie von Rundbogenfenstern verschiedener Größe; im heutigen Zustand sind die Fenster rechteckig gefasst.

Die Orgel wurde 1964 von der Orgelbaufirma Tamburini erbaut. Das Instrument hat 50 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Trakturen sind elektrisch.[8]

I Positiv
Principal 8'
Flauto Camino 8'
Oktave 4'
Flauto Camino 4'
Nazard 22/3'
Flautino 2'
Terz 13/5'
Piccolo 1'
Ripieno V 2'
Sesquialtera
Krummhorn 8'
Tremulant
II Hauptwerk
Principal 16'
Principal I 8'
Principal II 8'
Corno camoscio 8'
Flauto traverso 8'
Oktave 4'
Rohrflöte 4'
Quinte 22/3'
Oktave 2'
Quinte 11/3'
Superoktave 1'
Scharff 2/3'
Englisch Horn 8'
Trompete 8'
Tromba Squillo 8'
Vox humana 8'
III Schwellwerk
Bordone 8'
Viola Gamba 8'
Salicional 8'
Prästant 4'
Doppelflöte 4'
Quinte 22/3'
Waldflöte 2'
Terz 13/5'
Ripieno IV 2'
Cornetto
Oboe 8'
Voce Celeste 8'
Tremolo
Pedalwerk
Acustico 32'
Contrabbass 16'
Subbass 16'
Bass 8'
Bordon 8'
Oktave 4'
Flauto 4'
Mistura IV 22/3'
Ophicleide 16'
Fagott 8'
Schalmei 4'

Antike römische Bebauung unter der Kirche[Bearbeiten]

Das Fresko des Nymphäums
Frühchristliche Confessio mit der Darstellung eines Betenden

Der vielschichtige und komplizierte Komplex antiker römischer Bauten unter der Kirche ist bis heute nicht vollständig ergraben, so dass die Zuordnung einzelner Bauteile nicht bis ins Detail präzise möglich ist.[5]

Bekannt ist im Wesentlichen folgendes: Aus insgesamt vier aus der Mitte des 2. Jahrhunderts stammenden antiken Gebäuden, eines davon wohl mit einem Nymphäum und eines mit einer Thermenanlage versehen, wurde durch Veränderungen und Umbauten am Ende des 2. und zu Beginn des 3. Jahrhunderts[3][4] eine Insula neu errichtet. So wurde am Clivus Scauri eine Portikusfassade erbaut. Es befanden sich innerhalb des mindestens zweistöckigen Komplexes mehrere Läden und einige Wohnungen[3]; genannt wird eine Anzahl zwischen zwei und fünf.[5] Dieser Bau geriet wohl kurz nach dieser Zeit in den Besitz einer einzigen Person[4]. Die gefundenen Malereien deuten auf eine Zweckveränderung des gesamten Gebäudes spätestens im 4. Jahrhundert hin.[3]

Ein heutiger Besucher betritt zunächst einen Raum, der aufgrund des vorgefundenen Beckens und des Freskos als das Nymphäum eines der ursprünglichen Bauten gedeutet wird.[4] Das hier gefundene Fresko gilt als das größte in Rom bislang bekannte erhaltene antike Fresko überhaupt.[4] Es handelt sich um eine Darstellung eines maritimen Motives. Den Untergrund bildet zunächst eine blau gehaltene Fläche mit der Darstellung von Schaumkronen. Auf sie wurden in Ockertönen verschiedene Figuren dargestellt, in der Mitte eine Gruppe aus drei Personen, jeweils eine weibliche fast nackte – allerdings mit Schmuck verzierte – und eine männliche mit unbekleidetem Oberkörper sowie neben der einen weiblichen Figur eine weitere vollständig bekleidete. Links und rechts der beiden Figuren befinden sich Darstellungen puttenähnlicher Figuren auf Schiffen und anderer. Es ist bis heute nicht geklärt, was die Szene darstellen soll. Eine Meinung tendiert dazu, in dem Fresko eine Darstellung der Rückkehr der Proserpina aus dem Hades zu erkennen,[3] einer anderen zufolge könnte es sich um eine Venusdarstellung handeln.[4] Als gesichert gilt, dass es sich bei der männlichen Figur um eine Bacchusdarstellung handelt.[5]

