Santok

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Santok
Wappen von Santok
Santok (Polen)
Santok
Santok
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Landkreis: Gorzów Wielkopolski
Geographische Lage: 52° 44′ N, 15° 25′ O52.73333333333315.416666666667Koordinaten: 52° 44′ 0″ N, 15° 25′ 0″ O
Einwohner: 780
Postleitzahl: 66-431
Telefonvorwahl: (+48) 95
Kfz-Kennzeichen: FGW
Wirtschaft und Verkehr
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Posen-Ławica
Gemeinde
Gemeindeart: Landgemeinde
Fläche: 168,30 km²
Einwohner: 8118
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 48 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0801062
Verwaltung (Stand: 2010)
Gemeindevorsteher: Stanisław Chudzik
Adresse: ul. Gorzowska 59
66-431 Santok
Webpräsenz: www.santok.pl

Santok ['santɔk] (deutsch Zantoch) war im Mittelalter ein wichtiger Burgort, ist aber heute ein Dorf in Polen in der Woiwodschaft Lebus. Die Gmina Santok ist eine Landgemeinde, die ihren Sitz in Santok hat.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Das Dorf liegt etwa zehn Kilometer östlich der Hauptstadt des Powiats Gorzów Wielkopolski (deutsch: Landsberg an der Warthe).

Geschichte[Bearbeiten]

Entwicklung bis zur deutschen Ostsiedlung[Bearbeiten]

Archäologische Spuren deuten auf eine Siedlung bereits während der Römerzeit hin. Eine befestigte Siedlung wurde Ende des 7. Jahrhunderts am Zusammenfluss der Netze und der Warthe errichtet. Ende des 9., Anfang des 10. Jahrhunderts wurde um den Ort ein Wall aus Erde und Holz errichtet. 965 wurde der Ort durch ein Feuer vollständig vernichtet, danach, wahrscheinlich unter Fürst Boleslaw Chrobry, wieder aufgebaut. Das Schicksal der völligen Zerstörung wiederholte sich vom 7. bis zum 15. Jahrhundert viele Male. Archäologen konnten Schichten von zwölf früheren Siedlungen entdecken. Santok hatte im 10. Jahrhundert einen beachtlichen Durchmesser von etwa 200 Metern. Im 11. Jahrhundert wurde innerhalb der Siedlung eine Schutzburg errichtet, die im 14. Jahrhundert durch einen Burgturm von 10x10 Meter Grundfläche ersetzt wurde.

Erste urkundliche Erwähnungen stammen aus dem Ende des 11. und Anfang des 12. Jahrhunderts. Aus der Chronik des Gallus Anonymus geht dabei hervor, dass es Ende des 11. Jahrhunderts zwei Orte an der Stelle gab, einen polnischen direkt an der Flussgabelung und einen pommerschen am Nordufer der Warthe auf dem sogenannten Schlossberg. Auf diesem ist heute ein Aussichtsturm zu finden. In der Chronik wird Santok mit der Bezeichnung clavem et terris custodiam (Wachturm und Schlüssel des polnischen Königreichs) eine hohe Bedeutung zugemessen. Die deutsche Ostsiedlung (Neumark) erreichte das Gebiet von Zantoch/Santok im 13. Jahrhundert.

1234 bis 1296: Wechselnde Zugehörigkeit des Ortes[Bearbeiten]

Anfang des 13. Jahrhunderts gehörte der Ort zu großpolnischen, ab 1234 zu schlesischen und ab 1247 wieder zu großpolnischen Piasten-Fürstentümern. 1251 wurde Santok vom pommerschen Herzog Barnim angegriffen, der die Stadt aber nicht erobern konnte. Daher errichtete er auf der anderen Seite der Warthe eine neue Siedlung. Mitte des 13. Jahrhunderts interessierten sich die Markgrafen von Brandenburg für Santok und stellten Ansprüche. Diese wurden durch die Vermählung der Tochter des Fürsten von Großpolen Konstanze mit Konrad, dem Sohn des Markgrafen Johann I., im Jahr 1260 in Santok gefestigt. Die Kastellanei Santok ging als Mitgift an Brandenburg. Der geschlossene Frieden war aber sehr brüchig, sodass es zum Krieg kam und der Ort abermals 1278 den Besitzer wechselte. Als der polnische König Przemysl II. 1296 starb, eroberten die Brandenburger den Ort zurück.

