Saporoshez (Automarke)

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Der Saporoshez (ukrainisch Запорожець, russisch ЗапорожецSaporoschez, „der aus Saporischschja“) war eine Automobil-Baureihe des sowjetischen, heute ukrainischen Herstellers Saporisky Awtomobilebudiwny Sawod (SAS), welche von 1960 bis 1994 hergestellt wurde. Umgangssprachlich wurden die Fahrzeuge in Deutschland meist Saporosch oder einfach Sapo genannt. In den westeuropäischen Ländern wurde Saporoshez unter den Exportnamen Yalta/Jalta, Eliette und ZAZ verkauft.

Modelle[Bearbeiten]

SAS 965[Bearbeiten]

Hauptartikel: SAS 965

Das Modell SAS 965/965A wurde zwischen 1960 und 1969 gebaut. Es besaß eine selbsttragende Karosserie, deren Design dem Fiat 600 ähnelte. Angetrieben wurde der Wagen von einem im Heck montierten luftgekühlten V4-Motor mit 746 cm³ Hubraum. Dieser zum Teil aus Aluminium gefertigte Motor leistete 23 PS. Das Grundmodell verließ zwischen 1960 und 1963, die verbesserte, mit einem größeren und leistungsstärkeren Motor versehene Version SAS 965A zwischen 1962 und 1969 die Fließbänder – letztere kann man u. a. an den veränderten Lufteinlässen und einem neu gestalteten Logo erkennen. Aufgrund seiner ungewöhnlichen Form bekam der SAS 965/965A in der Sowjetunion den Spitznamen „der Bucklige“. Beide Typen hatten sogenannte Selbstmördertüren.

SAS 966[Bearbeiten]

Hauptartikel: SAS 966

Das Modell SAS 966 wurde zwischen 1966 und 1972 gebaut, seine knapp 3,80 m lange Karosserie ähnelte nun dem NSU Prinz 4, Technik und Motor wurden zunächst nur geringfügig angepasst (Übergangsmodell SAS 966W, kyrillisch: ЗАЗ-966В). 1967 bekam SAS 966 einen neuen 1197 cm³ großen V4-Motor mit 40 PS (MeMZ-968).

SAS 968[Bearbeiten]

Hauptartikel: SAS 968

1971 wurde SAS 966 durch das technisch überarbeitete Modell SAS 968 abgelöst. Die Karosserie blieb bis auf kleine Details wie zusätzliche Leuchten unverändert. Nach weiteren Modernisierungen kam 1973 ein neueres Modell SAS 968A ohne Chromgrill, welches bis 1979 produziert wurde. Ausgestattet wurden diese Fahrzeuge mit 40- und 45-PS-Motoren.

SAS 968M[Bearbeiten]

Hauptartikel: SAS 968M

Von 1979 bis zur Produktionseinstellung 1994 wurde das etwas modernisierte Modell SAS 968M gebaut. Durch Verwendung von Plastikteilen konnte das Fahrzeuggewicht um 40 kg reduziert werden. Abgelöst wurde der SAS 968M durch den seit 1987 hergestellten SAS 1102 Tavria, eine Kombilimousine mit Vorderradantrieb und wassergekühltem Frontmotor.

Insgesamt liefen in den Jahren 1960–1994 3.422.444 Autos vom Band.

Export[Bearbeiten]

Der Saporoshez wurde seit den sechziger Jahren in Belgien unter der Bezeichnung Yalta, in den Niederlanden, Dänemark und FinnlandJalta, in ÖsterreichEliette und in einigen westeuropäischen Ländern (u. a. Belgien, Niederlande, Italien) später als ZAZ angeboten. Für die meisten Exportmärkte wurde jedoch der Originalname beibehalten und dessen Schreibweise an die jeweilige Landessprache angepasst. Wie der Moskwitsch wurde der SAS 966 zeitweise auch in Belgien als Yalta 1000 montiert, ein Teil der dort hergestellten Wagen wurde mit dem Motor des Renault 8 ausgestattet.

Import nach Deutschland[Bearbeiten]

Der Import in die DDR begann 1967. Geliefert wurden die Modelle 965A, 966, 968 und 968A. Der Verkaufspreis lag bei 7530,– Mark für den SAS 965A und 11.950,– für die SAS 966/968. Obwohl der Saporoshez ohne lange Wartezeit verfügbar war, konnte er dem Trabant nur schwer Konkurrenz machen. Neben dem viel zu kleinen Kofferraum im Bug stießen die Modelle gestaltungsseitig auf wenig Gegenliebe. Die Verarbeitungsqualität war schlecht, mitunter mussten bereits Neufahrzeuge in der Werkstatt instandgesetzt werden. Die Saporoshez hatten den Ruf, besonders störanfällig zu sein, weil der luftgekühlte Heckmotor zum Überhitzen neigte und auch die Benzinheizung als nicht betriebssicher galt. In Bezug auf die Motorleistung war der Saporoshez 968A dem Trabant jedoch überlegen. Die Geräuschkulisse war zwar auch hoch, wurde jedoch wegen der niedrigeren Frequenzen gegenüber dem Trabant angenehmer empfunden. Die Vorzüge seines Fahrwerkes konnte er auf schlechten Wegstrecken ausspielen.