Der nächste Raum wird als Triklinium gedeutet.[4] Die Dekoration des Raumes besteht in einem umlaufenden Fresko, das in zwei Teile zerfällt. Oberhalb eines blauen Streifens werden Putten bei der Weinlese dargestellt, die Komposition wird mit der Darstellung von verschiedenen Vögeln und geschwungenen Weinreben bereichert. Unterhalb des Streifens sind nackte Genien dargestellt, auf deren Schultern sich eine Girlandenreihe von Figur zu Figur zieht. Zwischen den Genien sind Pfauen, Hähne oder Drosseln gemalt. Auch dieses Fresko ist auf das 2. Jahrhundert zu datieren.[5]

Auf diesen Raum folgt ein als Tablinum angenommener,[4] er enthält christliche Motive. Während an den Wänden schlicht eine Verkleidung aus Marmorquadern imitiert wird, enthalten die Fresken in den Gewölben Darstellungen verschiedener Personen, die aufgrund der Darstellung in Togen mit Schriftrollen als Propheten oder Apostel gedeutet werden.[4] Aufgrund ihrer Haltung eindeutig als christlich anzusehen ist die Darstellung einer Person mit zum Gebet ausgebreiteten Armen.[4] Die Fresken dieses Raumes entstammen dem 4. Jahrhundert; er könnte das erwähnte Oratorium gewesen sein.[3]

Der nächste Raum in der Abfolge ist die frühchristliche Confessio, von hier aus sind die Gräber der Märtyrer sichtbar. In diesem Raum befindet sich eine Freskendarstellung der Hinrichtung der Heiligen Crispin, Crispian und Benedicta[4] sowie weiterer Gestalten. Möglicherweise befand sich hier in frühchristlicher Zeit ein Altar.[3]

Zu sehen sind weiterhin verschiedene Räume und Gänge, u. a. derjenige mit der Thermenanlage. Hier hat sich die Fußbodenheizung, erkennbar an den Ziegelstützen des Fußbodens, und ein antikes Becken erhalten.[4]

Öffnungszeiten[Bearbeiten]

Die Kirche ist jeweils an den Wochentagen und samstags von 8.30 bis 12 Uhr vormittags und nachmittags von 15.30 bis 18.00 Uhr geöffnet. Am Sonntag ist die Kirche nur zu den angegebenen Zeiten nachmittags zu besuchen. Die Ausgrabungen sind über den Eingang am Clivo di Scauro Donnerstag bis Montag von 10.00 bis 13.00 Uhr und von 15.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.[9]

Kardinalpriester[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Herbert Rosendorfer: Kirchenführer Rom, 3. Auflage, Leipzig 2005, S. 107f.
  2. Johann M. Wiesel: Rom. Ein Kunst- und Reiseführer, S. 226.
  3. a b c d e f g h Filippo Coarelli: Rom – ein archäologischer Führer, Freiburg im Breisgau 1975, S. 182ff.
  4. a b c d e f g h i j k l Ivana della Portella: Das unterirdische Rom – Katakomben, Bäder, Tempel, S. 198ff.
  5. a b c d e Ivana della Portella: Das unterirdische Rom – Katakomben, Bäder, Tempel, S. 271.
  6. a b Marco Bussagli (Hrsg.): Rom - Kunst & Architektur, Köln 1999, S. 252.
  7. Manfred Wundram (Hrsg.): Reclams Kunstführer, Italien. Band V. Rom und Latium, Stuttgart 1981, S. 188.
  8. Informationen zur Orgel
  9. http://www.caseromane.it

Literatur[Bearbeiten]

  • Marco Bussagli (Hrsg.): Rom - Kunst & Architektur. Könemann, Köln 1999. ISBN 3-8290-2258-1
  • Filippo Coarelli: Rom – ein archäologischer Führer. Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 1975, ISBN 3-451-17247-X
  • Ivana della Portella: Das unterirdische Rom – Katakomben, Bäder, Tempel. Könemann, Köln 2000, ISBN 3-8290-2118-6
  • Herbert Rosendorfer: Kirchenführer Rom. 3. Aufl. Edition Leipzig, Leipzig 2005. ISBN 3-361-00485-3
  • Johann M. Wiesel: Rom. Ein Kunst- und Reiseführer, 7. Aufl., Kohlhammer, Stuttgart 1980. ISBN 3-17-005633-6
  • Manfred Wundram (Hrsg.): Reclams Kunstführer, Italien. Band V. Rom und Latium. Reclam, Stuttgart 1981. ISBN 3-15-008679-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Basilica dei santi Giovanni e Paolo al Celio – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

41.88647222222212.492083333333Koordinaten: 41° 53′ 11,3″ N, 12° 29′ 31,5″ O