Santos-Dumont Demoiselle

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Santos-Dumont Demoiselle
Santos-Dumont „Demoiselle“, 1908
Typ: Sportflugzeug
Entwurfsland: BrasilienBrasilien Brasilien
FrankreichFrankreich Frankreich
Hersteller: Alberto Santos Dumont
Erstflug: 16. November 1907
Indienststellung: 1907
Produktionszeit: 1908 bis ???
Stückzahl: ca. 15
Alberto Santos Dumont mit seiner verstauten Demoiselle
Santos-Dumont beim Flug mit der Demoiselle über Paris 1909
Santos-Dumont Demoiselle No. 20 in Tampere, Finnland

Die Santos-Dumont Demoiselle (frz. demoiselle „Libelle“) war die letzte Entwicklung des brasilianischen Luftfahrtpioniers Alberto Santos Dumont. Sie war das erste in Kleinserie produzierte Sportflugzeug der Welt. Den ursprünglichen Typ Demoiselle Nr. 19 entwickelte Santos-Dumont mehrmals bis zum Typ Nr. 22 weiter.

Geschichte[Bearbeiten]

Alberto Santos Dumont erhoffte sich mit seinem Leichtflugzeug Nr. 19 den Grand Prix d´Aviation (1 km Flug) von Henry Deutsch und Ernest Archdeacon zu erobern, scheiterte aber. Am 21. November 1907 flog er mit seiner Nr. 19 122 Meter weit. Den Preis gewann schließlich Henri Farman am 13. Januar 1908.

Die erste belgische Pilotin Hélène Dutrieu erlernte 1908 auf einer Demoiselle das Fliegen. Ihre ersten Flugversuche ohne Flugschein endeten damals allerdings in einer Bruchlandung. Der letzte Flug von Alberto Santos Dumont endete am 4. Januar 1910 ebenfalls mit einem Unfall einer Demoiselle, über den er nie redete. Das spätere französische Fliegerass im Ersten Weltkrieg Roland Garros flog die Maschine 1910 im Belmont Park in New York.

Santos-Dumont verteilte die Bauzeichnungen der Demoiselle kostenlos, so dass es eine ganze Reihe Nachbauten gab. Die finnische Demoiselle Tampereella vom Typ Nr. 20 von 1910 war so ein Modell. Im Juni und Juli 1911 wurde Santos-Dumont im Magazin Popular Mechanics für die Entwicklung der Nr. 20 und Nr. 21 gewürdigt.

Konstruktion[Bearbeiten]

Das Leichtflugzeug Nr. 19 war 7,90 Meter lang und hatte eine Spannweite von 5,50 Meter. Das aus Bambus hergestellte Flugzeug wurde von einem 13 kW (18 PS) starken Duthiel-Chalmers-Motor angetrieben. Der Motor war trocken nur 24,5 kg schwer und befand sich über dem Kopf des Piloten. Der Motor wurde in den späteren Varianten tiefer vor den Piloten gesetzt. Insgesamt wog das Flugzeug nur 110 kg. Gesteuert wurde die Demoiselle hauptsächlich mit dem Heckleitwerk und über Tragflächenverwindungen. Der Pilot saß unter dem Motor zwischen dem zweirädrigen Fahrwerk.

Weiterentwicklung und Rekorde[Bearbeiten]

Da die Leistung der Demoiselle zu gering war, ersetzte Santos Dumont 1909 den Motor durch einen 35 PS Darracq-Motor und nannte die Maschine jetzt Nr. 20; weitere Modifikationen führten zu den Typen Nr. 21 und Nr. 22. Der Typ Nr. 22 hatte einen etwas größere Spannweite und einen 40 PS wassergekühlten Clément-Bayard-Motor. Sie hatte eine außerordentliche Leistungsfähigkeit für die damalige Zeit. Sie flog bis zu 110 km/h schnell und brauchte nur 200 m zum Abheben. Im September 1909 erreichte die Demoiselle mehrere Flugrekorde, wie z.B. einen Flug über 18 km in 16 Minuten.

Serienfertigung[Bearbeiten]

In der Automanufaktur Clément-Bayard in Frankreich wurden die Maschinen in einer kleinen Serie gebaut, von denen angeblich 15 Exemplare verkauft wurden. Die Maschine konnte innerhalb von 15 Tagen fertig produziert werden. In Europa kosteten die Maschinen mit Motor 7500 Francs. Der Erfinder Tom Hamilton baute sie in der Hamilton Aero Manufacturing in den USA und verkaufte sie ohne Motor für 250 $, die Chicago Company bot sie komplett für 1.000 $ an.

Museumsflugzeug[Bearbeiten]

Ein Nachbau der Demoiselle No. 20 steht im Museu Aeronáutico in Rio de Janeiro.

Technische Daten[Bearbeiten]

Santos-Dumont Demoiselle No. 20:
Kenngröße Daten
Länge    8,00 m
Flügelspannweite    5,10 m
Tragflügelfläche    10,2 m²
Höhe    2,40 m
Antrieb    Ein Dutheil-Chalmers (Darracq) 2-Zylinder-Boxermotor mit 35 PS
Höchstgeschwindigkeit    90 km/h
Besatzung    ein Pilot
Flugdauer    20 - 30 Minuten
Dienstgipfelhöhe    k.A.
Leergewicht    110 kg
Fluggewicht    143 kg

Flugfähiges Replikat[Bearbeiten]

Ein flugfähiges Replikat der Demoiselle wurde im August 2013 auf dem Flugplatz Lilienthal in Lachen-Speyerdorf vorgeführt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Demoiselle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien