Santo Stefano Rotondo

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Die Basilica minor Santo Stefano Rotondo, auch Santo Stefano al Monte Celio, vollständig Basilica di Santo Stefano Rotondo al Celio, ist eine Kirche in Rom auf dem Hügel Celio im Osten der Altstadt im Rione Monti. Sie wurde zwischen 468 und 483 geweiht und trägt das Patrozinium des Heiligen Stephanus.

Sie ist Titelkirche von Friedrich Kardinal Wetter, Rektoratskirche der Pfarrei Santa Maria in Domnica und Nationalkirche von Ungarn.

Vorgängerbauten[Bearbeiten]

Der Caelius war in der römischen Kaiserzeit ein bevorzugtes Wohngebiet von Rom. Die Via Caelimontana, die heutige Via di Santo Stefano Rotondo, verband die Porta Caelimontana in der alten Servianischen Mauer mit der im 3. Jahrhundert erbauten Porta Praenestina. An ihr lag die im 2. Jahrhundert errichtete Castra Peregrinorum, eine Kaserne für Soldaten die von Provinzlegionen nach Rom versetzt wurden und die bis ins 4. Jahrhundert genutzt wurde. Um das Jahr 180 n. Chr. wurde in die Kaserne ein Mithräum eingebaut, das bei Ausgrabungen unter der heutigen Kirche gefunden wurde. Das Mithräum war auch nach der Aufgabe der Kaserne noch in Benutzung und wurde wohl erst kurz vor Errichtung der Kirche verlassen und zerstört. Die Ausgrabungen sind nur auf Anfrage zu besichtigen.

Aufgrund der außergewöhnlichen Form der Kirche gab es in der Vergangenheit Mutmaßungen, die Kirche gehe auf einen antiken Rundtempel, zum Beispiel einen Tempel des Faunus zurück. Dies wurde durch archäologische Untersuchungen widerlegt.

Baugeschichte der Kirche[Bearbeiten]

Außenansicht
Innenansicht
Rekonstruktion des Baus aus dem 5. Jahrhundert

Über der eingeebneten Castra Peregrinorum wurde Mitte des 5. Jahrhunderts der Bau der Kirche Santo Stefano begonnen. Sie war als Rundbau mit drei konzentrischen Kreisen konzipiert, deren äußerer einen Durchmesser von 65,80 m hatte. Der Kreisform war ein griechisches Kreuz eingeschrieben, das von außen in der Dachform sichtbar war und innen mit Zwischenwänden verdeutlicht wurde. Die Kirche wurde dem ersten christlichen Märtyrer Stephanus gewidmet und in der Amtszeit von Papst Simplicius (468–483) geweiht. Seit 499 ist Santo Stefano als Titelkirche belegt. In den Jahren 523 bis 530 wurde sie mit heute nicht mehr existierenden Mosaiken und farbigen Marmorplatten ausgeschmückt.

Zwischen 590 und 596 gründete Papst Gregor I. ein Kloster bei der Kirche. Papst Theodor I. ließ in seiner Amtszeit (642–649) die Reliquien der Märtyrer Felicianus und Primus aus den Katakomben an der Via Nomentana nach Santo Stefano überführen. Dies gilt als erste Überführung von Reliquien in eine Kirche. In diesem Zusammenhang wurde auch die Apsis erbaut, die sich heute am nordöstlichen Kreuzarm, dem einzigen noch erhaltenen, befindet.

Papst Hadrian I. ließ die Kirche in seiner Amtszeit 772 bis 795 restaurieren. Doch in den Wirren des 11. und 12. Jahrhunderts wurde sie fast zerstört. Papst Innozenz II. ließ sie bis 1143 wieder errichten. Dabei wurde sie jedoch deutlich verkleinert. Der äußere Ring wurde bis auf das Segment der Kapelle für Felicianus und Primus aufgegeben.

1450 kamen Kirche und Kloster an den ungarischen Bettelorden der Pauliner. Bernardo Rossellino renovierte die Kirche 1450–1454 und schuf den Hochaltar im Stil der Renaissance.

1579 übernahm das Collegium Hungaricum die Kirche, das bereits 1580 mit dem Collegium Germanicum zum Pontificium Collegium Germanicum et Hungaricum de Urbe vereinigt wurde, welches bis heute die Kirche unterhält. 1580 malte Antonio Tempesta die Kapelle der Heiligen Felicianus und Primus aus. Niccolò Circignani und Matteo da Siena (Landschaftshindergründe) schufen 1582 - 1583 die Fresken mit Darstellungen von Martyrien in 32 Szenen.[1][2] Sie zeigen in drastischer Weise die Folterungen und Exekutionen frühchristlicher Märtyrer.

1778 wurde dem heiligen Stephan von Ungarn eine Kapelle gewidmet. Sie beherbergt das Grabmal von Bernardino Cappella, das von Lorenzetto im Jahr 1524 geschaffen wurde. Im Jahr 1778 wurde die Kapelle von Pietro Camporese (1726–1781) umgestaltet.

Zurzeit ist Santo Stefano Rotondo die Titelkirche von Kardinal Friedrich Wetter, dem früheren Erzbischof von München und Freising.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Bauer: Gisela, eine (fast) vergessene Selige; und ein Plädoyer für Santo Stefano Rotondo in Rom. Ein Kaleidoskop. Verein der Freunde von Santo Stefano Rotondo, München 1989
  • Anton Henze: Kunstführer Rom. Reclam, Stuttgart 1994 ISBN 3-15-010402-5 S. 268f.
  • Paolo Galeotti, Hrsg.: Roma Sacra: Santo Stefano Rotondo, Elio de Rosa editore, Rom 2007, ISBN 978-88-7369-079-5
  • Hugo Brandenburg, József Pál: Santo Stefano Rotondo in Roma – Archäologie, Bauforschung, Geschichte. Reichert, Wiesbaden 2000, ISBN 3-89500-131-7.
  • Heinz-Joachim Fischer: Rom. Zweieinhalb Jahrtausende Geschichte, Kunst und Kultur der Ewigen Stadt. DuMont Buchverlag, Köln 2001, S. 316–317, ISBN 3-7701-5607-2 (online)
  • Hugo Brandenburg: Die Kirche S. Stefano Rotondo in Rom: Bautypologie und Architektursymbolik in der spätantiken und frühgriechischen Architektur. Reihe: Hans Lietzmann-Vorlesungen, 2. Hg. Christoph Markschies. de Gruyter, Berlin 1997

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Santo Stefano Rotondo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. SHEARJASHUB SPOONER: "A biographical and critical dictionary of painters, engravers, sculptors, and architects, from ancient to modern times; with the monograms, ciphers, and marks used by distinguished artists to certify their works". G.P. Putnam & Co., N.Y. 1853: Matteo da Siena
  2. Martyriumsszenen von Niccolò Circignani (wga.hu; englisch) abgerufen am 26. April 2013

41.88458333333312.49675Koordinaten: 41° 53′ 4″ N, 12° 29′ 48″ O