1296 bis 1945: Teil Brandenburgs[Bearbeiten]

Santok mit Mündung der Netze in die Warthe
Naturschutzgebiet Santockie Zakole

Mit einer kurzen Unterbrechung in den Jahren 1365 bis 1370 (Tod von König Kasimir III.) blieb Zantoch seit 1296 brandenburgisch. Um ihre Ansprüche auf den Ort deutlich zu machen, ernannten die Polen von 1370 bis zum Ende des 18. Jahrhunderts weiterhin einen Kastellan von Santok. Der Aufstieg des nahen Landsberg an der Warthe (poln.: Gorzów Wielkopolski) brachte einen Bedeutungsverlust für den Ort. Anfang Juni 1433 begann ein Einfall der Hussiten und Polen in die Neumark, am 4. Juni wurde Zantoch eingenommen, Landsberg wurde vom 9. bis 15. Juni belagert, die weitere Umgebung beider Orte wurde verwüstet.

Seit dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Durch die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz wurde die Neumark im Sommer 1945 polnischer Verwaltung unterstellt, faktisch hatte diese Verwaltung bereits im Frühjahr 1945 begonnen.

Bei einer Verwaltungsreform wurde das Dorf 1975 Teil der Wojewodschaft Gorzów. Nach deren Auflösung war Santok ab 1999 Teil der Wojewodschaft Lebus.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • das historische Museum
  • der Kirchturm aus dem 18. Jahrhundert
  • das Naturschutzgebiet Zdroisker Buchen

Gemeinde[Bearbeiten]

Die Landgemeinde Santok besteht aus folgenden Ortschaften:

  • Baranowice (Annenaue)
  • Czechów (Zechow)
  • Gralewo (Gralow)
  • Górki (bis 1805 Prinzla, 1805-1945 Bergkolonie)
  • Janczewo (Jahnsfelde)
  • Jastrzębnik (Christophswalde)
  • Lipki Małe (Lipkeschbruch)
  • Lipki Wielkie (Lipke)
  • Ludzisławice (Louisenaue)
  • Mąkoszyce (Marienwiese)
  • Nowe Polichno (Pollychener Holländer)
  • Płomykowo
  • Stare Polichno (Pollychen)
  • Wawrów (Lorenzdorf)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch das Dorf verläuft die Wojewodschaftsstraße 158 von Krzyż Wielkopolski nach Gorzów Wielkopolski sowie die Eisenbahnstrecke von Küstrin nach Krzyż Wielkopolski.

Eisenbahn-Unfälle von Zantoch[Bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg errang Zantoch traurige Berühmtheit durch zwei schwere Eisenbahn-Unfälle. Am 8. Oktober 1916 verlor die einem vollbesetzten Militärzug vorgespannte Lokomotive "1101" das innere Kurbellager, der Zug blieb auf freier Strecke liegen und wurde vom nachfolgenden D24 Warschau-Bromberg-Berlin gerammt, weil der Fahrdienstleiter von Jahnsfelde übermüdet eingenickt war und nicht zurückgeblockt hatte. Am 30. Juli 1918 brach zwischen Gurkow und Zantoch die Kolbenstange einer Güterzug-Lokomotive, der freilaufende Zylinderkolben bohrte sich ins benachbarte Gleisbett und hebelte dieses aus. Der passierende D22 von Brest-Litowsk nach Berlin entgleiste und fiel gegen den Güterzug. 42 Personen kommen ums Leben davon 21 allein im Speisewagen; 21 werden schwer und vier leicht verletzt.


Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Albert Brackmann, Wilhelm Unverzagt (Hrsg.): Zantoch. Eine Burg im deutschen Osten. Band 1: Zantoch in der schriftlichen Überlieferung und die Ausgrabungen 1932/33. Hirzel, Leipzig 1936 (Deutschland und der Osten 1).
  • Hubert Fehr: Prehistoric archaeology and German. Ostforschung. The case of the excavations at Zantoch. In: Archaeologia Polona. 42, 2004, ISSN 0066-5924, S. 197–228.
  • Erich Kittel: Zantoch als Grenzburg und Netzepaß zur Johanniter- und Deutschen Ordenszeit. Ein Beitrag zur Geschichte des Ostmarkischen Grenzkampfes. In: Forschungen zur brandenburgischen und preußischen Geschichte. 46, 1934, ISSN 0934-1234, S. 1–27.
  • Erich Kittel: Zantoch und Quartschen in den Bezeichnungen der Johanniter und des Deutschen Ordens in der Neumark. In: Die Neumark. Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Neumark. 10, 1933, ZDB-ID 500752-5, S. 3–13.
  • Paul Niessen: Die Burg Zantoch und ihre Geschichte. In: Schriften des Vereins für Geschichte der Neumark. 2, 1894, ZDB-ID 500750-1, S. 13–61.
  • Dariusz Rymar: Santok. In: Trakt Warta Odra. Gesellschaftlich-kulturelle Zeitschrift. November 1995, ISSN 1507-0352, S. 8–9.
  • Erich Preuß: Eisenbahnunfälle in Europa - Tatsachen, Berichte, Protokolle, Berlin 1995, ISBN 3-344-70716-7, S.131-133

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Santok – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 8. Dezember 2014.