In den 1970er Jahren erreichte der Saporoshez einen Anteil von drei bis vier Prozent am Pkw-Bestand der DDR. 1979 wurde der Import eingestellt. Noch zu DDR-Zeiten verabschiedete sich der Saporoshez recht zügig aus dem Straßenbild. Der Saporoshez ist inzwischen selbst im Heimatland Ukraine selten geworden. Der in Details verbesserte ebenfalls luftgekühlte 968M wurde nicht in die DDR importiert.

Spitznamen[Bearbeiten]

Der Ruf des Saporoshez wird in den damaligen Kosenamen erkennbar: „Zappelfrosch“[1], „Sabberfrosch“, „Soljankaschüssel“, „Chruschtschows Rache“, „Kremlwanze“, „T-34 Sport“, „Kolchosentraktor“ oder „Taigatrommel“, wobei einige dieser Namen auch für andere Gefährte aus der UdSSR verwendet wurden. Zudem bekannt war in der DDR der Spruch: „Wer früher einen Ochsen (einen Esel, eine Ziege...) drosch, fährt heute einen Saporosch“. Gemeint waren damit LPG-Bauern, die, verglichen mit Stadtbewohnern, deutlich häufiger einen Saporoshez kauften. Im russischen Sprachraum wurde das Auto unter anderem kurz „Запор“ (Sapor) genannt, was bezeichnenderweise gleichbedeutend mit „Verriegelung“, aber auch „Verstopfung“ ist.[2]

Technische Daten[Bearbeiten]

SAS 965 SAS 965A SAS 966W SAS 966 SAS 968 SAS 968A SAS 968M
Bauzeitraum 1960–1963 1962–1965 1966–1969 1966-1967 1967–1972 1971–1973 1973–1979 1979–1994
Motor-Kennbuchstaben MeMZ-965 MeMZ-966 MeMZ-966A MeMZ-968 MeMZ-968
MeMZ-968A
МeМZ-968E, MeMZ-968GE, MeMZ-968BE
Motorbauart und
Zylinderanzahl
Luftgekühlter Viertakt-Vergaser-V4-Ottomotor, Anordnung längs im Heck
Ventile 8 (hängend)
Hubraum 746 cm³ 887 cm³ 1.196–1.197 cm³ 1.197 cm³
max. Leistung
bei 1/min
23 PS
4000
27 PS
4000
30 PS
4000–4200
27–30 PS
4200–4400
40 PS
4200–4400
40 PS (4200–4400)
45 PS (4400–4600)
41 PS, 45 PS, 50 PS
4400–4500
Antrieb, serienmäßig Heck
Getriebe, serienmäßig 4-Gang-Schaltgetriebe
Höchstgeschwindigkeit, km/h 80 90 100 100 118 118
123
120
Beschleunigung,
0–100 km/h in s
17 (0–60 km/h) 13,5 (0–60 km/h) 34 32 32
Kraftstoffverbrauch
in l/100 km
6,5 5,5 5,5 5,9 7,9 (bei 100 km/h) 7,4 6,5 (bei 100 km/h)
9,5 (im Stadtverkehr)
Abgasnorm nach
EU-Klassifikation
keine

Literatur[Bearbeiten]

  •  Volksfiatowitsch. In: Der Spiegel. Nr. 30, 1960 (20. Juli 1960, über das Erstmodell und seine Vorbilder VW und FIAT 600, online).
  •  Hein Werner: Ich fahre einen Saporoshez. Typ 965A, 966, 968, 968A. 4., bearbeitete Auflage. transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1979, DNB 800134826.
  •  Michael Birken: Stalins letzte Rache. Abenteuerlicher Roman. Fuchsbau Verlag, 2001, ISBN 3-8311-1266-5, DNB 961544023 (Eine Reise mit dem Saporoshez durch die DDR).
  •  Nasur Yurushbaev, Jefim Replijansky: Saporoshez. Gebaut von 1960-1994. Vom Brötchenholer zum T 34 Sport. Fahrzeuge des Ostens. UAP Video, Leipzig 2013, ISBN 4250015785850 (DVD, 45 min).
  •  Bernard Vermeylen: Autos aus dem Ostblock: Alle Modelle seit 1945. Delius Klasing, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-7688-3149-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Benno Weiß: Plauen, Morgenbergstraße. Eine deutsch-deutsche Chronik. Books on Demand, Norderstedt 2005, ISBN 3-8334-2980-1, S. 25.
  2. Vgl.: Ausländische Autos in Russland, abgerufen am 1. Februar 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: SAS Saporoshez – Sammlung von Bildern